Festmahl der Digitalisierung

Bei der Digitalisierung geht es nicht um Technik - sondern um Menschen. Der Management-Kenner Reinhold Sprenger hat ein Buch vorgelegt, dass die Technik auf die Füsse stellt und so Menschen den Unternehmen und Managern nahebringen.

„Digitalisierung bedeutet in ihrem Kern eben keine Technik-Revolution, gerade nicht die Macht der Maschinen und die Herrschaft der Algorithmen. Sondern Konzentration auf das Wesentliche, was nur Menschen leisten können: Die Wiedereinführung des Kunden, die Wiedereinführung der Kooperation, die Wiedereinführung der Kreativität“ in die Unternehmen.

Mensch trotz Digitalisierung

„Radikal Digital“ nennt Reinhard K. Sprenger sein neuestes Buch und es liest sich für mich wie „Letzte Ausfahrt Hollywood“ (und hier ist einzig und allein der Titel gemeint), heißt, wer es noch immer nicht begriffen hat, dass, mit der Digitalisierung und den Menschen und der Führung im Speziellen, hat jetzt die letzte Gelegenheit dazu. Nicht, weil Sprenger dieses Buch geschrieben hat, sondern weil die Digitalisierung, Industrie 4.0., Arbeit 4.0 oder 4. Industrielle Revolution, wie auch immer Sie das “Kind“ nennen wollen, ein Teil unserer beruflichen wie auch privaten Welt geworden ist und bleiben wird.

Wir haben uns der „Chance“ selbst beraubt, uns dafür oder dagegen zu entscheiden, die Entscheidung dafür, haben wir vor langer Zeit selbst getroffen. Wir nutzen SmartPhones, haben private E-Mail-Konten und nutzen E-Commerce statt Klopapierrollen nach Hause zu schleppen. Die Digitalisierung ist nicht über uns gekommen wie der Fluch Gottes, wir haben sie abonniert. Nun geht es darum, die Technik für uns so nutzbar zu machen, dass wir darüber hinaus erkennen, was unsere Unternehmen zukunftsfähig und damit überlebensfähig macht und hält: der Mensch. Ob als Kunde, Partner, Dienstleister, Führungskraft oder Mitarbeiter, denn die „Digitalisierung verbindet Individualisierung und Automatisierung auf verblüffende Weise“ und sie schafft Bedingungen „sich vom Gegeneinander über das Miteinander zum Füreinander zu entwickeln“. Dieser menschliche Faktor ist und wird der Unique Selling Point der zukunftsfähigen Unternehmen sein.

Kochbuch für den Umgang

Reinhard K. Sprenger hat nach eigener Aussage ein Kochbuch mit 111 Führungsrezepten geschaffen, das „alle Zutaten für die Wiedereinführung des Menschen in die Unternehmen“ beinhaltet, nur wer bislang nicht kochen konnte und weiß, ob zuerst das Öl, das Ei und dann der Senf oder umgekehrt eine Grundmasse für eine Mayonnaise entstehen lassen, wird hier mit Fragezeichen stehen gelassen.

Dieses Kochbuch legt die Zutaten für das Kredenzen eines Festmahls offen, und zwar in seiner Gänze. Was Sprenger als Rezeptvorschläge beschreibt, sind grundlegende Ingredienzien, die nur in ihrer Gesamtheit zu einem schmackhaften, sättigenden und süchtig machenden Mahl gereichen, und damit den Sprung auf die Speisekarte des Kunden schaffen und dieser immer wieder kommt.

„Die schöne Seite der Digitalisierung ist, das Individuelle, das Persönliche“, denn sie schafft Verbindung, das bedeutet die eigene Küche zur Erlebnisküche für alle zu machen: ob Mitarbeiter, Partner, Kunde oder Wettbewerber: „Konkurrenz braucht Kooperation und Kooperation braucht Konkurrenz“, um Synergien zu erzeugen, Kreativität freizusetzen und Innovation zu ermöglichen, um damit in der digitalen Welt zu bestehen. Das dabei verbindende Element ist der Blick auf eine gemeinsame Zukunft und zu realisieren, dass Investitionen dafür notwendig sind. Unternehmen gebührt es, ein System zu schaffen, was verantwortliche Freiräume schafft, nicht nur strukturell, sondern auch architektonisch, um die verschiedenen Generationen die aufeinandertreffen, ob als Kunde oder Mitarbeiter, in und mit ihren Anforderungen auf der einen Seite und ihrem Talent und Potential auf der anderen Seite, abzuholen. Dabei ist auch hier die Erkenntnis elementar, dass sich Beide gegenseitig bedingen, denn die Kooperation zwischen „tiefem Wissen und neuen Ideen, Erfahrungen und Neugier“ geben dem Neuen nur eine Chance, wenn „das Alte das Neue trägt, und das Neue das Alte in die Zukunft führt“.

Der Mensch, in welcher Rolle auch immer, steht im Fokus und trägt Verantwortung durch sein Tun und Handeln.Das war schon immer so und wird auch immer so bleiben, nur, dass die Digitalisierung „eine Inszenierung der eigenen Unersetzlichkeit“ erschwert.

Unternehmen sind lebende Organismen, „Arenen der Kooperation“, in denen von intern und extern beigetragen, die unterschiedlichsten Bedürfnisse aufeinandertreffen.

Sprengers Buch macht diese Zusammenhänge transparent und eindrücklich klar: cherry picking ist Vergangenheit, „Digitalisierung schafft Verbindung“ und wer das nicht versteht, wird zu den zukünftigen Verlierern gehören. Das gilt für den einzelnen Menschen ebenso, wie für das einzelne Unternehmen.

Die durch die Technik entstehende Freiheit schafft Verantwortung und Zuständigkeit – Jeder hat seinen Platz und wird diesen finden – mit den richtigen Zutaten. Der Mensch bleibt im Mittelpunkt.


Das Buch von Reinhard K. Sprenger auch bei uns im Shop >>

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Kommentare ( 5 )

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Moin moin, Zitat: „Dieser menschliche Faktor ist und wird der Unique Selling Point der zukunftsfähigen Unternehmen sein.“ Das ist mir zu gefühlig. Der Mensch stört als Fehlerquelle im Produktionsprozess, ist ein Kostenfaktor, ist der Maschine in Sachen Präzision, Wiederholgenauigkeit, „Wartungskosten“, … um Welten unterlegen und als Organismus viel zu fragil. Als Konsument, nun gut, vielleicht werden die KI-Roboter „Sophie“ und „Sophokles“ irgendwann einmal „ein Paar“ und der „Schöpfer“ sah, dass es gut war. (Transhumanismus als die Ideologie der Zukunft, der Mensch schafft sich sukzessive selber ab und „erspart sich das Leben“). Der Sinn unternehmerischer Tätigkeit und menschlicher Existenz werden sich… Mehr
Wer einen Ausflug ins Englische macht wird feststellen, dass ‚digitizing‘ nichts anderes bedeutet, als der Vorgang, analoge Signale in digitale umzusetzen, und sich so Verarbeitungsmöglichkeiten zu erschließen, die analog nicht machbar sind, unter Preisgabe von ein bisschen Zeitinvarianz. Das ist Technologie aus den 80er Jahren. Im Kernland des Digital Signal Processing, den USA, gibt es keine digitalen Städte, Minister für Digitales, usw.. Die deutsche ‚Digitalisierung‘ ist ein Bekenntnis, der Zeit über 30 Jahre hinterher zu laufen. Die US-Unternehmen schmücken sich nicht mit technischen Etiketten, sondern sagen das, worum es geht: Applikationen, bzw. Apps, was früher ‚Programme‘ waren, bei Microsoft spätestens… Mehr
Völlig richtig, Digitalisierung schafft neue Chancen im Unternehmen genau wie in der Freizeit. Sie schafft neue Gemeinsamkeiten und neue Kooperationen. Sie schafft aber auch genau das Gegenteil wenn sie missbraucht wird. Nein, damit meine ich nicht den profanen Internetbetrug o. ä.. Ich meine den Machtmißbrauch durch Behörden. Es ist heute ein Leichtes durch Erstellung von maßgeschneiderten Datenbanken Unmengen an Informationen per Gesetz einzufordern und diese dann mit wenig Aufwand zu verwalten. Die Landwirtschaft ist warnendes Beispiel dafür, was auf die anderen Bereiche noch zukommen wird. Jahr für Jahr werden neue Behörden aus dem Boden gestampft, deren Ziel es ist, das… Mehr

Schön, daß jemand mal das Triviale, das im Zusmmenhang mit der „Digitalisierung“, von der kein Politiker zu wissen scheint, was das genau bedeutet (z.B. Merksel (Neuland), Beer, und all die Anderen), aufschreibt. Jeder der mit dem Zeug arbeiten muss und denkt, weiss das.

Ich schätze Sprenger durchaus und nutze seine Texte immer wieder in der Schule. Die Apposition Guru halte ich allerdings für beleidigend, sowohl für ihn, als auch für alle anderen: Er wird damit überbewertet, alle anderen abgewertet. Diese hyperbolische Begrifflichkeit mögen die MSM benötigen, ein seriöses Medium wie TE sollte darauf verzichten. Immerhin hat TE bei mir die FAZ abgelöst und dass soll auch so bleiben.