Bei vertraulichen Gesprächen zwischen Bundesregierung und OpenAI soll es um ein Milliardenprojekt gegangen sein: ein Rechenzentrum in Deutschland – betrieben mit günstigem französischem Atomstrom. Ausgerechnet daran soll der Deal gescheitert sein. Berlin fürchtet den Offenbarungseid der Energiewende offenbar mehr als den Verlust einer Zukunftsinvestition.
picture alliance/dpa | Kay Nietfeld
Deutschlands politische Kultur oszilliert zu lange zwischen beinharter Ökoideologie und skurrilem Infantilismus – für rationale, bürgerliche Politik bleibt da kein Spielraum. Der Fall des gescheiterten Investitionsvorhabens der amerikanischen Firma OpenAI beschreibt, wie sich zur energiepolitischen Dummheit eine regelrechte Nibelungentreue gegenüber der voraufklärerischen Ideologie des Ökologismus gesellt.
Was das Handelsblatt berichtet, klingt beinahe zu skurril, um wahr zu sein. Allerdings sprechen wir über deutsche Politik im 21. Jahrhundert, und so dürfen wir annehmen, dass das folgende Ereignis der Realität entspricht.
Das Blatt rekonstruiert mehrere vertrauliche Gespräche zwischen OpenAI-CEO Sam Altman, Bundeskanzler Friedrich Merz, Finanzminister Lars Klingbeil und seinem Kollegen, Digitalminister Karsten Wildberger. Anscheinend plante das amerikanische KI-Unternehmen eine Investition in Höhe eines niedrigen zweistelligen Milliardenbetrags, um ein gigantisches Rechenzentrum in Deutschland zu errichten – mit einer Leistung von bis zu einem Gigawatt.
Ein solches Projekt – ausgerechnet in einem Land, das sich gerade in einer Phase der Renaturierung befindet und sich zunehmend von globalen technologischen Trends abkoppelt?
Was Beobachter der deutschen und der EU-Politik häufig übersehen: Deutschland bleibt trotz des politischen Eskapismus seiner intellektuell entgleisten Elite ein kapitalstarker Standort mit über achtzig Millionen Einwohnern und ganz erheblicher Kaufkraft. Für Anbieter einer Technologie, die sowohl den Konsum als auch die industrielle Wertschöpfung grundlegend verändern dürfte, bleibt Deutschland deshalb ein hochattraktiver Markt.
Der Markt sticht politischen Irrsinn locker aus! Woran scheiterte das Megaprojekt also genau?
Deutschland verfügt noch immer über gut ausgebildete Fachkräfte. Den gravierendsten Standortnachteil Deutschlands – seine dysfunktionale Energieinfrastruktur – hätte OpenAI durch eine grenznahe Versorgung mit französischem Atomstrom elegant umgangen.
Doch genau hier kommt die deutsche Politik ins Spiel. Die nüchterne Lagebetrachtung der Amerikaner kollidierte in diesem konkreten Fall mit dem energiepolitischen Suizid der Deutschen und der Furcht ihrer politischen Kaste, als infantil und geistig träge Etatisten bloßgestellt zu werden.
KI-Infrastruktur erfordert enorme Mengen an Energie. Hinzu kommt, dass die in Deutschland ohnehin kritisch beäugte Künstliche Intelligenz mit privaten Haushalten und dem Gewerbe um dieselbe, durch den Atomausstieg gezielt verknappte Ressource konkurriert: Strom. In den USA investieren die großen Betreiber von Rechenzentren in eigene Kernkraftkapazitäten und modernisieren auf diese Weise die Energieinfrastruktur. Das wäre in Deutschland, einem Land der Zentralplaner und Etatisten, undenkbar.
Für Friedrich Merz und seine Genossen hätte die Versorgung eines KI-Projekts in Deutschland mit französischem Atomstrom einen Kniefall vor dem Scheitern der eigenen Ideologie bedeutet – coram publico. Es wäre jedem klar geworden, selbst dem letzten Zweifler außerhalb der grün-sozialistischen Blase, dass der deutsche Energiesuizid real ist und die horrenden Energiepreise eben nicht vom Himmel gefallen sind.
Doch Merz zog es vor, ein Milliardenprojekt scheitern zu lassen, statt die politische Klasse, ihre ideologischen Vordenker und den öko-hysterischen Medienbetrieb mit dem Offenbarungseid der eigenen Energiepolitik zu konfrontieren. Möglicherweise auch, um sich vor den erheblichen politischen Konsequenzen zu schützen, die drohen könnten, wenn sich das öffentliche Bewusstsein eines Tages von der jahrelangen Klimaapokalyptik und ihrer Propaganda befreit.
Ein Blick auf die Welt ohne ökologischen Filter und ohne klimaapokalyptische Realitätsbrechung – viele Deutsche dürfte eine Bewusstseinserweiterung erwarten wie nach einem Drogenrausch.
Dieser fatale Kotau des Bundeskanzlers kostete nicht nur Arbeitsplätze. Er sandte zugleich ein verheerendes Signal an die internationalen Kapitalmärkte: Wer in Europa künftig investieren und auf eine verlässliche Energieversorgung bauen will, findet sie nicht in Deutschland, sondern in Frankreich. Das Land setzt konsequent auf Kernenergie. Rund 68 Prozent seiner Stromerzeugung stammen aus den 57 Kernreaktoren des Landes.
Es ist bezeichnend, dass die folgenschwere Entscheidung der Bundesregierung, OpenAI den Rücken zu kehren, kaum Wellen in den Medien geschlagen hat. In einem Land, das bereits Hunderttausende Industriearbeitsplätze verloren hat, sollte man eigentlich eine Welle der Empörung über die zerstörerische und ideologisch infantile Politik erwarten. Doch nichts dergleichen geschieht – Deutschland im Jahr 2026 ist nicht mehr das Wirtschaftswunderland, zu dem es sich nach dem Krieg mutig und mit Fleiß selbst emporwuchtete.
Deutschlands Bürgerschaft hat dem kulturmarxistischen Gegenschlag nicht standgehalten. Die Revolte der Achtundsechziger hat zweifellos eine Metamorphose vollzogen und zermürbt das Land heute mit Ökosozialismus und kulturfremder Massenmigration.
Berlin hält Kurs.
Der Bundeskanzler deckt mit wirtschaftsfeindlichen Entscheidungen den ökosozialistischen Kurs des Parteienkartells. Während Berlin den energiepolitischen Irrweg mit immer neuen Subventionen, Regulierungen und Interventionen zu kaschieren versucht, schafft Paris genau jene Voraussetzungen, nach denen internationale Technologiekonzerne suchen: bezahlbare Energie, Versorgungssicherheit und langfristige Planbarkeit – und dies ausgerechnet im grundsätzlich technologiekritischen Umfeld der Europäischen Union.
Deutschland wird mit dieser Politik den Anschluss an die Schlüsseltechnologien des 21. Jahrhunderts verlieren, wenn es ihn nicht längst verloren hat. Nicht aus Mangel an Ingenieuren oder Kapital, sondern aufgrund der ideologischen Verbohrtheit einer politischen Kaste, die sich mit dem Aufbau einer eigenen Günstlingswirtschaft ihre Machtbasis geschaffen hat. Zynischerweise geschieht dies mit dem Steuergeld jener Bürger, die durch den Ausbau dieser Staatswirtschaft ihre wirtschaftliche und politische Souveränität Zug um Zug einbüßen.


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