„Unredliche Idee“: Handwerk fordert sofortigen Stopp der 1.000-Euro-Prämie

Handwerkspräsident Jörg Dittrich fordert die Streichung der geplanten „Entlastungsprämie“. Der Staat wälze damit die Verantwortung auf die ohnehin stark belasteten Betriebe ab. Er fürchtet zudem um den sozialen Zusammenhalt – „das letzte, was wir jetzt brauchen“. 

picture alliance / SvenSimon | Frank Hoermann/SVEN SIMON
Jörg Dittrich, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), München, 06.03.2026

Angesichts der scharfen Kritik aus der Wirtschaft fordert der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) die Bundesregierung auf, die Pläne für eine Entlastungsprämie über 1.000 Euro je Arbeitnehmer sofort wieder zu stoppen.

Der „Bild-Zeitung“ sagte ZDH-Präsident Jörg Dittrich, es wäre gut, „der Staat würde diese unredliche Idee schnellstens wieder einkassieren und durch einen anderen Vorschlag ersetzen“. Ziel müssten Maßnahmen sein, die „endlich Entlastung für Leistungsträger bringen“.

Darum ging es nämlich beim Koalitionsausschuss zu den Maßnahmen der Regierung, neben den Verbrauchern auch die Wirtschaft angesichts der hohen Energiepreise „spürbar“ zu entlasten. Stattdessen kam ein Überwälzen der Entlastung auf die Arbeitgeber, die ebenfalls unter den hohen Lasten ächzen, die ihnen durch hohe Energiekosten, ausufernde Bürokratie und steigende Sozialabgaben auferlegt werden? Die Folgen: Insolvenzen auf Rekordniveau.

Viele Betriebe kämpfen ums Überleben. Jedes dritte Unternehmen plant im laufenden Jahr, Stellen abzubauen, wie die aktuelle IW-Konjunkturumfrage zeigt. „Schnelle Hilfe für die Wirtschaft“ sieht anders aus. Unternehmen müssen entlastet werden, wenn Stellenabbau, Betriebsschließungen und Standortverlagerungen verhindert werden sollen.

 

Dittrich beklagte: „Diese Prämie ist sozial ungerecht und wirtschaftspolitisch falsch. Der Staat wälzt damit nicht nur die Verantwortung auf die ohnehin stark belasteten Betriebe ab. Sie ist auch dazu geeignet, den sozialen Zusammenhalt in unserem Land zu beeinträchtigen. Das ist das letzte, was wir jetzt brauchen.“

Es gehe nicht darum, ob man die 1.000 Euro zahlen wolle, sondern ob man zahlen könne. „Viele Handwerksbetriebe stehen unverschuldet mit dem Rücken zur Wand, obwohl sie fleißig und innovativ arbeiten. Wie schwierig die aktuelle Lage ist, sieht man auch an den Absagen von Vertretern der öffentlichen Hand wegen fehlender Finanzierungsmöglichkeiten.“

Die Bundesländer sträuben sich laut einer Umfrage, den Beschäftigten im Öffentlichen Dienst die Prämie von 1.000 Euro zu zahlen, zehn lehnten bereits ab. Bayern, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Thüringen haben noch keine abschließende Entscheidung getroffen.

Handwerks-Präsident Dittrich weiter: „Es droht eine Zwei-Klassen-Gesellschaft zwischen denen, die zahlen, und denen, die es einfach nicht können. Das produziert Enttäuschungen bei Beschäftigten und Frustration bei Betriebsinhabern. Das sehen wir auch an der zunehmend aufgeheizten Debattenlage.“

Die Prämie bietet keine sinnvolle Lösung, sondern richtet lediglich Forderungen an die Arbeitgeber, die aus der Sicht von SPD und der Linken ohnehin als „reich“ gelten.

Merz will „Entlastungsprämie“ auch 2027 gelten lassen

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) meinte zur Prämie: „Das ist ein weiterer Beitrag zur Entlastung der Geldbeutel angesichts gestiegener Benzinpreise.“ Er hatte angekündigt, den Arbeitgebern sogar ein Jahr mehr Zeit geben zu wollen, die Prämie in Höhe von 1.000 Euro ihren Arbeitnehmern steuer- und abgabenfrei zukommen zu lassen.

Als wäre es die Aufgabe von Arbeitgebern, ihre Arbeitnehmer finanziell zu entlasten, die zuvor durch falsche Politik und zur Finanzierung des Staates belastet wurden. Auf die harsche Kritik reagierte Merz arrogant mit den Worten. „Ich sehe die Kritik, ich teile sie nicht.“ Es sei ein Angebot an Arbeitgeber und Arbeitnehmer, sagte er am Rande des Besuchs des irischen Regierungschefs.

Ganz gönnerhaft sagte er weiter: „Es ist ein Angebot von uns, um in einer schwierigen Zeit Betrieben und Beschäftigten eine Erleichterung bei Steuern und Sozialversicherungsabgaben zu geben.“

Wie großzügig von der Regierung, in der schwierigen Zeit, die sie mit falscher Politik verschärft hat und weiter zunehmend verschärft, „eine Erleichterung bei Steuern und Sozialversicherungsabgaben zu geben“. So dreht der Kanzler rhetorisch die Prämie, die eine zusätzliche Belastung für Betriebe bedeutet, in eine Entlastung durch die Regierung, indem sie Erleichterung bei Abgaben gibt.

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Kommentare ( 43 )

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Helfen.heilen.80
1 Monat her

Mit dieser Idee will sich m.E. jmd. politisch Zustimmung ernten. Grade für personalintensive Betriebe ist das ein Tiefschlag, siehe Friseure oder Gastro. Schon klar, in der Kommentarspalte geht jeder davon aus, dass die lieben Mitarbeiter Verständnis dafür haben, wenn das Geschäft diese Summen nicht ausspucken kann (blabla). In der Realität: diese – Nichtauszahlung – durch Betriebe, die es sich nicht leisten können, ist ein Tropfen mehr, der die Mitarbeiter dazu treibt, sich nach einem Arbeitgeber umzusehen, der es sich eben leisten kann. Dann sollte sich aber keiner beklagen, wenn er als Endverbraucher die 1.000 € anteilig mit auf die Dienstleistung… Mehr

Bedenkentante
1 Monat her

Wenn man Handwerken über Wochen keinen Termin bekommt, damit eine simple Reparatur erledigt wird, geht es ihnen nicht so schlecht. Das wird nicht für alle Branchen gelten, aber für sehr viele. Ich finde die Idee grundsätzlich gut. Es ist ja kein Muss. Außerdem wissen Mitarbeiter im Regelfall sehr gut, wie es um ihren Betrieb steht und ob etwas für den Chef leistbar ist oder nicht. Die Verständigen, die in der Mehrzahl sind, werden dann auch damit leben können, wenn es keine Sonderzahlung gibt. Und auf die Krakeeler braucht niemand zu hören: Sie können ja wechseln und werden im Regelfall gerne… Mehr

Chrisamar
1 Monat her

A) Übersicht mit KI: Die genaue Höhe der Aufwandsentschädigung, die der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), aktuell Jörg Dittrich, für sein Ehrenamt erhält, wird nicht öffentlich ausgewiesen.  Ehrenamtlicher Charakter: Die Position des ZDH-Präsidenten ist laut Satzung ein Ehrenamt. Dennoch ist bei Spitzenverbänden eine monatliche oder jährliche Aufwandsentschädigung für den enormen Zeitaufwand üblich.Keine Transparenz: Es gibt keine öffentliche Aufschlüsselung der Bezüge. In der Vergangenheit wurde kritisiert, dass über die Höhe der Aufwandsentschädigung für das oberste Handwerksamt keine Informationen an die Öffentlichkeit gelangen.Vergleichswerte: Ehrenamtliche Präsidenten von Handwerkskammern (HWK) oder Industrie- und Handelskammern (IHK) erhalten je nach Größe der Kammer sehr unterschiedliche Entschädigungen, wobei Berichte aus… Mehr

Last edited 1 Monat her by Chrisamar
Dundee
1 Monat her

Da sagt Merz mal was Gutes und schon ist das auch wieder nicht recht. Der arme Fritze macht aber auch wirklich ALLES falsch. Hat der Fritze eigentlich schon dem Trump gratuliert, zur Befreiung der Straße von Hormus? Hat er nicht? Ach so. Die Straße ist immer noch bzw schon wieder blockiert. (Blockade, Blockade * Video von Snicklink) Wie? Der Fritze will die Straße von Hormus jetzt selbst befreien? Fritze macht was, was Trump schon nicht kann? Was da wohl draus wird ? Nix. Egal was da gemacht wird. Es wird nix draus. Geld wirds kosten. Auf jeden Fall viel Geld.… Mehr

Gernoht
1 Monat her

Das können die grünen Sozialisten gut, das Geld der anderen ausgeben.

merkelinfarkt
1 Monat her

Ist „Unredlichkeit“ mittlerweile nicht der Markenkern der Union? Nichts für Deutschland alles nur für´s Klima!

A. Loeffler
1 Monat her

1.000 Euro ist eh zu mickrig. 20.000, und im öffentlichen Dienst 35.400! Mal ehrlich, das sollte uns jeder wert sein, der täglich dies oder das oder sogar beides tut. Und woher soll bitteschön der typische bundesdeutsche Parteifunktionär oder gar Abgeordnete wissen, ob Unternehmen sich das leisten können? Wo doch alle Unternehmer jedenfalls steinreich sind.

Buck Fiden
1 Monat her

Liebe , Mittelständler, liebe Handwerkers! Endlich fällt der Groschen, dass ihr nur billige Statisten in einem billigen“Unseredemokratie“ PR- Stunt seid. Aber wenn ihr weiter so Mauerschützen- Pinocchio- Klimaterroristen- Sozialismusparteien wählt, dann lasst euch ruhig weiter ausbeuten oder missbrauchen.
Klar soweit?

NochNicht2022
1 Monat her

Typischer Anti-AfD-Hetzer aus der woken und saturierten BRD-Unternehmerschaft: Erst wenn es an’s Zahlen aus der eigenen Tasche geht, dann paßen plötzlich die Wünsche bzw. Forderungen der UnsereDemokratie-Parteien nicht mehr. Der schlaue Mann hat hat nicht verstanden, daß nun sein pauschaler „Beitrags-Obulus“ – die Partei-Mitglieder zahlen ja auch ihre Monatsbeiträge – für die UnsereDemokratie-Parteien, eben auch für scheinbar „Parteilose“ (wg. dem Geldsparen) und System-Mitläufer fällig wird: Wie bestellt so serviert … Also zahlen und die Klappe halten guter Mann. Zu spät. Ansonsten: Weitergehen …

LS
1 Monat her

Als Unternehmer kann ich meinen Mitarbeitern erklären, dass sie die 1000 Euro als steuerfreien Teil des Weihnachtsgeldes bekommen werden. So gesehen ist es ok für Firmen wie meine, wo standardmäßig Weihnachtsgeld gezahlt wird. Wenn der Staat aber meint, Unternehmer könnten das Geld locker zusätzlich ausschütten, obwohl Idioten in der Politik trotz ausschließlich negativer Effekte die grüne „Energiewende“ weitertreiben und damit die deutsche Wirtschaft vor die Wand fahren, dann ist es mal wieder eine Frechheit. Die Aufrechterhaltung der CO2-Bepreisung bei der wirtschaftlichen Talfahrt zeigt den ganzen Zynismus der politischen Kaste. Emissionshandelssystem sofort abschaffen, dann werden viele Weichen neu gestellt und es… Mehr