Heftige Diskussionen über die Täterherkunft

Es geht nicht darum, das „subjektive Sicherheitsgefühl“ der Bevölkerung zu verbessern, sondern die reale Kriminalitätslage. Ohne Täterherkunft geht das nicht.

imago images / Overstreet
Augsburg

In letzter Zeit gab es in den „Sozialen Netzwerken“ erhebliche Auseinandersetzungen zum nationalen Background von Tatverdächtigen, die öffentlichkeitswirksame Straftaten begangen hatten. Genannt seien an dieser Stelle zwei Verbrechen im Freistaat Bayern. In München wurde ein Polizeibeamter durch einen Messerstich in den Nackenbereich lebensgefährlich verletzt. In Augsburg wurde ein Feuerwehrmann durch die Wucht eines unvermittelten Faustschlages getötet. Bis auf eine Ausnahme gelten alle Täter als Deutsche und werden in die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) der Länder und des Bundeskriminalamtes (BKA) eingehen.

In der Augsburger Pressekonferenz (PK) verteidigte sich der Polizeipräsident vehement dagegen, dass in der Öffentlichkeitsfahndung keine „Nationalität“ der Tatverdächtigen mitgeteilt wurde. In Wirklichkeit dürfte es dabei um die konkrete Täterbeschreibung gegangen sein, nicht um die Nationalität. Die Frage muss erlaubt sein, ob gut gemeint auch gut gemacht ist. Im Münchner Fall wurde sofort erklärt, dass der Täter ein Deutscher sei. Das sorgte bei manchem Leser für Verärgerung, nachdem in der BILD ein Foto veröffentlicht wurde.

Kritiker an dieser Informationspolitik wurden auf der PK durch den Polizeivertreter pauschal als „geistige Brandstifter“ gebrandmarkt. Ist das wirklich so einfach? Woher rührt die Besorgnis vieler Bürger darüber, dass mit dem höher werdenden Anteil von Ausländern und Zugewanderten auch die Gewaltkriminalität steigen könnte? Handelt es sich hierbei um einen subjektiven Eindruck, der mit der Lebensrealität nichts zu tun hat?

Schauen wir uns die Fakten einmal etwas näher an:

Für 2018 erfasste das Bundeskriminalamt statistisch 1.931.079 Tatverdächtige. Davon waren 30,5 % (589.200) Nichtdeutsche, der Zuwandereranteil (ohne ausländerrechtliche Verstöße) liegt bei 8,6 % (165.769). Zu dieser Gruppe zählen nicht nur Flüchtlinge und Migranten, sondern auch sogenannte reisende Täter also grenzüberschreitende aktive Kriminelle.

Wenn wir auf die Gruppe der tatverdächtigen Zuwanderer im Bereich gegen das Leben genauer eingehen, stellen wir bei den Tötungsdelikten folgendes fest:
Betrug die Fallzahl 2014 noch 160 Taten, bei einem Zuwanderungsanteil von 4,3 %, so stiegen diese Zahlen von Jahr zu Jahr kontinuierlich an. 2018 waren es 550 Taten mit einem Anteil von 14,8 %. Das entspricht einem Steigerungsfaktor von etwas über 3,4.

Wenn wir die aufgeklärten Tötungsverbrechen (Mehrzahl sind Versuche) aufzählen, kommen wir im Jahr 2018 bei insgesamt 3007 erfassten und bekannten Taten auf einen Anteil von 430 (14,3 %) durch Zuwanderer, währenddessen 2014 von 2.760 nur 122 (4,4 %) zu verzeichnen waren. Die anteilmäßige Steigerungsrate beträgt in diesem Zeitraum zirka das 3,5 fache.

Prof. Dr. Martin Wagner von der Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung, fasst diese und weitere Zahlen folgendermaßen zusammen:

„Von 2016 bis 2018 hat im Durchschnitt jeden Tag mindestens ein Tatverdächtiger versucht, einen Menschen in Deutschland umzubringen. Insgesamt wurden 199 Menschen in drei Jahren getötet.“ Zitat Ende.

Polizisten und Soldaten im Einsatz wissen sehr genau, dass sie ihren Radar und die Konzentration im Umgang mit bestimmten Personen schärfen müssen, wollen sie lebendig und unverletzt vom Dienst zurückkehren. Hierzu gehört kulturelle Kompetenz auf der einen Seite, aber auch ein ausgeprägtes, wenn auch gelassenes Gefahrenbewusstsein, auf der anderen Seite. Eine naive einseitige Betrachtungs- und Herangehensweise könnte dafür sorgen, dass man keine zweite Chance bekommt.

Die Fragen nach der Nationalität eines Täters sind also durchaus verständlich und legitim und dürfen nicht als No-Go mit einem Rundumschlag abgebügelt werden. Das „Lesen zwischen den Zeilen“ oder das unnötig „politisch korrekte“ Verbergen erreicht dagegen punktgenau das beabsichtigte Gegenteil der „guten Absicht“.

Das ungeschriebene „Gesetz der Straße“ kennt nicht nur in München oder Augsburg keine Tabus. Gleiches muss auch für die gesellschaftliche und kriminologische Ursachenforschung von Verbrechenstatbeständen und deren Mörder und Totschläger gelten. Nur dann sind wir in der Lage, Gewaltkriminalität tatsächlich, effektiv und nachhaltig zurückzudrängen.

Es geht auch nicht darum, das „subjektive Sicherheitsgefühl“ der Bevölkerung zu verbessern, sondern die reale Kriminalitätslage.


Steffen Meltzer, Buchautor von Ratgeber Gefahrenabwehr: So schützen Sie sich vor Kriminalität – Ein Polizeitrainer klärt auf

Unterstützung
oder

Kommentare ( 64 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

----

64 Kommentare auf "Heftige Diskussionen über die Täterherkunft"

Sortiert nach:   neuste | älteste | beste Bewertung

Heutzutage weiß doch sowieso schon jeder, wie er die offiziellen Verlautbarungen bei solchen Fällen zu interpretieren hat.
Wird nix zur Passidentität der Täter verlautbart oder der Täter als „Stuttgarter“ oder „Berliner Mitbürger“ bezeichnet, sind mit Sicherheit Ausländer die Tä(/-ö)ter. Steht dort „deutscher Täter“, stellt sich sofort die Frage, welche Nationalitäten der Täter denn noch so hat oder hatte, die verschwiegen werden.
Wird der deutsche Täter allerdings mit Vornamen und abgekürztem Nachnamen genannt, dann ist tatsächlich ein „Bio-„Deutscher der Bösewicht.
Und in 99% der Fälle stimmt die Zuordnung. Garantiert.

Leider weiß eine enorme Menge an wahlberechtigten Bürgern eben nicht, wie es diese und andere offzielle Verlautbarungen zu interpretieren hat. Nach wie vor wollen diese sich nicht verunsichern lassen; denen geht es soo gut im vorzeitigen – auch oft geistigem – Ruhestand. Sie wollen davon auch gar nichts wissen, sich gedanklich nicht damit konfrontieren, es wäre zu ungemütlich in der Wohlfühlblase. Ich empfinde es schon als eine gewisse Arroganz, weil genau diese denkfaulen Bürger eben auch noch ihre rosa Brille aufhaben, wenn es ihren (etwas weiteren) Nachbarn getroffen hat. (in dem Stadtteil gab es das immer schon, müssen die Mädels… Mehr

Welche „Diskussion“? Mit wem sollte ich „diskutieren“? Ich nehme es einfach zur Kenntnis, was das Regime samt Anhang hier beschließt. Und ich lese zwischen den Zeilen. Bei „EinMann“, „Männergruppe“, „Gruppe von Jugendlichen“, „Großfamilie“, etc und/oder bei „Messer“ weiß ich für mich, was abgeht.

Einerseits ist es das Gegenteil was die Medien und Politik erreichen wollten – da man nicht genau weiß, verdächtigt man am Ende alle (Migranten).
Oder ist das doch schlau? Ich meine wenn wir all dann zu Rechtsradikalen mutieren weil wir wegen der ganzen Lügen alle verdächtigen, dann ist Ziel den Deppen erreicht – uns alle als Nazis zu entlarven.
Am Ende sind diese Verbote irrelevant da man die Wahrheit doch nicht verstecken kann.
Ich frage mich dabei wie die Statistiken tatsächlich aussehen besonders wenn man kulturellen Hintergrund auswertet.

Laut einem gewissen Herrn Pfeiffer, dessen Nase so lang ist wie die von Pinoccio, sind alle Zahlen von Verbrechen rückläufig. Das tollste, was ich von dem Menschen gehört habe: Die AFD ist an dem ganzen Schuld, weil sie immer alle Vorgänge – Einzelfälle selbstredend – aufbauscht! Tolle Erkenntnis – um das zu begreifen benötigt der Normalbürger ein „Zusatzhirn“… vielleicht leiht mir H. Pfeiffer seines – er benutzt es sowieso nicht.
Nicht aufbauschen, sondern sachlich richtig darüber sollte eigentlich unsere sogenannte „freie Presse“ – nur – wo versteckt sie sich?

„… vielleicht leiht mir H. Pfeiffer seines – er benutzt es sowieso nicht.“
Das würde ich mir an Ihrer Stelle noch einmal überlegen. Eine erste Analyse von meiner Seite zeigt, daß bei Ihnen noch alles intakt ist. Benutzen Sie also lieber Ihr eigenes Gehirn.

„… vielleicht leiht mir H. Pfeiffer seines – er benutzt es sowieso nicht.“

Das ungeschriebene „Gesetz der Straße“ kennt nicht nur in München oder Augsburg keine Tabus. Gleiches muss auch für die gesellschaftliche und kriminologische Ursachenforschung von Verbrechenstatbeständen und deren Mörder und Totschläger gelten. Nur dann sind wir in der Lage, Gewaltkriminalität tatsächlich, effektiv und nachhaltig zurückzudrängen. Ja, darum geht es. Wenn ich mir diese Art von Tötungsdelikten so ansehe trenne ich aus meinem Rechtsempfinden heraus zwischen Mord, also mit den Merkmalen Heimtücke usw. und Totschlag, also ohne Planung, Heimtücke usw. Mir fehlt aber eine Differenzierung innherhalb des Begriffes Totschlag. Für mich macht es nämlich einen Unterschied, ob jemand z.B. bei den früher… Mehr
Ich frage mich inwiefern es der Allgemeinheit nützt, wenn beschwichtigt, verschwiegen, relativiert und gemogelt wird hinsichtlich gestiegener Kriminalität im Land. Selbst wenn dadurch ein großer Teil der Bürger ruhig bleibt und weiterhin das Gute im Menschen sucht, kann man doch davon ausgehen, dass all die Manipulationen früher oder später von der Lebenswirklichkeit eingeholt und entlarvt wird. Und was dann? Ich bin nicht der Meinung, dass die meisten Mitmenschen zu doof sind, um mit klaren und wahren Worten ihrer Volksvertreter vernünftig umgehen zu können. Dagegen sehe ich die größere Gefahr, dass die Bürger sich eines Tages nicht mehr so friedlich über… Mehr

Doch, in Deutschland schon. Hier macht niemand seinen Mund auf (und oft auch aus guten Gründen). Viele ärgern sich in der Tiefe ihres Herzens und bekommen anstatt lieber ein Magengeschwür, bevor sie konstruktiv in einen Konflikt zu gehen mit dem Gegenüber. Das fällt leider nicht nur in politischen Belangen auf, sondern auch im Alltag. Möglicherweise bin ich aber noch nicht integriert genug nach 24 Jahren und kann nicht zwischen den Zeilen lesen.

Es ist nicht nötig , die Nationale Herkunft zu nennen.
Wenn keine Herkunft genannt wird ist der Täter Ausländer.

Und wenn hastig darauf verwiesen wird er sei Deutscher oder, noch besser, in Deutschland geboren ist er auch Ausländer.
Das kommt raus bei einer solchen Berichterstattung, nicht weniger sondern mehr Vorverurteilung von Ausländern.

Ich verorte alle Täter ohne Angabe des Vornamens automatisch in die islamische Ecke.

Es ist extrem ermüdend. Diese Fakten gibt es seit Jahren – mit steigender Tendenz. Aber je steiler die Tendenz, desto mehr Schweigen in den Medien. Was soll es eigentlich noch, Tatsachen in rasanter Entwicklung zu benennen? NICHTS ändert sich, Migranten jeglicher Gesinnung (religiös, kriminell, westliche Werte verachtend etc.) kommen jeden Tag weiterhin zu Hunderten über die deutsche Grenze. Aber hat man im Laufe des Jahres 2019 jemals etwas über diesen weiterhin komplett unkontrollierten Zufluss gehört? Unkontrollierte Migration gibt es nicht (mehr). Wachsende Kriminalität in diesem Zusammenhang auch nicht. Und schon gar nicht gegen Frauen. Vergewaltigung und sexueller Missbrauch ist zwar… Mehr
Dieses müde werden kenne auch ich leider allzugut. Unkenntnis und Gleichgültigkeit seitens großer Teile der Bevölkerung tragen zu diesem unseligen Zustand in Bezug auf Politik nebst der verballhornten Öffentlichkeitsarbeit Gan sicher bei. Überdies habe ich den Eindruck, dass viele Zeitgenossen sich nicht draußen, sondern überwiegend „drin“ in ihrer Parallelwelt Internet aufhalten, so dass es noch ein Weilchen braucht, bis diese von der Realität überrollt werden. Anderen geht’s noch so gut, dass sie sich beim Urlaub machen, Bunjee springen, Fußball gucken und ähnlichem nicht von ein paar grünen Plänen oder merkwürdigen Tagesnachrichten ablenken lassen möchten. Frei nach dem Motto „Die da… Mehr

Warum fällt mir zu diesem Artikel dieser Spruch von dem ehem. Innenminister de Maizière ein:

„Ein Teil dieser Antworten würde die Bevölkerung verunsichern“

Damit ist doch schon festgestellt und das auch noch „politisch korrekt“, dass die Bundesregierung das „regierte“ Volk für saublöd und primitiv hält………

Ist doch egal…..eigentlich wissen wir doch alle wenn es um Täter mit Migranten-Herkunft geht….gut die genaue Nationalität nicht…aber die Gegend ist doch klar. Wenn es heißt….ein Mann/ein Täter/eine Männergruppe oder eine Tätergruppe….ist doch schon alles klar. Sollte der Täter „Bio-Deutsch“ sein…..wird sofort mit Vornamen oder gar mit Voll-Namen berichtet….und am Besten noch mit Bild. Insofern….ist doch alles klar….auch wenn die ÖR denken sie könnten etwas verheimlichen. Peinlich wird es nur wenn, wie im Fall der diesjährigen Mallorca Vergewaltiger….lauthals berichtet wird, dass die Täter DEUTSCHE waren (in einem Bericht 4-5 x und mit Betonung wiederholt)….und sich anschließend der Mihigru mit Doppelpass… Mehr

Die eigentlichen Brandstifter sind die Journalisten, die je nach Lust und Laune die Nationalität richtig, falsch oder gar nicht nennen

Man muss es aber der Polizeiführung bzw der Polizeipressesstelle lassen, dass sie langsam aber sicher zu den Qualitätsjournalisten aufholt. So mancher Tweed und Verlautbarung zeigt, dass sie den politisch korrekten Zeitgeist für sich erkannt haben.