ADAC erhöht Beiträge um 25 Prozent

Der ADAC schlingert: Die Beiträge werden um bis zu 25 Prozent steigen, entschieden die Delegierten auf der Hauptversammlung. Das ist riskant: Die frühere Autofahrer-Organisation tritt neuerdings eher als Mobilitäts-NGO im Auftrag der Bundesregierung auf.

IMAGO / Wolfgang Maria Weber

Der ADAC steht vor der größten Beitragserhöhung seiner Geschichte. Nach sechs Jahren ohne Anpassung sollen die Beiträge ab 2027 deutlich erhöht werden. In internen Papieren war zuvor bereits von durchschnittlich rund 20 Prozent die Rede; in der Spitze sind es jetzt sogar bis zu 25 Prozent. Die Beiträge werden ab 2027 je nach Tarif um 10 bis 35 Euro steigen, bei Familien im Premium-Tarif sogar um 55 Euro jährlich.

Der Club begründet den Schritt mit massiv gestiegenen Kosten. Energie, Personal, Ersatzteile und Werkstattdienste seien deutlich teurer geworden. Das Geschäftsjahr 2025 schloss der ADAC sogar mit einem Verlust von 17 Millionen Euro ab. Mit 22,7 Millionen Mitglieder ist der ADAC der größte Automobilclub Europas und einer der größten Vereine überhaupt. Wie diese Riesenorganisation in roten Zahlen geraten kann ist ein Rätsel.

Die Beitragserhöhung trifft den Automobilclub in einer ohnehin sensiblen Phase. Anfang des Jahres hatte der ADAC bereits einen massiven Vertrauensverlust erlebt. Nach umstrittenen Aussagen des damaligen Verkehrspräsidenten Gerhard Hillebrand, der höhere Spritpreise begrüßte und Verkehrsbeschränkungen zur Klimapolitik verteidigte kündigten laut mehreren Berichten rund 60.000 Mitglieder ihre Mitgliedschaft. Hillebrand trat schließlich zurück.

Tichys Einblick hatte bereits im Januar über die wachsende Entfremdung vieler Autofahrer vom ADAC berichtet. Dort wurde kritisiert, der Club vertrete nicht mehr die Interessen klassischer Autofahrer, sondern feiere stattdessen E-Mobilität, höhere CO₂-Abgaben und staatliche Eingriffe in den Verkehr. In einem TE-Beitrag hieß es, zahlreiche Mitglieder wechselten deshalb zu kleineren Automobilclubs wie „Mobil in Deutschland“, der ausdrücklich gegen höhere Spritpreise und gegen die politische Bevorzugung des E-Autos Stellung bezieht.

Der Konflikt geht damit über reine Beitragssätze hinaus: Viele langjährige Mitglieder werfen dem ADAC vor, sich vom klassischen Automobilclub zum regierungsnahen, politischen Mobilitätskonzern gewandelt zu haben, der die Interessen der Autofahrer nicht mehr vertritt. Während der ADAC verstärkt auf Elektromobilität, Fahrradpannenhilfe und neue Mobilitätsdienste setzt, fühlen sich traditionelle Autofahrer zunehmend nicht mehr vertreten.

Vor diesem Hintergrund wirkt die jetzige Beitragserhöhung wie ein zusätzlicher Belastungstest: Erst politische Entfremdung, dann Kündigungswelle – und nun deutlich höhere Gebühren. Zwar verweist der ADAC darauf, trotz der Austritte weiterhin Mitgliederzuwächse zu verzeichnen. Doch die Diskussion zeigt, dass Europas größter Automobilclub mitten in einem Richtungsstreit steckt: Interessenvertretung der Autofahrer – oder politisierte NGO im Auftrag der Regierung im Zeichen der Verkehrswende.

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Kommentare ( 47 )

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fluffy_bird
20 Tage her

Für Pannenhilfe braucht heute praktisch niemand mehr den ADAC oder einen Automobilclub. Praktisch alle Kfz-Versicherungen bieten gegen einen meist sehr geringen Aufpreis einen sogenannten Schutzbrief an. Dieser leistet Pannenhilfe in einem Umfang der sehr vergleichbar oder sogar identisch mit der Pannenhilfe der Automobilclubs ist. Für die allermeisten Menschen dürfte das vollkommen ausreichend sein.

Wer Mitglied eines Automobilclubs wegen der politischen Vertretung der eigenen Interessen ist, der sollte ja nun wohl auf gar keinen Fall in den ADAC eintreten oder dort bleiben. Da gibt es andere und weiteres bessere Alternativen.

In beiden Fällen braucht niemand den ADAC.

ludwig67
21 Tage her

Der ADAC ist ein Konzept aus einer anderen Zeit und am Ende überflüssig. Er hätte als aggressiver Interessenvertreter der Autofahrer eine Berechtigung, genau das macht er aber nicht – im Gegenteil.

Go woke, go broke!

jensberndt
21 Tage her

Den Schutzbrief gibt es bei jeder vernünftigen Autoversicherung gegen einen kleinen Aufpreis dazu. Ohne jetzt hier eine klassische Markenwerbung machen zu wollen: Wir fahren in unserer Familie seit über 20 Jahren Mercedes, liegengeblieben ist seitdem noch niemand. Aber was da die Zukunft bringt…

Der Ingenieur
21 Tage her
Antworten an  jensberndt

Das könnte sich schlagartig ändern, wenn sie sich mal ein neues Auto kaufen.

Extremes Trimmen auf möglichst geringen Kraftstoff-Verbrauch und niedrige Schadstoffwerte insbesondere beim Diesel hat zu Konstruktionen geführt, die die Lebensdauer sehr verringern können und beim Diesel sogar die Einsatzmöglichkeiten sehr stark einschränken können.

Darüber hinaus sind heutige Autos auch durch den extrem hohen Digitalisierungsgrad sehr anfällig geworden. Abgesehen davon sind sie zu den reinsten Datenschleudern geworden.

Am robusten und haltbarsten sind meiner Erfahrung nach Fahrzeuge der 90er bis Anfang der 2000er Jahre. Ich würde mir aus den o.g. Gründen deshalb niemals ein aktuelles Auto kaufen.

fluffy_bird
20 Tage her
Antworten an  Der Ingenieur

Das mag alles richtig sein, ändert aber nichts daran, dass die Schutzbriefe der Versicherungen für einen Bruchteil des Geldes, was man bei einem ADAC oder einem ähnlichen Club lassen würdet, die nahezu identischen Leistungen bieten.

bkkopp
21 Tage her

Der ADAC hatte Ende 2025 ca. 22.7 Millionen zahlende Mitglieder. Die Zahl der Mitglieder ist seit ca. 10 Jahren immer leicht gewachsen, insgesamt um ca. 2 Millionen. Das hat keine politische Partei – nicht einmal alle Parteien zusammen -, keine Gewerkschaften, und nicht einmal eine der christlichen Kirchen. Es scheint, dass der ADAC trotz allem noch der größte Mitgliederverein in Deutschland ist. Es muss also genug Leistungen des Vereins geben, die den Leuten die Jahresbeiträge wert sind.

fluffy_bird
20 Tage her
Antworten an  bkkopp

Das stimmt. Mich würde nur interessieren, welche das sein sollen. Welche Leistungen sind den relativ hohen Beitrag denn wert? Vor allem welche Leistungen sind es wert deutlich mehr dafür zu bezahlen wie zum Beispiel bei einem Schutzbrief der jeweiligen Versicherung?

mweiss
21 Tage her

Ihr Völker der Welt – schaut auf eure Kündigungsfrist!
Habe meine leider versäumt und bin daher noch bis 31.12.26 Mitglied, oder vielmehr Karteileiche… Der Verein ist genauso mausetot wie die CDU – sie wissen es nur noch nicht.

Mein Onkel
21 Tage her

Bin ebenfalls Anfang des Jahres aus dem ADAC ausgetreten, und freue mich, daß ca. 60.000 Menschen das Gleiche getan haben.

Kipppunkt
21 Tage her

Verlust von 17 Mio Euro bei 22,7 Mio Mitgliedern. Ist also nicht einmal 1 Euro pro Mitglied. Und deshalb Erhöhungen um bis zu 25 Prozent bzw. 10-35 Euro je nach Tarif?

fluffy_bird
20 Tage her
Antworten an  Kipppunkt

Solche Beitragserhöhungen, natürlich nicht nur beim ADAC, dienen ja der langfristigen Sicherung der wirtschaftlichen Basis. Da kann man nicht nur einfach den rechnerischen Verlust des Vorjahres ausgleichen sondern muss in die Zukunft schauen.

andreas donath
22 Tage her

Die sind doch nicht mehr ganz klar in der Birne! Zumal die Konkurrenz vergleichbare Leistungen ohnehin bereits deutlich günstiger anbietet. Für mich, seit 22 Jahren ADAC plus-Mitglied, ist es höchste Zeit, nun endlich auszutreten, was ich schon so lange vorhatte. Zudem: Was will ich noch in einem „Automobilclub“, der Mobilität sowie Verbrenner-Autos verabscheut und dieser unsäglichen Bundesregierung in den Hintern kriecht. Nee Freunde, aus und vorbei!

Last edited 22 Tage her by andreas donath
Stormaner
22 Tage her

Ich nehme mal an, daß aufgrund der extrem gestiegenen Preise für Neuwagen der Bestand an Altwagen in den nächsten Jahren weiter steigen wird, womit sich das Pannenrisiko erhöht und eine Mitgliedschaft im ADAC durchaus sinnvoll sein kann. Ich selbst fahre meinen PKW bereits seit 20 Jahren und kann mir einen Neuwagenkauf schon deshalb nicht mehr vorstellen, da ich keine Lust auf ein rollendes Smartphone habe. Für mich gehören zu einem Auto ein analoges Cockpit mit Rundinstrumenten. Für Kunden wie mich hat der Zeitgeist da leider wenig zu bieten, zumindest was deutsche Hersteller betrifft.

nicht immer dagegen
21 Tage her
Antworten an  Stormaner

Pannenhilfe wird in exakt derselben Qualitiät ebenfalls von „kleineren“ Automobilclubs (empfehlenswertes Bespiel der AvD) geliefert. Die Pannenhelfer und Abschleppunternehmen sind, genau wie überwiegend beim ADAC, freie Subunternehmer. Auslandspannendienst klappt, aus eigener Erfahrung, ebenfalls beim Wettbewerber AvD, Die verauslagten Abschleppkosten waren innerhalb von 24 Stunden auf meinem Konto gutgeschrieben. Auch die Motorsportveranstaltungen sind keinen Deut weniger spannend, als die vom ADAC veranstalteten. Der AvD tritt ohne Vorbehalte FÜR die Interessen seiner motorisierten Mitglieder ein. Aus dem ADAC bin ich seinerzeit nach 25jähriger Premium Mitgliedschaft ausgetreten. Der wesentlich höhere Mitgliedsbeitrag des ADAC spielte dabei übrigens keine Rolle – der mehr und mehr… Mehr

andreas donath
21 Tage her
Antworten an  nicht immer dagegen

Ich habe bisher nur Gutes über den Automobilklub „Mobil in Deutschland“ gehört, der zudem klar Position FÜR den Autofahrer ergreift und sich nicht zum Büttel staatlicher, grün angehauchter Narrative macht. Ich will einen Automobilklub, der mich auch mit meinem betagten Passat Diesel als Kunden schätzt und mich das spüren lässt.

Last edited 21 Tage her by andreas donath
Der Ingenieur
21 Tage her
Antworten an  Stormaner

Behalten sie bloß ihren Youngtimer. Ab Anfang der 2000er Jahre ging es meiner Meinung nach nur noch abwärts.

Und wer braucht diesen ganzen Schnickschnack und digitalen Assistenten heutiger Autos wirklich? Die senken m.E. nur die Alltagskompetenz der Autofahrer und können kaputt gehen, was hohe Kosten verursacht.

fluffy_bird
20 Tage her
Antworten an  Stormaner

Das mag alles sein. Aber dafür muss niemandem ADAC sein.

Pannenhilfe in einem vergleichbaren oder sogar identischen Umfang bieten die Schutzbriefe der Kfz Versicherungen. Und die kosten einen Bruchteil dessen, was man beim ADAC bezahlen würde.

Und wer sich auch politisch vertreten sehen möchte, der wird ja wohl kaum im ADAC bleiben. Der kann dann in echte Alternativen wie „Mobil in Deutschland“ wechseln.

Franz Schroeder
22 Tage her

Bei der letzten Diskriminierung durch den ADAC meiner „4 Verbrenner“ wegen Spritpreisen, trat ich natürlich aus aus dem Verein aus.
Mit mir sind Abertausende auch ausgetreten.
Nun muss eben der Rest der Willigen und übrig gebliebenen Vereinsmitglieder die Zeche bezahlen, die der Dummschwätzer von Vereinsvorsitzenden angerichtet hat.
Ist bei jedem Turn und Schützenverein nicht anders…..