Nach der Räumung von Liebig 34 die Ausschreitungen dagegen

Dass es in der Nacht nach der Räumung zu weiteren Exzessen kam, spielt allenfalls in der Lokalpresse eine Rolle. 1.700 überwiegend junge, schwarz gekleidete Sympathisanten rotteten sich zusammen, marschierten durch die angrenzenden Straßen; sie warfen Feuerwerkskörper, Flaschen und Steine gezielt auf Einsatzkräfte.

imago Images/Christian Thiel

Man muss sich die Relationen vergegenwärtigen und – wäre die Sache nicht so skandalös – auf der Zunge zergehen lassen: Am 29. August 2020 versuchen „Rechte“, „Verschwörungstheoretiker“ und „Corona-Leugner“ angeblich den Reichstag zu „stürmen“. Sie kommen ein paar Treppen hoch, dann verhindern drei (3!) Polizisten den „Sturm“; sie werden vom Bundespräsidenten dafür ausgezeichnet. Am 9. Oktober 2020 braucht es 1.500 Berliner Polizisten, um nach 30 Jahren endlich die widerrechtliche Besetzung des Hauses an der Berliner Liebigstraße 34 im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg durch das „anarcha-queer-feministische Kollektiv“ zu beenden, das Gebäude zu räumen und 57 „Personen herauszuführen“: 57 „Personen“ – die laut Verfassungsschutz zum Kern der gewaltbereiten linksextremen Berliner „Anarcho-Szene“ gehören.

1.500 Bundesverdienstkreuze wird es dafür wohl nicht geben. Und wir haben auch kein Wort des Bundespräsidenten, der Bundeskanzlerin, des Bundesinnenministers, der Bundesjustizministerin oder des sonst auf allen „social-media“-Kanälen präsenten Bundesaußenministers vernommen: kein Wort des Dankes an die Polizisten, die einen stinkenden und verwahrlosten Augiasstall ausräumen mussten und von denen 19 bei der Räumung verletzt wurden, auch kein Wort der Verurteilung „linker“ Gewalt haben wir vernommen.

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Die Medien hielten sich auffallend zurück. Nun ja, es wurde berichtet, aber es gab keine Sondersendungen, wiewohl die Räumung nach 30 (!) Jahren wahrlich „historischen“ Charakter hatte. Es dominierten an diesem Tag die Erinnerung und das Gedenken an „Halle“ – an den Angriff eines rechten Extremisten vom 9. Oktober 2019 auf eine Synagoge in Halle, bei dem schließlich zwei unbeteiligte Passanten ermordet wurden. Wir wollen nichts unterstellen oder gar zynisch werden: So gesehen, war das Datum der Räumung günstig gewählt.

Dass es in der Nacht nach der Räumung zu weiteren Exzessen kam, spielt allenfalls in der Lokalpresse eine Rolle. 1.700 überwiegend junge, schwarz gekleidete Sympathisanten rotteten sich zusammen, marschierten durch die angrenzenden Straßen; sie warfen Feuerwerkskörper, Flaschen und Steine gezielt auf Einsatzkräfte. In der Nähe des Hackeschen Marktes wurden Steine in Schaufenster geworfen. Zwölf Autos wurden angezündet. Eine Vielzahl von Fahrzeugen und Schaufensterscheiben anliegender Geschäfte wurden beschädigt. Sieben der insgesamt 19 verletzten Polizisten kamen erst im Laufe des Abends zu Schaden.

„Lasst uns einen wilden und chaotischen Oktober erleben!“

Und es soll offenbar so weitergehen. Unmittelbar nach der Räumung meldete sich „Liebig34“ im Internet zu Wort. Zu lesen sind hier folgende Drohungen: „Wir sind traurig. Wir weinen. Wir sind erschöpft. WIR SIND WÜTEND … Dieser Akt der Gewalt [gemeint ist die Staatsgewalt, JK] wird in einem Akt der Gegengewalt und Selbstverteidigung explodieren … Diese Räumung ist ein Moment der Radikalisierung. Wir können ihn nutzen und gemeinsam unseren Hass auf diese Scheiße Ausdruck verleihen … Wir sind so viel mehr als dieses Haus – wir sind Anarchist*innen, Feminist*innen, Queers und Antifaschist*innen, die jetzt ihren Wut bündeln und das kapitalistische Patriarchat bis zuletzt angreifen werden … Lasst uns gemeinsamen einen wilden und chaotischen Oktober erleben! 34 Millionen Sachschaden – wir sind schon gut dabei. Liebig34 lebt. Liebig34 kämpft.“
Quelle: http://liebig34.blogsport.de/

Na ja, man geht darüber hinweg. Die „Liebig34“-Netzseite ist bislang nicht gesperrt. Es stehen ja bis hinauf in hohe Politik zu viele Sympathisanten dahinter. Die grün-dunkelrote Bezirksregierung hatte ja nichts unversucht gelassen, die Räumung zu verhindern. Und die Zwangsgebühren-Medien (hier Deutschlandfunk Kultur) lassen „Historiker“ zu Wort kommen, die von Häuserbesetzungen als „Laboratorien der Liberalisierung“ schwadronieren.

Schieflagen in Medien und Forschung

Damit wiederholt sich etwas, was in zwei lesenswerten Büchern exakt beschrieben ist. Karsten D. Hoffmann hat soeben nach zehn Jahre währenden Recherchen ein Buch mit dem Titel geschrieben: „Gegenmacht – Die militante Linke und der kommende Aufstand“. Darin stellt er unter anderem dar, wie (bewusst?) hilflos das Gewaltmonopol des Staates drangegeben wird und wie linke Gewalttäter die politische Willensbildung beeinflussen, ohne dass eine adäquate gesellschaftliche oder politische Reaktion erfolgte.

Das andere Buch hat das Ehepaar Klaus Schroeder, Monika Deutz-Schroeder verfasst. Titel: „Der Kampf ist nicht zu Ende. Geschichte und Aktualität linker Gewalt“. Dort schreiben die beiden von einem „asymmetrischen Blick auf Extremismus.“ Das zeige sich unter anderem in den Medien und in der Forschung. Wörtlich: „Auf Seiten der Fernsehsender von ARD bis NTV übertreffen Berichte und Filme über Rechtsextremismus die über Linksextremismus um ein Vielfaches. Bei der ARD z.B. stehen im Frühjahr 2018 53 Treffer für Linksextremismus 444 für Rechtsextremismus gegenüber.“ Oder: „Im Karlsruher Virtuellen Katalog, auf dem alle neun Verbundkataloge Deutschlands zugänglich sind, finden sich knapp 15.000 Sucherergebnisse für Rechtsextremismus und knapp 640 für Linksextremismus.“ (Faktor: 23!) Und: An der Bibliothek der FU Berlin gibt es 1.000 Treffer für Rechtsextremismus und 36 für Linksextremismus.

Wenn „freie“ Schulen auch noch mitmischen

Bei so viel Einseitigkeit können Teile „engagierter“ Pädagogik offenbar nicht zurückstehen. So hatte die „Freie Schule Kreuzberg“ für den 9. Oktober, den Räumungstag, dazu aufgerufen, sich mit den Hausbewohnern zu solidarisieren. Lehrer und Eltern wollten sich unmittelbar in der Nähe des Hauses versammeln. An anderer Stelle war davon die Rede, man wolle „sich in der ersten Reihe“ mit den Bewohnern der Liebigstraße 34 solidarisieren.

Linksextremismus in Berlin
So verlief die Räumung des besetzten Hauses in der Liebigstraße 34
Sogar die Teilnahme von Kindern war offenbar geplant. „Kundgebung für Groß und Klein“ steht auf einem Plakat, das von Kindern bemalt wurde. Und: „Bringt gerne Transpis & alles was Krach macht mit!“ „Wir stehen zusammen für die Verteidigung der Hausprojekte und Kneipen, Clubs und Veranstaltungsräume, Schulen und Kitas, die für Alle Menschen, gleich welchen Geschlechts, welcher Herkunft, welchen Aufenthaltsstatus, welchen Bildungshintergrunds, welcher religiösen Zugehörigkeit, welcher sexuellen Identität und welchen Alters offen stehen!“, stand auf der Website der Schule.

Die Beteiligung von Kindern war dann aber angeblich eine Falschmeldung. Wahrscheinlich haben die überaus solidarischen und bewegten Lehrer und Eltern kalte Füße bekommen. „Es hat niemand die eigenen Schüler aufgerufen“, sagt eine gewisse Emily B. von dem „Aktionsbündnis freies Lernen liebt freies Leben“. Und Emily B. weiter: „Wir als Eltern haben unsere Kinder nicht mitgebracht, die unterliegen doch der Schulpflicht.“ Wie diese Schulpflicht freilich gewährleistet ist, wenn Lehrer nicht unterrichten, sondern demonstrieren, sagte sie nicht.

Es bleibt die Frage: Wie kann es ein Berliner Senat dulden, dass eine „freie“ Schule gegen das staatliche Gewaltmonopol mobil macht? Diese Schule bekommt vom Staat 92 Prozent der Personalkosten erstattet. Geld vom braven Steuerzahler, Geld letztlich auch aus dem Länderfinanzausgleich, von dem Berlin fast 40 Prozent abschöpft: exakt 4,33 Mrd. Euro von insgesamt 11,2 Mrd.

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Kommentare ( 49 )

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Kaltverformer
18 Tage her

An diesem Ungleichgewicht kann man sehr schön sehen, wie sehr dieser Staat von Sozialisten bereits erobert wurde.
Wer die Aufnahmen von diesem besetzten Haus gesehen hat, wie sehr diese „Aktivisten“ dort gehaust haben, was für ein Schweinestall das ist, in dem sich dieses Gesindel wohl fühlt, der kann die Zukunft erahnen, die diese Staatsfeinde für uns vorgesehen haben.

Gleichzeit aber von Hartz IV und aus den Fördertöpfen des Steuerzahlers sich aushalten lassen – marxistische Schmarotzer eben.

F.Peter
18 Tage her

Die Bilder aus dem geräumten Anwesen, die diese Tag zu sehen waren, zeigen doch eines deutlich: zivilisiert können die Linken nicht! In deren Kopf herrscht schon nur die Anarchie!

Otis.P. Driftwood
18 Tage her

„Das sieht hier ja aus wie in Liebig 34!“ Hempels Sofa hat ausgedient und kann auf den Sperrmüll.

Sabine W.
18 Tage her

Von welchem Geld leben diese Terroristen eigentlich? Richtig, vom Geld des ‚Schweinestaats‘, den sie bekämpfen. Und wer ist dieser ‚Schweinestaat‘? Richtig, das sind die Bürger, deren Autos sie anzünden und deren Schaufenster sie einwerfen. Vorschlag an die linken Terroristen: Ihr kriegt ein winzig kleines Stück Deutschland. Dort könnt ihr euch selbst versorgen – und zwar definitiv ohne Hilfe dieses ‚Schweinestaats‘ und seiner Bürger, die für euren Lebensunterhalt sorgen (müssen). Ab sofort ist die Sozialhilfe gestrichen, Krankenversorgung könnt ihr durch euren selbstgewählten Medizinmann erledigen, dat Bier für eure Birnen dürft ihr selbst brauen, ebenso euren Nahrungsmittelbedarf aus eigener Hände Kraft (falls… Mehr

Sonny
18 Tage her
Antworten an  Sabine W.

Bravo Sabine! Auf den Punkt!

Sonny
18 Tage her

Macht endlich Schluß mit dem Länderfinanzausgleich.
Das wäre die absolut wirksamste Methode, diesen Linksfaschisten das Handwerk zu legen.

Thorsten
18 Tage her
Antworten an  Sonny

Solche Forderungen aus Bayern sind sehr selten geworden. Erstaunlich wie die CSU akzeptiert, den Berliner Sumpf zu finanzieren.

F.Peter
18 Tage her
Antworten an  Sonny

Volle Zustimmung! Es kann nicht sein, dass das Geld, was andere sauer verdient haben, von diesen Linksfaschos mit vollen Händen sinnlos verschleudert wird!
Wenn die mal wieder ihr Geld selbst verdienen müssen, haben die auch weniger Zeit, ihrer faschistischen Gesinnung durch Gewalt und Randale Ausdruck zu verleihen!

Jens Frisch
18 Tage her

„Bringt gerne Transpis & alles was Krach macht mit!“
Genau diese Infantilisierung ist es, die Wörter wie „Lauti“ hervorgebracht haben: Die Linken im Jahr 2020 sind einfach nur noch debil und geisteskrank – anders kann ich mir derartige Begriffe und deren kognitive Dissonanz (z.B. lieben den Islam – der Islam hasst sie) nicht erklären.

Mimung
18 Tage her
Antworten an  Jens Frisch

Zum Teil ist es auch ein Zeichen von Überheblichkeit bzw. ein Überlegenheitsgefühl. Nur wer sich für unangreifbar hält und seinesgleichen für die größte Gefahr auf dem Planeten wahrnimmt, kann so gönnerhaft über den Islam und die dritte Welt reden, wie es die Linken tun. Linkes Gedankengut wird nicht vom Wirgefühl getragen, sondern von Scheinheiligkeit und einem klaren Oben- (was können wir) und Unten (den Bemitleidenswerten) Denken bestimmt. Wer von Linken bemitleidet wird, wird von Linken nicht auf Augenhöhe gesehen (Stichwort: Islam).

Matthias Arnold
18 Tage her

Was erwartet man von diesen Regierungsdarstellern die sich einen BP geschaffen haben, der auf Hass und Gewalt steht. Er empfiehlt Konzerte von „Stinkender Sahne Fischkadaver“ wo diese Chaoten von „Knüppel auf Bullen“ krächzen. Linker Dreck und Schund ist doch Lebenselexier für dieses verkommene System. Rechtschaffende Menschen die einen ordentlichen Broterwerb nachgehen, selbständig Rechnen und Denken und auch kritisch sind, nicht „Wir haben Platz“ kreischen gelten in diesen Land bereits als Rechte, Nazis usw. Dieses Links-Grüne Merkel System welches in Deutschland herscht ist nur noch Krank!

Marcel Seiler
18 Tage her

Die Polizei kann gar nicht gegen die Liebig-34-Gewalttäter vorgehen. Die haben (siehe Reitschuster-Portal) genug damit zu tun, eher friedliche Corona-Protestierer zu verprügeln. Also, mehr kann man von der Polizei in einer links-links-grünen Stadt nun wirklich nicht verlangen!

Regina Lange
19 Tage her

Die roten Hunde wollen doch nur spielen! Da bringen sie gerne ihre Welpen mit, damit die von Angang an lernen, wie der Veggie-Hase läuft! Das die Medien daran kein Interesse haben wundert mich nicht! Da müssten die linken „Journalisten“ ja die eigene Ideologie aufs Korn nehmen. Das wäre ein bißchen viel verlangt. Also schweigt man dezent und wendet sich der „Gefahr“ von Rechts zu!

Tizian
19 Tage her

Es zeigt sich immer wieder, dieses Land ist völlig krank und kaputt und seine Regierung und deren staatstreuen Hofberichterstatter sind auf dem linken Auge völlig blind.

Der-Michel
18 Tage her
Antworten an  Tizian

Die Hofberichterstatter werden immerhin ordentlich dafür bezahlt:

https://meedia.de/2020/10/08/journalisten-bei-der-deutschen-bekommen-62-prozent-mehr-gehalt/