Auch im zweiten Quartal waren Zentralbanken weltweit auf der Käuferseite am Goldmarkt zu finden. Angesichts steigender Staatsschulden und drohender Geldentwertung erleben wir ein Wettrennen gegen die Zeit und gegen ein inhärent instabiles Geldsystem. Zentralbanker versuchen, sich vor dem eigenen Fiat-Geld zu schützen.
IMAGO / Sven Simon
Der 5. August war ein besonderer Tag am Edelmetallmarkt: Der Goldpreis schoss in der Spitze um über 4,5 Prozent nach oben und könnte nach Monaten der Konsolidierung in ein neues, positives Marktumfeld zurückkehren. Auch die südkoreanische Zentralbank meldete eine strategische Neuausrichtung bei den Edelmetallen.
Die Bank of Korea kauft bereits über Gold-ETFs zu und bereitet parallel den ersten physischen Zukauf im eigenen Land seit 13 Jahren vor. Bislang lagern die gesamten Reserven von 104,4 Tonnen bei der Bank of England in London; künftig sollen die Lagerorte diversifiziert werden. Die Zentralbank begründet ihre Entscheidung mit wachsenden geopolitischen Risiken, gegen die sie die eigenen Devisenreserven schützen wolle.
Gold soll künftig nicht nur erworben, sondern dauerhaft gehortet werden – eine Nuance mit weitreichender Bedeutung, da sie auf einen Paradigmenwechsel der Geldpolitik verweist.
Die Südkoreaner sind nur das jüngste Mitglied im rasch wachsenden Gold-Fanclub unter den Zentralbanken. Sie alle stehen vor der Herkulesaufgabe, das eigene Produkt – ungedecktes Kreditgeld – vor wachsender Volatilität und schneller Abwertung zu schützen.
Auch das zweite Quartal stand ganz im Zeichen der Zentralbankkäufe: Zentralbanken weltweit erwarben rund 289 Tonnen Gold – sie nutzten die Konsolidierungsphase zu Preisen im Bereich von 4.000 Dollar pro Unze.
Fiat-Kreditgeld – aus dem Kreditprozess der Banken oder durch Staatsschuldenankauf der Zentralbanken entstandener Kredit aus dem Nichts – ist die fatale Fehlkonstruktion der Geldpolitik. Das endgültige Aus des Goldstandards unter US-Präsident Richard Nixon 1971 hat Tür und Tor für wachsende Staatsverschuldung geöffnet. Einmal unterworfen, dient die Geldpolitik dem Aufbau des modernen Hyperstaatswesens mit gigantischer Bürokratie und Dauerinterventionen. Wir kennen dies aus der EU: von der Klimapolitik bis hin zur Megabürokratie in Brüssel – alles scheint möglich, solange der Staat über den Zugang zu nie versiegendem Billigkredit verfügen kann. Die Kosten dieser Politik – höhere Abgaben und Inflation – zahlen schließlich andere.
In den USA stiegen die Staatsschulden so auf etwa 125 Prozent des BIP – ähnliche Höhen erreichen Spanien, Frankreich und Italien, was das Eurozonengebilde zu einer fragilen Zeitbombe macht.
Ironie der Schuldenorgie: Ausgerechnet jene Staaten, die am tiefsten in ihrem eigenen, problematischen Fiatgeld stecken, sind auch die eifrigsten Käufer des goldenen Vermögenswertes, der sich diesem System – dem Drittparteirisiko durch Staatsanleihenausfall – entzieht.
Deutschland sitzt dabei mit rund 3.350 Tonnen Gold auf dem zweitgrößten Bestand der Welt – dieser würde genügen, um im Ernstfall zumindest eine teilweise goldgedeckte Währung einzuführen. Denn Gold bleibt die naheliegendste Alternative zur Stabilisierung: ein jahrtausendealtes und in nahezu sämtlichen Kulturen bewährtes Tauschmittel, wertaufbewahrend über Raum und Zeit hinweg – ein Vertrauen, das dem Fiat-Geld längst abhandengekommen ist, ganz gleich, wie sehr es von der Politik beworben wird.
Gold dürfte deshalb künftig eine wichtigere Rolle in der Geldpolitik führender Wirtschaftsnationen spielen – als Teildeckung, als Sicherheitskollateral, als Ablösung des reinen, ungedeckten Fiat-Kreditgeldes.
Wie könnte die Zukunft der Zentralbankpolitik aussehen? Vieles liegt vollkommen im Dunklen. Die Verantwortlichen der entscheidenden Zentralbanken hüllen sich, wenn es ums Gold geht, in eisernes Schweigen – zumal sich auch der neue Fed-Chef Kevin Warsh bislang nicht in die Karten blicken lässt.
Bekannt ist allerdings, dass die liberale Ökonomin Judy Shelton, frühere Beraterin Donald Trumps und überzeugte Kritikerin des Fiat-Geldsystems, seit Jahren für die Emission goldkonvertibler oder zumindest teilweise durch Gold besicherter Staatsanleihen wirbt.
Im wirtschaftspolitisch eher marktorientierten Umfeld Donald Trumps stößt sie mit ihrer Linie auf offene Ohren. Seit einiger Zeit kursieren Gerüchte über eine mögliche Emission einer solchen Anleihe, die aufgrund ihres Goldbezugs mit einer niedrigeren Verzinsung auskommen könnte, weil Gold als zusätzlicher Stabilitätsanker fungieren würde.
Ein Blick nach Europa zeigt ein ähnliches Ringen um die Deutungshoheit über das Edelmetall. In der Eurozone schwelt seit jeher ein immer wieder aufkochender Konflikt zwischen der Europäischen Zentralbank und den nationalen Zentralbanken, die in den meisten Fällen die Goldreserven ihrer Staaten verwalten und diese unter gar keinen Umständen der Obhut der Herrschaften im Frankfurter EZB-Tower anvertrauen wollen.
Aus Sicht der Hüter des Euro ergibt sich eine logische Handlungsoption: Da die Währung zunehmend unter der Last nationaler Verschuldung sowie des fiskalischen Höhenflugs Brüssels leidet, wäre sie auf eine Zentralisierung der Goldbestände der Mitgliedstaaten unter dem Dach der EZB zur Stabilisierung und zum Vertrauensgewinn angewiesen. Die Debatte wird hochkochen, da sich langsam die erheblichen Risse im wirtschaftlichen und fiskalischen Fundament der EU zeigen.
Zwei Jahrzehnte zentralisierter Regulierungspolitik, hoher Steuerlasten und zunehmender Abkehr von marktwirtschaftlichen Prinzipien haben Schäden hinterlassen, die die Politik mit dem Gelddrucker zu überdecken versucht.
China wiederum, einer der größten Goldsammler unter den Zentralbanken, hat bislang nicht einmal ansatzweise erkennen lassen, eine goldbasierte Strategie bei der Emission eigener Staatsanleihen zu verfolgen. Was heute noch fehlt, könnte morgen schon Realität sein.
Es bleibt abzuwarten, wer auf diesem geldpolitischen Schachbrett den ersten Zug wagt. Die Zeit läuft. Die Zeit des ungedeckten Fiat-Kreditgeldsystems neigt sich angesichts steigender Anleihenzinsen ihrem Ende.
Goldgedeckte Anleihenemissionen wären ein erster Schritt heraus aus der Abwärtsspirale eines in sich instabilen Geldsystems und ein vielversprechender Versuch, Stabilität zurückzuerobern.
Vom Ende der Zentralbanken, wie es sich Freisinnige und Libertäre herbeisehnen, wären wir dann allerdings weiter entfernt denn je.


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