Steinmeiers erste ChatGPT-Weihnachtsansprache

Steinmeier meint, die Welt habe sich 2023 „von ihrer dunklen Seite gezeigt“. Dabei war Steinmeier als Außenminister, Vizekanzler und zuletzt als Staatsoberhaupt über Jahre hinweg derjenige, der die heraufziehenden dunklen Seiten sehr aktiv nicht sehen wollte.

IMAGO / Metodi Popow
Frank-Walter Steinmeier, Bundespräsident, Deutschland, Berlin, Schloss Bellevue, Weihnachtsansprache des Bundespräsidenten, 22.12.2023

Wetten, dass ….! Wetten, dass die Weihnachtsansprache 2023 des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier die erste dieser Ansprachen ist, die mit KI (Künstlicher Intelligenz) bzw. ChatGPT (GenerativePre-trainedTransformer) generiert wurde!? Es ist dies übrigens – puh! – die siebte Weihnachtsansprache von Steinmeier; drei stehen uns noch bevor, ehe er Anfang 2027 nicht wiedergewählt werden kann.

Weihnachtsansprache mittels KI und ChatGPT – das ist ganz einfach, kann mittlerweile nicht nur (fast) jeder Abiturient: Man gibt ein paar Begriffe ein, und schon ist eine Rede fertig: „Demokratie, Demokraten, Grundgesetz, Mut, Miteinander, Zusammenrücken, Dank, keine einfachen Antworten, gegen Wut und Verachtung, Hoffnung, friedliche Welt, Ukraine, Israel, Hamas …“ Auch der dazu passende präsidiale Singsang samt Bild kann mit KI generiert werden.

Wir haben uns die Rede vorab schon mal angetan und außerhalb von ChatGPT – ganz unfrisiert – acht der generierten „Gedanken“ weitergesponnen bzw. „hinterfragt“, wie man kirchentagsdeutsch sagt.

1. Steinmeier meint, die Welt habe sich 2023 „von ihrer dunklen Seite gezeigt“. Dabei war Steinmeier als Außenminister, Vizekanzler und zuletzt als Staatsoberhaupt über Jahre hinweg derjenige, der die heraufziehenden dunklen Seiten sehr aktiv nicht sehen wollte, weder die aggressive russische Expansionspolitik noch die brutale Politik der iranischen Mullahs gegen das eigene Volk und gegen Israel. Da kann man Steinmeier dann doch folgen, wenn er sagt: „Ich verstehe, dass es manchmal einfach zu viel wird. Dass man am liebsten vor der Wirklichkeit in Deckung gehen möchte.“

2. Steinmeiers Dank für das Geleistete gilt neben der Bundeswehr und den Kliniken der Feuerwehr und der Polizei. Hier wäre es ja mal eines Halbsatzes wert gewesen, gerade die zermürbende Arbeit der beiden letzteren auch in Zusammenhang mit denen zu bringen, die randalieren und blockieren: die Silvester- und Schwimmbadchaoten und die Klimakleber.

3. Steinmeier warnt davon, sich von der Demokratie abzuwenden. Ja bitte, welches Verständnis von Demokratie meint er denn? Das Verständnis der aus dem Boden schießenden Meldestellen (Denunziationsstellen), das Verständnis der zahllosen, linksschrägen und bestens alimentierten „Demokratieförder“-Programme, die Vetternwirtschaft in Ministerien und Öffentlich-Rechtlichen, die Personalpolitik einer Nancy Faeser, die Verramschung des deutschen Passes, das Demokratieverständnis des Herrn Haldenwang, das Demokratieverständnis der Parteiausschlüsse, die Erinnerungslücken eines Kanzlers, diverse Hau-Ruck-Gesetzgebungsverfahren …

4. Steinmeier sagt: „Ja, es ist berechtigt, von den politisch Verantwortlichen zu erwarten, dass sie um den richtigen Weg ringen, aber auch, dass sie Antworten geben, die uns als Land weiterhelfen“. Aber was tut Steinmeier? Er adelt Demokratieverächter, Nichtstuer und Querschläger mit höchsten deutschen Orden. Darunter eine Damals-Kanzlerin Merkel, die schon auch mal per Anruf aus dem fernen Südafrika die völlig korrekte Wahl eines Thüringer Ministerpräsidenten umdrehte. Darunter die Ministerpräsidentin des Landes Rheinland-Pfalz, in dem es im Ahrtal auch 30 Monate nach der todbringenden Flut an vielen Stellen immer noch so aussieht wie im Juli 2021. Während eine Außenministerin Baerbock und eine Entwicklungsministerin Schulze weltweit Abermillionen Euro verteilen. Darunter Thüringens Ministerpräsidenten, der seit 2020 eine Minderheitsregierung führt und sein damaliges Versprechen, alsbald Neuwahlen anzustreben, rasch auf Eis gelegt hat. Darunter eine Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, die eine von Gazprom gesteuerte Stiftung auf illegaler Basis betrieben ließ.

5. Steinmeier sagt: „Die Bürger dürften erwarten, dass Demokraten zusammenarbeiten.“ Auch hier wäre nach Steinmeiers Definition zu fragen, wen er als „Demokraten“ sieht. Implizit grenzt Steinmeier – je nach Region – zwanzig bis über dreißig Prozent der Bürger aus, denen er unterstellt, sie würden Parteien folgen, die „so tun, als gäbe es immer die eine einfache Antwort auf die Fragen der Zukunft.“ Dass eine junge Partei seit sechs Jahren im Bundestag und in 15 Landtagen sitzt und nach wie vor bei der Besetzung von Parlamentsämtern ausgegrenzt wird, dass deren Wähler (es geht um ein Fünftel bis ein Drittel des Volkes) wie Un-Demokraten behandelt werden, ficht das Staatsoberhaupt nicht an.

6. Steinmeier meint, „alle Menschen“ müssten in den Blick genommen werden, »egal wo und wie sie leben: ob in der Stadt oder auf dem Land, ob sie jung sind oder alt, ob sie zugewandert sind oder schon immer hier leben.« Und: »Weiter kommen wir immer nur gemeinsam, und nicht, wenn jeder sich in seine Lebenswelt zurückzieht.« Warum bringt es Steinmeier nicht wenigstens einmal über die Lippen zu sagen, dass Integration nicht nur eine Bringschuld der (Noch-)Mehrheitsgesellschaft, sondern zuerst einmal eine Bringschuld der Zugewanderten ist. Und dass es keine Parallelgesellschaften, noch dazu mit eigenen Rechtssystemen und „Friedensrichtern“, geben kann.

7. Steinmeier meint, er habe keinen Satz 2023 so oft gehört wie diesen: „Ich schaue mir keine Nachrichten mehr an.“ Viele Menschen hätten ihm von dem Bedürfnis erzählt, abzuschalten statt die bedrückende Weltlage an sich heranzulassen. Naja, das hat in den wenigsten Fällen damit zu tun, dass die Leute die Lage in der Welt und in Deutschland ausblenden wollten, sondern dass sie es satthaben, wie sie von den Öffentlich-Rechtlichen indoktriniert werden.

8. Und dann der ultimative Knüller: „Machen wir uns doch öfter bewusst: Deutschland ist und bleibt ein gutes Land.“ Steinmeier sagt „ist“, er hätte ehrlicherweise sagen sollen: „war!“ Aber da hat ChatGPT wohl auf eine alte Rede Steinmeiers zurückgegriffen. Am 3. Oktober 2020 hatte er gesagt: “Wir leben im besten Deutschland, das es jemals gegeben hat.” Einige mutige Zeitungen haben die Vorabmeldung über Steinmeiers Weihnachtsrede 2023 jetzt schon kommentieren lassen. Wir geben nachfolgend ein paar Lesereinträge zum Satz „Deutschland ist und bleibt ein gutes Land“ wieder: „Aber wohl nicht für den steuerpflichtigen Arbeitnehmer … Am ehesten passt diese Aussage auf die Profiteure des adipösen Sozialstaates … leistungsfeindlich für Arbeitgeber und Arbeitnehmer, heruntergewirtschaftet, industriefeindlich, fördert Arbeitsunwillige … Stimmt, für die, die Hände aufhalten … Das Volk fährt an die Tankstelle und in den Supermarkt und sieht die Errungenschaften ….“

Wer sich die Rede immer noch antun will: Sie wird am 1. Weihnachtsfeiertag nach den Hauptnachrichten im ZDF (19.08 Uhr) und in der ARD (20.10 Uhr) ausgestrahlt. Und dann atmen wir sechs Tage durch, denn dann müssen wir in Deckung gegen vor der Silvesteransprache des Kanzlers.

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Kommentare ( 73 )

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Evero
1 Monat her

Wenn man eine Ansprache von diesem linken Bundesfrühstücksdirektor gehört hat, reicht das. Dann kennt man auch alle folgenden. Übrigens das Amt könnte Deutschland gut einsparen.

CGohlke
1 Monat her

Das ist ja kein Wunder. Wenn man bei ChatGPT eingibt „sozialistischer, abgehalfterter Despot mit deutlich überschrittener Halbwertszeit sucht abgedroschene Parolen für die letzten Dummen im Volk“ dann sucht die KI natürlich die Ansprache Honeckers zum 40. Jahrestag der DDR heraus.

sailoralex
1 Monat her

Es tut mir leid, aber ich kann unser Staatsoberhaupt derzeit nicht mehr hören und sehen…

Sabine W.
1 Monat her

Nicht, dass ich mir diesen verbalen Ausguss angehört hätte, aber leider kam man ja auch unfreiwillig nicht daran vorbei. Drei Gedanken, die mich aufgemuntert haben: 1. ChatGPT steckt offensichtlich noch in den Kinderschuhen. Eine echte KI hätte das besser hingekriegt. 2. Die ÖR-Sender sparen endlich an ihren Ausgaben für unnötige Produktionen – oder war das etwa nicht die Wiederholung der Ansprache vom letzten Jahr…? 3. Ich arbeite gerade an einem neuen Bullshit-Bingo und hab mich wirklich gefreut, nur über Zitate und Ausschnitte der Rede an ganz viele Begriffe zu kommen, die ich noch darin verarbeiten kann. Danke, Herr Bundespräsident! Mein… Mehr

Gunter Zimmermann
1 Monat her

Angesichts dieser ersten das deutsche Volk verhöhnenden Ansprache und der folgenden zweiten an Silvester hoffe ich, dass dieses Volk im Jahre 2024 den Bauern folgt und endlich gemeinsam gegen diese Ausbeuter und „Expropriateure“ aufsteht.

Deutscher
1 Monat her
Antworten an  Gunter Zimmermann

Ich lobe das Engegement der Bauern ausdrücklich, möchte aber auch zu bedenken geben: Die stehen auch nur auf, wenn sie selber betroffen sind. Habe über die Jahre die Erfahrung gemacht, dass man mit Arbeitern, Handwerkern usw. über die grundsätzlichen Dinge der Politik reden kann, aber nicht mit Bauern. Die halten sich stets bedeckt. Einer sagte mir von ein, zwei Jahren noch, dass er den Grünen seine Wiese zur Verfügung stellen würde, damit sie neben der Straße ein großes Wahlplakat aufstellen können, wenn sie ihn danach fragten, auch wenn er die Grünen nicht so gut findet. Andere habe ich auf den… Mehr

Last edited 1 Monat her by Deutscher
ludwig67
1 Monat her

Ich kenne niemanden, der sich diese sinnlosen Weihnachts- und Neujahrsansprachen anschaut oder anhört. Beide sind eine intellektuelle Zumutung, genau wie die derzeitigen Amtsinhaber.

Was NMP zu irgendetwas zu sagen hat, ist irrelevant, so wie der Mann und sein Amt.

Albert Pflueger
1 Monat her

»Weiter kommen wir immer nur gemeinsam, und nicht, wenn jeder sich in seine Lebenswelt zurückzieht.« 
Das ist es, das lupenreine Bekenntnis des Kollektivisten. Die Vorstellung, daß jeder Einzelne, der im wohlverstandenen eigenen Interesse handelt und sich dabei keineswegs in „seine Lebenswelt zurückzieht“, sondern seinen Beitrag leistet, und dadurch nicht nur sich, sondern auch die Gesellschaft voranbringt, ist solchen Leuten fremd. Sie läßt nämlich keinen Platz für die Gesellschaftsverunstalter und Profiteure, wie Steinmeier einer ist.

Sumpfdotterblume
1 Monat her

Oh mein Gott, nicht für Geld und gute Worte würde ich mir eine Rede von Steinmeier antun =/:-o
Mit Wulff begann der Abstieg, spätestens seit seiner Islam-Aussage. Gauck war ein noch schlechterer Bundespräsident mit seinen Äußerungen über Deutschland, die Deutschen, sowie zu Corona. Aber Steinmeier ist jetzt die Krönung. Die Serie seiner „Ausrutscher“ mehr als nur peinlich. Der Höhepunkt dabei mMn die Ordensverleihung an Merkel.
Man braucht gar nicht über ihn und seine Fähigkeiten urteilen, er disqualifiziert sich im Grunde genommen selbst für dieses Amt.

Juergen Semmler
1 Monat her

Herr Steinmeier kommt mir vor wie…

…..ein Relikt aus der „Stein“zeit…..

……und würde in einem Museum …

………als urzeitliches Fossil …..

………….mächtig Eindruck machen.

WIE mitreißende – u.v.a. – frei gesprochene Vorträge aussehen und wirken, hätte Herr Steinmeier beim ..

…Jahresrückblick 2023 (Dieter Nuhr)

erleben können.

Dellson
1 Monat her

Dieses Amt ist wie das bestehende Wahlrecht zurückgeblieben aus einer Zeit wo das gemeinsam erlebte Schicksal eines verlorenen Krieges das bindende Band zwischen Bürger und Volksvertreter waren. Durch die Öffnung aller Grenzen, physisch und psychisch, wurde diese Willensbildung einseitig durch die Parteien zerschnitten. Die Kinder entließen ihre Lehrer! Warum sollte der Souverän auf einen Funktionär hören, der nicht direkt von ihm gewählt wurde? Er keinen Einfluss hat auf die Auswahl der abgesprochenen Kandidaten und die Ernennung ihrer Reihenfolge. Das ganze höfische Spektakel dann aber noch huldigen soll, mit der von ihr getragenen Monstranz der Sicherheit jetzt unangreifbar den Büttel da… Mehr