Ein Bremer Jobcenter-Mitarbeiter sprach im ZDF offen über Bürgergeld, Fehlanreize und zweifelhafte Angaben von Antragstellern. Nun ist er seinen Job los. Die Stadt Bremen spricht von Diffamierung. Der entlassene Mitarbeiter will klagen.
Screenprint: ZDF
Die Kündigung kam per Brief, der politische Beigeschmack frei Haus. Fred Göcken, Mitarbeiter des Jobcenters Bremen, hatte in einer ZDF-Dokumentation ausgesprochen, was im Bürgergeld-System viele ahnen, wohl viele wissen und nur wenige dann auch öffentlich sagen: Es geht in dieser Behörde nicht nur um Vermittlung in Arbeit, sondern in erheblichem Maß um die Auszahlung staatlicher Leistungen. Für diese Offenheit steht Göcken nun selbst ohne Arbeit da.
In der ZDF-Reportage „Am Puls mit Sarah Tacke – System Bürgergeld: Leben ohne Leistung“ sagte Göcken, die zentrale Aufgabe des Jobcenters sei das „Geldausgeben“. Würden er und seine Kollegen alle Bürgergeldempfänger in Arbeit bringen, wäre ihre eigene Tätigkeit bald überflüssig. Der Satz trifft den wunden Punkt eines dysfunktionalen Apparats, der offiziell fördern und fordern soll, in der Praxis aber längst zum Dauerverwalter eines milliardenschweren Transfersystems geworden ist.
Göcken ging noch weiter. Nach seiner Einschätzung machten 30 bis 40 Prozent der Bürgergeldempfänger in ihren Anträgen unwahre Angaben. Das sei „ein offenes Geheimnis“. Belastbare offizielle Zahlen gibt es dazu nicht, und genau das ist Teil des Problems. Wo der Staat keine sauberen Zahlen vorlegt, bleibt die öffentliche Debatte abhängig von Erfahrungsberichten aus dem Inneren des Systems. Sobald ein Mitarbeiter einen solchen Erfahrungsbericht liefert, wird nicht zuerst der Vorwurf geprüft, sondern der Mitarbeiter entfernt.
Die Stadt Bremen wirft Göcken nun vor, sein Interview sei nicht genehmigt gewesen. Er habe eigenmächtig mit der ZDF-Moderatorin Sarah Tacke gesprochen. In dem Kündigungsschreiben vom 28. Mai, das der FAZ vorliegt, heißt es, Beschäftigte des öffentlichen Dienstes dürften zwar Kritik üben, aber nur „sachlich und konstruktiv“. Genau diese Formel ist verräterisch. Sie klingt nach Meinungsfreiheit, meint aber Disziplinierung. Kritik ist erlaubt, solange sie niemanden stört, nichts offenlegt und den Betrieb nicht in Erklärungsnot bringt.
Die Stadt sieht durch Göckens Aussagen den Eindruck erweckt, das Jobcenter wolle seinem gesetzlichen Auftrag, Menschen in Arbeit zu bringen, nicht nachkommen. Damit, so die Argumentation, seien die Grenzen der Meinungsfreiheit überschritten. Das Vertrauensverhältnis sei zerstört.
Das Jobcenter weist Göckens Angaben zurück. Für die geschätzten 30 bis 40 Prozent falscher Angaben gebe es keine belastbaren Erkenntnisse. Das kann stimmen. Es kann aber auch heißen, dass niemand so genau wissen will, wie groß das Problem wirklich ist. In einem Sozialstaat, der immer größere Summen verteilt, wäre genau diese Frage zentral: Wie viel Missbrauch gibt es? Wie wirksam wird kontrolliert? Wie oft werden Sanktionen verhängt? Wie viele Empfänger könnten arbeiten, tun es aber nicht?
Stattdessen richtet sich der Blick auf den Mann, der die Frage öffentlich gestellt hat. Nicht das System steht unter Druck, sondern der Mitarbeiter. Das ist ein bekanntes Muster im deutschen Behördenstaat: Wer Missstände benennt, wird schnell selbst zum Missstand erklärt.
Göcken will juristisch gegen die fristlose Kündigung vorgehen. Der Fall dürfte damit noch lange nicht erledigt sein. Arbeitsrechtlich wird zu klären sein, ob seine Aussagen tatsächlich eine unzulässige Diffamierung der Behörde waren oder ob hier ein öffentlicher Arbeitgeber überzogen reagiert hat. Politisch ist die Sache schon jetzt klar. Das Bürgergeld ist nicht nur eine Sozialleistung, es ist ein System mit enormen finanziellen, moralischen und arbeitsmarktpolitischen Nebenwirkungen. Wer aus dem Inneren dieses Systems Kritik übt, liefert der Öffentlichkeit Informationen, die sie braucht.
Der Mann, der öffentlich über das Bürgergeld-System sprach, landet nun vor dessen Schalter. Kein Drehbuch hätte die ganze Absurdität dieses Falles zeichnen können.
Für Bremen ist diese Kündigung ein Signal. Es sagt Behördenmitarbeitern, dass offene Worte über Fehlentwicklungen direkte Konsequenzen haben. Es sagt Bürgern, dass die Verwaltung empfindlicher auf Kritik reagiert als auf den Verdacht, ein teures Sozialsystem könne massenhaft ausgenutzt werden. Und es sagt allen, die das Bürgergeld für reformbedürftig halten: Der Staat schützt sein System. Zur Not auch vor denen, die es von innen kennen.

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Wo kämen wir denn hin, wenn alle was sagen würden!
Mich würde noch interessieren: War der Mann Angestellter im öffentlichen Dienst oder Beamter?
Leider untergegangen im Bericht sind die Zahlen der vermittelten „Arbeitssucher“ pro annum , da kommt naemlich eine stattliche Zahl zum Vorschein – zumindest dann , wenn das Kuerzel ppm dahinter steht .
Die Politclowns des links-grünen Kartells haben doch vor einiger Zeit davon geschwafelt, dass Whistleblower besser geschützt werden müssten. Wie die sich diesen Schutz vorstellen, zeigen sie jetzt. Die Sache könnte den autoritären Wichtigtuern des linken Bankrottkartells noch auf die Füße fallen, wenn die kritischen neuen Medien den Fall weiterverfolgen und der entlassene Mitarbeiter am Ende wieder eingestellt werden müsste. Sollte vor Gericht nachgewiesen werden, dass an den Aussagen des nun arbeitslosen Bediensteten viel Wahres dran ist, wird es erneut peinlich für einen immer öfter versagenden Staat und eine inkompetente politische Führung. Alles hängt am Ende davon ab, ob wir noch… Mehr
Zuerst mußten wir mit dem Feudalterror fertig werden, danach kam der braune Terror, abgelöst durch Linksterror im Osten und im Westen in der gleichen Zeit von einigermaßen Vernunft getragen wurde, bis sich die Linken erneut aufgemacht haben den Leuten ihren Willen aufzuzwingen, was nun sichtbar ist bei allen terroristischen Aktionen die unser tägliches Leben bestimmen und noch komprimiert werden durch fremden Zulauf, der uns auch nicht gerade stabilisiert. Die AFD ist das sichtbare Zeichen des inneren Widerstandes gegen die gesamte Linkspolitik in unserem Land und wer diese Zeichen der Zeit nicht erkennen kann gleicht einem Blinden oder er ist gleicher… Mehr
Mao: Bestrafe einen, erziehe hunderte, alte autoritäre Erziehungsweisheit, oder?
Darum wurde ich zum Freund der Todesstrafe – Viele würden sich so manches Verbrechen überlegen – aber mit einem Fingerzeig und du,du,du wird das nix!
Im besten Fall wird jetzt eine Untersuchung stattfinden, ob die Aussage von Herrn Göcken haltlos ist (so wie das Jobcenter Bremen das meint) oder ob an der Aussage was dran ist (wovon ich ausgehe). Sollte gerichtlich festgestellt werden, daß Herr Göcken recht hat, wird das hoffentlich eine Lawine auslösen.
Dieser Sozial- und Solidaritätsbetrug epichen Ausmaßes am Steuerzahler hat Schröder möglich gemacht. Diese hochbejubelte Agenta 2010, mit Abschaffung des Leistung-gegen-Leistungs Prinzips bei Arbeitslosengeld und Arbeitslosenhilfe, hat die SPD, und haben die Grünen gegen ein Leistungsloses Hartz 4 getauscht. Das was Deutschland angeblich vor dem sozialen Kollaps gerettet hat, hat das Tor dafür geöffnet Milliarden umzuverteilen. Rot Grün hat seinerzeit den Betrug am Staat und seinem Geldgeber legitimiert, und alle Menschen auf der ganzen Welt, die seit Generationen versuchen ohne eigene Leistung an fremdes Geld zu kommen, haben in Deutschland ein Paradies gefunden um mit ein paar falschen Angaben die ganze… Mehr
Schröder / Fischer haben den Wind gesät der jetzt zum Orkan wird . Diese allgemeine Schröder Verklärung ist schon kurios . Atomausstieg , Öko Steuer , Doppelbesteuerung der Renten und vieles mehr .
Die Zusammenlegung von Arbeitslosengeld, Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe war einer der Kernfehler dieser in der Tat zu Unrecht hochgelobten Agenda 2010.
Da wurde zusammengerührt, was nicht zusammengehört, und das kommt uns teuer zu stehen.
Vor Willy Brandt war die Sozialhilfe nur für arbeitsunfähige und alte Leute. Der Willy wollte aber unbedingt Kanzler werden, also hat er Sozialhilfe für alle versprochen. Und den Studenten hat er die Hochschulreform mit absolutem Mitspracherecht versprochen.
Dort sitzen überall linke Aktivisten in den Institutionen dieses Staates und diese meinen, dass ihnen das Land gehört und sie jagen und unterdrücken Kritiker und die Fakten! Was will man mit so einem linken Mafia-Staat noch anfangen!?
Wieder ein Beweis, dass man in Deutschland nicht alles sagen darf, nicht einmal die Wahrheit.