Der „Green Deal“ – ein neues spätantikes Kolonat?

Eine bislang florierende Wirtschaft wird durch eine selbstzerstörerische Gesetzgebung bewusst zugrunde gerichtet. Technologisch findet eine Rückabwicklung von Hochtechnologien statt. Die Parallelen zum Ende früherer Zivilisationen sind offensichtlich.

IMAGO / Le Pictorium

Der „Green Deal“ ist nicht nur in Deutschland, sondern der ganzen EU zur neuen Leitlinie geworden – und sollte die Bürger auf das Höchste besorgen: Es geht um nichts weniger als ihre Transformation in eine amorphe Masse, der sowohl Besitz als auch Bewegungsfreiheit und selbst Identität systematisch genommen werden soll. Sucht man nach historischen Parallelen, bietet sich ein Ausflug in die römische Kaiserzeit und die Einrichtung des „Kolonats“ an: Inflation, Schuldenkrisen, Seuchen und Barbareneinfälle hatten es den einfachen Bauern immer schwerer gemacht, weiterhin unabhängig ihre Güter zu bewirtschaften. Um der zunehmenden Zahlungsunfähigkeit und der Landflucht entgegenzuwirken, erließ der römische Staat immer radikalere Gesetze, um die Bauern an die Scholle zu binden und somit de facto zum Besitz der jeweiligen Großgrundbesitzer zu machen, aus denen sich im Laufe der Jahrhunderte ein echter Feudaladel entwickeln sollte.

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In Rom war diese Entwicklung eine Konsequenz der Schwäche von Staat und Wirtschaft; im heutigen Europa aber verhält es sich genau andersherum: Eine bislang florierende Wirtschaft in einem weiterhin überaus einflussreichen europäischen Staatenverbund wird durch eine selbstzerstörerische Gesetzgebung bewusst zugrunde gerichtet. Konsequenz (oder vielleicht sogar Ziel?): Den bisherigen Träger der europäischen Demokratien, die bürgerliche Mittelschicht, in ein höriges Proletariat zu transformieren, während ihr mühsam akkumulierter Besitz an die zunehmend mächtige Kaste der Superreichen verhökert werden soll, ein System, das ich vor einiger Zeit einmal in Anlehnung an Oswald Spengler den „Milliardärssozialismus“ genannt habe. Die Schaffung dieses neuen „Kolonats“ beruht auf vier Säulen.

Die erste Säule der Transformation ist die bereits bekannte Zerstörung altehrwürdiger Solidargemeinschaften durch Masseneinwanderung, staatlich geförderte Familienzerstörung, Diversity-Quoten, Gender-Theorie und Entchristianisierung, um ein Maximum an politischer Zersplitterung und Hass zu erzeugen, die jeden breiten zivilgesellschaftlichen Widerstand gegen Unterdrückung unmöglich machen.

Die zweite Säule besteht in der sinnlosen Verteuerung der Energiekosten und somit der eigentlichen Antriebskraft unserer Gesellschaft durch den hochgefährlichen Ausstieg aus Atom- und Kohlestrom im Namen der „Klimarettung“.

Die dritte Säule besteht in der erzwungenen Einführung der Elektromobilität sowie der Abschaffung des Verbrennungsmotors: Hohe Anschaffungspreise, noch höhere Energiekosten und schließlich eine überaus reduzierte Autonomie, zusammen mit unerhört langen Ladezeiten werden es wohl unmöglich machen, weiter jene Mobilität zu genießen, an die wir seit den 1950ern gewöhnt sind und welche integraler Bestandteil unseres Verständnisses von Freiheit ist. Der moderne europäische Mensch wird an einen immer engeren Aktionsradius gebunden, den er nur mit Hilfe von öffentlichen Verkehrsmitteln überwinden kann, welche bereits jetzt ineffizient und unzuverlässig sind.

Die vierte Säule ist durch die neuen Vorgaben zur Beheizung und Isolierung von Privathäusern gegeben. Die anfallenden Kosten werden die Mehrzahl der Hausbesitzer entweder zu Sklaven ihrer Bank machen oder dazu zwingen, ihre Immobilien panikartig zu verscherbeln, was letztlich wieder nur einigen großen Investoren und Hedgefonds nützt – welche, oh Wunder, aus „Sorge“ um das Klima gerade die radikalsten grünen NGOs großzügig bezuschussen.

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Und als wäre all dies noch nicht genug, hören wir schon die Forderung nach einem CO2-Pass, welcher es ermöglichen soll, die wenigen verbleibenden freien Lebensäußerungen der Europäer als unzulässige „Umweltverschmutzung“ zu disqualifizieren und ein weiteres Mal zu besteuern – und gleichzeitig ein „Social Credit System“ nach chinesischem Vorbild zu begründen. Und so finden wir uns trotz modernster Technologie und politischer Theoriebildung in einer Lage wieder, wo der europäische Mensch auf völlig legalem und rechtstaatlichem Wege Schritt für Schritt seiner Freiheit beraubt wird und schließlich den spätantiken Kolonen höchstens quantitativ, aber nicht qualitativ überlegen sein dürfte …

Natürlich ist diese Entwicklung keine Ausnahme in der Weltgeschichte: Alle späten Zivilisationen neigen zu einer immer stärkeren Einschränkung der Freiheit ihrer Bürger, und ganz offensichtlich scheint die Technologie als solche nur einen sehr oberflächlichen Einfluss auf die innere Entwicklung einer jeden Kultur zu haben, wenn sogar das scheinbar so fortschrittliche Abendland von dieser Dynamik betroffen ist.

Die langsame Rückkehr der hochentwickelten westlichen Zivilisation zu atavistischen, feudalen Gesellschaftsformen hat aber noch eine andere Konsequenz, nämlich den allmählichen Rückschritt der Technologie, wie wir ihn ebenfalls in allen Spätzivilisationen finden. Nicht nur ist es dem Westen seit den 1960er Jahren nur noch gelungen, die Anwendung bereits bekannter technischer Prinzipien zu verbessern und keine oder nur wenige grundlegend neue Erfindungen zu machen; viele der seit Jahrzehnten bekannten Hochtechnologien werden bewusst abgewickelt und durch wesentlich primitivere Techniken ersetzt, wie dies etwa bei der Kernenergie, dem Verbrennungsmotor, der Magnetschwebebahn, dem Überschall-Passagierflugzeug, dem Luftkissenfahrzeug usw. der Fall ist.

Lediglich im Bereich der Informationstechnologie gibt es weiterhin eine gewisse Art von Fortschritt, dessen Auswirkungen jedoch äußerst begrenzt bleiben und sich letztlich auf zwei Bereiche beschränken: zum einen die Flucht in immer raffiniertere künstliche Paradiese („virtuelle Realität“), zum anderen immer lückenlosere Überwachungs- und Indoktrinationstechniken. Auch hier kommt man nicht umhin, an die zunehmende Tendenz aller späten Zivilisationen zu denken, einerseits zu wahren Polizei- und Militärstaaten zu werden, andererseits ihre Bürger zur Flucht in imaginäre Parallelwelten zu drängen, seien diese religiöser, philosophischer oder rein hedonistischer Natur.


Eine englische Fassung dieses Textes erschien auf TVP World.

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Kommentare ( 49 )

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49 Comments
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peter keller
9 Monate her

So ein Quatsch. Es gibt keine Superbrains, die das planen umsetzen können. Was hier geschieht ist ganz einfach die Herrschaft der Dummen, das Endstadium jeder Demokratie, die keine Wahlqualifikationen (passiv ubd aktiv) kennt. Also den Ball einfach mal flachhalten.

Helmut in Aporie
11 Monate her

Wenn Ideologie die Realität verdrängen will kann das nur schiefgehen. Früher oder später. Da gibt es im Gegensatz zum Klima tatsächlich Kipppunkte. Zusammenbruch des Stromnetzes, ungenügende Nahrungsmittelproduktion oder Verteilung durch Zusammenbruch der Lieferketten, eskalierende Obdachlosigkeit, Kollaps des Finanzsystems, Einbruch der Produktion, hohe Arbeitslosigkeit, ungebremste Massenmigration, unrealistisches Machstreben mit nicht beherrschbaren Konflikten und deren Konsequenzen bis hin zur Gefahr eine Atomkrieges.
Das kann ganz schnell gehen und vor allem nicht mehr steuerbar. Auch nicht mehr von denen, die das verursacht haben.

Peter Silie
1 Jahr her

Wir leben in der Ära der Frauen, die jetzt in allen Winkeln geradezu massenhaft auftauchen und bestimmend sind, häufig über Quoten hineingedrückt. Schaltet man zB auf einen Sender des ÖRR, sieht man fast nur noch Frauen, von Männern nur noch wenig zu sehen, insbesondere von alten weißen Männern. Nun kann man also beobachten, wie Frauen im Vergleich zu Männern performen.

Thomas
1 Jahr her
Antworten an  Peter Silie

Frauen in Macht- und Schlüsselpositionen zu platzieren ist eine beliebte Strategie, entweder als „Muttchen“ oder als junge sexy Klimakleberin, da sie bei Männern Beisshemmungen und Schutzreflexe usw. auslösen. Mitfühlend und harmlos wirken.
Die Strippenzieher halten sich im Hintergrund.

Dr. Friedrich Walter
1 Jahr her

Der Zyklus: „Kulturschaffer – Kulturerhalter – Kulturzerstörer“ begleitet die Menschheit durch ihre gesamte Geschichte. Früher umfassten diese Phasen jeweils mehrere Generationen. Durch die Zunahme der Geschwindigkeit der technischen Entwicklung werden die Zeiträume dieser Phasen immer kürzer. Im Moment befinden wir uns wieder einmal in der Endphase der Kulturzerstörung, danach kommt erfahrungsgemäß eine längere Phase des Vandalismus (schon deutlich zu erkennen), bis irgendwann wieder etwas neues entsteht und ein neuer Zyklus beginnt. Bis dahin wird es aber noch eine harte Zeit.

Frifrafro
1 Jahr her

Green deal, corona-pharma deal, GorchFock-deal.
Soweit mir bekannt verwenden dealer gern handy simcards die sie nach erfolgreichen deals vernichten!

Stuttgarterin
1 Jahr her

Kritik an v.d.L ist mehr als berechtigt, auch an der EU, wie sie sich aktuell gibt. Trotzdem ist der beschriebene rote Faden im Artikel etwas fragwürdig. Richtig ist, dass mit den Angriffen gegen den Mittelstand ein wichtiges Stück Unabhängigkeit der Bürgerschaft verloren geht. Richtig ist auch, dass eine Gesellschaft ohne echten Kitt, sondern nur durch Zwangsvermischung, anfällig für Ausbeutung und Manipulation aller Art ist. Trotzdem, ein pauschales Ablehnen von gut gebauten (und damit auch ausreichend gedämmten) Häusern ist gegen Fortschritt und Komfort, auch Elektroautos auf Kurzstrecke (was die Mehrheit aller Fahrten ausmacht) zerstören nicht unsere Freiheit. Wir sollten nicht in… Mehr

Last edited 1 Jahr her by Stuttgarterin
MichaelR
1 Jahr her
Antworten an  Stuttgarterin

Trotzdem, ein pauschales Ablehnen von gut gebauten (und damit auch ausreichend gedämmten) Häusern ist gegen Fortschritt und Komfort, … Gut gebaute Häuser haben nicht im Geringsten damit zu tun, wie sie gedämmt sind, denn gut gedämmte Häuser gab es schon immer. Haben sie sich schon mal ein Schwedenhaus angesehen, dessen Fenster bereits Mitte der 1990er eine 6-fach Verriegelung hatten und jegliche Belüftung praktisch unmöglich war? Als ich selbst noch im Hochbau tätig waren, haben wir solchen Häusern eine zusätzliche Belüftung einbauen müssen; ältere Gebäude haben Fenster, die immer ein wenig Luft hereingelassen haben und selbst damit feuchte Luft anziehen konnte.… Mehr

Stuttgarterin
1 Jahr her
Antworten an  MichaelR

Danke für die Bereitschaft zum Diskurs. Es wäre tatsächlich falsch, den Lebenszyklus mit seinen allen Aspekten zu ignorieren. Einfache Lösungen gibt aber nun mal nicht, auch deshalb ist das Wärmepumpen-Gedöns Schwachsinn. Trotzdem aber lohnt es immer, auch andere Ansätze zu bedenken. Ein gut gedämmtes Haus kann auch atmungsaktiv sein, auch mit langlebigen Materialen gebaut worden sein.
Ich wehre mich einfach gegen die Behauptung, dass alles, was bisher gemacht wurde, per se richtig ist und neue Ansätze falsch.

Salue
1 Jahr her

Ich sehe noch eine fünfte Säule, über welche sie die Menschen von sich abhängig machen. Die Ansätze dazu gibt es ja bereits mit den geplanten Bürgerräten. Deren erstes Thema ist die „richtige“ Ernährung, meiner Meinung nach wird die Rationierung des Wassers auch irgendwann nachfolgen. Dort spielt natürlich auch die Zerstörung der europäischen Landwirtschaft mit rein. Ganz vorn die Niederlande. Mark Rutte ist in diesem Jahr auch wieder beim Bilderberger Treffen dabei. Er unterstützt zb für sein Land die vom WEF und der UN gewünschten FOOD INNOVATION HUB.

G
1 Jahr her

Wer entscheidet, ob die Putzfrau auf Kuba Urlaub machen darf? Die Zeugen des Klimas? Sie? Eine solche Frage zu stellen ist anmaßend.

Peter Pascht
1 Jahr her

Es geht um die wiederholten Versuche Geld zu stehlen. Die Frau ist eine skrupellose und schamlose Kriminelle, darf man mit Fug und Recht sagen. Es geht um organisierte Kriminalität. Der „Green Deal“ als mafiöses Konstrukt zum Stehlen von Staatsgeldern, wie übrigens die gesamte EU-Bande es geworden ist, denn dafür will Flintenurschel 1 Billion Euro. Nachdem Flintenurschel mit ihrem ersten Gaunerstück „Arbeitsplätze schaffen“ gescheitert ist, wofür sie 500 Milliarden wollte, hat sie ein neues Gaunerstück parat, „Green Deal“. Nun will Flintenurschel den Zoll auf Bagatellgeschäfte im Internet einführen und die 780 Millionen die dadurch ergaunert werden, sollen ihr zur Verfügung gestellt… Mehr

Last edited 1 Jahr her by Peter Pascht
Gottfried
1 Jahr her

Wir sind selber schuld. An der Wahlurne können wir dafür sorgen, dass Politiker und Parteien, die uns schaden, nicht an die Macht kommen.

MichaelR
1 Jahr her
Antworten an  Gottfried

Das wäre ja mal eine echte Neuigkeit; offenbar glauben sie tatsächlich, dass es Politiker gibt, die nicht ihren eigenen Vorteil im Sinn haben. Ich würde auch zu gerne wissen, welche Parteien keinen Schaden anrichten würden und tatsächlich für alle Bürger nur das Beste wollen.
Diesen Politiker/die Partei sollten sie mir wirklich mal zeigen. Zudem möchte ich sie daran erinnern, dass es keine einzige Partei im Bundestag gibt, die tatsächlich die Absolute Mehrheit holen könnte, demnach Regierungskoalitionen notwendig sind. Und schon wäre alles wieder beim alten; also bleiben wir doch realistisch.