So richtig in die FFF-Zeit? Lassen wir es darauf ankommen.

Wenn es argumentativ nicht mehr möglich ist, die verblendete Vox populi wieder in vernünftige Bahnen zurück zu schieben, gelingt das nur mit einem radikalen, alles verändernden Schnitt. Wir sollten es darauf ankommen lassen.

imago images / Hoch Zwei Stock/Angerer
Berlin, Tempelhofer Feld Mai 2019

Fontane wusste, dass es sinnlos sein wird. Gegen eine Dummheit, die gerade in Mode ist, komme keine Klugheit auf, gab er uns schon vor 130 Jahren mit auf den Weg. Egal, wie sehr sich kluge Köpfe auf Tichys Einblick, den wenigen noch selbstständig denkenden Medien oder sozialen Netzwerken die Finger wund schreiben, egal, wie vehement der eigene Widerstand gegen die Sirenen der Klima-Scientologen ist – die Welle an immer schrägeren Ideen, um ein einstiges Hochtechnologievorbild zurück ins vorindustrielle Zeitalter zu prügeln, ist nicht mehr zu stoppen. Mit viel gutem Zureden nicht, aber mit überzeugenden, realistischen Argumenten schon gar nicht.

"Nano"
Der Mann bei 3sat und sein CO2-Fußabdruck
Es wird also, nein, muss darauf hinauslaufen, das Land und den Teil der Gesellschaft, die sich in einem grün angestrichenen DDR-Revival am wohlsten fühlen würde, einer Radikaldiät zu unterziehen. Irgendwann, wenn nichts mehr hilft, soll es eben ein kleiner Schubs sein, der erst einmal Agonie in Aussicht stellt, aber danach den Verstand aufräumt und ihn neu formt. So in etwa, als vor 470 Millionen Jahren ein Asteroid auf die Erde knallte und das irdische Leben erst bedrohte. Um es dann erst recht aufblühen zu lassen. Nur: Die Chance, dass so ein extraterrestrischer Resetknopf das noch einmal schafft, steht verschwindend gering. Darauf zu setzen, verspräche beim Buchmacher zwar die besseren Quoten. Den sicheren Gewinn würde der Spieler allerdings einstreichen, wenn er das Kreuz bei denen macht, die den Zug unaufhaltsam gen Abgrund steuern. Aber statt Halt zu machen nur “schneller” rufen.

Damit die Wette durchgeht, dürfen die Vernünftigen, die Realos, die klar denkende Mehrheit (oder schon die Minderheit?), sich ihnen nun nicht mehr in den Weg stellen. Machen lassen, nicht mehr aufbegehren, nicht mehr lustig machen, nicht mehr den gedanklichen Mittelfinger strecken, wenn der FFF-Zug aufmarschiert. Die Klappe halten, sobald sich Ökowarte in unser Leben einmischen, uns Flug-, Steak-, Kreuzfahrt- oder Was-weiß-ich-für-eine-Scham einreden wollen.

Streik der Zahler
Freitags-Demo: Wenn die schweigende Mehrheit streikt
Frieren wir im FFF-Winter. Geben wir den Grashalm-Masochisten endlich Raum, alles zu verleugnen, kaputt zu reden und letztlich kaputt zu machen, was unser Land groß gemacht hat. Akzeptieren wir das fleischlose Leben. Lassen wir die Mangelernährung endlich kommen. Nehmen wir in Kauf, dass die 30 Millionen Elektroautos die Energieversorgung zusammenbrechen lassen, sobald nur ein Drittel an die Steckdose muss. Ach, was rede ich, gewöhnen wir uns endlich an dunkle, stromlose Abende bei unter Null, sobald die halbe Nation den Fernseher anmacht, um zu sehen, was die Bauernräte an neuen Verheißungen bringen, akzeptieren wir endlich, dass es nur ein lautes “Ohh” gibt, wenn die Handys saftlos blinken oder die elektronischen Whiteboards in unseren total durchdigitalisierten Bildungseinrichtungen tatsächlich nur noch weißes Rauschen anzeigen, weil auch das zwanzigmillionste Windrad nicht die Energie bringt wie zwei Kernkraftwerke vor ihm.

Mobilität? Geht auch mit FFF-Eselskarren. Nehmen wir dann auch in Kauf, dass die Sterblichkeitsraten ansteigen, weil Kranke nicht mehr schnell genug in die Kliniken kommen. Finden wir uns damit ab, nicht mehr ständig irgendwo hinfahren zu können. Pfeifen wir auf unsere kulturellen Einrichtungen, auf deren Künstler, auf Zerstreuungsindustrien, die dann absterben, weil niemand mehr zuschauen kann.

Beachten wir nicht weiter die fremden Kulturen, die zu achten und zu lernen man uns immer eingebläut hat, die dann aber Millionen an deutschen Urlaubern vermissen, die ihnen einst Lohn und Brot bescherten. Warenversorgung, Kapital, Freiheit, selbstbestimmtes Leben sind im grünen Utopia Begriffe, die nur noch anachronistisch verwendet werden. Richten wir uns ein in einer Verbotswelt, in der alles ausstirbt, außer die Dummheit.

Gar kein Streik oder was?
Von der solidarischen DDR, dem Ende des Kapitalismus und anderen Systemfehlern
Weil irgendwie alles und jeder CO2 verursacht, ist neben den SUVs und den Billigflügen wahrscheinlich bald auch das Netflixen und Googeln dran. Was jucken uns dann Millionen Arbeitslose mehr, wenn die Autoindustrie und ihre Zulieferer endlich zerstört wurden und uns keine Diesel-verseuchten Schwaden mehr um die Nase streichen. Gönnen wir all das und den tiefen Fall ins Nichts denen, die das inzwischen jede Minute penetrieren.

Den Lehrern, die Kinder vor versammelter Klasse FFF einnorden, weil diese nicht mit zu Klimastreiks pilgern möchten. Den FFF-Aktivisten, die SUV-Fahrer auf offener Straße mobben und ihnen (noch nur) Aufkleber auf den Lack anbringen, die deutlich machen sollen, dass dort ein Umweltzerstörer fährt. Schauen wir uns an, wie ein Smartphone-verliebter Teil der FFF-Jugend plötzlich wieder zu Faden und Blechbüchse greifen muss, um sich zu verständigen. Und sehen wir zu, wie andere Nationen mit dem Finger auf uns zeigen und meinen, die Deutschen hätten aus ihren Vergangenheiten nichts gelernt.

Wenn es argumentativ nicht mehr möglich ist, die verblendete Vox populi wieder in vernünftige Bahnen zurück zu schieben, gelingt das nur mit einem radikalen, alles verändernden Schnitt. Wir sollten es darauf ankommen lassen.


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Kommentare ( 231 )

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231 Kommentare auf "So richtig in die FFF-Zeit? Lassen wir es darauf ankommen."

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Da die Rolle der Öffentlich-Rechtlichen so oft angesprochen wird – jetzt will auch die FDP diese umbauen (mit Kostenersparnis und mehr Neutralität, hoffe ich):

https://www.welt.de/kultur/medien/article200749066/FDP-Medienpolitiker-wollen-ARD-und-ZDF-umbauen.html

Wer Geld anlegen will, sollte in den Bau von privaten Irrenanstalten investieren.
Paradoxerweise kann man ein Rad ab-haben und es trotzdem drehen, zumindest in Schweden:
https://www.youtube.com/watch?v=M-xJopfyJT8

Und wenn es mir beim Zusehen noch so weh tut, die irrlichternde Gesellschaft wird wohl einmal voll gegen die Wand laufen müssen, bevor wieder Vernunft einzieht. Im Osten unseres Landes sozialisiert und die ganzen 40 Jahre DDR mitgemacht, hätte ich nie und nimmer gedacht, dass das Land fast in toto so in Hysterie verfällt und sich über den Nuckel ziehen lässt. Der FFF-Wahnsinn hat inzwischen ein solches Stadium erreicht, dass die Protagonisten ohne Gesichtsverlust nicht mehr zurückkönnen, selbst wenn „der da oben“ plötzlich und wider Erwarten Hirn schmeissen sollte. Also, wird weitergemacht bis es kracht und in der Hoffnung dann… Mehr

Ergänzung: Im FAZ-Text wird eine brisante Frage gestellt: Was passiert, wenn demokratische Mechanismen für drastische Klimaschutz-Schritte nicht ausreichen sollten?

https://www.xing.com/communities/posts/greta-thunberg-ein-ganz-aussergewoehnlicher-mensch-1016458330?comment=37056367

Warum sind eigentlich die „Klimaaktivisten“ in der Regel jung, weiblich und besserwisserisch? Das fängt bei Greta an und endet in den nationalen „Führungsebenen“ von FFF. In jeder Talkshow des letzten Monats zum Klima konnte man eine Klima-Aktivistin kennenlernen.
Gretas Auftreten vor der UN war der Auftritt einer vorlauten, pubertierenden Göre. Mich wundert, dass die Regierungschefs sie nicht geschnitten haben. Merkel hat sich sogar mit ihr getroffen.

Die jungen Damen sind nicht besserwisserisch, sie sind allein wissend.

Weil man da mit selbstgemalten Plakaten erlaubt kollektiv-kreischend und hüpfend „Party“ machen kann. Und wenn das dann noch „für die gute Sache“ (also laut „Bauchgefühl“) ist, dann sind die Mädels dabei!
Die Fotos werden dann auf dem Smartphone gespeichert und dann ganz „klimaneutral“ bei Instagram und Facebook hochgeladen (deren Server bekanntlich ja nur mit Öko-Grünstrom laufen #Ironie) und dort tauscht man sich darüber aus, wer das coolste Outfit auf der Demo anhatte.

Deutschland diskutiert über Verbote (wird im Artikel explizit angesprochen), China baut Mega-Flughäfen – in Deutschland kann man nur neidisch und beschämt werden:

https://www.welt.de/wirtschaft/article200923956/BER-Desaster-Pekings-Mega-Airport-ist-beschaemend-fuer-uns.html

„Fridays for Hubraum“ – jetzt heulen sogar schon die Motoren auf 🙂
https://www.ruhrbarone.de/facebook-fridays-for-hubraum-groesser-als-fridays-for-future/173597

Es gibt bereits ein Klimaneutrales Land:
Venezuela
Die Regale leer,
die Benzintanks leer,
die Opposition im Knast.
Das grüne Paradies schlechthin.
Die Deutschgrünen und Linken haben schon gratuliert.
Da wollen wir doch auch hin, sind auf dem Besten Weg.
Wir schaffen das.

@“Wenn es argumentativ nicht mehr möglich ist, die verblendete Vox populi wieder in vernünftige Bahnen zurück zu schieben“

Wenn das wahr wäre, hätte Fr. Merkel Fridays-Gängelungsträume 1:1 erfüllt. Sie und ihre Kollegen wissen gut, dass die Leute gar nicht so verblendet sind – hoffentlich geben sie nicht nachträglich nach.

Quod erat demonstrandum. Anders geht es offenbar nicht. Lasst sie ihren Willen haben. Dann dient Deutschland wenigstens noch als schlechtes Beispiel und Warnung für andere. Denn andere werden nicht so unendlich dumm sein und dem deutschen Weg folgen. Der vernünftige Rest unter den Deutschen wird vielleicht irgendwann nach Österreich oder in die Schweiz auswandern müssen, nach Polen oder Ungarn. Die Zurückgebliebenen (im wahrsten Sinne des Wortes) können dann in der Sauce schmoren, die sie sich selbst angerichtet haben. Ein grünes Biotop, ent-industrialisiert, ent-zivilisiert, mitten in Europa. Vielleicht wird Ex-Deutschland dann eine Freizeiteinrichtûng für die anderen Europäer, nach dem Muster von… Mehr