Glosse: Die Mafiosi sitzen im EU-Parlament

Bargeldobergrenzen fordern EU und Mitgliedsstaaten schon seit Längerem, um dem mafiösen Treiben der Bürger ein Ende zu setzen. Die Korruptionsaffäre im EU-Parlament bringt ans Licht: Offenbar weiß man in Brüssel genau, was man tut.

IMAGO / PanoramiC

Diskussionen über Obergrenzen führen die Deutschen gerne! Manche Ideen wie beispielsweise Grenzwerte für Stickoxide fand man so gut, dass sie Deutschland sogar in die Europäische Union exportierte. Seit jüngster Zeit gibt es aber auch Grenzwerte, die man hierzulande gar nicht kennt.

Während Länder wie Italien und Griechenland schon länger mit Bargeldobergrenzen experimentiert haben, entwickelt sich die Debatte hierzulande zum Rückzugsgefecht. Zwar erklärt Finanzminister Christian Lindner immer wieder, dass es so etwas mit ihm nicht geben werde, aber mit Sicherheit wird die FDP sich bald wieder ihrer guten europäischen Traditionen entsinnen, die schlicht alles abnicken, was aus Brüssel kommt. Aus Verantwortung für Europa und so.

Der Fall Kaili in Brüssel
Vermeintliche Menschenrechtsfreunde verkauften sich ans Golfemirat Katar
Die Debatte klingt dabei ähnlich wie in Italien: Wer mit viel Cash bezahlt, gilt als verdächtig – denn wer nicht mit Karte zahlt, muss etwas zu verbergen haben. Bares ist Wahres? Von wegen! Bargeld zu verwenden ist Sache der Mafia. Geldwäsche, Schwarzarbeit, Schmuggel, alles läuft über Bargeld.

Ergo müsste das Bargeld ganz verboten werden. Da man aber in der Politik die Geschichte mit dem Frosch im Kochtopf genügend exerziert hat, belässt man es bei kleiner werdenden Obergrenzen. Schließlich muss man den Verbrechern genügend Zeit belassen, andere Tricks zu erfinden, während Oma Erna bald festgenommen wird, weil sie im Jahr 2025 die 20.000 Euro (nicht inflationsbereinigt) für zwei Tüten Hustenbonbons an der Kasse einzeln abzählt.

Ist der Generalverdacht der Politik gegen das Volk berechtigt? Woher so viel Argwohn, so viel bösartige Unterstellung? Die Korruption im EU-Parlament bringt die Sache endlich ans Licht: Ganz offenbar wissen Mafiosi, wie Mafiosi ticken. Wenn man sich selbst zum Maßstab nimmt, ergibt alles Sinn!

Anderthalb Millionen Euro in bar hat die Polizei bei der Vizepräsidentin des EU-Parlaments Eva Kaili und dem ehemaligen Abgeordneten Pier Antonio Panzeri sichergestellt. Das berichtet die belgische Zeitung Le Soir. Das ist nicht nur viel Geld, das ist reichsbürgerhaft viel Geld. Wäre Kaili nicht schon in Amtswürden (gewesen), dann hätte Meisterdetektivin Nancy Faeser schon längst kombiniert, dass hier ein gerade noch vereitelter Umsturz im Gange war. Blöd nur, dass bisher alle Verdächtigen als Sozialdemokraten und Sozialisten Parteikollegen von Faeser sind.

Die Posse zeigt neuerlich: Nein, die EU-Vertreter haben nichts gegen Bargeld. Sie haben nur etwas dagegen, wenn es sich zufälligerweise nicht in ihrem Besitz befindet.

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Kommentare ( 9 )

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Teiresias
1 Monat her

Die Kernkorruption der EU – fett dotierte Versorgungsposten sowie der Wechsel auf Vorstandssessel,Beraterverträge (gerne auch in NGOs) Redehonorare et c. – funktioniert auch ohne Bargeld.

Hier wird nicht Korruption bekämpft. Was uns vorgespielt wird, ist ein Konkurrenzkampf unter verschiedenen Korrumpierten – Gauner gegen Gauner.

Die Herrschaft über Untertanen hat aber fraktionsübergreifend Vorrang, um die Vertreibung aus dem Paradies nicht zu riskieren.

KoelnerJeck
1 Monat her

Dieses Mal nicht 1984 sondern Animal Farm: Alle Tiere sind gleich, doch einige sind gleicher.
„Macht korrumpiert, absolute Macht korrumpiert absolut“ wußte schon Lord Acton.
„Demokratie“ ist „Opium für das Volk“!

Hannibal Murkle
1 Monat her

@„Bargeldobergrenzen fordern EU und Mitgliedsstaaten schon seit Längerem, um dem mafiösen Treiben der Bürger ein Ende zu setzen. Die Korruptionsaffäre im EU-Parlament bringt ans Licht: Offenbar weiß man in Brüssel genau, was man tut.“

Die Maßnahmen scheinen auf eigenen Erfahrungen mit den Säcken Schwarzgeld zu beruhen. Es gibt aber auch diverse weniger plumpe Belohnungen der hörigen „Elite“ – wie ein Zielerreichung-Preis, den auch Katar hätte spenden können. Wann werden andere fragwürdige Entscheidungen etwa um Impfstoffe-Bestellungen und Klimaindustrie-Förderung hinterfragt?

verblichene Rose
1 Monat her

Bargeldobergrenze?
Ja wie wollen die sich dann weiterhin bestechen lassen?

Klartexter
1 Monat her

was sagte noch Churchill zum Sozialismus:
Sozialismus ist die Philosophie des Versagens, das Credo der Ignoranz und das Glaubensbekenntnis – des Neids.

KorneliaJuliaKoehler
1 Monat her

Wenn’s um die großen Fische geht, wird man kaum Bargeld finden. Die haben ihr
Schwarzgeld in Steueroasen in der
Karibik oder, auch schön versteckt, in Offshore Firmen. Die „Panama-Papers“ lassen
grüßen. Über überbezahlte Posten und
Pöstchen und Beraterverträge, ect., lassen sich auch ein paar Milliönchen abgreifen. Der Phantasie sind da keine Grenzen gesetzt. Ob in Brüssel oder Berlin, auch die
Korruption sitzt an den Hebeln der Macht.

Querdenker_Techn
1 Monat her

Es gab früher den Spruch: „Was ich selber treib und tu, das trau ich auch anderen zu“. Genau nach dem Muster verfahren alle sozialistischen Regierungen, weshalb die Bürokratie und Kontrolle jede Wirtschaftlichkeit verhindert.
Wie war das eigentlich mit dem Umsturzversuch der „Reichsbürger“?

Andreas aus E.
1 Monat her

Eben hab ich mein Sparschwein erwischt. Den Wanst voller Münzen wollte es davonlaufen, aber ich packte es im letzten Augenblick am Ringelschwanz und pferchte es in abschließbares Regal zurück, sicherheitshalber Buch davorgestellt, nicht, daß zufälliger Besuch es erblickt und sich noch mit Reichsschweinbargelditis ansteckt!

Roland Mueller
1 Monat her

Lieber Herr Gallina, die Geschichte zeigt vor allem, wie phänomenal schnell Bargeld die rote moralische Überlegenheit zusammenschrumpfen lässt.