Bei Illner: Der verzweifelte Versuch, Lauterbach zu rechtfertigen, schlägt fehl

Bei Illner werden alle Geschütze aufgefahren, doch es will einfach nicht gelingen. Melanie Brinkmann verheddert sich, Manuela Schwesig verzweifelt und Illner selbst wird fast gecancelt.

Screenshot ZDF: Maybrit Illner

Während die ARD-Konkurrenz bei Maischberger das neue Jahr am Mittwoch mit einem Knall begonnen hat – Sie erinnern sich vielleicht an die Äußerungen von Boris Palmer – war die erste Illner-Sendung nach der Winterpause mehr so auf dem Tarotkarten-Trip. Von Nahtod-Erfahrungen (sarkastische Übertreibung meinerseits) bis hin zu Glaskugeln war alles dabei. Aber der Reihe nach.

Kein einfacher Job für Illner an diesem Abend – ihr persönlicher Held Lauterbach steht wegen der Impfpflicht immer stärker in der Kritik, und er ist gar nicht da, um sich herauszureden. Aber sie gibt sich beste Mühe!

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Ranga Yogeshwar wird in der Einleitungsrunde vorgestellt, mit dem Statement: „Der Wissenschaftsjournalist weiß: Wären wir alle geboostert, würden wir nicht über Omikron reden.“ Das finde ich persönlich wirklich sehr interessant. Woher weiß er das? Haben wir hier einen wissenschaftlich fundierten Wahrsager in unseren Reihen und wir nutzen seine Talente nicht? Was interessiert mich Illner, ich will erfahren, was Ranga noch so alles “weiß“! Für weitere Blicke in die Zukunft muss man wohl extra zahlen, jedenfalls gibt der Wissenschaftsjournalist die Lottozahlen der Woche und das Wetter der nächsten Tage nicht freiwillig preis, und Illner stellt schon wieder die falschen Fragen.

Klaus Holetschek, der bayerische Gesundheitsminister, gibt derweil zu: Die Impfquote wurde „ja ein Stück weit geschätzt“. Na wenigstens ist er ehrlich. Für die allgemeine Impfpflicht ist er trotzdem. Wir könnten also unsere Zielquote schon längst erreicht haben, aber dann trotzdem eine Impfpflicht einführen, weil sich ein paar Statistiker verschätzt haben? Tja, dann ist das Zeug halt drin. Melanie Brinkmann behauptet parallel: „Die Bevölkerung ist zum großen Teil immunisiert.“ Immun ist natürlich das richtige Wort. Man kann sich zwar weiterhin anstecken und ist auch noch ansteckend und vielleicht landet man trotzdem auf der Intensiv, aber wenigstens ist man dann nach dem zehnten Booster ganz sicher immun, irgendwie.

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Später kann man sie dabei beobachten, wie sie mit den Händen fuchtelt, als sie die „Entkopplung“ der Hospitalisierungsrate von den Inzidenzwerten durch die Impfung mit dem Beispiel einer Schere verdeutlichen will (vielen Dank für deinen Einsatz Melanie!). Ein bisschen fühle ich mich dabei wie eins dieser Professoren-Babys, deren Eltern total scharf darauf sind, behaupten zu können, das erste Wort ihres Sprösslings sei „Photosynthese“ gewesen – und deshalb nur in Fachsprache mit dem armen Wesen reden, aber mit der Gestik, wie man es eben so machen würde, wenn man einem Neugeborenen die Photosynthese näherbringen will. Ja, sehr spezifisches Beispiel, ich weiß, eigentlich will ich nur sagen, dass man das auch ohne Scherendarstellung verstanden hätte, und bildlich gesehen war dieser Vergleich auch ziemlich dämlich und – egal. Weiter im Text.

Manuela Schwesig ist auch da, die SPD-Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern. Sie ist heute nur dafür zugeschaltet, ihre Kollegen irgendendwie zu verteidigen. Denn tatsächlich versammelt sich ein wenig Kritik an Karl Lauterbach in der Sendung, weil dieser bei der Impfpflicht nun doch keinen Antrag im Bundestag einbringen will (TE berichtete). Das Hin und Her sieht man tatsächlich auch bei Illner ein wenig kritisch. Schwesig springt dem Parteigenossen bei und sorgt für das Statement des Abends. Damit Sie Bescheid wissen, sie begründet Lauterbachs Entscheidung so: „Weil es so ein hohes Vertrauen, auch in der Politik, zu ihm gibt, auch parteiübergreifend. Aber in seiner jetzigen Entscheidung noch einmal zu sehen: Damit würde er die breite Debatte vielleicht von Anfang an zu sehr überstrahlen oder alleine führen, was er angeführt hat.“

Klar, würde Lauterbach seine Meinung sagen, wäre das quasi Wettbewerbsverzerrung. Dann würden ihm alle gleich folgen – das wäre unfair. Seine Autorität ist zu groß für das alles, wie nobel von ihm!

Nochmal Glück gehabt!

Anne Arend ist „Südwesteuropa-Korrespondentin“ beim ZDF und schildert aus Paris mit Eiffelturm im Hintergrund die Lage – in Spanien. Die investigative Frontberichterstatterin erklärt, warum das Land eine so hohe Impfquote hat (80 Prozent).

Man scheint beim ZDF wohl schon ein bisschen kalte Füße zu bekommen – was ist, wenn Spanien Corona wie eine Grippe behandelt (TE berichtete) und einfach nix passiert? Kein großes Massensterben, keine spanische Flüchtlingswelle auf der Flucht vor einer unverantwortlichen Regierung, keine explodierenden Köpfe und Long-Covid-Zombies? Für dieses Worst-case-Szenario will man beim ZDF strategisch gewappnet sein, deshalb kritisiert man die Regierung, lobt aber die Impfbereitschaft. Sollte der Schlimmstfall also eintreten und die Zahlen steigen nicht exorbitant, sondern sinken vielleicht sogar, dann waren es Pfizer und Astra, die den Tag gerettet haben, nicht die blöden Spanier, die zu viel Sonne abgekriegt haben.

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Allerdings ist da auch das Segment, in dem man für eine Millisekunde die pure Angst erblicken konnte – Maybrit Illner hat wohl schon kurz ihr Leben in Bildern an sich vorbeiziehen gesehen. Als die ZDF-Korrespondentin schilderte: „Diese Gesundheitszentren, die ich schon angesprochen habe, wenn da Ärzte sagen oder empfehlen, sich impfen zu lassen, dann wird das auch gemacht“, wirft Illner nämlich ein sehr ernst ausgesprochenes „Unglaublich“ ein – was ja schon an Impfleugnung grenzt. Großer Fehler.

Sofort zickt ihr eine Frauenstimme entsetzt dazwischen: „Was ist daran unglaublich?“ Illner mimt ein Lachen und rechtfertigt sich sofort, es sei doch nur eine ironische Bemerkung gewesen. Nochmal Glück gehabt. Um ein Haar wäre Illner als rechtsextreme Impfgegnerin wohl in ihrer eigenen Sendung gecancelt worden. Da sie bei der Bemerkung nach rechts geschaut hat – wo nur Melanie Brinkmann saß – und sie die auch sofort danach dran nahm, wird sie es wohl gewesen sein, die so achtsam das Image der Impfung behütet.

Sie schimpft dann gegen Leute, die eine Infektion für wirksamer halten als die Corona-Impfung – schließlich wurden die Pocken doch mit der Impfung besiegt! Tja, mir war es zwar neu, dass die Ärzte von damals die Pocken ausgerottet haben, indem sie ihren Patienten alle paar Wochen die volle Dröhnung Astra in den Arm gejagt hätten, aber sie ist die Expertin. Das ist das Schöne daran, alle Leute, die nicht gegen Corona geimpft sind, als Impfverweigerer zu framen: Man kann ihnen von Esoterik bis zu mangelnder Impfkenntnis alles unterstellen und rund 30 Prozent der Bevölkerung pauschal etwas in den Mund legen, was Attila Hildmann bei Telegram geschrieben hat.

Damit aber noch nicht genug: Frau Brinkmann legt noch einmal großen Wert darauf zu betonen, wie gefährlich Corona doch immer noch sei – vor allem für uns. Wir sollten weiterhin sehr vorsichtig bleiben und keine großen Schritte wagen: „Wir sind davon noch sehr weit entfernt im Vergleich zu Spanien.“ Nun an dieser Stelle musste ich wirklich herzhaft lachen, und ich erzähle Ihnen auch gerne warum. Zurzeit kursiert ein etwas älterer Videoausschnitt im Internet, indem Melanie Brinkmann bei Lanz ein sehr fragliches Statement abgegeben hat. Sinngemäß rechtfertigte sie die Impfpflicht mit der besonders hohen Impfquote in Deutschland – da war sie der Meinung, dass damit auch eine übergroße Mehrheit quasi automatisch für die Impfpflicht gestimmt hätte. 77 Prozent derjenigen, die sich impfen lassen können, seien damals nämlich geimpft gewesen.

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Kommentare ( 134 )

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134 Comments
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RA.Dobke
8 Tage her

Frau Brinkmann mag eine gute Vurologin sein und damit ist es auch gut so! Ansonsten erscheint es mir eher so, als fehle es ihr an Allgemein- und Sprachbildung, insbesondere aber am politischen Feingefühl.

Michael M.
8 Tage her
Antworten an  RA.Dobke

Die genannte Dame sitzt vermutlich nur wegen der Quote in den Talkshows (wer schaut sich eigentlich so was noch an?), denn die Kompetenz kann es nun wirklich nicht sein …

Medienfluechtling
8 Tage her

Zwischen immunisiert und immun gibt es m.E. tatsächlich einen kleinen aber feinen Unterschied. Immunisiert bedeutet lediglich gespritzt, ohne Gewährleistung dass diese hält, was sie verspricht. Immun bedeutet immun. Deutsche Sprache, klare Sprache…

beko
9 Tage her

Sicher wird mein Kommentar nicht genehmigt werden, aber er wiederholt nur das, was wirkliche, vor allem unabhängige, Fachkräfte aus dem In- und Ausland sagen und belegen!!! Fachkräfte, die oft einfach kaltgestellt, also ihres Amtes entbunden oder gar Ärzte, die ihre Approbation verloren. Warum? Weil sie die Wahrheit sagten oder sagen? Alternativen anbieten oder Fehler aufdeckten und noch aufdecken? Auch diverse Anwälte befinden sich unter ihnen! Jeder, der lesen kann, kann sich selber ein Bild davon machen! Allerdings muss er selber aktiv werden und viel recherchieren, aber es ist möglich! Nur einschlägigen Medien glauben schenken ist zu einseitig und führt zur… Mehr

mlw_reloaded
7 Tage her
Antworten an  beko

„Es sei denn sie zeigen bereits Symptome der Krankheit.“ – Einspruch. Corona unterscheidet sich von der Grippe ja genau dadurch, dass man VOR und sogar OHNE Symptome ansteckend ist. Ja, ein positiver PCR Test hat keine Aussagekraft über die Infektiösität der Person, aber anders geht es eben nicht, die Infektionsketten zu unterbrechen. Die allerwenigsten bezweifeln, dass das gerade zu Beginn der Pandemie entscheidend war, und auch bei einem zukünftigen, eventuell dann wirklich schlimmen Virus entscheidend sein wird.

moorwald
9 Tage her

Es ist das Verhängnis des Mittelmaßes – oder die gerechte Strafe – daß es, durch eigenes Streben oder evtl. die Umsände, in eine (zu) hohe Stellung gelangt, ständig damit beschäftigt ist, in der Öffentlichkeit sein Niveau vergessen zu machen.
Dahinter steht die Furcht, nicht ernstgenommen oder – schlimmer noch- belächelt zu werden
Lauterbach ist dafür, wie früher schon Maas, ein treffliches Beispiel.
Annalena hingegen hat es dank ihres robusten Naturells leichter. Sie plappert unbekümmert und ungehemmt drauflos, schreibt ab… Macht sie mir vergleichsweise sympathischer.

Sani58
9 Tage her

Ich kann nur dringend raten, sich von solchen und ähnlichen Sendungen und Magazinen des ÖR fern zu halten. Der (geistigen/mentalen) Gesundheit wegen. Aber was bin ich, anderen Ratschläge zu geben. Nö. Die sowieso beratungs- und efahrungsresistent sind, sind wie ein Jeder, selbst seines Glückes Schmied.

Kassandra
9 Tage her
Antworten an  Sani58

Auf twitter warnte gestern einer so:
„Die folgende Sendung ist für Zuschauer nicht geeignet“: https://twitter.com/ergroovt/status/1481385554134675467
Ich denke, dass kann man bei allen dieser „shows“ verwenden.
Am besten den Ausdruck an die Glotze hängen und insgesamt auslassen.

Durchblick
10 Tage her

Wer sich noch solche Sendungen ansieht, muss geistig behindert sein!

Sani58
9 Tage her
Antworten an  Durchblick

Huch, da hatten wir wohl den selben Gedanken gerade. Oder den Gleichen? – Da bin ich mir nicht ganz sicher.

Ho.mann
10 Tage her

„Bei Illner: Der verzweifelte Versuch, Lauterbach zu rechtfertigen, schlägt fehl“.
Nach fast zwei Jahren staatlicher Propaganda, nach dem Motto: „Unser tägliches Corona-Brot gib uns heute“, ist allein schon der Versuch eine Beleidigung für den gesunden Menschenverstand.

Last edited 10 Tage her by Ho.mann
schmittgen
10 Tage her

Es ist doch offensichtlich: Die Verantwortlichen handeln doch seit mehreren Wochen nur noch nach dem Prinzip der Rechthaberei. Jetzt bloss nicht zugeben, dass man auf dem Holzweg ist.
Oder wie man es bei strafrechtlichen Ermittlungen häufig bei Beschuldigten antrifft:
STRAMM DURCHLÜGEN !!

Riffelblech
10 Tage her

Sorry letzter Satz : zum gefühlten 1500 sten Mal in dem Staatsfernsehen .

Brotfresser
10 Tage her

Liebe Frau David,
vielleicht bilde ich es mir nur ein, aber es kommt mir so vor, als wird in jedem Ihrer Artikel ein Quäntchen mehr Zynismus sichtbar als in dem davor (aus eigener Erfahrung weiß ich, so etwas passiert, wenn man freiwillig ÖR Sendung wie Mme Illner konsumiert!).
Da kann man aber etwas machen!
In Sorge um Ihr Seelenheil lade ich Sie zu unserer Selbsthilfegruppe „Die anonymen Zyniker“ ein. Wir treffen uns immer mittwochs; seit Pandemiebeginn online.
Beste Grüße!