Gewinnwarnung bei BMW

Selbst BMW gerät ins Rutschen: China bricht weg, die Marge stürzt ab, Tausende Stellen könnten folgen. Deutschlands Energiepolitik verteuert jeden Produktionsschritt – und macht aus der Gewinnwarnung ein Alarmsignal für den Industriestandort.

picture alliance/dpa | Tobias Hase

Ausgerechnet BMW. Der Münchner Autobauer galt bislang noch als der stabilste unter den deutschen Autoherstellern, weil er sich nicht vorbehaltlos in die politisch vorgegebene „Weg vom Verbrenner“-Linie einfügte und noch bis zuletzt Gewinne auswies. Doch jetzt hat BMW eine große Gewinnwarnung ausgegeben und meldete eine deutliche Senkung der Jahresziele. Die Automotive-EBIT-Marge soll 2026 nur noch 1 bis 3 Prozent erreichen statt bisher 4 bis 6 Prozent. Die Kapitalrendite im Autogeschäft wird auf 1 bis 5 Prozent gesenkt statt bisher 6 bis 10 Prozent. Der Absatz soll nun leicht zurückgehen, der Vorsteuergewinn deutlich sinken.

Als offiziellen Grund gibt BMW China an und schreibt, die negative Entwicklung des chinesischen Automarktes habe sich im zweiten Quartal weiter beschleunigt. Besonders betroffen seien Nicht-Elektroautos. Das gilt für BMW als außerordentlich gefährlich, weil deutsche Premiumhersteller in China lange sehr gute Margen mit großen Verbrennern, Limousinen und SUVs einfuhren. Genau dieses Segment bricht dort jetzt weg. BMW sagt ausdrücklich: Zuwächse in Europa und den USA können den Rückgang in China und im übrigen Asien-Pazifik-Raum nicht ausgleichen.

Dieser Trend zeigte sich bereits im ersten Quartal: BMW lieferte weltweit 565.748 Fahrzeuge aus, 3,5 Prozent weniger als im Vorjahr. In Europa legte BMW noch um 3 Prozent zu, in Deutschland sogar um 10,7 Prozent. In China aber gingen die Auslieferungen um 10 Prozent zurück; vollelektrische BMW-Auslieferungen sanken weltweit um 20,1 Prozent.

Chinesische Käufer wenden sich immer stärker heimischen Elektro- und Hybridmarken zu. Nach CPCA/CAAM-Daten lagen Chinas Pkw-Verkäufe im April insgesamt 20 Prozent unter Vorjahr, die NEV-Durchdringung erreichte gleichzeitig rund 62,8 Prozent. Im Mai stürzten die Verkäufe traditioneller Benziner in China laut CAAM-Daten sogar um 41,8 Prozent ab – Volltreffer bei BMW.

BMW verweist zwar auf weltweit höhere Energiepreise, höhere Kostenstrukturen und schlechtere Verbraucherstimmung. Laut Reuters habe BMW eingeräumt, dass die Auswirkungen stärker seien als ursprünglich angenommen.

Zusätzlich wirken neben dem Nahostkrieg auch Zölle und Handelskonflikte. Bereits im März hatte BMW ebenfalls laut Reuters mitgeteilt, dass höhere Zölle die Automotive-Marge 2026 um etwa 1,25 Prozentpunkte belasten dürften. Das US-Werk Spartanburg federe zwar Teile der US-Zollrisiken ab, gleichzeitig aber würden BMW auch EU-Zölle auf den in China gebauten elektrischen Mini treffen.
Die Börse reagierte schnell: Die BMW-Aktie fiel am 17. Juni zeitweise um rund 7 Prozent auf den tiefsten Stand seit Ende 2020.

Auch Mercedes-Benz und Volkswagen wurden mit nach unten gezogen. Reuters zitiert Analysten, die die Warnung als deutlich stärker als erwartet bewerteten; BMWs Ruf als besonders stabiler deutscher Premiumhersteller hat damit einen Schlag bekommen.

BMW spricht von zusätzlichen und beschleunigten Kostensenkungen, die im zweiten Halbjahr 2026 einmalig das Ergebnis belasten sollen. Das deute auf einen möglichen Personalabbau hin, so die Welt. BMW selbst bestätigt konkrete Stellenstreichungen bislang nicht. Die Rede ist aber von mehreren tausend Stellen, falls der bereits angekündigte „leichte Rückgang“ des Personalstands zwischen einem und fünf Prozent umgesetzt werde.

Doch das wichtigste Kapitel fehlt wie immer: die Standortkosten in Deutschland. Denn der Konzern hängt weiterhin stark am deutschen Industriestandort. München, Dingolfing, Regensburg, Leipzig und weitere Standorte sind nicht nur Montageplätze, sondern Teil eines dichten industriellen Netzes aus Entwicklung, Fertigung, Zulieferern, Logistik, Werkzeugbau, Maschinenbau und hochspezialisierten Dienstleistern.

Genau dieses Netzwerk steht nun am Abgrund. Der von Grünen vorangetriebene Green Deal fordert seinen tödlichen Tribut: Presswerke, Lackierereien, Karosseriebau, Aluminiumverarbeitung, Robotik, Batteriekomponenten, Teststände, Klimakammern, IT-Infrastruktur und Logistik benötigen enorme Mengen Energie. Wenn Strom, Gas, Netzentgelte, Abgaben und CO₂-Kosten steigen, verteuert sich die gesamte Wertschöpfungskette. Energie ist nicht irgendein Nebenposten in einer Autofabrik, sondern eine der wichtigsten Größen. Sie absichtlich massiv zu erhöhen, zeugt von einem erheblichen Destruktionswillen der Politik.

Die Bundesregierung versucht inzwischen, mit Netzentgeltzuschüssen, niedrigerer Stromsteuer und Industriestrompreis gegenzusteuern. Doch gerade diese Hilfspakete sind das Eingeständnis des Problems. Ein Industrieland, das seine eigene Industrie erst durch Subventionen vor den Folgen der eigenen Energiepolitik schützen muss, hat kein tragfähiges Standortmodell.

Das ist jetzt nicht nur eine Gewinnwarnung eines einzelnen Herstellers, sondern ein Warnschuss für die gesamte deutsche Industrielandschaft.

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Kommentare ( 18 )

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H. Hoffmeister
21 Tage her

BMW ist nur eines von vielen ehemals wettbewerbsfähigen Großunternehmen hierzulande, die ihre Substanz verlieren, weil grünwoker Wahn – im übrigen ausnahmslos von Eigentümern und Führungsspitzen eben dieser Großunternehmen frenetisch beklatscht – Produkte und Wettbewerbsfähigkeit irreversibel zerstört hat.

Sonny
21 Tage her

In Kürze wird es keine Rolle mehr spielen ob elektrisch, Verbrenner oder Hybrid.
Wer kein Geld mehr übrig hat, kann nichts kaufen. Aber so weit für diese Erkenntis sind weder die in der Regierung noch bei den Autobauern.

Last edited 21 Tage her by Sonny
Mausi
21 Tage her

Bei BMW bricht in China insbesondere der Verbrennermarkt ein. Was nicht unbedingt bedeutet, dass in China der Anteil an E-Autos steigt. Darüber sagt auch der Satz „Chinesische Käufer wenden sich immer stärker heimischen Elektro- und Hybridmarken zu“ nichts aus.
Mich würde interessieren, wie sich die Neuzulassungen in China über die Jahre entwickelt haben. Und zwar aufgeteilt nach Verbrenner, E-Auto und Hybridantrieb.

Aegnor
22 Tage her

Dennoch dürfte BMW wohl der einzige deutsche Autohersteller sein, der so etwas wie eine Zukunft hat – auch wenn die natürlich nicht garantiert ist. BMW könnte, trotz des Namens, durchaus zu einem US-Hersteller werden und dann im unteren Premium-Segment seine Nische finden, wenn man den deutschen Ballast los wird. VW als Staatsbetrieb ist dieser Weg verschlossen. Mercedes zu sehr abhängig von der BW-Politik, da anders als bei BMW mit der Quandtfamilie (die ganz schnell in die USA umziehen kann, wenn sie wirklich will), ein echter Ankerinvestor fehlt.

Wilhelm Roepke
22 Tage her

Kein Mitleid, BMW hat wie die meisten anderen nie dem Wahn von EU, Bundes- und Landespolitik widersprochen.

Mausi
21 Tage her
Antworten an  Wilhelm Roepke

Das ist nicht die Aufgabe von Unternehmen. Wieso haben die GroßAktionäre nichts gesagt? Wieso, wieso wählen wir Wähler immer weiter den Abstieg.
Der Wählerwille ist entscheidend.
Und ich bin mir sicher, dass die Unternehmen im Hinterzimmer verhandeln. Aber zunächst bedeutete Grün Absatz. Und jetzt bedeutet Grün halt Abstieg. Die Unternehmen hatten zig Jahre Zeit, auszuwandern. Der Wähler hatte zig Jahre Zeit, den Abstieg abzuwählen. Unternehmen sind genausowenig wie die Gerichte mit der Regierung beauftragt. Sie sind auch nicht wahlberechtigt.

Last edited 21 Tage her by Mausi
Wilhelm Roepke
21 Tage her
Antworten an  Mausi

Ah ja? Und wie viele BMW-Mitarbeiter sind bei der linksradikalen IG-Metall? Wo war der Betriebsrat in all den Jahren? Wie viele Mitarbeiter haben Kartellparteien gewählt? Ich habe es satt, ständig mit meiner ökosozialistischen Umgebung zu debattieren, die zur Abschätzung der langfristigen Folgen ihres Wahlverhaltens zu blöd ist, und darunter sind auch ein paar Leute, die bei BMW und deren Zulieferern arbeiten. Jetzt im Jahr 2026, wo die Einschläge näher kommen, fangen LANGSAM die ersten an, nachzudenken.

Teiresias
22 Tage her

Der „politische Destruktionswille“ ist nicht grün, sondern „Made in USA“ und ursächlich geopolitischer Natur..

GermanMichel
22 Tage her
Antworten an  Teiresias

Aber man muss scheinbar eine Art intellektuelles Einhorn 🦄 sein um das zu erkennen.
Der einzig sinnvolle Kommentar 2 downvotes, erstaunlich. Die Leute wollen sich einfach das tägliche Suhlen im weißen Rauschen der „News“ nicht verderben lassen, immer schön mit nationalen Scheuklappen.

Mausi
21 Tage her
Antworten an  Teiresias

Sie haben insofern recht, als die wokegrüne Welle aus den USA kam. Wie jede US Welle nach D, in die EU herüberschwappt.
Mal sehen, ob die Zeit reif ist und die Republikaner diese Welle in den USA und dann bei uns brechen können.

HansKarl70
22 Tage her

BMW hat erst einen anderen Weg eingeschlagen als der CEO gemerkt hat das es mit reiner Staatgläubigkeit nichts wird.

Mausi
21 Tage her
Antworten an  HansKarl70

BMW ist ein Familienunternehmen. Der Wohlstand der Familie hängt an BMW.

Sonny
21 Tage her
Antworten an  HansKarl70

Immerhin hat er es gemerkt.

Teiresias
22 Tage her

„Wir sind ein reiches Land.“
„Deutschland muss bei der Klimarettung vorangehen.“
So das bisherige Narrativ.

Wir sind kein reiches Land mehr.
Und zum „vorangehen“ braucht es zwingend Andere, die folgen.
Sonst geht man nicht voran, sondern man bewegt sich ins Abseits.

Gibt es schon eine Anschlusspropaganda für die „Klimapolitik“, mit der Europa einsam der Pleite entgegentaumelt?

Last edited 22 Tage her by Teiresias
Jerry
22 Tage her
Antworten an  Teiresias

Niemand wird folgen, weil wir in die falsche Richtung laufen.

Bernhardino
22 Tage her

Zusätzlich zu den politisch verursachten Problemen kommt ja noch dieses absolut hässliche Fahrzeugdesign von BMW dazu. Mir ein Rätsel, wer sowas schön findet.

Schwabenwilli
22 Tage her
Antworten an  Bernhardino

Gibt schon ein paar schöne Modelle, Geschmäcker sind ja verschieden.
Allerdings ist das außerhalb meiner Liga.

ceterum censeo
21 Tage her
Antworten an  Bernhardino

Gelsenkirchener Barock für die China-Millionäre. Die lieben Protz!