Düstere Quartalsbilanz bei Mercedes

Mercedes meldet sinkenden Umsatz und will die schwächelnden Zahlen durch Einsparungen stabilisieren. Das ist nicht nur für das traditionsreiche Unternehmen ein Problem, sondern auch für die Standorte: Einst blühende Autostädte verarmen zusehends.

picture alliance/dpa | Bernd Weißbrod

Der Umsatz im Konzern sinkt, der Gewinn steigt leicht. Das meldete heute früh Mercedes-Benz und reiht sich nach VW und BMW als dritter Autobauer ein, der sinkende Zahlen vermeldet. Im zweiten Quartal wurden mit 417.865 knapp sieben Prozent weniger Fahrzeuge verkauft, der Gewinn ging im Autobereich Mercedes-Benz-Cars um 26 Prozent zurück. Die bereinigte Umsatzrendite fiel von 5,1 auf nur noch 4,0 Prozent. Zum Vergleich: Noch vor wenigen Jahren ging Mercedes von zweistelligen Margen als Normalzustand aus. Für das Gesamtjahr verminderte der Konzern die Prognose.

Der Konzernumsatz sank im zweiten Quartal um 3,3 Prozent auf 32,1 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern, EBIT, stieg dagegen um 22 Prozent auf 1,55 Milliarden Euro. Unter dem Strich verdiente Mercedes 1,09 Milliarden Euro – 13,5 Prozent mehr als im Vorjahresquartal. An der Börse wurde das zunächst honoriert; die Aktie legte zeitweise um mehr als fünf Prozent zu.

Doch der Gewinnanstieg kommt nicht aus dem Verkauf von Mercedes-Pkw. Gestützt wurde der Konzern vor allem von den Transportern, der Finanzsparte, Kostensenkungen und Sondereffekten. Allein die geplante Veräußerung der Leasinggesellschaft Athlon steuerte einen positiven Effekt von 131 Millionen Euro bei. Die allgemeinen Verwaltungskosten wurden um 14 Prozent und die Forschungs- und Entwicklungsausgaben um zwölf Prozent gesenkt. Der Zustand des eigentlichen Kerngeschäfts dagegen sieht weiterhin mau aus. Der Gewinn wurde laut Mercedes-Benz-Zwischenbericht vor allem durch Sparen stabilisiert, nicht durch steigenden Absatz.

Noch schärfer fällt die unbereinigte Rechnung aus. Nach Wertminderungen von 704 Millionen Euro auf chinesische Beteiligungen blieben in der Pkw-Sparte gerade noch 49 Millionen Euro EBIT übrig, nach 783 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Das entspricht einem Rückgang um 94 Prozent und einer Umsatzrendite von nur noch 0,2 Prozent.

Als Hauptgrund wird der Einbruch auf dem wichtigsten früheren Wachstumsmarkt China angegeben. Dort verkaufte Mercedes im zweiten Quartal nur noch 98.624 Pkw, 30 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Im gesamten ersten Halbjahr lag das Minus bei 28 Prozent. Zuwächse in Europa von vier Prozent und in den USA von zehn Prozent konnten diesen Absturz nicht ausgleichen. Weltweit sank der Pkw-Absatz im zweiten Quartal um acht Prozent auf 417.765 Fahrzeuge.

Dabei schwächeln gerade jene teuren Modelle, auf die Mercedes unter dem Vorstandsvorsitzenden Ola Källenius seine Strategie besonders ausgerichtet hatte.

Der Absatz der sogenannten Top-End-Fahrzeuge ging um zehn Prozent zurück. Von den S-Klasse-Modellen wurden 15 Prozent weniger verkauft, von AMG-Modellen elf Prozent und von Maybach sieben Prozent. Auch die C-Klasse verlor elf Prozent. Lediglich die G-Klasse legte um drei Prozent zu.

Der Konzern verweist auf Modellwechsel, zurückhaltende chinesische Käufer und den aggressiven Preis- und Technologiewettbewerb einheimischer Hersteller. Tatsächlich haben chinesische Marken den deutschen Premiummarken vor allem bei Software, Bedienung, Elektrotechnik und Preisgestaltung erheblich zugesetzt.

Mercedes hebt zwar hervor, dass der Absatz reiner Elektroautos um 51 Prozent auf 52.852 Fahrzeuge gestiegen sei. Diese Zahl muss allerdings „eingeordnet“ werden, wie das so schön heißt: Denn gleichzeitig brach der Absatz der Plug-in-Hybride um 41 Prozent ein.

Insgesamt verkaufte Mercedes sieben Prozent weniger elektrifizierte Fahrzeuge als im Vorjahresquartal. Ihr Anteil am gesamten Pkw-Absatz stieg daher nur minimal von 20,7 auf 20,9 Prozent – vor allem auch deshalb, weil der Gesamtabsatz deutlich schrumpfte. Von einem allgemeinen elektrischen Durchbruch kann also kaum eine Rede sein.

Die Stützen des Konzerns befinden sich außerhalb des Pkw-Kerngeschäfts. Mercedes-Benz Vans erzielte ein bereinigtes EBIT von 454 Millionen Euro und eine weiterhin respektable Marge von 10,2 Prozent. Die Finanzsparte steigerte ihr bereinigtes EBIT sogar um 70 Prozent auf 492 Millionen Euro. Ohne Transporter, Finanzierung und Leasing sähe das Quartalsergebnis erheblich düsterer aus.

Der langfristige Abstieg setzt sich fort. Bereits 2025 hatte sich der Konzerngewinn auf 5,3 Milliarden Euro nahezu halbiert; das ausgewiesene EBIT war um 58 Prozent auf 5,8 Milliarden Euro gefallen. Der Umsatz sank damals um neun Prozent.

Für 2026 hatte Mercedes zunächst mit einem stabilen Umsatz und einem Pkw-Absatz auf Vorjahresniveau gerechnet. Diese Prognose wurde nun kassiert: Sowohl der Konzernumsatz als auch der Pkw-Absatz sollen gegenüber 2025 „leicht“ sinken. Die bereinigte Pkw-Marge soll zwar weiterhin zwischen drei und fünf Prozent liegen, Finanzvorstand Harald Wilhelm erwartet sie jedoch eher am unteren Ende dieses ohnehin schwachen Korridors.

Vorstandschef Källenius versprach am Dienstag weitere Kosteneinsparungen, insbesondere in Deutschland, um die Rentabilität zu stützen.

Mercedes will mit der größten Modelloffensive seiner Geschichte dem Abwärtstrend begegnen. Geplant sind mehr als 40 neue oder überarbeitete Modelle zwischen 2025 und 2027. außerdem soll das Sparprogramm verschärft werden; seit 2019 sollen die Fixkosten bereits um etwa 25 Prozent gesunken sein. Nun stehen besonders die deutschen Standorte im Mittelpunkt. Der Vorstand verlangt schnellere Abläufe, schlankere Strukturen und mehr Arbeitszeit ohne zusätzlichen Lohn.

Zugleich wird die Produktion im ungarischen Kecskemét ausgebaut, wo inzwischen auch die neue elektrische C-Klasse gebaut wird. Das ist das eigentliche Warnsignal auch an das grüne ehemalige Autoland Baden-Württemberg: Mercedes verlagert Investitionen und Produktionswachstum zunehmend an kostengünstigere Standorte.

Für die einst reichen Autostädte Stuttgart und Sindelfingen wird der Mercedes-Abstieg damit zur kommunalen Haushaltskatastrophe. Die Landeshauptstadt Stuttgart nahm 2023 noch knapp 1,5 Milliarden Euro Gewerbesteuer ein; für 2026 werden nur noch rund 700 Millionen Euro erwartet. Die Stadt rechnet allein für 2025 mit einem Defizit von rund 785 Millionen Euro und will bis 2030 etwa 2,4 Milliarden Euro Kredite aufnehmen.

Noch brutaler trifft es Sindelfingen mit dem größten Mercedes-Pkw-Werk: Der Gewerbesteueransatz für 2026 musste von mehr als 128 Millionen auf nur noch 30 Millionen Euro gekürzt werden; gegenüber dem guten Jahr 2023 bleibt weniger als ein Zehntel. Erschwerend kommt hinzu, dass die Sindelfingen in den letzten Monaten etwa 172 Millionen Euro an Gewerbesteuern erstatten musste.

Der kommunale Sanierungsstau wird mit mehr als 900 Millionen Euro angegeben. Sindelfingen befinde sich in einer strukturellen Krise, so der Oberbürgermeister hilflos.

Wenn Mercedes weniger verdient, Produktion verlagert und Stellen abbaut, fehlen den Städten nicht nur Gewerbesteuern. Auch Kaufkraft, Einkommensteueranteile, Aufträge für Zulieferer und die wirtschaftliche Sicherheit der gesamten Region schwinden. Aus den jahrzehntelang vom Stern finanzierten Wohlstandskommunen werden innerhalb kurzer Zeit Sparstädte, die Gebühren erhöhen, Investitionen verschieben und freiwillige Leistungen kürzen müssen.

Vorbei die Zeiten, da sich Sindelfingen als reichste Stadt Deutschlands Zebrastreifen aus Carrara-Marmor leisten konnte.

Dies alles wesentlich verursacht von einem schwarz-grünen ideologischen Kampf gegen Benzin- und Dieselfahrzeuge, den gerade die Grünen in Baden-Württemberg heftig befeuern.



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