Bei Anne Will: Abschied nehmen in tiefer Trauer

Diejenigen, die nach einem langen Tag im Biergarten, unbefleckt von den Ereignissen des Tages, zufällig bei Anne Will reinschauten, dürften sich gefragt haben: Nanu? Ist jemand von uns gegangen?

Screenprint: ARD/Anne Will

Jedenfalls saß Olaf Scholz so da „an diesem traurigen Tag“ und sein Gesichtsausdruck passte endlich auch mal zu seinen Worten, wenn er von der „tiefen Trauer“ sprach, die ihn ergriffen habe. Es ist aber niemand gestorben – außer vielleicht die SPD für Andrea Nahles, die Partei- und Fraktionsvorsitz und ihr Bundestagsmandat niederlegen will. Was in der Nahles-Übersetzung ganz klar heißt: Ihr könnt mich mal alle …

Vielleicht haben die Genossen den Olaf in die Sendung geschickt, weil sein immer gleicher Gesichtsausdruck am besten zu den Ereignissen passt. Ein anderer Genosse (m/w/d) hätte vielleicht seine mögliche Freude nicht so gut verstecken können, wie der stets unbeteiligt wirkende Anwalt aus Hamburg. Ja, er habe mit ihr gesprochen. Was er ihr gesagt habe, müsse leider privat bleiben. Freundschaft sei immer noch da. Er habe sich redlich bemüht, ein guter Ratgeber zu sein. Da hätte er auch zuhause bleiben können.

Kommissarisch sollen es nun Malu und Manu richten. Warum nicht Sie, fragte forsch Anne Will. Das ginge doch gar nicht als Vize-Kanzler. Und SPD-Chef könne er nicht werden, weil er ja Finanzminister sei, schwindelte Scholz, als ob er nicht wüsste, dass Merkel Kanzlerin und Parteivorsitzende war, bis sie über eine verlorene Wahl zuviel den Teil-(oder Schein-)Rückzug antrat.

Köpfe und Zahlen
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Wir hatten uns bereits einige Beschimpfungen zurecht gelegt für den Fall, dass Anne Will trotz Radikal-Rückzug der Parteichefin der kleinen Regierungspartei SPD an ihrem eigentlich annoncierten Dauer-Thema „Klima“ festgehalten hätte – unter anderem hätten wir ihren Titel „Diplom-Journalistin“ nur noch in Anführungsstrichen verwendet. Aber, hinfort mit den Sottisen! Die Redaktion reagierte blitzschnell und machte aus Klima und Groko Nahles und Groko. Hinüber gerettet wurde die höhere Tochter Luisa Neubauer aus dem feinen Elbvorort Hamburg-Iserbrook, die für die Grünen die Klimakinder-Demos organisiert, und in der Sendung die Klima-Mahnung hochhielt.

Des weiteren waren geladen die streitbare Claudia Kade von der Welt und die Sächsin (was noch wichtig wird!) Cerstin Gammelin von der Süddeutschen Zeitung. Die Damen ritten denn auch gleich gemeinsam ihre Attacken auf Olaf Scholz, weil der zusammen mit dem Sorgenkind der SPD, Hubertus Heil, mitten im EU-Wahlkampf das unsinnige Thema Respekt-Rente für alle ohne Finanzierung platziert habe.

Scholz versuchte, sich zu entwinden, indem er von sich in der dritten Person als Amtsträger sprach: Der Arbeitsminister habe, und der Finanzminister müsse rechnen. Aber sollte gemeint sein, er, jetzt wieder der Mensch und Spezialdemokrat Olaf Scholz, sei frauenfeindlich – „das treibt mich um“! Was auf der Olaf-Scholz-Emotionsskala so viel heißt wie: Da gehe ich aber an die Decke! Vom Frauenversteher Scholz ist es nur einen Wimpernschlag zum Allesversteher Norbert Röttgen, der neben Scholz saß und sich bei den Damen gleich mit der Binse „Es muss alles anders werden!“ unbeliebt machte.

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Trotzdem sprang Scholz auf ebendiesen Zug und kündigte an: „In diesem Jahr werden alle harten Entscheidungen beschlossen.“ Die Finanztransaktionssteuer komme noch im Juni. Ladestationen für E-Autos werden gebaut, die Leute sollen zwecks E-Autokauf in die Mangel genommen werden. „Und die CO2-Steuer?“, fragte Luisa Neubauer, 23, vom Elbufer. „Wir haben beschlossen zu beschließen …“ Da musste sogar Anne Will lachen und zitierte Regierungs-Sprachbot Steffen Seibert: „Die Bundesregierung bekräftigt ihre Absicht, sicher zu stellen …“ Nicht, dass wir uns jetzt falsch verstehen, verehrte Leser, natürlich ist all das, was Scholz da „verspricht“, Mumpitz, aber an dieser Stelle wollen wir nicht zum 1.000sten mal den Klimaschwindel vom schmutzigen Diesel und umweltfreundlichen E-Auto mit seinem in Kinderarbeit geförderten Kobalt (als nur 1 Beispiel von vielen) für die Batterien durchkauen. Das werden die Klimakinder eh nie verstehen (wollen).

Röttgen übrigens auch nicht. Er warf sich vor Luisa Neubauer in den Staub, jammerte „wir“ (die CDU) sei „bei den heutigen Problemen nicht auf der Höhe der Zeit“, haben „das Klima total vernachlässigt“, die Energiewende sei ein Waisenthema geworden und bei „Europa“ mangele es an Diskussionen und Ernsthaftigkeit. Da will wohl einer noch was werden, wenn es was wird mit den Grünen. Scholz stimmte den Vorreden vollumfänglich zu, Heizungserneuerung könne man auch noch befehlen. Aber, so mahnte dann wieder Röttgen, der Bürger dürfe nicht noch mehr belastet werden. „Das habe ich ja gar nicht gesagt“, fühlte sich Neubauer angegriffen.

Claudia Kade brachte dann etwas Bodenhaftung zurück mit ihrem Verweis auf das schlechte Abschneiden der Grünen in Schweden, weil dort Klimaziele dank Atomkraft locker erreicht würden, aber auch das wissen unsere Leser ja längst. Interessant wurde es dann noch einmal durch den Blick auf Sachsen, wo Unheil droht.

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Zerknirscht musste Cerstin Gammelin aufzählen, wo die AfD in Sachsen die stärkste Partei geworden ist, und fast konnte man vergessen, dass sie bei der Süddeutschen arbeitet, als sie Luisa Neubauer fragte, was ihr die Leute in den Kohlegebieten Sachsens zu ihren Klimageschichten gesagt hätten, aber Frau Neubauer war da leider nie, dafür gebe es dort aber Ortsgruppen. Gammelin erinnerte sich wohl noch an die Gegend „Schwarze Pumpe“, „wo es schrecklich dreckig war, aber Fußballvereine gab“ – „heute ist da alles tot.“ „Da sollte Fridays for Future“ mal hingehen.“ Vielleicht war das Publikum verwirrt, weil vorher kein Depp ausgemacht wurde, aber es brandete tatsächlich Beifall auf.

Olaf Scholz wollte das Problem auf gewohnt spezialdemokratische Art beheben, nämlich „Milliarden einsetzen für die Männer und Frauen aus den Kohleregionen“. Nicht aus Mitgefühl natürlich oder aus Einsicht über eigenes Versagen, sondern sonst „hilft das der AfD“.


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Kommentare ( 113 )

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Danke. eine treffliche Zusammenfassung des ganzen Circus.

Dank an Herrn Paetow, der wieder einmal die ganze Sendung ertragen hat (was ich schon lange nicht mehr könnte …). Man kann den anwesenden Politikern wohl nicht vorwerfen, daß sie (wenn man sie läßt) einseitig ihre Positionen vertreten, selektiv mit Fakten umgehen, politische Gegner schlecht aussehen lassen usw. In der aktuellen Lage ist auch der allgemeine Kotau von Politikern (fast) aller Richtungen vor den „Klimabewegten“ nachvollziehbar. Um so wichtiger wird dann die Rolle der Moderatoren solcher Sendungen. Aber solange diese derart einseitig und mainstream-konform sind (Verhörton nach meinem Eindruck der gesehenen Ausschnitte v.a. gegenüber Herrn Röttgen, ein AfD-Vertreter war ja… Mehr
Bei dem Verschleiss von Vorsitzenden müssten die bei der SPD doch mal drauf kommen, dass sie ein miserables Programm haben. Weil das Programm das falsche ist, findet sich keiner mehr, der selbiges vertreten will. Die sollten erstmal eine Selbstfindungsgruppe gründen, ein breit aufgestelltes Programm ausarbeiten, dann müsste sich doch jemand für den Parteivorsitz finden. Ein derart Plan- und Verantwortungsloser Verein sitzt auf der Regierungsbank. So sieht das also aus, wenn Andrea Nahles den Stier bei den Hörnern packt. Witte Witt und Ätschi Bätschi. Und jetzt soll die Troika den Stier bei den Hörnern packen. Weiter geht die Kirmes und der… Mehr

Das Wettermädchen kommt mir vor wie Kaa, die Schlange: „Hör auf mich … glaube mir … Augen zu … vertraue mir…“ – und alle lassen sich andächtig betören, während die Schlingen sich um den Hals winden.

Es ist irgendwie schon goldig. Seit Monaten scheint sich alles nur noch um Wahlen und Klima und Personalien zu drehen. Eigentlich seit der letzten Bundestagswahl.

Haben die seit dem überhaupt schon irgendetwas konkretes gemacht? Ich lese immer nur das sie dies oder jenes vorhaben, aber praktisch nie, dass sie dies oder jenes als Gesetz verabschiedet haben.

Was sie so richtig vorhaben liest man auch nicht wirklich. Also messbare Ziele werden gar nicht genannt – dementsprechend auch keine gangbaren Schritte dahin. Und ein Controlling kann auch nicht stattfinden. Ich höre nur immer platte Willenserklärungen im Konjunktiv, die dann jeweils nach Tagen verhallen. Beispielhaft: Abschiebungen. Es sind ja genügend auf der Liste, so dass man für jeden Monat eine gewisse überprüfbare Zahl angeben könnte, die wieder heim geschickt wird, was besonders bei verurteilten Straftätern von Vorteil für dieses Land wäre. Aber nicht mal so was gibt es hier bei uns. Alles mäandert ziellos so vor sich hin. Nur… Mehr
Sorry, aber das muss ich mal in dieser Deutlichkeit sagen. Ich habe mich gestern gefragt, was sind das für Schlappschwänze, welche vor Neubauer in Schutt und Asche kriechen. Einer Neubauer, welche nichts anderes kann, als irgendwelche auswendig gelernten Phrasen herunterzuspulen. Warum fragen die Herren Scholz oder Röttgen nicht mal konkret nach und legen damit die Dummheit der Dame offen. Wenn sie von CO² Steuer faselt, sollten sie Frau Neubauer bitten konkrete Vorschläge zu machen, wie diese denn nach ihren Wünschen auszusehen hat. Bitte aber mit Berechnungen, wie sich das konkret in Betrieben und Privathaushalten auswirkt. Sie sollten von ihr fordern… Mehr

Naja, beide wollten sich eben bei ihrem potentiellen Koalitionspartner anbiedern. (Die Schwaten beim Kleinen, die Roten beim Großen)

Absolut richtig! Das ärgert mich auch am allermeisten, dass diese Leute nicht einmal vor einer breiteren Öffentlichkeit mit echten Gegnern debattieren müssen. Dann würde man sehr schnell merken, dass das allermeiste unausgegorener Bullshit ist. Denke das war auch der eigentliche Grund warum dieser Rezo, der zuvor 54 Minuten ohne Punkt und Komma vor der Kamera gebrabbelt hat, eine Live-Debatte abgelehnt hat mit den Worten, er habe Stotter-Probleme in der Öffentlichkeit. Ja nee is klar! Dabei kam die Einladung auch noch von der SPD. Und die CDU, zu deren Zerstörung er vorher aufgerufen hat, solle sich uneingeschränkt zum Wandel in der… Mehr
Wer in die Küche geht, muss Hitze ertragen können. Ich wundere mich immer wieder, dass „gestandene“ Politiker nicht in der Lage sind, die Phrasen und das auswendig Gelernte dieser Klima-Verfechter aufzudecken. Als Politiker muss ich mich mit der Materie „Klimapolitik“ auseinandersetzen, um Angriffe parieren zu können. Das ist Teil ihres Jobs. Aber lieber macht man einen tiefen coteau vor den Jugendlichen, um – ja wohl, um eventuell weitere Wähler zu generieren. Die Klimaverfechter haben leichtes Spiel und können ihre Meinung ungehindert unter grossem Applaus von sich geben. Man muss sie aber stellen, vieles, was sie von sich geben, stimmt nicht… Mehr

Zu unserer Unterhaltung scheint das genau so geplant.
Wie kann jemand darauf kommen, dass die Anstalten uns genauere Auskünfte geben sollen? Dann würde ja der schöne Plan gar nicht aufgehen können.

Aber Bambu , meinen Sie ernsthaft diese spätpubertäre !selbsternannte Weltretterin hätte auch nur auf eine einzige dieser Fragen eine schlüssige Antwort . Eine ,die wissenschaftliche Belastung aushält ?
Never ever !
Diese Typen leben Hanau von diesen politischen Schlappschwänzen wie Rüttgers und Scholz . Anders wäre es gewesen ,wenn einer der Klimaexperten der AfD am Tisch gesessen hätte . Aber laut Willschem Weltbild geht das nicht ,also bleiben Lügen Wahrheiten und Wahrheiten nennen wir eben Lügen .

Aus Argumentationsnot eine Kinderarmee in die Schlacht geworfen! Was hinter der Angstmache wirklich steckt und was es dabei mit dem „Framing“ zu tun hat, hat zum Beispiel der Diplomphysiker Joachim Kuhnle beschrieben. Durch solche und andere Aufklärung geraten die Klimaschutzprofiteure immer mehr in Argumentationsnot und in die Defensive. Daher haben sie vor der Wahl für das neue EU-Parlament und in der Schlacht um ihre gefährdete Deutungshoheit sogar fehlinformierte Schüler in die Schlacht geworfen, sie für ihre Ziele eingespannt und mit ihnen eine Massenbewegung inszeniert. Kinder lassen sich leicht begeistern, wenn es um etwas Gutes geht, aber ebenso leicht instrumentalisieren, wenn ihnen… Mehr

Die grüne Klima-Jugend … Mehr fällt mir dazu nicht mehr ein.

Ich fragte einen 11-jährigen Schüler, der gerade vom Greta-Freitags-Hüpfen kam, ob er überhaupt wisse, was genau denn dieses CO2 sei. Er sagte in vollem Ernst, das sei ein schlimmes Giftgas, das uns in der Zukunft alle umbringen werde, wenn man nichts dagegen tun werde.
Um die Zukunft dieses überaus gescheiten Kindes ist mir nicht bange.

Nachdem ich mir die Gästeliste angesehen hatte, habe ich mich doch für den letzten Mohikaner auf 3sat entschieden.

Me too 🙂 Die bessere Wahl. Die überwältigenden Naturbeschreibungen des Buches waren gut eingefangen und umgesetzt, der Film hatte Tiefe, Flair und Qualität. Ein kurzsekündiges Reinzappen bei Will aus Neugier hat mir den sofortigen Garaus gemacht: Ich sah einen weinerlichen, sich selbst erniedrigenden Scholz, der etwas von Ladestationen und Hamburg wimmerte, dazu eine gouvernantenhafte pubertierende Vielfliegerin, die dazu fordernd mit den Händen wackelte und- Klick….zurück zu Cooper, Hawkeye & Chingachgook. War n schöner Abend.
Und, wie immer, Hr. Paetow, danke fürs Fremdgucken;)!

Dem Herrn Scholz müssen wir dankbar sein, für die Demonstration seiner Denkweise und wohl auch der gesamten GroKo: „Da muss man doch jetzt nicht drum rum reden; dass in den letzten Jahren genug geschehen wäre, sollte niemand behaupten, der ernst genommen wird, werden will…“

Wer so spricht, denkt auch so…

Wir sollten uns bei der Diskussion über den „menschengemachten Klimawandel“ immer vor Augen halten, was wohl Chinesen, Inder und Brasilianer über die Diskussion in Deutschland denken… und wir sollten nicht vergessen, dass die Grünen eine deutsche Krankheit sind, gegen die der Rest der Welt immun zu sein scheint…

Ich bitte vorab um Vergebung, aber ich kann mir eine kleine Albernheit nicht verkneifen.
Chris Howland alias Heinrich Pumpernickel hat mal einen humorigen Schlager gesungen, mit einer Textzeile:
Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben, wo ist meine Braut geblieben.
Niemand weiß, wie es geschah, plötzlich war sie nicht mehr da .
—Also Nummer drei nach Schulz und Gabriel ….. Ich bin gespannt.

Das Lied ging aber weiter:
„Sieben, achte, neune zehne,
ach, wie ich mich nach ihr sehne.“
Insofern ….

„…..hilft das der AfD“ – Herr Scholz hat Recht. Aber leider will er nicht einsehen, dass er solange selbst der beste Helfer ist, solange er nicht im politischen Altenteil gelandet ist. Ich habe die Sendung nicht gesehen, aber vermute ich richtig, dass der qualitative Abschwung dieser Formate eine weitere Beschleunigung erfahren hat? Wer einen Röttgen einlädt darf sich über gar nichts mehr wundern.