Islamismus und Pegida bei Jauch: Plötzlich ein anderes Land

Angenommen, man hat einige Tage verschlafen und sich am Sonntagabend die Sendung mit Jauch angeschaut, um wieder in den Film zu kommen: Das wäre eine schöne Überraschung geworden. Innerhalb weniger Tage ist das Land ein anderes geworden, hätte man beim Aufwachen entdeckt.

Der Bundesinnenminister spricht vom islamischen Terror, in Jemen, in Syrien; von den Verbrechen Boko Harams in Nigeria und „7000 Salafisten, Gangs und Ghettos“ in Deutschland. Nur durch Glück, sagt der für die innere Sicherheit zuständige Minister, sei man an einer Katastrophe wie in Paris vorbeigeschlittert. Er gibt sich bescheiden, will die französische Polizei nicht kritisieren. Damit hat er gut getan. Denn seine Botschaft ist ganz unverblümt: Es kann jederzeit auch bei uns passieren, dass die Kalaschnikovs losbellen und Menschen sterben, weil der Islam es will. Jedenfalls in den Augen der Mörder.

Und so geht es weiter, als habe Jauch einen Schalter umgelegt und plötzlich eine andere Wirklichkeit hereingelassen. In den Tagesthemen wird von der Festnahme eines islamischen Terroristen berichtet; andernorts beschreibt Dieter Romann, Chef der Bundespolizei, wie Flüchtlinge aus Italien binnen dreier Tage nach Deutschland gelangen – die europäische Flüchtlingsregelung wird kaltlächelnd unterlaufen.

Am Nachmittag war es bereits in Saarbrücken zu einem Aufeinandertreffen zweier Wirklichkeiten gekommen. Gertrud Selber, von der im rotgrünen Milieu geborenen Aktion 3. Welt, kam in ihrer Rede anlässlich einer Veranstaltung zu Ehren von „Charlie“ recht bald auf die „islamistische Blutspur“ in der Welt, auf den Islam als solchen zu sprechen: „Angesichts dieser täglichen Blutspur bin ich fassungslos, wenn Erklärungen verabschiedet werden, die sich von der Bluttat in Paris distanzieren, um im gleichen Atemzug den Islam ratzfatz weißzuwaschen. Blut ist nicht weiß. Das Blut der Ermordeten ist rot.“ Und an die „lieben multikulturellen Freunde“ gerichtet, appellierte Selzer: „Hört endlich auf, so zu tun, als hätten diese Morde nichts mit dem Islam zu tun! Hört endlich auf, die Opfer mit euren Relativierungen noch nachträglich zu verhöhnen!“  Selzer attackierte auch die Islamverbände: „Keinen interreligiösen Dialog, solange ein Bekenntnis aller Teilnehmer zur individuellen Freiheit fehlt!“

Es gab Buhrufe. Proteste gegen den Protest. Manche seien sich wie bei Pegida vorgekommen, schreibt die Saarbrücker Zeitung, obwohl doch Dresden geographisch am ganz anderen Ende des Landes liegt.

Aber es blieb Günther Jauchs Sendung überlassen, den Temperatursturz zuverlässig anzuzeigen, der in Deutschland von statten geht: War doch letzte Woche noch ständig die Rede von der friedlichen Welt, in der wir leben; die nur durch ein paar rechte Rabauken gestört wird, die ihre Phantasien für die Realität ausgeben. Plötzlich überholt die neue Realitätswahrnehmung das, was vorher noch als primitive, nazistische Ängste von Kleinbürgern verfemt wurde. Pegida wurde nicht genannt, aber manchmal ist Schweigen lauter als reden.

Klar, dass der Innenminister gleich wieder schärfere Gesetze einforderte. Da sollte man vorsichtig sein. Für eine echte Bestandsaufnahme reicht eine TV-Sendung nicht. Was wir brauchen ist eine echte Lageanalyse der Bedrohungen; einen kühlen Kopf und ein kaltes Herz, um diejenigen zu bekämpfen, die unsere Demokratie von Innen gefährden. Dazu gehört jetzt endlich, dass die Islamverbände die Maske abnehmen und sich voll und ganz hinter das Grundgesetz stellen. In welche Kirche wir gehen, hat gleichgültig zu sein – aber das Bekenntnis zu unserem Grundgesetz ist Voraussetzung. Und das fehlt von den Islamverbänden noch immer. Und vielleicht gelingt es uns ja, die Spaltung des Landes zu überwinden die droht, wenn einige eine Gefahr sehen, die von anderen einfach geleugnet wird. Schönreden hilft jedenfalls nicht dagegen.

Nur der arme Dorfschulze, der in Leipzig auf Oberbürgermeister macht, zappelt noch. Er lässt die Charlie-Karrikaturen noch verbieten, weil jetzt nach Paris davon Gefahr ausgehe; sie seien böswillig.

Manche kapieren es eben nie.

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