Nürnberg: Revolution mit heißem Tee und Lebkuchen

Um 13:45 Uhr wurde der Aufstand beendet. Nicht ohne Verweis darauf, dass die nächste Klimademonstration erst im neuen Jahr stattfindet. Klar, es sind bald Weihnachtsferien.

@ Steffen Meltzer

Prima Klima, nicht nur in Lima, sondern auch in Nürnberg. Rein zufällig stieß ich in der fränkischen Großstadt mitten ins Geschehen unserer heutigen verwöhnten Wohlstandskinder. Die „Revolution“ fand am Freitag ab 12:30 Uhr auf dem Jakobsplatz statt, ich beschloss zu bleiben. Zu meiner Enttäuschung gab es kein Freibier, dafür aber kostenlosen Kuchen, heißen Tee und Lebkuchen. In unserer Spaßgesellschaft muss an alles gedacht werden, soll es keine enttäuschten Gesichter geben und die Revolution ins Wasser fallen.

Sogar der Bayerische Rundfunk (BR) ist mit einer Kamera vor Ort. Gefilmt wird nicht aus der Supertotalen, sondern im Nahbereich, denn sonst würden die wenigen Teilnehmer auf dem Platz relativ verloren aussehen. Die Polizei zeigt sich gefällig und wird von „bis zu“ 130 Teilnehmern berichten, der BR schließt sich nur allzu gern dieser aufgebauschten Zahl an. Offensichtlich war die Teilnehmerzahl zu gering, das hier verwendete Bild nimmt sich wie aus dem Archiv aus. Meine wohlwollende Zählweise endet bereits bei bestenfalls „bis zu“ 70 Teilnehmern, meistens Schüler und einige merkwürdig aussehende ältere Herrschaften, Typ Berufsrevolutionäre.

Durch das Programm führt (natürlich) ein weibliches hoffnungsvolles Nachwuchstalent. Junge Frauen können besser Emotionen ausdrücken und auf die Zuschauer übertragen als die etwas steif und schüchtern wirkenden Jungs auf dem Rednerpult. Das ist ein sehr wichtiger Teil der professionellen Animationsshow.
Schon schreit die Anheizerin ins Mikrofon: „Wer nicht hüpft, ist für Kohle, hey, hey, wer nicht hüpft, ist für Kohle, hey, hey.“ Auf das Kommando springen alle los und brüllen wie wild mit. Alle, außer ich, der nunmehr entlarvt ist. Ich ernte umgehend kritische Blicke des Unverständnisses, einer muss ja auffallen. So bin ich schnell als alter weißer Mann, der das böse Weltklima auch im Amazonas herbeigeführt hat, identifiziert.

PR-Desaster - Aber für wen?
Bahn: Thank you for traveling with Greta
Als ein Redner sich darüber echauffiert, dass der „Deutschen Umwelthilfe“ der Status der „Gemeinnützigkeit“ aberkannt werden soll, klatsche ich als einziger spontanen Beifall. Der Mann in meinem Alter, der die ganze Zeit neben mir stand, entfernt sich daraufhin sofort einige Schritte von mir. Ist eigentlich der BR noch da? Schließlich will man nicht in Verdacht geraten, neben jemandem zu stehen, der es nicht erwarten kann, dass bei diesem dubiosen Abmahnverein die Lichtlein ausgeknipst werden. Nicht auszudenken, wenn so etwas Kompromittierendes im Fernsehen zu sehen wäre!

Spontan fällt mir zwischendurch ein, wäre jetzt nicht regulärer Schulunterricht? Revolution statt Schule, ich gestehe, das hätte mir früher auch gefallen.

Immer wieder kommt die Rede auf die Abholzungen und Brandrodungen des Regenwaldes. Dort versteppt die Landschaft und einheimische Tiere müssen sterben, damit unsere Schweine und Kühe genug zu fressen haben. Igitt, Fleischkonsum! Ein empathieloser Schuft, wer das nicht nachvollziehen will. Wieder werden Wahrheiten mit Halbwahrheiten und Propaganda vermischt, um Emotionen (Gedankenappell: verbrennen Fellnasen mit großen Kulleraugen, voll gemein) und Weltuntergangsängste zu erzeugen.

Jetzt muss schon wieder gehüpft werden. Versammlungsteilnehmer, die (noch) nicht mitmachen, werden von der Stimmungsmacherin sofort über das Mikro ermahnt.

Der nächste Redner erregt sich über die Eroberung der „dritten Welt“ im Jahr 1492. Seiner Ansicht nach Beginn der Klimazerstörung, und natürlich sind wir Europäer daran schuld. Die Einheimischen hätten sowas nicht gemacht. Stimmt, ihnen hat dazu mancherorts die Technologie gefehlt. Dafür hat man sich gern gegenseitig ins Jenseits bekämpft oder als Menschenopfer dargebracht. Der „romantische Wilde“, zu viel Karl May gelesen. Zwischen 1530 und 1780 wurden über eine Million Europäer von Muslimen verschleppt und als Sklaven gehalten. Als 1722 der niederländische Seefahrer Jacob Roggeveen als erster Westeuropäer die Osterinsel entdeckte, staunte er über die kahle Landschaft. Alle Bäume waren von den Einheimischen bereits abgeholzt wurden. Die einstigen dichten Wälder wurden nicht durch neue Anpflanzungen ersetzt.

„Wie radikal werden die Klimaaktivisten?“
Mail von Extinction Rebellion
In den letzten über 500 Jahren ist so einiges passiert. Der dreißigjährige Krieg ist auch schon ein paar Jahre her. Wie die Söldner den Schuss einer Muskete überlebten, muss für „Fridays for Future“ einem Weihnachtswunder gleichkommen. Nicht, weil sie eventuell von einem Projektil (Kugel) getroffen wurden, sondern weil die Feinstaubbelastung durch das Treibladungspulver enorm war. Europäer haben übrigens in der Gesamtheit meistens andere Europäer getötet und nicht Bewohner anderer Kontinente.

Mir fällt auf, viele Schüler tragen teure Markenschuhe. Die Kinder offenbar weniger wohlhabenderer Eltern müssen sich mit Adidas und Nike (Kinderarbeit?) zufrieden geben. Manche fotografieren sich gegenseitig mit dem iPhone, andere müssen sich mit den „Neuen Erden“ (Vorsicht Kindersklavenarbeit) im nicht so angesehenen Smartphone zufriedengeben. Der eigene Beitrag zur Vorbeugung des Klimawandels? Sollen doch gefälligst andere …

Um 13:45 Uhr wurde der Aufstand beendet. Nicht ohne Verweis darauf, dass die nächste Klimademonstration erst im neuen Jahr stattfindet. Klar, es sind bald Weihnachtsferien. Dann geht es für nicht wenige mit dem Flieger in die wärmeren Gefilde. Vergesst bitte auch nicht, eure Projekttage in der Klasse zu planen. Ich schlage eine Flugreise nach Barcelona vor, dort kann man prima shoppen gehen.
Holt mich die Mama jetzt im SUV ab?

Es wird aber auch einmal Zeit, Anerkennung und Komplimente gegenüber den Organisatoren von „Fridays for Future“ zu machen. Rein methodisch war die Veranstaltung erste Sahne. Der Schwerpunkt wurde auf die Erzeugung emotionaler Botschaften gelegt. Durch gemeinsames Hüpfen, Singen, rhythmisches Klatschen und eingespielte laute Musik wurde ergo ein kollektiver Gleichklang erzeugt. So werden Inhalte eingepeitscht und tief ins Unterbewusstsein gepflanzt. Hinzu wird das Bedürfnis befriedigt, dass Menschen als soziale Wesen einer Gemeinschaft Gleichgesinnter angehören wollen. Vor allem wenn man sich moralisch erhöhen kann und auf der Seite des Guten wähnen.

Wenn man manipulativ verführen will, erreicht man mit dieser professionellen Methodik fast perfekt die Psychologie der Massen.

Hier wurde, ähnlich Gretas Foto im ICE, nichts dem Zufall überlassen.
Für mich hatte die Veranstaltung eine sektenhafte Anmutung.


Steffen Meltzer, Autor von Ratgeber Gefahrenabwehr: So schützen Sie sich vor Kriminalität – Ein Polizeitrainer klärt auf

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Kommentare ( 22 )

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22 Kommentare auf "Nürnberg: Revolution mit heißem Tee und Lebkuchen"

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ich bin nur einmal in meiner bayerischen Kleinstadt mit Ausläufern der Demo der Wohlstandskids in Kontakt geraten. Ein Mädchen hatte ein Schild mit der Aufschrift:“jeder Mensch ist ein Klimaschädling“ und sie wollte mich in äußerst aggressiver Weise in eine Diskussion zwingen. Sie und 3 ihre Mitschülerinnen stellten sich mir in den Weg und irgendwann war es mir zu blöd und ich forderte sie alle auf, sofort in den Fluss, auf dessen Brücke wir standen, zu springen, immerhin wären sie ja auch Klimaschädlinge. Ich versicherte ihnen noch, dass ich keine Hilfe holen würde, wenn sie schon dem Klima Gutes tun wollen.… Mehr

Wenn ich über diese angehenden usurpatorisch-idiokraten Gören lese, bin ich mal wieder froh, dass es bei mir mit der Verhütung ein Leben lang funktioniert hat. Meinen Spaß hatte und habe ich trotzdem.

Solange die Hüpflinge freiwillig zu diesen Veranstaltungen gehen….bitte….sollen sie. Aber immer öfter werden sie durch „Le(e)hrkräfte“ dazu angestachelt…..in einigen elitär linken Schulen wird bei Anwesenheit Freitags bereits eine Art Strafarbeit durchgeführt….die sicherstellen soll…nächsten Freitag gehst Du mit….sonst findet wieder „ätzender“ Unterricht statt. Ausgenommen von diesen Zotten sind Schulen mit überwiegend Mihigru Klientel….denen ist weder das Ende der Welt durch CO2 Emissionen noch der Verzicht auf Auto oder Fleisch näher zu bringen….allerdings schwänzt man hier auch die Schule (nicht nur Freitags) nur eben für weitaus profanere Dinge als die Weltenrettung. Wie auch immer….das Hauptproblem der Hüpfveranstaltungen sind nicht die Teilnehmer….die sind… Mehr

Wissen die kids, dass schon die Indianer durch Brandrodung terra preta erzeugten, um den Boden überhaupt urbar zu machen und landwirtschaftlich auf Dauer zum Überleben nutzen zu können? Nein?
Und dass in Deutschland inzwischen Forschungen laufen, so erzeugte fruchtbaren Erde teuer zu verkaufen?
Gut über Zusammenhänge informierte Menschen müssen viel weniger hüpfen – finden Sie nicht?

Ich habe mich köstlich amüsiert…

Scientology arbeitet auch mit Muskelerinnerung. Also die Implementierung von einem Drang zu hüpfen und zu jubeln. Früher marschierte man, heute geht Gehirnwäsche eben mit hüpfen einher. Nicht denken! Handeln! Dies muß zu einem Reflex werden, dann hat man den Humanoiden im Sack.

An Scientology muss ich auch immer denken, wenn ich die Freitagshüpfer hüpfen sehe! Es erinnert nicht an eine Sekte, es ist eine Sekte! Das Gretel ist die neue L. Ron Hubbard* in und ihre rechte Hand,, das Luischen aus sehr reichem Hause, quasi die Gauleiterin für die deutsche Unterabteilung, mit berechtigtem Anspruch auf Beförderung!

Wenn Sie jetzt eine Trillerpfeife dabei gehabt hätten, dann hätte sich kleine Schar gefühlt, wie diejenigen, deren Veranstaltungen sonst mit höchstem Segen akustisch untermalt werden. Dann wäre das mit erster Sahne nichts geworden.

Solche Zusammenkünfte sind ohne Verstand und Vernunft…Zombies unter sich.
Einfach nur erbärmlich!

Zum einen: außer seinem Winnetou in einigen Büchern hat Karl May Indianer nicht romantisiert. Er schrieb proindianisch, und sein Indianerbild war nicht realistisch, aber auch er schreibt von Skalpierungen und Abschlachtungen. Zum anderen: Hüpferei für das Klima scheint auch in den USA vorzukommen – ich habe vor einiger Zeit eine Karikatur gesehen: sprungseilhüpfende Kinder, die martialisch einen „War against climate Change“ ausrufen. Ein Erwachsenet steht daneben und prophezeiht, der werde wie die Kriege gegen Armut und gegen Drogen ausgehen. Zum dritten: Diese Kinderlein sind natürlich pro Kohle. Aber die muss von den Eltern kommen und die Form von großen Euro-Scheinen… Mehr

„Rein methodisch war die Veranstaltung erste Sahne. Der Schwerpunkt wurde auf die Erzeugung emotionaler Botschaften gelegt. Durch gemeinsames Hüpfen, Singen, rhythmisches Klatschen und eingespielte laute Musik wurde ergo ein kollektiver Gleichklang erzeugt.“
Bei der Hitlerjugend hat man ähnlich gearbeitet. Das Ergebnis ist bekannt.

Wahrscheinlich ist das kurze Video aus dem Jahr 2007, als die ARD noch breit und offen über den Klimaschwindel berichtete, hier über vom IPCC zensierte Klimawissenschaftler https://www.youtube.com/watch?v=EzPvaqVNJjY&feature=youtu.be Scheinen schon damals recht harsche Strukturen, dort in Potsdam und weltweit bei diesen Themen offene Forschung zu reglementieren. Aber Hüpfer interessieren sich anscheinend nicht für das, was wirklich ist? Wenn ihnen Zweifel kommen, werden sie, wie die Wissenschaftler im Video, abgehalten, ihre Erkenntnisse adäquat zu veröffentlichen? Mich würde interessieren, was die Forscher jetzt machen und wie sie ihre Forschungen weiter geführt haben. Die Jugend damals hat sich ja auch gehütet, Kritik am System… Mehr

İch finde diese ewigen „Vergleiche“ zwischen den heutigen „Klimahüpfern“ und Jugendorganisationen wie die Htlerjugend wenig passsend.
Man vergißt dabei naemlich meistens, dass wir dabei von ganz verschiedenen Zeiten reden, ob wirtschaftlich, technologisch, sozial oder auch gesellschaftlich. Somit lassen sich auch schwer hier Vergleiche ziehen, außer vielleicht in Einsatz der Mittel. Nur die waren in allen Jugendorganisationen, ob HJ, kommunistische oder sozialistische Jugend, Pfadfinder oder FDJ, ziemlich gleich.