Eskalation in Bautzen – Was steckt dahinter?

Das war nichts für Herzschwache! Bluthochdruck pur bei Anne Will, die mit Jakob Augstein und Manuela Schwesig auch noch den gutmütigsten Zuschauer auf die Palme getrieben hat. Eine Horrorkomödie über Sachsen und Flüchtlinge.

Screenshot ARD

Wer pünktlich zur abendlichen Schwafelrunde eingeschaltet hatte, wurde von roten Rosen überrascht, die ein strahlender Sigmar Gabriel einem Herrn Müller-Berlin überreichte, weil Siggi der festen Überzeugung war, es gäbe einen Sieg zu feiern.

Die jüngsten Hochrechnungen der Berlin-Wahlen wurden eingeblendet, denen zufolge die SPD ein katastrophales Ergebnis eingefahren hatte. Die roten Rosen waren ein hübsches Symbol für: Siggi hat nicht verstanden.

Die beharrliche Realitätsverweigerung wurde nahtlos von und bei Anne Will fortgesetzt. Man muss sich das Paralleluniversum der Moderatorin ungefähr so vorstellen: Deutschlands Osten ist unter der Knute von Rechtsextremen, und Sachsen ist komplett Nazi. Natürlich ist sie nicht allein in ihrer Spiegelwelt, deshalb war es nicht schwer, passende Gäste einzuladen.

Von einem Parallel-Universum ins andere

Der arrogante Medienerbe Jakob Augstein, der wahrscheinlich weder mit Proleten, noch mit Flüchtlingen und schon gar nicht mit Sachsen persönlichen Umgang pflegt, wusste trotzdem genau, was in Bautzen passiert war: Zwanzig lieben, netten Flüchtlingen – meist Jugendliche – wurde von  80 Rechtsradikalen ganz fürchterlich Gewalt angetan. Und die Polizei hat versagt. Kein Wunder, denn Sachsens Polizei war – wie immer bei Nazis – kein Teil der Lösung, „sondern Teil des Problems“.

Wir geben unseren Senf dazu
Morgengrauen - Ausgangssperre für alle Sachsen
In derselben Weltsicht hat es sich seit je auch Manuela Schwesig nett eingerichtet. Hauptberuflich haut sie Millionen raus, damit alte Stasi-Mitarbeiter genügend Mittel in der Hand haben, um Andersdenkende zu verfolgen. Dabei steht an der Tür ihrer Arbeitsstätte irgendwas mit „Ministerin für Familie, Jugend und so Sachen“. Allein das hätte ihr Dasein in der Sendung gerechtfertigt. Denn im Mittelpunkt der Vorfälle von Bautzen standen Unbegleitete Minderjährige Flüchtlinge (UMF).

Wir wollen die Vorgänge grob skizzieren: Krawall zwischen zwanzig männlichen Flüchtlingen am Kornmarkt in Bautzen und ca. 80 Nicht-Flüchtlingen, Männer und Frauen. Am Ende Polizeiautos zerstört. Vier Flüchtlinge werden in andere Heime verlegt, die anderen erhalten Alkoholverbot und Ausgangssperre ab 19:00 Uhr. Aber nur für kurze Zeit.

Für Frau Will ein Sieg der Rechtsradikalen, denn die dürfen weiter Alkohol trinken und abends raus. Hier hätte die Jugendministerin anmerken können, dass der Ausschank von Alkohol an Jugendliche in Deutschland verboten ist, aber wahrscheinlich wusste sie das nicht.

Hätten nur Will, Augstein und Schwesig in der Runde gesessen, wäre dieser Text nie erschienen – der Autor ist kein Psychologe, und den Dreien ist eh nicht zu helfen. Das Fass zum Überlaufen hätte dann noch ein „Forscher“ aus dem Paralleluniversum gebracht, den wir an dieser Stelle als „Lichterketten“-Jaschke einführen wollen.

Wer das Naheliegende tut, muss sich rechtfertigen

Nein, wir haben es nur geschafft, die Sendung zu überstehen, weil zwei Normale in der Runde saßen: Alexander Ahrens, parteilos, und Michael Kretschmer, CDU. Ersterer ist Oberbürgermeister in Bautzen. Unaufgeregt, sachlich und ohne Polemik schilderte Ahrens die Situation. Er gibt sich die Schuld, die Vorgeschichte der Ereignisse falsch eingeschätzt und daher die Eskalation nicht vorhergesehen zu haben.

Ungefähr 70 Mal musste die Polizei in den Wochen zuvor wegen UMFs ausrücken. Wegen „niederschwelliger“ Taten wie „Ruhestörung“. „Dinge, über die sich in Berlin-Neukölln niemand aufgeregt hätte.“ Der gebürtige Berliner Ahrens, der sich als „links“ beschreibt, räumte auch mit dem Märchen auf, Bautzen sei „ein rechtes Nest“, sonst „wäre ich wohl kaum gewählt worden“.

Jedenfalls scheint er ein Mann zu sein, der sich nicht scheut, dahin zu gehen, wo es weh tun kann. So sieht man ihn in einem Einspieler beim Versuch, aufgebrachte Bautzner zu beruhigen (Man stelle sich nur einmal kurz Justiz-Heiko in einer solchen Situation vor). Kein Wunder, dass der Mann in der Stadt respektiert wird.

Auf die Frage aus der Medien-Mottenkiste „Was tun Sie für Flüchtlinge?“ antwortete Ahrens: „Gar nichts. Ich tue was für Bautzner. Ob die schon länger hier wohnen oder neu angekommen sind, ist mir egal.“

Für die sächsische CDU saß Michael Kretschmer in der Runde, den man sich vielleicht für die Post-Merkel-Phase der Union merken sollte. Kein Fakten-Verdrehen, kein Tatsachen-Verleugnen wie bei den Großkopferten seiner Partei. Kein Maskenball mit Jakobinermütze und roter Schärpe, wie er von Altmeier und Co. gefeiert wird.

Einfach klare Kante: „Die jugendlichen Flüchtlinge sind nicht zu vergleichen mit deutschen 16-Jährigen.“ „Der Ort der Auseinandersetzungen von Bautzen war wochenlang eine Art No-Go-Area.“ „Wir hätten rechtzeitig gegen die Flüchtlinge vorgehen müssen, die sich nicht benehmen können.“ Quintessenz: Nur wenn sich auch die Flüchtlinge an die Spielregeln halten – und im anderen Fall bestraft und/oder abgeschoben werden – dann „schaffen wir das.“

Was macht Hans-Gerd Jaschke beruflich? Er ist „Extremismus-Forscher“. Wahrscheinlich kann sich heutzutage jedes Kind etwas darunter vorstellen, die Branche hat Hochkonjunktur. Keine Tagesschau ohne solche Vertreter der Erklärung von „Pack“.

Kein Ministerium, das sich nicht mindestens zehn von der Sorte leistet.

Deswegen können wir auf seine Ausführungen locker verzichten. Eine wollen wir aber noch mitnehmen. Jaschke erwartet von der „Zivilgesellschaft“ in Bautzen eine „Lichterkette gegen Rechts“. Vielleicht sollte er mit Augstein, Will und Schwesig eine Kerze in Hand nehmen. Und irgendein Udo singt dazu. Gegen rechts und für Freibier für UMFs.

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Kommentare

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  • Manorainjan

    Wer über den Pfusch anderer Leute herzieht, sollte ich selber keinen leisten.
    Das Beitragsbild ist aber Pfusch.
    Nicht mir, dass der Screenshot noch die Bedienelemente des Players zeigt, anstelle ein einwandfreier Vollbild-Screenshot zu sein, auch inhaltlich einfach ein x-beliebiger Ausschnitt, der lediglich 2 der 5 Gäste zeigt.
    RP-Online hat es ja auch geschafft, ein vernünftiges Bild einzustellen:
    http://bc02.rp-online.de/polopoly_fs/1.6269132.1474258415!httpImage/2857058138.jpg_gen/derivatives/d950x950/2857058138.jpg
    Ohne Player-Artefakte und dafür mit allen Teilnehmern erkennbar im Bild.
    Und eine Verlinkung in die ARD-Mediathek fehlt ebenso.
    Will man Überprüfungen am Original erschweren?
    Sollte diese Seite nicht dazu dienen, sich eine eigene Meinung zu bilden?
    Den Eindruck bekommt man nicht gerade, wenn behauptet wird:
    „Deswegen können wir auf seine Ausführungen locker verzichten.“
    Wo ist da der Unterschied zu der Haltung, sich mit (rechts)Extremen nicht unterhalten zu wollen, den Dialog zu verweigern, weil man ja wüsste, dass sie eine extrem andere Meinung vertreten?

    Wer genau hinhört, findet auch unter den Ausführungen von Hans-Gerd Jaschke so einiges durchaus bedenkenswertes. Sein Plädoyer für Vorbeugung mehr Mittel zur Verfügung zustellen, obwohl deren Ergebnisse schwerer messbar sind, als die Ergebnisse von repressiven Maßnahmen, ist eine dieser Ausführungen.
    Will man das hier nicht hören? Will man hier einseitig der Repression das Wort reden?

  • Christine Paulus

    Ich habe das gesehen und war zu tiefst schockiert!!! Man dreht alles so hin wie man es braucht….jetzt waren die Migranten die das ganze angefangen hatte die Opfer und die bösen Rechten die Täter…..armes Land! …das schlimmste Anne Will ist eigentlich untragbar da sie immer nur in eine Richtung argumentiert ….ich werde mir solche Sendungen in Zukunft sparen!

  • Cornelius Angermann

    Jakob Augstein ist der beste Beweis für die (übrigens linke) These, dass Intelligenz nicht vererbt wird. Er ist gleichzeitig auch die Widerlegung der (übrigens auch linken) These, dass Intelligenz durch Erziehung entsteht.

    Augsteins Vater (nein, nicht Rudolph Augstein, sondern der leibliche, Martin Walser) würde sich, wenn er denn schon gestorben wäre, angesichts des Tenors seiner Rede anlässlich der Verleihung des Friedenspreises des deutschen Buchhandels am 11. Oktober 1998 in der Frankfurter Paulskirche im Grabe umdrehen, wenn er seinem Jaköble zuhören müsste. Der Ziehvater wird froh sein, dass das nicht die Frucht SEINER Lenden ist.

  • H. Schinkel

    In der Sendung wurde noch von einem vollbärtigen minderjährigen „Flüchtling“ erklärt, das eine deutsche Frau gesagt hätte, Schwarze hätten in Deutschland nichts zu suchen. Zum Beweis gab es ein Handyvideo in dem die besagte Frau beleidigt wurde. Das Video hat mir eine ganz andere Botschaft vermittelt. Und zwar das die „Flüchtlinge“ zu recht einen auf die Mütze bekommen haben.

    Respekt an die Bautzener das sie sich das nicht mehr gefallen lassen.

  • AlfredE

    Die SPD hat für Heute eine Lichterketten-Aktion gegen herum lungernde, besoffene, pöbelnde und Polizisten verprügelnde Jugendliche ausgerufen.

    Nein, es sind nicht diese s.g. Minderjährigen gemeint ………jedenfalls nicht von der SPD aus ……..

  • Seneca

    Man darf auf die kommenden Steigerungsformen gespannt sein. Ein normaler Prozess, da keine Lösung der tatsächlichen Probleme angestrebt wird. Diese könnte nur aus einer raschen und wirksamen Rückführung bestehen. Hat aber diese Politik hierfür überhaupt konzeptionell die Kraft ? Nein, weshalb man entweder weiter die völlig veränderten Lebenswirklichkeiten der Deutschen weiter leugnen wird oder aber den Kopf in den Sand steckt oder wahlweise eines von beiden abwechselnd. Genau in diesem Modus steckt Berlin fest. Zeitgleich türmen sich die Risiken und Gefahren weiter auf. Rezept für den Bürgerkrieg.

  • Exilaugsburger

    Kommentar von gestern nicht freigeschaltet.
    Warum?

    • Fritz Goergen

      Wird ein Kommentar nicht freigeschaltet, entsprach er den Regeln nicht.

  • Heinrich Rabe

    Nennen wir das Kind doch beim Namen. Solche Sendungen sind: Propaganda. Die absichtsvolle, andauernde Wiederholung von sachlich falschen oder unvollständigen Aussagen, mit fehlendem, unvollständigem oder verzerrtem Kontext, durch verschiedene Personen und Medien, mit dem Ziel, bei der Zielgruppe eine bestimmte Haltung oder Meinung zu erzeugen und gegen kritisches Hinterfragen zu immunisieren. Der Unterschied zu reiner Nachlässigkeit in der Berichterstattung: Propaganda wird von Menschen betrieben, die die Unkorrektheit oder Unvollständigkeit ihrer Darstellung kennen und absichtlich verschweigen.