Bargeldverbot: Die Geschichte vor der Geschichte

Die Einschränkung des Bargeldverkehrs ist erst der Anfang. Es ist gleichzeitig die Flucht nach vorne. Man packt auf das lodernde Feuer noch ein paar Holzscheite oben drauf. Mehr Feuer ist aber nicht der Ausweg aus der Überschuldungskrise.

SchaefflersFreisinn

Die von der Bundesregierung geplante Einschränkung des Bargeldverkehrs passt in ein großes Bild. Sie soll zwar vordergründig der Verbrechensbekämpfung dienen, denn Terroristen und ihre Schergen bezahlen meist bar und in großen Scheinen.

Doch das ist nur die Geschichte vor der Geschichte. Tatsächlich passt der Vorstoß Schäubles dazu, auf die wachsenden Unsicherheiten an den Finanzmärkten regulatorisch vorbereitet zu sein. Denn die Überschuldungskrise von Staaten und Banken in Europa und darüber hinaus ist längst nicht ausgestanden.

Seit dem Beginn der letzten Finanzkrise 2007/2008 ist die weltweite Verschuldung um über 40 Prozent auf nunmehr 200 Billionen US-Dollar angestiegen. Es gab noch nie so viel Kredit und damit Schulden auf dieser Welt. Wir befinden uns schon länger in einer Überschuldungskrise von Staaten und Banken, deren lokaler Focus nach wie vor auf dem Euro-Raum liegt.

“Bargeld untergräbt das Ansinnen der Regierungen”

In einem solchen Umfeld stört das Halten von Bargeld die Regierenden nur. Bargeld untergräbt das Ansinnen der Regierungen, die Lasten der Finanzkrise auf die Bürger überwälzen zu können. Und es verhindert, dass die Banken ein noch größeres Kreditrad drehen können.

Denn wenn das Bargeld eingeschränkt und dann ganz abgeschafft wird, besteht auch nicht mehr die Gefahr eines Bankruns. Der Bankrun ist die Apokalypse jeder Bank. Das hat seinen Grund: Die Summe allen Geldes, das in Umlauf ist, besteht nur zu einem geringen Teil aus Bargeld. Über 90 Prozent ist reines Buchgeld, das unter anderem auf Sparbüchern und Girokonten liegt.

Wollten alle Konteninhaber ihre Konten räumen und plötzlich ihr Buchgeld in Bargeld ausbezahlt bekommen, wären die Banken dazu nicht in der Lage. Das ist die Ursache wieso Banken dann „Ferien” machen, wie jüngst in Griechenland.

Die sogenannte Mindestreserve

Auch deshalb verpflichten die Notenbanken die Banken dazu, eine sogenannte Mindestreserve der Einlagen ihrer Kunden auf einem Konto der Notenbank zu halten. Je geringer der Mindestreservesatz, desto höher sind im Prinzip die Kreditvergabemöglichkeiten der Banken. Im Euro-Raum ist der Mindestreservesatz derzeit nur noch ein Prozent.

Bargeldverbot - das Scheitern der Euro-Retter
Bargeld-Verbot und Schmelz-Euro
Aktualisierte Fassung vom 17.02. - "Niemand will eine Obergrenze einführen, wie viel...
Aus 100 Euro Einlage eines Sparers bei seiner Bank, kann diese Bank einen Kredit über 99 Euro vergeben. Legt der neue Kreditnehmer dieses Geld vorübergehend auf sein Girokonto, dann kann seine Bank auf dieser Grundlage für 98,01 Euro einen neuen Kredit vergeben. Dies kann theoretisch unendlich fortgesetzt werden.

Wenn man die maximale Summe dieser Kredite ausrechnet, kommt ein Betrag von knapp 10.000 Euro heraus. Durch einmalig 100 Euro Bankeinlage bei einer Bank sind am Ende also rund 10.000 Euro neues Geld bei ganz vielen Banken entstanden. Wäre der Bankrun ausgeschlossen, weil es kein Bargeld mehr gibt, dann wäre auch ein Mindestreservesatz von einem Prozent obsolet.

Aus 100 Euro Einlage könnten dann nicht nur für 10.000 Euro neue Kredite und damit Geld geschaffen werden, sondern ein Vielfaches davon. Die Verschuldungspyramide könnte dadurch auf eine ganz neue Ebene gehoben werden.

Kein Ausweg aus der Überschuldungskrise

Die Einschränkung des Bargeldverkehrs ist erst der Anfang. Es ist gleichzeitig die Flucht nach vorne. Man packt auf das lodernde Feuer noch ein paar Holzscheite oben drauf. Mehr Feuer ist aber nicht der Ausweg aus der Überschuldungskrise.

Im Gegenteil: gutes Geld braucht Vertrauen. Bargeld ist der in Münzen geschlagene Teil unserer Freiheit. Es zu verbieten, würde das Vertrauen in das Geld und damit in unsere freiheitliche Rechtsordnung zerstören.

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Kommentare {9}

  1. Das ist falsch. Wenn das so wäre, wäre alles schick.

    Mindestreservesatz
    Definition:

    Der Mindestreservesatz ist ein Standardwert, der von einer Zentralbank festgelegt wurde und der das Verhältnis der von Geschäftsbanken vorgehaltenen Geldmenge zu derjenigen, die sie verleihen dürfen, regulieren soll.

    Quelle:http://www.onpulson.de/lexikon/mindestreservesatz/

    Wenn der Mindestreservesatz ein Prozent ist, bedeutet das logischer Weise, dass bei einer Einlage von 100 Euro (vorgehaltene Geldmenge) daraus sofort 10 000 geschöpft und verliehen werden können. Dann nimmt das Spiel natürlich seinen Lauf wie oben beschrieben.
    Wenn man von 100 Euro Einlage nur 99 Euro verleihen dürfte, hätten wir einen Mindestreservesatz von über 100%.

  2. Das Banken zur Geldschöpfung zwangsläufig Einlagen brauchen ist ein Mythos.

    Es geht auch mit der obligatorischen Einlage bei der Entstehung der Bank. Alles weitere kann mit Krediten gehebelt werden. Kundeneinlagen werden von Banken nur gerne genommen wenn sie günstiger sind als EZB-Kredite.

    Giralgeld (d.h. Bankkontoguthaben) ist rechtlich im Gegensatz zu Scheinen und Münzen kein gesetzliches Zahlungsmittel. Bei einem Bargeldverbot würde man den Anleger faktisch enteignen. Ich glaube nicht dass das rechtlich möglich ist.

    Von den fachlichen Ungenauigkeiten abgesehen ist es ein guter Artikel. Weiter so.

  3. @ “…Aus 100 Euro Einlage eines Sparers bei seiner Bank, kann diese Bank einen Kredit über 99 Euro vergeben…”

    Leider nicht ganz korrekt: Die kreditgebende Bank benötigt oft weitaus weniger – und schon gar keine Spareinlagen – da sie sich (mind.) im Hebel 1:100 über die Zentralbank od. ihrer handverlesenen, untergeordneten Institute refinanzieren kann. Das Giralgeld wird per Knopfdruck quasi aus dem Nichts generiert – eben weil jemand einen Kredit aufgenommen hat und dieser schlägt bei der Bank sofort auf der Habenseite zu Buche…

    Reblogged auf: https://farsight3.wordpress.com/2016/02/14/8ung-14-2/

  4. Gutes Geld braucht einen adäquanten Realitätsbezung! Dazu gehört Vertrauen.
    Früher oder später werden wir uns mit Währungsbindungsfragen beschäftigen!
    Letztendlich kommt eine globale Währungsreform, um den Dollar als Leitwährung abzulösen!

  5. Weiss zufaellig jemand, wo man historische Mindestreservesaetze der Bundesbank nachschauen kann?

  6. Erinnert sich noch einer an das Vorhaben des Ex-Fussball-Profis Eric Cantona aus 2010? Er hatte einen Aufruf zu einer Art friedlichen Revolution gestartet, https://www.taz.de/!5131399/. Eine Wiederholung der damals ohne große Resonanz gebliebenen Aktion ist nach einem Bargeldverbot nicht mehr zu befürchten.

    Das grundsätzliche Problem, dass die Banken die einzigen Spieler im System sind, die selber Geld erschaffen können, besteht unverändert. Daran würde im bestehenden Falschgeldsystem nur eine Mindestreservequote von 100% etwas ändern.

    1. Guter Vorschlag! Wir muessen endlich etwas tun was ueber das Kommentare schreiben hinausgeht. Die meisten Online Medien haben die Kommentarfunktion schon stark eingeschraenkt. Wann wird das Kommentieren ganz abgeschaltet?

      Wann wird Herr Tichy aufgefordert, die “Hasskommentare” zu unterdruecken?

  7. Zitat: Bargeld untergräbt das Ansinnen der Regierungen, die Lasten der Finanzkrise auf die Bürger überwälzen zu können. (Zitatende).

    Verbrechens-, Steuerflucht-, Wirtschaftsdschihad- und Schwarzarbeitsbekämpfung sind nachvollziehbare Argumente.
    Aber inwiefern die Bargeldabschaffung die Vergemeinschaftung der EU-Schulden vereinfachen soll, erschließt sich mir nicht.

    Die Rettungsschirme, Bankenrettungen und Geldmengenexperimente (QE, ANFA) funktionieren doch auch so „alternativlos“ (No-Bailout, Maastricht sind schon lange „tot“, Gauweiler reitet seit Jahren vergebens gegen „Windräder“ vor dem Bundesverfassungsgesetz), und sind doch nicht an das Vorhandensein von Bargeld gebunden?

    Ein Tipp wie die „ersehnte“ Inflation wirklich angeheizt werden könnte:
    Die 62 reichsten Menschen der Erde tun sich zusammen, kaufen die „Welt-Getreideernte“ auf und verknappen das „Mehlangebot“ in den Industrieländern, bis der Laib Brot in der Bäckerei aufgrund von Angebot und Nachfrage bei 20EURO liegt.

    Dann werden sich die kleinen Sparvermögen schnell verflüchtigt haben.

    „Government-Shut-Down“ in Brüssel, der Dax macht ebenfalls „große Ferien“ und wenn der „privatisierte Schluck Leitungswasser“ auch noch bei 2 EURO liegt, wird sich die E-Mobil – Subventionierung auch erledigt haben.

  8. Die Gefahr eines Bankruns besteht auch ohne Bargeld, sogar noch viel stärker als früher.
    Man muss sich heutzutage nicht mehr am Schalter oder Automaten anstellen um sein Papiergeld vom Konto zu holen.
    Heute ist Geld digital, ein paar Klicks und das Geld ist auf einem anderen Konto, vielleicht in einer anderen Waehrung, oder landet binnen Sekunden als Aktie im Depot oder bei online-Goldhaendlern.