Brüssel sanktioniert mithilfe des Digital Services Act die chinesische Internetplattform Temu. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Peking zum Gegenschlag über einen Exportstopp Seltener Erden ausholt.
picture alliance / Markus Mainka | Markus Mainka
Die EU-Kommission hat den Digital Services Act (DSA) scharf gestellt. Hinter dem umfangreichen Regelwerk, das von Zensurmaßnahmen in sozialen Medien – oft verborgen hinter den Schlagworten „Hass und Hetze“ – über verpflichtende Risikobewertungen bis hin zu Transparenzvorgaben bei Empfehlungsalgorithmen und vorgeblichem Verbraucherschutz reicht, eröffnet sich der EU-Kommission immenser Interpretationsspielraum gegenüber der Wirtschaft.
Jüngstes Opfer der Kommission ist die chinesische Verkaufsplattform Temu. Brüssel belegte PDD Holdings, die Muttergesellschaft der Plattform mit Sitz in Shanghai, mit einer Strafe in Höhe von 200 Millionen Euro. Die EU-Kommission warf Temu vor, keine ausreichenden Maßnahmen gegen den Vertrieb illegaler und potenziell für Konsumenten gefährlicher Produkte auf seiner Plattform ergriffen zu haben. Insbesondere bemängelte die Kommission das Fehlen belastbarer Risikoanalysen bei bestimmten Produktgruppen, darunter Elektronikartikel wie Ladegeräte und Adapter, Spielzeug sowie Haushaltswaren mit sicherheitsrelevanten Komponenten. Zugleich stand der Vorwurf im Raum, die Verbreitung unsicherer Produkte in der EU nicht wirksam eingedämmt zu haben.
Die Zeichen stehen auf Sturm, der Fall Temu wirkt konstruiert, die mit ihm verbundenen Vorwürfe weit überzogen. Es handelt sich um Kleinigkeiten, die über Haftungsregelungen, AGBs und die auf Verkaufsplattformen in der Regel herstellbare Transparenz effizienter aus der Welt geschafft werden könnten, als durch groteske Strafmaßnahmen der EU-Kommission.
Temu ist der jüngste Fall in einem Strafenfeldzug der EU-Kommission, die offensichtlich den Kampf gegen die internationalen Digitalkonzerne aufgenommen hat. Wir erinnern uns: Mit der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten gerieten zunehmend amerikanische Digitalkonzerne wie Elon Musks Plattform X, Meta oder Google ins Visier.
In mehreren Fällen verhängte die Kommission Strafen in beträchtlicher Höhe. Es wirkt wie eine Gebärde eines politischen Schutzgelderpressers, der ein neues Geschäftsmodell entdeckt hat und politische Kontrahenten mit vorgeschobenen Argumenten und exorbitanten Strafen malträtiert. Gegenüber den amerikanischen Konzernen trat allerdings die Abteilung Zensur und Narrativkontrolle auf den Plan. Auch sie leitet ihre Anspruchsgrundlagen aus dem DSA ab: Weshalb also nicht das Nützliche mit dem Notwendigen verbinden, Zensurarbeit mit zusätzlichem Cashflow für Brüssel kombinieren?
Im Falle der Temu-Zurechtweisung bemühte sich die EU-Kommission immerhin, über sogenanntes „Mystery Shopping“ konkrete Verdachtsfälle bei einzelnen Produkten tatsächlich zu belegen. Man kann diese Abteilung der Testkäufer als eine Art operatives Ermittlungsteam der DSA-Truppe auffassen – eine Abteilung, die erheblichen Personalzuwachs erleben dürfte, erweist sich das neue Geschäftsmodell des DSA-Raubzugs als dauerhafter Erfolg.
Brüssels Protektionismus ist legendär. Seine Harmonisierungskataloge und Klimaschutzregulierungen füllen ganze Bücherregale mit Vorschriften. Die EU-Kommission hat eine unsichtbare Schutzmauer um den Binnenmarkt gezogen, die selbst die drastischen Zollauswüchse der Trump-Ära beinahe amateurhaft erscheinen lässt. Doch eines sollte man in Brüssel bedenken: Peking reagiert auf Provokationen wie im Falle der Temu-Strafe nicht wie ein amerikanischer Cowboy, sondern bereitet seinen Gegenschlag im Stillen vor. Die Uhr dürfte bereits ticken.
Und die Zeit läuft bald ab, bis China eines seiner schärfsten Schwerter zieht und der europäischen Wirtschaft den Zugang zu Seltenen Erden blockiert. Über 80 Prozent der weltweiten Raffineriekapazitäten kontrollieren chinesische Firmen – geht es ans Eingemachte, zieht Brüssel den Kürzeren. Dieses Drohpotential ist real. Es ist so real, dass Produktionsbänder in den Schlüsselindustrien – vom Maschinenbau bis zur Automobilindustrie – stillstehen könnten, wenn der Zustrom Seltener Erden aus China abreißt. Washingtons Rohstoffstrategie, die auch die Exploration Seltener Erden in Grönland einschließt, ergibt vor dem Hintergrund der europäischen Erpressbarkeit auf einmal Sinn.
Brüssels Reaktionsschema auf den scharfen Wind – dies gilt sowohl in der Geopolitik als auch auf dem globalen Markt – ist beinahe schon nachvollziehbar. Jahrzehnte des Machttransfers vom nationalen Gesetzgeber hin zur Brüsseler Zentrale, der EU-Kommission, haben einen Regulierungskörper hervorgebracht, der als ein Art Extraktionsmechanismus fungiert, eine Steuer- und Gebührenquelle, die über Instrumente wie den CO₂-Zertifikatehandel kontinuierlich Erträge abwirft.
Dass die heimische Wirtschaft unter der Ägide dieses repressiven Regulierungsregimes Wettbewerbsfähigkeit verlieren würde, hätte jedem klar sein müssen. Dass auch der Versuch, Pseudo-Ökonomien wie den Klimakomplex oder eine europäische Rüstungsindustrie an die Stelle der alten Industrie zu verpflanzen, scheitern muss, sollte selbst den Brüsseler Zentralplanern inzwischen dämmern.
Unter den gegebenen Bedingungen bestehen eigentlich nur zwei Handlungsoptionen: Zum einen böte sich die Wiederherstellung einer Binnenwirtschaft an, die auf den Regeln der freien Marktwirtschaft beruht und die Wirtschaft auf lange Sicht wieder fit macht für den internationalen Wettbewerb. Oder – da die erste Option unter keinen Umständen in Betracht kommt: Man zieht die Zollmauern höher und entwickelt immer neue Strategien der Wohlstandsextraktion. Das kann mal die heimische Wirtschaft und den Steuerzahler treffen, mal, wie im Falle Temus, die ausländische Konkurrenz.
Woher das Geld im Einzelfall stammt, dürfte den Brüsseler Bürokraten inzwischen einerlei sein.



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Offensichtlich steht der Autor auf dem Standpunkt, dass Kinderspielzeug möglichst hoch mit Schadstoffen belastet sein soll, andere Produkte den Sicherheitsstandards auch nicht entsprechen müssen (z.B. USB Ladegeräte …). Temu ist berüchtigt dafür kaum zu kontrollieren, was auf seinem Marktplatz verkauft wird. So ist sein Marktplatz voller Artikel, die Patentverletzungen begehen, Schadstoffe enthalten oder nicht sicher sind. Der Autor nennt das Vorgehen gegen die Plattform Protektionismus. Dabei ist es schlicht etwas, das schon längst hätte passieren müssen: Gesetze und Vorgaben im EU Raum sind, wenn man hier etwas verkaufen will, einzuhalten. Auch von chinesischen Firmen. Temu wurde mehrfach ermahnt dies sicherzustellen,… Mehr
Bei der Bestellung über Temu und andere Plattformen, kann der Endverbraucher direkt von dem Preisgefälle „China vs. Deutschland“, profitieren. Das gefällt nicht jedem.
Völlig ohne Substanz ist die Kritik an unsicheren Produkten allerdings nicht aus meiner Sicht. Bei allem was mit 230 Volt betrieben wird, würde ich vorsichtig sein bei einem Kauf auf einer solchen Plattform.
Ich bin eine Temukonsumentin und sehr zufrieden, es wird immer wieder Angst geschürt, wie schlimm sie sind. Das mit dem Angstschüren ist in D. salonfähig geworden, aber weil sich immer weniger Menschen fürchten , dann muss Plan B daher und das nicht nur bei Temu. Ich finde Temu fantastisch, eigentlich kaufe ich meistens Produkte zum kochen und dort habe ich Sachen endeckt, über die ich überhauptnicht wusste, dass sie existieren, es erleichtet das kochen unglaublich. Alles war in Ordnung und 5x billiger, als bei Amazon.
Bei temu ist wie anderswo im Internet. Man muss schon selbst aufpassen was man tut.
Allerdings gibt es Waren und Angebote, die sonst für Verbraucher nirgends zu sehen sind oder zu Preisen auftauchen, die das Mehrfache betragen, weil zwei Händler daran auch noch schön verdienen wollen.
Nun ja, es ist wohl wie überall im Leben und das man dann auch bei Einkauf über Temu ein büttel selber und mitdenken sollte. Wobei hier dann wohl auch weniger Gefahren durch irgendwelches Kochzubehör als wie z.Bsp. durch elektronische „Spielzeuge“/Gerätschaften entstehen könnten(> lose Kabel, Stromschlag oder Brandgefahr). – – – Selber habe ich mich bei Temu noch nie umgesehen weil ich bisher vor allem der Meinung war, dass sich hier ein kostengünstiges Einkaufen alleine schon durch unsere Zoll-Gebühren/-beschränkungen am Ende nicht rechnen tut. Wobei man hier aber wohl auch nicht solch „Kleinigkeiten“ wie mögliche Reklamationen, lange Paketwege und Gebühren oder… Mehr
Das sollten sie, sich umschauen, bevor sie darüber schreiben.
Das soll jetzt keine TEMU-Werbung sein, aber Leserin prague hat Recht. Man sollte sich erst Urteile erlauben, wenn man auch selbst etwas weiß. Nie von Hörensagen. Sie haben bei TEMU keinerlei Probleme mit Zoll oder Versand, solange Sie nicht die erlaubten Grenzen überschreiten. Die Sendungen werden im Empfängerland vom Zoll geprüft, und kommen per Paketdienst bei Ihnen an. Ich habe bisher nie Einzelbestellungen größer als 50-100€ gemacht, niemals etwas mit Zoll zu tun gehabt. Und vermutlich könnte Deutschland etwas von den Chinesen lernen. Ich finde, die haben in kurzer Zeit eine perfekt funktionierende Logistik in Europa aufgebaut, und Service und… Mehr
Ja, wenn man vergleicht, gibt es oftmals die exakt gleichen Artikel wie bei Amazon, mitsamt gleicher Beschreibung und Bildern. Ich habe da schon Zeug bestellt, das kam ein Zehntel von dem was es auf Amazon gekostet hätte. Teilweise Elektronik…und wie gesagt, das EXAKT gleiche Produkt wie auf Amazon. Von daher ist diese lächerliche Strafe gegen Temu schon etwas kurios…außer man denkt mal um eine Ecke.
Ich bin so froh, dass diese Brüsseler Möchtegernautokraten wirtschaftlich so abrauchen, dass ihre Macht gegenüber China und USA immer kleiner wird. Wir hätten sonst als normale Bürger keine Chance mehr gegen diese Leute.
Gegen TEMU (und auch Shein u.a. chinesische Versender) läuft schon lange eine unfaire, weil unwahre Kampagne im ÖRR und anderen Medien, wo mit diversen Falschbehauptungen potentielle Kunden verängstigt werden sollen. Sei es, man behauptet Falschlieferungen, keine Rückgabemöglichkeiten, bzw. hohe Kosten, oder unsichere Artikel, hier werden besonders Babyartikel angeführt, oder die beliebten elektrischen/elektronischen Geräte, die eine tödliche Gefahr seien. Ich habe seit 2023 über 30 mal bei Temu bestellt, und war mit wenigen Ausnahmen sehr zufrieden. Reklamationen wurden durch Erstattung in Sekunden erledigt, wenn es um niedrigpreisige Artikel ging, ohne Rücksendung! Eine Rücksendung ging an ein Lager in Rumänien, mit Rücksendeschein,… Mehr
Temu hat schon Kooperations-Partner in EU, „regionales Lager“ ist dort auch selektierbar.
“ Das Unternehmen hat sein Lagernetzwerk erweitert und Fulfillment-Center in den Vereinigten Staaten (Kalifornien, Georgia, Texas), Europa (Deutschland, Großbritannien) und anderen internationalen Standorten eingerichtet, um die Lieferzeiten zu verkürzen.“
Zitat: „Mir wurde bereits Ende April in Rumänien eine Bearbeitungsgebühr von 5€ berechnet, trotz Versandkostenfreiheit, während eine Bestellung in Deutschland kurz danach noch kostenfrei war.
Da ich keine 5€ pro Sendung zahlen will, ist jetzt erstmal Bestell-Stop, aber ich hoffe, die Chinesen setzen die EU unter Druck“
> Mhh, bitte, wie genau sind hier Ihre Worte bezüglich der 5 Eur. zu verstehen?
Bedeutet es, dass man im Leyen’schen EU-Brüssel beschlossen hat, dass jede dieser China-/Temu-Sendungen bei EU-Eingang automatisch 5 Eur. Porto draufgebrummt bekommen?
Ich habe mal bei google nachgefragt, das ist mein aktueller Wissensstand: Auf Pakete aus China wird ab dem 1. Juli 2026 ein pauschaler Zoll von 3 Euro fällig. Diese neue Abgabe der Europäischen Union gilt für alle Kleinsendungen mit einem Warenwert von unter 150 Euro. Die wichtigsten Details zur neuen Regelung: Die 3-Euro-Pauschale: Ab dem 1. Juli 2026 fällt auf jedes Paket aus Nicht-EU-Ländern (wie China) ein fester Zoll von 3 Euro pro Artikel bzw. Artikeltyp an. Keine Freigrenze: Die bisherige Zollfreigrenze für Sendungen unter 150 Euro entfällt. Einfuhrumsatzsteuer: Die 19 % Einfuhrumsatzsteuer bleibt wie bisher ab dem ersten Cent… Mehr
Wer keine Zähne hat, kaut auf der Felge. Der Sohn meiner Großtante hatte einst zutreffend die Probleme in der DDR beschrieben. Die DDR habe gute Arbeitskräfte, gute Ingenieure.., aber keine Rohstoffe. Auch wir haben keine Rohstoffe, keine seltene Erden, keine Energie u.a. nur abgehobene Schwurbler. China hat uns längst überholt. Nur unsere Politdarsteller wollen nicht wahrhaben, daß sie nicht mehr mitspielen können, die Welt keinen Platz für kaputte Systeme hat. . Das Vertragskonstrukt der EU ist der untaugliche Versuch der Herrschaft über Nationalstaaten. Nur, wir leben nicht mehr im Mittelalter. Die EU kann diese Herrschaft nicht einfach beanspruchen. Sanktionen der… Mehr
Falsch, wir haben schon das Eine oder Andere. Man will sich nur nicht gern die Hände dreckig machen und verlagt deshalb von Anderen, das zu tun.
Danach reden wir dann hochnäsig über Umweltbelastung und Arbeitsbedingungen in den Förderländern, die uns aber nicht jucken, wenn wir den Stoff kaufen.
Eigentlich dürften wir ja aus China keine Seltenen Erden kaufen, wegen Zwangsarbeit von Uiguren und so Sachen, wenn wir unser Geschwätz ernstnehmen würden.
Eine -viellecht dumme- Frage:
Was passiert denn, wenn Temu, oder ggfs. auch X, die „Strafe“ einfach nicht bezahlt? Fliegt UvdL dann nach Peking und verhaftet den Chef?
Ach was, China kann uns da gar nichts:
„Zugänge, auf die wir uns verlassen können“: Reiche fordert von China sichere Lieferketten bei seltenen Erden (27.05.2026)
Man wundert sich, wo manche Leute leben, dass sie da irgendwas fordern.Das ist ja wie im 17. Jahrhundert, als Spanien das Gold der Neuen Welt forderte.