Corona-Krise sorgt für noch mehr Zombie-Unternehmen

Deutschlands Volkswirtschaft ist im Gegensatz zum öffentlichen Bild nicht stark, allenfalls im Vergleich zu Italien oder Frankreich. Unsere Unternehmen haben zu wenig Eigenkapital - und diese Schwäche wird sich jetzt verschärfen. Es werden noch mehr Zombieunternehmen entstehen und an den Tropf der EZB gehängt.

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Die Corona-Pandemie offenbart aktuell die Schwäche des Standortes Deutschland. Das mag auf den ersten Blick verwundern, meinen doch viele, wir kämen aktuell gut durch die Krise. Das mag im Vergleich zu Italien oder Frankreich vielleicht sein. Doch dies sollte nicht unser Maßstab sein. Italien und Frankreich sind bereits geschwächt in die Corona-Krise gegangen. Den Eindruck, den die Bundesregierung aktuell vermittelt, ist, dass wir aus einer starken Position in die Krise geraten sind.

Gesamtstaatliche Überschüsse, eine öffentliche Verschuldung von rund 60 Prozent zur Wirtschaftsleistung und eine niedrige Arbeitslosenzahl sind die Assets, die hier genannt werden.

Doch wenn man auf die am Wirtschaftsleben beteiligten Unternehmen schaut, dann haben viele von ihnen zwar ein Liquiditätsproblem, aber viel grundsätzlicher ist ihr Solvenzproblem. Sie haben also zu wenig Eigenkapital. Daher sind die Kredite der KfW und der Förderbanken der Länder zwar hilfreich, um aktuell die Liquidität zu sichern. Die Überschuldung, weil das Eigenkapital zu gering ist, verhindern diese Kredite jedoch nicht. Unternehmen mit weniger als 10 Mitarbeiter haben aktuell eine Eigenkapitalquote von 23 Prozent. Gerade bei diesen kleinen Unternehmen hat sich diese in den letzten 10 Jahren fast nicht verbessert. Im Baubereich liegt sie ebenfalls nur bei 25 Prozent. Selbst im Mittelstand und in der Wirtschaft insgesamt sind nicht einmal ein Drittel des Kapitals Eigenkapital.

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Dies hat mit dem Steuerrecht und mit der Geldpolitik zugleich zu tun. Das Steuerrecht fördert nicht etwa die Eigenkapitalbildung in guten Zeiten, sondern diskriminiert sie zu Gunsten von Fremdkapital. Investitionen werden schon aus steuerlichen Gründen gerne fremdfinanziert, weil die Zinsen niedrig sind und zusätzlich noch als Betriebsausgaben berücksichtigt werden können. Der Einsatz von Eigenkapital ist dagegen teuer, weil dieser meist aus versteuerten Gewinnen gebildet werden muss und zusätzlich Investitionen, die aus Eigenkapital finanziert werden, nicht beim Betriebsausgabenabzug berücksichtigt werden dürfen.

Und noch viel verheerender für die Solvenz der Unternehmen ist das aktuelle geldpolitische Umfeld mit den Null- und Negativzinsen der Notenbanken. Nicht für die Zombieunternehmen, die schon vor der Corona-Krise durch die Zinspolitik der EZB am Leben gehalten wurden. Für diese eigentlich überschuldeten Unternehmen (und Staaten) wird die EZB-Zinspolitik ja aktuell auch gemacht. Doch der Preis, das merken wir jetzt, ist sehr hoch. Es werden noch mehr Zombieunternehmen entstehen und an den Tropf der EZB gehängt.

Die Null- und Negativzinsen schaden den eigentlich gesunden und solventen Unternehmen. Sie wurden in den letzten Jahren verleitet und verführt, ihre Eigenkapitalquote zu Gunsten einer besseren Eigenkapitalrendite zu reduzieren. Denn wenn das Eigenkapital im Verhältnis zum Jahresüberschuss reduziert wird, dann lohnt sich in „normalen“ Zeiten der Ersatz des Eigenkapitals durch Fremdkapital. Doch kommen Krisen, wie jetzt die Corona-Krise, dann halten auch eigentlich gesunde Unternehmen diesen Shutdown nicht lange durch, weil sie in guten Zeiten nicht ausreichend vorgesorgt haben.

Gerade deshalb ist es notwendig, den Blick künftig auf eine verbesserte Eigenkapitalkultur zu richten. Sie würde Unternehmen und Bürger unabhängiger von konjunkturellen Schwankungen machen. Und deshalb war und ist die Kritik an der EZB und ihrer Geldpolitik so richtig und notwendig. Eigentlich sollte kluge Geldpolitik das Gesunde stärken und normale Marktprozesse nicht verhindern. Jetzt ist guter Rat sehr teuer. Gut wäre, wenn die Regierung nicht einbehaltene Gewinne von Unternehmen besteuern würde, sondern erst bei ihrer Ausschüttung. Das würde die Selbstfinanzierungskräfte von Unternehmen stärken und ihre Abhängigkeit von Banken und Staat reduzieren. Wer glaubt, der Staat könne die Lücke, die wirtschaftlich aktuell entstanden ist und die sicherlich noch sehr viel größer wird, durch Transfers ausgleichen, der glaubt auch, dass die wirtschaftliche Erholung durch immer mehr Schulden und noch billigeres Geld zu erreichen ist. Die meisten großen Wirtschaftskrisen der letzten 150 Jahre haben freilich gezeigt, dass das Gegenteil der Fall ist.

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Kommentare ( 27 )

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27 Kommentare auf "Corona-Krise sorgt für noch mehr Zombie-Unternehmen"

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Im Grunde genommen tritt hier ein altes Problem zutage: Viele glauben, dass der Staat durch fortwährende Geildspritzen eine Wirtschaft am Leben erhalten kann, die ltztlich nur auf Konsum gegründet ist. Eigenkapital in Form von Sparguthaben halten auch die privaten Haushalte nicht vor. Deshalb wollen sich alle sofort an den Tropf des Staates hängen. Schon jetzt können Millioen von Mietern ihre Miete nicht mehr bezahlen. Warum nicht? Der angebliche Reichtum in diesem Land verteilt sich eben nur auf eine kleine Schicht. Die schrumpfende Mitte und der Rest müssen jetzt schon sehen, wo sie bleiben. In der sozialen Markttwirstchaft liegt der Schwerpunkt… Mehr
Wie kommen Sie darauf, daß der Unternehmer, dem das »Zombie-Unternehmen« gehört, nicht solvent ist? Der wäre doch mit dem Klammerbeutel gepudert, wenn er sein Privatvermögen im Unternehmen beließe. Das Haus am Vierwaldstätter See, der Reiterhof im Sauerland, das Finanzkapital auf den Cayman Inseln will er doch nicht verlieren. Würden Sie und ich doch nicht anders machen. Wir alle wissen um die Demogrphie, Deutschland hat seinen Höhepunkt längst hinter sich. Heute geht es um die Verteilung und Sicherung der Reste. Die Geldpolitik der EZB hilft dabei, indem sie die Masse der Habenichtse bei Laune hält. Sie müssen lernen in längeren Zyklen… Mehr

Gemeint ist wohl, dass die K o s t e n für Fremdkapital (sprich: die Zinsen und Entgelte für Kredite) als Betriebskosten abgesetzt werden können, die K o s t e n für Eigenkapital aber nicht. Finanziert man also z. B. die Anschaffung einer Maschine auf Kredit, kann man die Zinskosten absetzen, finanziert man sie aus Eigenkapital, kann man das nicht. Die Kosten für die Eigenkapitalbeschaffung/für den Verzicht auf die Entnahme des Eigenkapitals werden steuerlich also nicht berücksichtigt. Das macht die Kreditfinanzierung und das Wirtschaften mit möglichst wenig Kapital, also mit so viel Schulden wie tragbar, steuerlich interessant.

Schon seit Jahren wird nicht mehr in Produktivität investiert, d.h. der Produktionsstandort Deutschland wandelt sich in eine Dienstleistungsgesellschaft, deren Wertschöpfung immer weiter abnimmt. Zentrale Produktionszweige wie Automobilindustrie, Maschinenbau, Chemie und Kraftwerksbau entwickeln sich nicht mehr weiter. Im innovativen Sektor bei Solartechnik, Turbinenbau, E-Mobilität, Telekommunikation, Mikroelektronik, … sind wir nicht mehr vertreten, weil nicht wettbewerbsfähig und haben schlicht den Trend verschlafen. Die letzten Jahrzehnte hat faktisch keine Industriepolitik mehr stattgefunden und wenn es opportun ist über Blümchenfächer im öffentlichen Bereich entsprechend geld zu verdienen, dann muss ich mir um die Konkurrenz auf dem Weltmarkt keine Gedanken mehr machen. Wir verpulvern unser… Mehr

„Die Renditeerwartung der Aktionäre gepaart mit der Gier der Vorstände … “

Es fehlen noch „neoliberal“ und „kapitalistische Ellenbogengesellschaft“, dann koennen Sie in so manchem Wahlkreis ein Direktmandat gewinnen.

Sie haben noch eine Firma mit Eigenkapital oder Geld auf dem Konto, bezahltes Haus und ähnliches? Selbst Schuld. Verfassungsmäßigkeit einer Vermögensabgabe zur Bekämpfung der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie Aktenzeichen: Abschluss der Arbeit: Fachbereich: WD 4 – 3000 – 041/20 9. April 2020 WD 4: Haushalt und Finanzen https://www.bundestag.de/resource/blob/691376/2feb28d7057bf918bd18254ab06d95ad/WD-4-041-20-pdf-data.pdf
Das ist eine sehr prinzipielle Frage. Geht man davon aus, daß ein Unternehmen nicht nur dem Eigentümer nutzt, sondern einen gesellschaftlichen Wert darstellt, dann wäre es vernünftig, Gewinne, die im Unternehmen verbleiben, nicht zu besteuern. Gleiches gälte für Arbeitseinkommen, das nicht ausgegeben, sondern gespart wird, weil Vermögensbildung dazu führt, daß die Menschen eigenverantwortlich ihre Existenz sichern können, ohne auf staatliche Leistungen angewiesen zu sein. Steuern ausschließlich auf Konsum zu erheben, wäre insofern gerecht, als Menschen, die einen üppigen Lebensstandard pflegen, auch viel bezahlen müßten. Ein bescheidenes Leben würde mit geringer Steuerlast verbunden. Der Kapitalstock der Gesellschaft würde gestärkt. Soziale Belange… Mehr
Eine Stärkung der Investitionen in Produktivität wäre längst überfällig – im TE wie auch woanders konnte man oft lesen, dass diese in Europa seit Jahren zu schwach sind, weswegen wir zunehmend auf Pump leben. Beim Wiederaufbau nach Corona sollte dies sehr laut und deutlich angesprochen werden – entweder Produktivität, damit wir global konkurrenzfähig bleiben und nicht verarmen – oder Green-Deal-Murks mit CO2-Filtern, CO2-Preisen & Co. Beides geht nicht – selbst ohne Corona ginge es nicht. Es wird nach wie vor Framing mit Klima, vermeintlichen Dürren usw. gemacht – wie soll etwa Artenschutz Jobs schaffen, wie durchaus behauptet wird? Solche Märchen… Mehr

Ich rechne ja wie in den USA mit einer Massenarbeitslosigkeit in Millionenhöhe und einer riesigen Pleitewelle in der BRD, da der Wirtschaftseinbruch in Europa aktuell sehr massiv ausfallen soll. Der Kollaps der Wirtschaft wird hier gut dargestellt. Es ist wirklich beänstigend, was dieser Lockdown der deutschen Wirtschaft angetan hat:

„Unprecedented Damage To The Euro Zone“ – European PMIs Hammered By Record Collapse

https://www.zerohedge.com/economics/unprecedented-damage-euro-zone-european-pmis-suffer-record-collapse

Der Lockdown dürfte grosse Teile der deutschen Wirtschaft und des Mittelstandes für immer zerstören ?

und zusätzlich Investitionen, die aus Eigenkapital finanziert werden, nicht beim Betriebsausgabenabzug berücksichtigt werden dürfen.

Kann mir jemand diesen Satz erklären, bitte?

In diesem Artikel sind einige Termini nicht korrekt verwendet. „Solvenz“ ist falsch verwendet – gemeint ist Bonität. Eine „Überschuldung“ besteht erst dann, wenn kein Eigenkapital mehr vorhanden nicht und nicht, weil das Eigenkapital aus der Bewertungssicht des Verfassers „zu gering“ ist. Die Eigenkapitalquoten sind bereits nach Einführung von Basel III sehr wohl gestiegen und eine EK Quote von 23 % ist keinesfalls als „zu gering“ zu bewerten. In einer Bilanz sind ja nicht nur EK und Darlehen enthalten, sondern auch laufende Verbindlichkeiten, die auf die Quote Einfluss nehmen. Einen durchaus lesenswerten Bericht über Entwicklungen im Mittelstand bietet der DSGV alljährlich.… Mehr

Gemeint ist wohl, dass die K o s t e n für Fremdkapital (sprich: die Zinsen und Entgelte für Kredite) als Betriebskosten abgesetzt werden können, die K o s t e n für Eigenkapital aber nicht. Finanziert man also z. B. die Anschaffung einer Maschine auf Kredit, kann man die Zinskosten absetzen, finanziert man sie aus Eigenkapital, kann man das nicht. Die Kosten für die Eigenkapitalbeschaffung/für den Verzicht auf die Entnahme des Eigenkapitals werden steuerlich also nicht berücksichtigt. Das macht die Kreditfinanzierung und das Wirtschaften mit möglichst wenig Kapital, also mit so viel Schulden wie tragbar, steuerlich interessant.

Das sollte dann aber in einem Wirtschaftsartikel genau so stehen. Welche Kosten entstehen aber eigentlich durch die Nichtentnahme des Kapitals?

Solche Zombieunternehmen haben noch einen „Vorteil“. Sie sind latent von Staatsknete abhängig und damit tendentiell unfrei in ihrer Handlungsweise.

Toller Artikel! Es ist wirklich alles nur noch auf Naht genäht und den meisten fällt nicht auf, wie prekär die Lage ist. Nun geht der EU-Verschuldungswahnsinn in den Overdrive. 1.5 Billionen stehen jetzt im Raum. Nicht Milliarden. Ursula von der Leyen war schon immer teuer. Es sind Billionen.
https://www.theguardian.com/world/2020/apr/23/clashes-predicted-over-trillion-euro-covid-19-aid-as-eu-meets-online

Wenn einbehaltene Gewinne von Unternehmen erst besteuert würden, wenn sie ausgeschüttet werden (in welcher Form eigentlich und an wen?), wäre eine Entsprechung, dass Löhne erst besteuert werden, wenn man den Lohn wieder ausgibt wie bei der Mehrwertsteuer. Dasselbe gälte entsprechend für Kapitaleinkünfte durch Sparen, Dividenden, Verkäufe usw. Wäre das überhaupt machbar, da der Staat laufend Einnahmen braucht, also nicht für eine unbestimmte Zeit von Jahren auf das laufend Erwirtschaftete warten kann, was auch im Vergleich der Steuerzahler untereinander nicht fair wäre, wenn sich jeder selber entscheiden kann, wann er seinen Gewinn oder Lohn ausgibt und Steuern zahlt. Je mehr Arbeit… Mehr
Sie haben das deutsche Steuerrecht nicht voll erfasst. Wenn Sie mit ihrem Unternehmen trotz vielen Gebühren, Abgaben und Selbstverwaltungskosten für das Finanzamt und Steuern wie Sozialbeiträgen für ihre Arbeitnehmer noch einen Gewinn machen, dann wird dieser mit Körperschaftssteuer und Gewerbesteuer belastet! Wollen Sie diesen – bereits zweimal versteuerten – Gewinn zu ihrem (o Wunder!) als ihr persönliches, deutsches Einkommen nutzen (was bei Arbeitnehmern monatlich selbstverständlich ist), dann wird der bereits in ihrem Unternehmen besteuerte Betrag erneut ihrer vollen Einkommenbesteuerung unterzogen! Eine lupenreine Doppeltbesteuerung also. Daher gilt, wer als – gut verdienender – deutscher Unternehmer nicht in unternehmnsbedingt persönlich in Deutschland… Mehr
Ich habe Sie, ehrlich gesagt, nicht verstanden. Bis zu der Stelle, wo Sie von „bereits zweimal versteuert“ und damit ein drittes Mal andeuten, sehe ich nur eine einmalige Gewinnversteuerung zum selben Anlass und Zeitpunkt, die lediglich bürokratisch in zwei Posten aufgteilt ist. Könnte das Finanzamt auch anders machen, so dass es für Sie nur einen sichtbaren Posten gibt, der Körperschafts- und Gewerbesteuer unter einem Titel zusammenfasst. Wer nicht selber bürokratisch denkt, wird sehen, dass es dasselbe ist. Ansonsten listen Sie absetzbare Ausgaben auf, die den Betriebsgewinn und damit die Steuern schmälern! Mit den Entnahmen muss man aufs Verständnis achten, weil… Mehr

Ja, es ist nicht so leicht zu verstehen oder zu erklären. Aber ich garantiere Ihnen: wenn Sie einmal auf ihre Arbeit und ihren Erfolg Körperschaftssteuer und Gewerbesteuer und danach noch einmal auf das Verbleibende ihren vollen Einkommenssteuersatz bezahlt haben, dann verstehen Sie es!