Die ersten Tage der Quartalsberichtssaison haben gezeigt, dass Anleger genauer hinschauen als noch vor einigen Monaten. Wer überzeugt, wird belohnt. Wer hinter den Erwartungen zurückbleibt oder einen vorsichtigen Ausblick wagt, bekommt die Quittung.
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Die spannendste Geschichte der Woche schrieb kein amerikanischer Tech-Gigant, sondern der weltführende Hersteller von Lithographiesystemen für die Halbleiterindustrie, die niederländische Firma ASML. Das Unternehmen übertraf mit seinen Quartalszahlen die Erwartungen, hob zum zweiten Mal in diesem Jahr seine Umsatzprognose an und meldete einen überraschend starken Auftragseingang. Der Hunger nach Rechenleistung für Anwendungen der Künstlichen Intelligenz lässt offensichtlich nicht nach. Ohne die Maschinen von ASML könnten weder Nvidia noch TSMC oder Samsung ihre modernen Chips herstellen. Wenn ASML optimistischer wird, hören Anleger deshalb weltweit genau hin. Die Botschaft dieser Woche lautet: Der KI-Boom ist längst keine kurzfristige Modeerscheinung.
Manchmal zeigt sich die Börse aber auch ungerecht. Der taiwanische Chipriese TSMC legte starke Zahlen vor und bestätigte die hohe Nachfrage nach KI-Chips. Trotzdem geriet die Aktie unter Druck. Der Grund: Die Erwartungen waren schlicht noch höher. Viele Anleger hatten nach den Rekorden der vergangenen Monate mit einer erneuten positiven Überraschung gerechnet. Das ist typisch für die aktuelle Marktphase. Gute Ergebnisse reichen nicht immer aus, wenn die Messlatte zuvor extrem hochgelegt worden ist. Für langfristige Anleger ist das allerdings kein Alarmsignal. Es zeigt vielmehr, dass die Börse wieder zwischen “gut” und “überragend” unterscheidet. So erwischte es am Donnerstagabend auch Netflix. Zwar hatte der Streamingdienstleister für das vergangene Quartal gute Zahlen vorlegen können – der Umsatz war gegenüber dem Vorjahresquartal um 13 Prozent auf 12,56 Milliarden Dollar, der Gewinn um 8,8 Prozent auf 3,4 Milliarden Dollar gestiegen –, gleichwohl fiel der Kurs um fast neun Prozent, weil Anleger sich mehr erwartet hatten. Insbesondere mit der Prognose für den Umsatz im laufenden Quartal hatte Netflix die durchschnittlichen Analysten-Erwartungen deutlich verfehlt. Enttäuscht waren viele Investoren auch von der Ankündigung des Videostreaming-Marktführers, künftig nur noch jährlich statt zweimal pro Jahr Angaben zur Popularität seiner Filme und Serien vorlegen will. Insgesamt hat Netflix in den vergangenen Monaten mehr als 40 Prozent verloren.
Auch abseits der Unternehmenszahlen bleibt die Agenda voll. Die großen US-Banken haben mit soliden Ergebnissen einen ordentlichen Auftakt hingelegt und damit signalisiert, dass die amerikanische Wirtschaft robuster ist, als viele befürchtet hatten. In den kommenden Wochen werden nun weitere Technologie-, Industrie- und Konsumkonzerne zeigen müssen, ob sich dieses Bild bestätigt. Gleichzeitig bleibt die Geldpolitik ein entscheidender Faktor. Sinkende Inflationsraten nähren zwar die Hoffnung auf spätere Zinssenkungen, doch die Notenbanken werden sich weiter von den Konjunkturdaten leiten lassen.
Bei 135 Dollar ist die Aktie von SpaceX auf den tiefsten Stand ihrer noch jungen Börsengeschichte gefallen. Am 12. Juni schlossen sie ihren ersten Handelstag bei 160,95 Dollar ab. Der seither eingefahrene Verlust beläuft sich auf 16 Prozent. „Es gab zuletzt nichts, was die Anleger an die Gründe erinnert hätte, warum sie SpaceX gekauft haben“, sagt Steve Sosnick, Chefanalyst bei Interactive Brokers. Am Mittwoch fiel SpaceX zeitweise sogar auf 132,15 Dollar, nachdem sie in den ersten Tagen nach ihrer Erstnotiz auf bis zu 225,64 Dollar hochgeschnellt waren. „Das nährt die These, dass der Kursanstieg der Aktie auf Spekulation und Überhitzung beruht und nicht auf echten Fundamentaldaten“, sagt Matthew Maley, Chef-Marktstratege des Vermögensverwalters Miller Tabak. Der Kursrutsch der Aktien ist nicht nur eine Nervenprobe für die Investoren. Er könnte auch die Pläne anderer hochkarätiger Börsenkandidaten wie OpenAI oder Anthropic durchkreuzen. Investoren fragen sich nun, wie sich das Börsengeschehen um SpaceX und Co. entwickeln wird.
Die US-Aktienmärkte haben zum Wochenschluss mit deutlichen Verlusten geschlossen. Neben dem Iran-Krieg belasteten KI-Sorgen die Stimmung an den Börsen. Der Dow Jones Industrial ging 0,8 Prozent niedriger bei 52.146 Punkten aus dem Handel. Der Leitindex verzeichnete damit einen Wochenrückgang von 0,9 Prozent. Für den marktbreiten S&P 500 ging es am Freitag um ein Prozent auf 7.458 Zähler nach unten. Der technologielastige Nasdaq 100 verlor 1,5 Prozent auf 28.593 Punkte. Auf Wochensicht gab der Index damit um 4,1 Prozent nach.
Bei neuen massiven Angriffen auf den Iran haben die USA nach Medienberichten auch Infrastruktur beschädigt. Nach iranischen Angaben wurden Brücken, ein Flughafen und Infrastruktur der Seefahrt getroffen.
Im globalen Wettlauf um die Vorherrschaft bei Künstlicher Intelligenz (KI) setzte China einen neuen Meilenstein. Das vom Tech-Riesen Alibaba unterstützte Start-up Moonshot AI präsentierte sein neues Sprachmodell “Kimi K3”, das nach eigenen Angaben mit den Spitzenmodellen der US-Konkurrenten OpenAI und Anthropic in einer Liga spielt.
“Kimi K3” sorgt in der Branche für Aufsehen und schürt in den USA Sorgen um den schwindenden technologischen Vorsprung. Beobachter ziehen bereits Parallelen zum sogenannten “DeepSeek-Moment” Anfang 2025, als ein chinesisches Modell erstmals US-Dominanz-Annahmen erschütterte und die Tech-Aktienmärkte weltweit einbrechen ließ. Entsprechend ging es für die früheren KI-Boom-Aktien wie Nvidia und Applied Materials um 2,2 beziehungsweise 5,6 Prozent abwärts. Die Titel des Raumfahrt- und KI-Konzerns SpaceX büßten 5,4 Prozent ein. Damit hat das Unternehmen seit seinem Allzeithoch eine Billion US-Dollar an Börsenwert verloren.
Apple hatte sich nach mehr als einem Jahr den Titel des wertvollsten Unternehmens an der Börse zeitweise zurückgeholt. Den Ausschlag gab im frühen Handel ein Kursrückgang von knapp vier Prozent bei der Nvidia-Aktie. Die Aktie des iPhone-Konzerns schloss 0,1 Prozent höher. Die Papiere von Intuitive Surgical brachen um 14,2 Prozent ein. Das auf robotergestützte Chirurgie spezialisierte Unternehmen hatte sein Ziel für das weltweite Wachstum der mit dem “Da Vinci”-System durchgeführten Eingriffe für 2026 beibehalten, obwohl die Ergebnisse des zweiten Quartals die durchschnittlichen Analystenschätzungen übertroffen hatten.
Weitere teils kräftige Gewinnmitnahmen bei Technologie-Aktien hatten zuvor schon den Dax in Mitleidenschaft gezogen. Außerdem setzten die USA und der Iran ihre gegenseitigen Angriffe im Nahen Osten fort, die Ölpreise zogen weiter an. Letztlich fiel der deutsche Leitindex um gut 0,3 Prozent auf 24.831 Punkte, womit er seine zeitweise größeren Verluste aber ein gutes Stück verringerte. Über der 50-Tage-Linie konnte er sich allerdings nicht halten und die runde Marke von 25.000 Punkten gerät zunehmend außer Sichtweite. Auf Wochensicht gab der Dax um knapp ein Prozent nach, von seinem Rekordhoch bei 25.900 Punkten Anfang vergangener Woche ist er mittlerweile um gut vier Prozent zurückgekommen. Der MDax der mittelgroßen deutschen Unternehmen verabschiedete sich gut 0,5 Prozent tiefer mit 31.865 Punkten ins Wochenende.
“Die Hoffnungen auf die Beilegung des Iran-Kriegs haben sich vorerst wieder zerschlagen und an den Rentenmärkten sind die Zinserwartungen entsprechend erneut gestiegen”, kommentierte LBBW-Chefvolkswirt Moritz Kraemer. Dies sei eine Bürde für Wachstumsaktien der Tech-Branche. Marktanalyst Jochen Stanzl von der Consorsbank konstatierte eine zunehmende Angst der Anleger, dass mit der Korrektur der Aktien rund um Künstliche Intelligenz (KI) “zunehmend andere, vielleicht unbeteiligte Aktien in Sippenhaft genommen werden”.
Obendrein belastete das neue KI-Sprachmodell “Kimi K3” des chinesischen Start-ups Moonshot AI, das von Amazon-Konkurrent Alibaba unterstützt wird. Es soll angeblich mit Spitzenmodellen der US-Konkurrenten OpenAI und Anthropic in einer Liga spielen. Beobachter zogen Parallelen zu Anfang 2025, als mit DeepSeek ein chinesisches KI-Modell erstmals die US-Dominanz erschütterte. Die Aufregung hatte sich aber zumindest damals rasch gelegt.
Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 sackte um 0,8 Prozent auf 6.231 Punkte ab. Außerhalb der Eurozone schlossen die Leitindizes in London und Zürich moderat höher. In New York stand der Dow Jones Industrial zum europäischen Handelsschluss knapp im Minus. Der technologielastige Nasdaq 100 weitete seine Vortagesverluste aus und verlor 1,4 Prozent.
Diese Tech-Schwäche belastete auch die deutschen Branchentitel. Im Dax gehörte der Halbleiterkonzern Infineon mit einem weiteren Kursrückgang um 1,6 Prozent erneut zu den schwächsten Werten. Zu den größten Verlierern im MDax zählten die Chipindustrie-Ausrüster Suss Microtec und Aixtron sowie der Waferhersteller Siltronic mit Abschlägen von bis zu 4,6 Prozent.
Auch Infineon-Branchenkollege Elmos und der Technologiekonzern Jenoptik präsentierten sich schwach. Gleiches galt für den Laserspezialisten LPKF, dessen Aktien 6,8 Prozent einbüßten. Die Papiere von Siemens Energy und Hochtief gerieten mit Verlusten von 0,7 und 2,2 Prozent ebenfalls unter Druck. Der Energietechnikspezialist und der Baukonzern profitieren vom rasanten Ausbau von KI-Rechenzentren.
Bei den Nebenwerten prägten Eckdaten zum zweiten Quartal das Bild. Der Stahlhersteller Salzgitter hob seine Jahresprognosen dank besserer Geschäfte und der Komplettübernahme der Hüttenwerke Krupp Mannesmann (HKM) an. Die Aktien stiegen daraufhin um 3,9 Prozent.
Im Kleinwerte-Index SDax überzeugte auch Wacker Neuson mit einem optimistischeren Ausblick nach deutlichen Zuwächsen im zweiten Quartal. Der Baumaschinen-Hersteller verbuchte ein Kursplus von 6,3 Prozent.
Nach einem Kurssprung von bis zu fast 15 Prozent gingen die Aktien von SMA Solar letztlich 5,8 Prozent höher aus dem Handel. Der Photovoltaik-Spezialist berichtete für das vergangene Quartal ein starkes Wachstum und hob seine Jahresziele erneut an. Jefferies-Analyst Constantin Hesse bescheinigte SMA ein hervorragendes erstes Halbjahr, außerdem blieben die Perspektiven fürs zweite Halbjahr dank der soliden Nachfrage bei großen Batteriespeichern gut.
Die Titel von Dermapharm verloren ein Prozent. Hier belastete eine Prüfung des Jahresabschlusses und des Lageberichts für 2025 durch die Bafin. Der Finanzaufsicht zufolge liegen konkrete Anhaltspunkte dafür vor, dass der Arzneimittelhersteller gegen Rechnungslegungsvorschriften verstoßen hat. Die Prüfung wurde den Angaben zufolge bereits am 14. Juli eingeleitet.


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