Bei Illner: Volle Attacke auf Jens Spahn

Von wegen „Wir sind gut vorbereitet“. Nun bläst auch der Staatsfunk zum ersten Mal frontal zur Attacke auf Merkels Krisenmanagement. Im Zentrum der Kritik: Jens Spahn.

Screenprint: ZDF/maybrit illner

Gut gelaunt und Corona-frei begrüßte Maybrit Illner die gelernte Krankenschwester Yvonne Falckner, die derzeit für die Beratungsstelle „Pflege in Not“ der Diakonie arbeitet, Andrew Ullmann, FDP-Gesundheitspolitiker, MdB, Universitätsprofessor für Infektiologie an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg und Facharzt für Innere Medizin, sowie den Gesundheitsbeauftragten der SPD, Prof. Dr. Karl Lauterbach, den wir zunächst kaum erkannt haben, war er doch offensichtlich seit langem mal wieder beim Frisör gewesen, obwohl das Haarwerk doch geschlossen haben müsste. Erst dem Scharfsinn unserer Lebensabschnittsbevollmächtigten verdanken wir die wahre Ursache unserer Irritation: Karl „die Fliege“ Lauterbach saß seit Menschengedenken zum ersten Mal ohne seine Marotte, die Fliege, im Studio.

Zugeschaltet war mit Frau Prof. Sandra Ciesek, Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt, ein weiterer Vertreter des Ärzte- und Pflegestandes, sowie Alexander Lambsdorff, der aus der häuslichen Quarantäne informierte, dass er endlich Corona-negativ getestet sei.

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Sollten Sie, verehrte Leser, nur gelegentlich über die ein oder andere Nachrichtensendung der letzten Tage gestolpert sein, dann wissen Sie eigentlich auch alles, was die Herrschaften in der Illner-Show zu sagen hatten. Karl dozierte die drei Wege, die wir hätten gehen können, wobei der, den wir gegangen sind, auch nicht der hundert Prozent richtige war, aber ihm habe ja keiner zugehört. Lambsdorff durfte anfügen, dass Donald Trump natürlich alles falsch gemacht habe, und die Virologin klärte auf, welche Tests es gebe (verschiedene), aber blöderweise zu wenige. Die Krankenschwester wurde schon ganz unruhig, denn ihr Anliegen war es, auf den Notstand in Kliniken und Heimen für das Pflegepersonal aufmerksam zu machen, doch noch musste sie sich ein wenig gedulden, denn Maybrit Illner hatte den Höhepunkt genau geplant.

Zunächst wurde noch die Textil-Firma Mey eingeblendet, die nun Atemschutzmasken herstellt, und der Elektroautobauer VW will zusätzlich Beatmungsgeräte aus dem 3-D-Drucker bauen. Es wurde der Anti-Corona-Masterplan des Bundestages (den Tichy-Leser längst kennen) erwähnt, an den sich allerdings weder Regierung noch Bundestag hielten. So schwebte schon zwischen den Zeilen der Vorwurf, dass die Bundesregierung entgegen der ständigen Beteuerungen eben nicht vorbereitet war, obwohl sie es hätte sein müssen.

Endlich wurde der definitive Schlag versetzt. Achim Theiler, Geschäftsführer der Franz Mensch GmbH, deutscher Hersteller und Großhändler für Hygieneartikel, Mundschutz und Atemschutzmasken, konnte noch einmal en détail Zeugnis ablegen vom Amtsversagen des Jens Spahn, Gesundheitsminister Ihrer Majestät Merkel (zum Vierten).

Theilers Firma ist natürlich auch mit China im Geschäft, schließlich werden 90 % der Schutzartikel ebenda hergestellt, und bemerkte schon Ende Januar, dass der Markt sich veränderte. Also „sperrten wir den Bestand“, hielten vorsorglich Ware zurück und die Firma schrieb am 5. Februar einen Brief an Spahn, in dem auf die Situation in China aufmerksam gemacht wurde und um Weisungen bat. Antwort: Keine, niente, null. Auch ein zweiter Brief erhielt keine Reaktion. „700 Leute arbeiten in den Ministerien“, empörte sich der Unternehmer, „ich verstehe das nicht.“

Für Theiler ist es bis heute „nicht nachvollziehbar, dass wir so schlecht vorbereitet sind“ – klar, er ist schließlich kein Politiker. So hat nicht nur Spahn auf ganzer Linie versagt, auch der stets hyperaktive wie vorgeblich gutherzige Heiko Maas hatte noch Mitte Februar – der Karneval stand vor der Tür – 8,7 Tonnen des knappen Schutzmaterials an China verschenkt, das nun in Deutschland an allen Ecken und Enden fehlt.

Inzwischen hat sich der Preis für Schutzmasken verzwanzigfacht und „wir importieren jetzt wie blöde“ (Theiler). Zu spät. Denn Klinikpersonal wird aufgefordert, Masken, die eigentlich täglich mehrmals ausgetauscht werden müssen, 48 Stunden am Stück zu tragen. Nun sind wir gespannt, ob die Merkelbegleitpresse von ihren kritiklosen Jubelartikeln Abstand nimmt und langsam versucht, ihre Arbeit korrekt zu machen. Denn dieses Land ist nicht nur nicht vorbereitet, sondern hat auch Monate lang kostbare Zeit verplempert.

Coronakrise
Lernen von Singapur
Der FDP-Professor warf noch zaghaft ein „hinterher ist man immer klüger“ ein und benannte den Karneval als Riesenproblem. Aber auch seine Partei hat sich nicht mit Ruhm bekleckert, denn 2012, als der Pandemieplan zur Debatte stand, hieß der Gesundheitsminister Daniel Bahr, FDP, und heute ist Christian Lindner so begeistert von Merkel dass man sich stets die Frage stellt: Wann tritt er über? Durch Karl (ohne Fliege) wissen wir nun, dass 80% der Ansteckungen durch Leute geschehen, die leichte oder gar keine Symptome haben, so dass, würde jeder eine Schutzmaske tragen, der totale Shut-Down langsam zurückgefahren werden könnte. Aber Masken haben wir ja leider nicht. Und Pflegepersonal ist ebenfalls Mangelware. Auch, weil sich immer mehr durch Patienten angesteckt werden.

Hier schlägt Karl pauschal ein paar hundert Euronen extra für Pflegekräfte vor, plus Schutzmaterial, wozu der FDP-Professor noch leise von Tarifregeln sprach, aber am Ende als Geizkragen dastand.

Richtig ist, dass 200.000 Pflegekräfte dem Beruf wegen der schlechten Bezahlung den Rücken kehrten, und auch, dass deutsche Ärzte lieber in der Schweiz, GB oder Schweden mehr verdienen als weniger bei uns.

Am Ende hatte Karl Oberwasser – vielleicht, weil in der Sendung ganz vergessen wurde darauf hinzuweisen, dass Lauterbach zusammen mit der Bertelsmann-Stiftung noch im letzten Jahr vehement gefordert hatte, eine Vielzahl an Kliniken in Deutschland zu schließen. Das käme heute nicht mehr so gut an.

Wir wollen am Ende der Krankenschwester Yvonne Falckner ihren Herzenswunsch erfüllen und auf Change.org/Pflegeaufruf hinweisen, wo man Merkel und all ihren Lippenbekennern ein wenig den Marsch blasen kann. Gute Nacht.


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Kommentare ( 236 )

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236 Kommentare auf "Bei Illner: Volle Attacke auf Jens Spahn"

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„Am Ende hatte Karl Oberwasser – vielleicht, weil in der Sendung ganz vergessen wurde darauf hinzuweisen, dass Lauterbach zusammen mit der Bertelsmann-Stiftung noch im letzten Jahr vehement gefordert hatte, eine Vielzahl an Kliniken in Deutschland zu schließen“
das ist journalistisches Totalversagen. Nicht nur Spahn & Co. versagen.
„Krankenschwester Yvonne Falckner“ erinnert mich zu sehr an die Vorzeigeputzfrau Susanne Neumann der SPD oder an den Altenpfleger Ferdi Cebi. Es gab viele Proteste von Pflegepersonal, wo war Yvonne denn damals? Nein, unser Land braucht jetzt wahrlich keine Krankenschwester die in die Öffentlichkeit drängt und durch Talk Shows tuckert.

Im Februar hatte Spahn und die Lückenpresse noch mit ihren inneren Dämonen zu kämpfen, sie wollten das damals noch nicht wahrhaben. Spahn verniedlichte den Ausbruch in China und sah keine Gefahr für Deutschland und die Lückenpresse wiederholte gebetsmühlenartig, dass das Tragen von Schutzmasken gar nichts bringen würde. Zudem galt zu viel Angst vor dem Virus als Zeichen dafür, ein Rechter zu sein. Und auch das Robert-Koch-Institut verpeilte die Lage im Februar ja völlig und sah keine Gefahr für Deutschland. Was also hätte Spahn tun können, außer das, was er und die anderen am besten können (nichts?)? Und so unternahm er… Mehr

Ich liebe inzwischen Ihre Zusammenfassung solcher Sendungen, da man a) danach weiss, was sich der Mainstream ansieht und man sich b) diesen Diletantenstadel selbst nicht antun muss, wenn man ihn schon bezahlen muss.

Herr Maas verschenkt 8,7 Tonnen Schutzmaterial , die Klagen gegen Merkel wegen des Eingriffs in die Thüringer Wahl wurden alle komplett als unbegründet von Karlsruhe abgewiesen und Uschi löscht flugs ihr Handy, damit man nichts belastendes findet , das Auto eines AfD Politikers wird abgefackelt, aber nichts davon wird bei Illner &Co thematisiert, die Tagesschau schweigt auch dazu und Kleber findet das wohl auch nicht so wichtig, als dass man darüber reden müsste. Und jetzt stelle man sich vor, alle diese Verfehlungen hätte die AfD zu verantworten ? Jeden Tag hätten wir dazu einen Brennpunkt, Haldenwang würde mindestens ein Parteiverbot… Mehr

Untersuchungsausschüsse wären in der Tat angebracht, aber ach: Eine (Polit-)Krähe hackt der anderen bekanntlich kein Auge aus. Und da die Politentourage einmal tutti completi versagt hat, wird da auch nichts passieren.
In einer funktionierenden Demokratie würde eine unabhängige Presse wenigstens Versager wie Heiko Maas oder Jens Spahn medial gnadenlos sturmreif schießen, bis diese zurücktreten und ihrer Immunität beraubt, endlich vor Gericht gezerrt werden könnten.
So aber werden sie von einer gleichgeschalteten Presstitude noch zu Helden verklärt. -Ja, 1789 und 1989 sind beide schon lange her..

Eigentlich müsste die Fliege doch noch in Quarantäne sein, letzte Woche war er es noch, aber als „Arzt“ (ohne auch nur eine Minute Berufserfahrung) kann er sich bestimmt selbst „entlassen“. Das offene Hemd soll Fleiß vortäuschen, Bodenhaftung, kurz: den „Arbeiter, der anpackt“. Der gleiche Trick wie hochgekrempelte Ärmel oder „Bring mir mal ’n Bier, sonst streike ich hier“. Gott behüte uns vor solchen Fachkräften. Jeder angelernte Pfleger mit zwei Wochen Einsatz hat mehr Wert als das Karlchen. Und die Haare? Die werden vom Maskenbildner gemacht, was der Karl aber als „geldwerten Vorteil“ von durchschnittlich 20€ komischerweise nicht versteuern muss, während… Mehr

Wer sich von Merkel zum Gesundheitsministet machen lässt, „ohne“ Fachwissen
zu haben, muss wissen – dass er vorsätzlich zum Sündenbock in dem ärgerlichen Bereich ausgewählt wurde, wo die Milliarden trickreich „eingespart“ werden sollen,
die für die rechtswidrig eingedrungenen Migranten ausgegeben werden!
Wenn die Einspar-Zwänge schief gehen – ist natürlich „nicht“ Merkel schuld – die an
den Fäden zieht – sondern der ausführende Gesundheits-Minister!

„muss wissen – dass er vorsätzlich zum Sündenbock in dem ärgerlichen Bereich ausgewählt wurde“

Das weiß er doch, aber er weiß auch (angeblich), dass dies heute zu den „Opfern“ gehört die man auf dem Weg zu einer eventuellen Politkarriere erbringen muss.
Können, wissen und Erfahrung sind schon längst „out“ als Kriterien, im Gegenteil so etwas führt nur ganz schnell dazu, dass die politische Karriere beendet ist
– nennt sich Merkelismus

Um die Ursache des Dramas zu erfassen muss auch auf die unrühmlichen Rollen der Privatisierungseinpeitscher „Bertelsmann-Stiftung“ und EU eingegangen werden: Die „Bertelsmann-Stiftung“ hatte noch letzten Juli die Schließung von mindestens (!) der Hälfte (!!) unserer Krankenhäuser empfohlen – zwecks besserer Gewinnoptimierung (!) der verbleibenden. Ob Herr Spahn diesem Druck der „Experten“ lange standgehalten hätte ist unklar. Sicher aber ist, dass wir dann hier „italienische“ Sterberaten hätten; denn Italien musste schon 2013/2015 auf Druck der EZB sein Gesundheitssystem auf diese Weise „optimieren“, d.h. konkret: rapide runterfahren (sonst hätte es kein fresh money via Anleiheaufkäufe mehr gegeben!), was dort u.a. zur Schließung… Mehr

Die Beitragszahler werden nur ausgepresst. Hinausgeworfen wird das Geld für die Invasoren. Die kommen doch, auch wenn ihre Kinder ertrinken, um sich die Zähne machen zu lassen und (nicht nur) das Gesundheitssystem der Zahler zu melken.

Könnten jetzt Sammelklagen gegen die Bundesregierung erhoben werden? Auf Grund welcher Rechtslage sind Minister befugt, bei auch in Deutschland drohender Gefahr, von Steuergeldern finanzierte Schutzkleidung ins Ausland /China zu verschenken? – Das Meinungsnudging gewisser Medien zum Thema ist bekannt, daher irrelevant.

Es ist schon erstaunlich, dass die schlimmen Zahlen der Infektion und des Todes in fast allen Medien als gegeben an gesehen werden. Beispiel Italien: Von etwa 33.110 Toten (Deutschland: 2363, Quelle: https://www.tagesschau.de/inland/antibiotika-keime-resistent-101.html) durch Krankenhauskeime hat Italien einen Anteil von 10.761. Wer glaubt denn ernsthaft, dass die hohen Fallzahlen in Italien nur auf Corona zurück zu führen sind. Wenn in normalen Zeiten bereits ein so desolates Gesundheitssystem am Werk ist, wie schlimm ist dies dann in dieser angespannten Viruslage? Auch die Sicherheit des Corona Tests wird von alternativen Wissenschaftlern angezweifelt, der Test reagiert auch auf irgendwann nicht zum Zuge gekommene SARS-Viren,… Mehr