Gepflegte Langeweile bei Maischberger

Ein dramatischer politischer Tag – das Ende der schwarz-roten Koalition steht im Raum, das krachende Scheitern von Friedrich Merz ist sichtbar. Bei Maischberger statt Sturm nur ein sanftes Säuseln.

Screenprint: ARD / Maischberger

Die gestrige Maischberger-Runde wirkte, als sende sie aus einer anderen Wirklichkeit. Während draußen ein politischer Tag von erheblicher Dramatik zu Ende ging – mit Themen, die eigentlich nach Einordnung, Zuspitzung und auch Streit verlangten –, blieb die Sendung bemerkenswert flach. Man diskutierte, aber man traf keinen Punkt. Das Geschehen in der Regierung? Keine Ahnung.

Dabei wird das Ende der gefeierten Politik sichtbar.

Der Bundeshaushalt ist mit seiner monströsen Verschuldung langfristig untragbar und führt Deutschland in eine Haushalts- und Finanzkrise. Bei Maischberger diskutieren Journalisten, dass sie gerne Steuern zahlen, und dass noch höhere Steuern und noch höhere Schulden unumgänglich, ja sogar unbedingt wünschenswert seien. Die Moderatorin Bettina Böttinger vom WDR zahlt gerne Steuern, denn es ist ja „ihr“ Staat. Irgendeine klitzekleine Frage zur Sinnhaftigkeit der Staatsausgaben? Auch nur eine Idee von Aufgabenkritik? Und müssen auch diejenigen Steuern zahlen, die dieses Gemurkse nicht mehr als „ihren“ Staat ansehen? Steuern nur noch freiwillig? Null-Debatte. Früher nannte man Haushaltswochen „Schicksalswochen“. Aber rotgrüne Journalisten haben sich in ihr Schicksal ergeben, und das lautet: Höhere Steuern. Mehr Staat. Weniger Bürger.

Koalition der Autisten:
Die Koalition ist nicht zerstritten, schließlich redet man übereinander
Klar, zusammen mit Anna Lehmann von der taz war sich Böttinger einig: Die Reichen müssen stärker bluten. Noch stärker. Noch viel stärker. Vermögenssteuer, Erbschaftssteuer – es war nach ein paar kritischen Zwischenfragen von Michael Bröcker schnell klar, dass die Damen hilflos in der Sache schwimmen: Wer ist denn reich? Der Handwerksmeister, meinen die klugen Damen, der natürlich nicht. Dass aber gerade das notwenige Betriebsvermögen des Handwerksmeisters durch diese Steuern in die Staatskassen wandert und Nicht-Arbeit mehr lohnt als sich regen – das wurde nicht klar. Und dass die Regierung Merz rund 1.000 Milliarden Schulden gemacht hat und es immer noch nicht reicht: Keine Erwähnung. Die schwäbische Hausfrau konnte wenigstens noch rechnen. Die neuen Akademikerinnen im Studio nicht.

Papageien-Debatte

So entstand eine Sandkasten-Debatte: Der Staat macht alles richtig, und deshalb müssen halt die Anderen mehr zahlen. Logo. Es war eine Papageien-Debatte. Eine Verteidigungsrede für die weiteren Steuererhöhungspläne, wie sie die CDU vorlegt und die SPD weitergehend fordert. Finanzpolitische Stabilität? Kein Wort, Geld sprudelt doch. Ein beleidigter Kanzler? Krach zwischen den Koalitionspartnern?

CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann lieferte neben der amtlichen Schönrednerei, zu der er sich offensichtlich noch verpflichtet fühlt, durchaus Ansatzpunkte für eine Diskussion. Er wollte SPD-Chef und Finanzminister Klingbeil auf eine Rede „vor Bertelsmann“ festlegen; was er meinte, blieb unklar. Keine Nachfrage. Vermutlich haben keine drei Zuschauer eine Vorstellung davon, was Klingbeil irgendwann vor einer Stiftungsversammlung redete. Muss man das wissen, was Herr Klingbeil abliest?

Aber das blieb unkommentiert, wurde nicht benannt. Die gesellschaftliche Elite redet untereinander, wirft sich Stichworte zu und nickt sie ab. Das ist das neue Berlin. Man redet zu sich, unter sich und ohne die da draußen sowieso. Der Zuschauer bleibt draußen, das ist neue Konzept der Politik; wählen dürfen sie ja noch, aber bloß nichts ändern damit. Die Journalisten bestätigen die Richtigkeit, sie sollen sich halt nicht so streiten oder vielleicht dürfen sie das doch. Das war das Niveau. Linnemann spielte den Sunnyboy im Sturmgewitter, gar nicht schlecht. Aber Wegreden kann man halt das Wetter nicht. Immerhin wird klar: Unbedingt und unausweichlich ist auch für ihn diese Koalition nicht mehr. Schließlich wird der Ruf nach Minderheitsregierung auch in der CDU-Fraktion immer lauter.

Transformation und Niedergang
Haushaltsdefizit: Katastrophe mit Ansage
Aber nichts davon bei Maischberger; vermutlich fürchtet sie: Das könnte die Bevölkerung beunruhigen. Statt die Dramatik des Tages abzubilden, wurde sie eingeebnet. Keine klare Gewichtung des Tagesgeschehen, kein Gefühl für Prioritäten, weder Haushalts- noch machtpolitisch. Was politisch brennt, erschien hier wie ein weiterer Tagesordnungspunkt unter vielen. Das ist mehr als ein dramaturgisches Problem; es ist ein journalistisches Versäumnis. Wer Relevanz nicht sortiert, macht sie unsichtbar. Kann Merz Kanzler bleiben? Hat er den Rückhalt in der Partei verloren, nachdem der mächtige Mann des Parlamentskreises Mittelstand, Christian von Stetten, auf einer kleinen Tagung in Hohenlohe vor Jung-Unternehmern prognostiziert hat, dass die Koalition keine vier Jahre hält?

Besonders unerquicklich: die sogenannte Journalistenrunde. Sie hätte Distanz zur Politik herstellen können, Analyse liefern, vielleicht auch Widerspruch. Stattdessen geriet sie zur Echokammer. Das zentrale Motiv: höhere Steuern, Applaus, Applaus, alles andere überfordert ja Politiker. Vorgetragen nicht als Ergebnis einer abgewogenen Argumentation, sondern als reflexhafte Forderung, wiederholt, variiert, aber nie ernsthaft hinterfragt und schon gar nicht kritisiert. Klar, am düsteren Horizont droht und dräut es blau. Lieber nicht hinschauen.

Es war, als sprächen hier nicht Beobachter, sondern Stichwortgeber. Die Argumentationslinie wirkte eingeübt, fast ritualisiert: Mehr Staat, mehr Einnahmen, mehr Umverteilung – als gäbe es keine Alternativen, keine Nebenwirkungen, keine legitimen Gegenargumente. Differenzierung? Fehlanzeige. Skepsis? Unerwünscht. Zuschauer? Schläft.

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Kommentare ( 19 )

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19 Comments
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Dr. Rehmstack
20 Tage her

Und immer wieder die TAZ! Nachdem nun auch dem letzten Redakteur aufgefallen ist, dass man Frau Hermann wirklich nicht mehr den Leuten zumuten kann, hat man jetzt mit Frau Lehmann Ersatz gefunden. Die TAZ, die eine Print Auflage von 40.000 hatte, und nachdem sie nicht mal diese mehr an den Mann bringen konnten, einstellen mussten, wird aber von den öffentlich-rechtlichen über alles geliebt, na klar, es ist ja auch ihr Blatt und das muss um jeden Preis und gegen jede Glaubwürdigkeit am Leben gehalten werden; und da gibt es tatsächlich Richter, die von einer Ausgewogenheit im öffentlich-rechtlichen Fernsehen überzeugt sind.

Haba Orwell
20 Tage her
Antworten an  Dr. Rehmstack

> Nachdem nun auch dem letzten Redakteur aufgefallen ist, dass man Frau Hermann wirklich nicht mehr den Leuten zumuten kann, hat man jetzt mit Frau Lehmann Ersatz gefunden.

Da ich ÖRR-Talkrunden komplett meide, kann mir eh nichts zugemutet werden. Für Manche wohl zu großer Schritt. Vielleicht erst mal jeden dritten Donnerstag im Monat ein wenig kritisch über die Obrigkeit denken?

Ein Mensch
19 Tage her

,,Die gesellschaftliche Elite“ , wenn meinen Sie damit? Elite ist eine Auswahl der Besten!!! Die Regierung und alle Politiker der Altparteien damit in Verbindung zu bringen, ist das schon üble Nachrede? Genauso betrifft das natürlich den übergroßen Teil der Beschäftigten in Presse, Funk und Fernsehen. Wirkliche Elite kann ich bewundern wenn mein Heizungsinstallateur meine alte Gasheizung repariert, weil eine schöne neue Heizung mittlerweile unbezahlbar ist. Oder wenn die Supermarktkassiererin nach dem 100. unfreundlichen Kunden immer noch lächelt. Diese Menschen zählen für mich zur Elite des Landes, oben genannte zählen schon lange nicht mehr dazu.

Dr. Rehmstack
20 Tage her

Dieser gewichtige Deutsch amerikanische Ökonomie Professor ist regelmäßig in deutschen Talkshows vertreten, wie macht er das, haben die dort keine Lehr Verpflichtungen? Oder ist das auch nur so eine Lauterbach Professur?

November Man
20 Tage her

CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann hatte nach einem TV-Duell der Kanzlerkandidaten klargestellt, dass die Union keine Steuererhöhungen wolle. Unions-Kanzlerkandidat Friedrich Merz hatte eine Erhöhung der Mehrwertsteuer in dem Duell bei „Bild“ und „Welt“ auch auf Nachfrage nicht klar ausgeschlossen, sondern auf mögliche Koalitionsverhandlungen verwiesen. Linnemann dagegen sagte dem Sender Welt-TV: „Da sind wir sehr klar. Steht ja auch im Wahlprogramm, dass wir jetzt die Steuern nicht erhöhen.“ Das gelte nicht nur für die Mehrwertsteuer, sondern ganz allgemein, betonte Linnemann. Die Erhöhung der Mehrwertsteuer kommt dann nach den Wahlen in Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt. Dann schlagen die Linksextremen zu und die Bürger… Mehr

rainer erich
20 Tage her

Erfreulich, dass regelmässig auch und vor allem die Damen Gelegenheit haben, ihre Kompetenz öffentlich zu zeigen. Vor allem zeigen sie ihr “ Verständnis“ von Politik und der Ausübung von Verantwortung für ein Land. Chapeau. Und eine Runde Mitgefühl für den Pflichthörer bzw Pflichtseher dieser Quälerei.

Buck Fiden
20 Tage her

Linnemann… mMn nur eine weitere gesichtslose Parteimaske mit Schwafelkompetenz. Kann weg.

Dr. Rehmstack
20 Tage her
Antworten an  Buck Fiden

Ich habe seine Aussagen als Bewerbung für die Nachfolge von März gedeutet!

Ohanse
20 Tage her

Nachdem nun klar ist, daß Merz es nicht kann, wollen die Gleichstrom-Journalisten ihn unbedingt behalten. Er opfert so lustig rum und schadet seiner Partei und seinen Wählern jeden Tag aufs Neue. So einen muss man laufen lassen. Und Friedrich Merz hält das für Anerkennung.

Judith Panther
20 Tage her

Das Gute daran ist das Schlechte darin, denn ich will die Hoffnung einfach
nicht aufgeben, daß es jetzt nur noch ein klein wenig schlimmer werden muß, bis auch dem letzten Michel die Augen erst auf- und dann übergehen.

Last edited 20 Tage her by Judith Panther
humerd
20 Tage her

ich spreche jetzt mal TE Journalisten meinen großen Dank dafür aus, dass sie sich die Talkrunden antun und uns Lesern dann eine pointierte Zusammenfassung schreiben.

Haba Orwell
20 Tage her

> Die Argumentationslinie wirkte eingeübt, fast ritualisiert: Mehr Staat, mehr Einnahmen, mehr Umverteilung – als gäbe es keine Alternativen, keine Nebenwirkungen, keine legitimen Gegenargumente. Und mehr Kontrolle – es ist aber nicht so, dass Trump in den USA welche verhindert: >>>Trump Is Putting Americans into Digital Prison – Paul Craig Roberts<<< > „… “In a move that exposes the true agenda behind the “America First” rhetoric, the Trump administration is barreling forward with an executive order that will force every American to hand over their biometric facial data or be locked out of the banking system entirely. Treasury Secretary Scott… Mehr

OJ
20 Tage her

Politiker aller Couleur beherrschen eine zur Perfektion erhobene Disziplin:
Sie nennen
– Relativierung „Differenzierung“,
– Scheiße Schönreden „Ausgewogenheit“
– Manipulation „Kommunikation“.
Bürger werden nicht belogen, sie werden manipuliert.
Bis sie glauben, schwarzer Rauch sei weißer Rauch.
Wer permanent alles relativiert, tötet nicht die Wahrheit, er entwöhnt uns von ihr.
Das ist die eigentliche Indoktrination❗

Last edited 20 Tage her by OJ
Bernd Bueter
20 Tage her
Antworten an  OJ

Die Bürger/Wähler werden nur noch belogen. Die „ganze Politik“ ist nur noch Lug und Betrug. Kein Wunder, dass die AfD mit ihrer Distanz zur Lüge und dem Aussprechen von Wahrheiten als demokratisches Gütesiegel ein uneinholbares Alleinstellungsmerkmal besitzt und damit unaufhaltsam bei immer mehr Wählern punktet. Ich frage mich eher, warum hier, aus welcher Not heraus, über die Kriminalität der Altparteien kein Wort verloren wird. Systematische Verstöße gg. Verfassung, FDGO, Recht und Gesetz mit Ausplündern der Bürger und Zerstörung des Landes sind kein „Pech beim Regieren“ sondern finden sich klar definiert in den Definitionen für OK und Bandenkriminalität wieder. Auch im… Mehr