Die Linke stößt auf einen höchst gefährlichen Gegner: die Realität

Ein Frankokanadier ruft zum Widerstand gegen die politische Korrektheit und die kulturelle Hegemonie der postmodernen Linken auf.

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Mathieu Bock-Côté, dessen jüngstes Werk hier besprochen werden soll, ist Kanadier und ein leidenschaftlicher Verteidiger der Autonomie der französischsprachigen Bürger der Provinz Quebec, also, wenn man so will, ein französischer Nationalist in Nordamerika. Die Figuren, die ihn inspiriert haben, sind nach eigenem Bekenntnis Raymond Aron, der große Widersacher der französischen Linken nach dem Zweiten Weltkrieg, und General de Gaulle. Bock-Côté, von Haus aus Soziologe, ist aber auch seit einigen Jahren in Debatten in Frankreich selbst sehr präsent; er schreibt unter anderem für den Figaro respektive dessen Ableger Figaro-Vox und gilt dort als wichtige Stimme eines konservativen Widerstandes gegen den Zeitgeist.

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In Zukunft soll er auch als Chefredakteur der neuen Zeitschrift Recomposition, die Alexandre Devecchio dieses Jahr auf den Markt bringen will, eine wichtige Rolle spielen. In diesen Kontext ist auch sein jüngstes Buch einzuordnen. Es ist nicht zufällig der Tyrannis der politischen Korrektheit gewidmet. Kanada wurde als Nachbarland der USA von der Kultur der Sprech- und Denkverbote, die mittlerweile zunehmend auch in Europa präsent ist, schon sehr viel früher erfasst als etwa Frankreich und dieser Umstand mag Bock-Côtés Blick auf das Phänomen mit bestimmen.

Was begann als der legitime Versuch, diskriminierende verbale Angriffe auf Minderheiten zu unterbinden, hat mittlerweile eine ganz andere Gestalt angenommen. Heute kann man einen Job als Angestellter bei einer Supermarktkette verlieren, weil man auf dem privaten Facebookaccount einen Sketch eines vielleicht nicht sehr subtilen, aber eher harmlosen Komödianten teilt, der die großen Religionen der Welt, darunter, und das ist der entscheidende Punkt, auch den Islam durch den Kakao zieht (so geschehen jüngst in Großbritannien). Oder man kann – auch dies ein Vorfall aus England – als Student zwangsexmatrikuliert werden, weil man sich im Netz dabei ertappen lässt, dass man als konservativer Christ afrikanischer Herkunft nicht viel von der Ehe für alle hält. Mittlerweile ist es soweit, dass schon das Bekenntnis zur Überzeugung, dass der Mensch biologisch ein zweigeschlechtliches Wesen und Geschlecht eben nicht nur eine kulturelle Konstruktion sei, zu erheblichen Schwierigkeiten führen kann. Schlimmstenfalls droht auch hier der Verlust des Jobs. Hier wird der Irrationalismus gewissermaßen zur moralischen Verpflichtung. Dies mögen alles Beispiele aus Großbritannien sein, aber dass die Entwicklung auf dem Kontinent in eine ähnliche Richtung geht, ist kaum zu bezweifeln.

Eine Kulturrevolution, um den Neuen Menschen zu schaffen

Was steht hinter diesem Versuch unser Denken und Sprechen umfassend im Sinne einer vermeintlich allein tugendhaften Gesinnung zu regulieren? Der heutige Linke hat nach Bock-Côté als Ideal einen Menschen vor Augen, der keine Geschichte hat und ganz und gar sein eigener Schöpfer ist. Keine biologische Natur grenzt die Optionen seiner Selbstverwirklichung ein. Jede Form von Identität ist nur das Produkt kultureller Setzungen und Normen, die ihrerseits durch individuelle Entscheidungen jederzeit vollständig verändert werden können. Allerdings nicht jede kulturelle Tradition ist gleichermaßen abzulehnen. Verderblich sind vor allem die Traditionen des Westens, die durch Kolonialismus und Rassismus, aber auch durch das Patriarchat vermeintlich für immer diskreditiert wurden. Der Multikulturalismus, die grenzenlose Liebe zum Fremden und die Bejahung der Diversität, der „Buntheit“ sind für viele Linke heute vor allem Werkzeuge, um diese westlichen Traditionen durch die Konfrontation mit fremden Kulturen zu zerstören und eine Tabula Rasa herzustellen, auf der etwas ganz Neues geschaffen werden kann, ein gänzlich neuer, durch und durch egalitärer Mensch – so jedenfalls sieht Bock-Côté die Dinge.

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Deshalb muss auch der öffentliche Raum von den Spuren früherer gesellschaftlicher Ordnungen und Wertvorstellungen, etwa durch Denkmalstürze und die Umbenennung von Straßen radikal gesäubert werden im Sinne einer umfassenden Kulturrevolution, fast wie seinerzeit in China. Deshalb muss die Sprache purifiziert werden, sie muss vollständig geschlechtergerecht werden und darf keine Hinweise mehr darauf enthalten, dass die Wertvorstellungen der Gegenwart früher noch keine Geltung hatten, denn das könnte manche Menschen zweifeln lassen am allein richtigen gesellschaftlichen Programm der kompletten Gleichheit – Egalität nicht im Sinne der Chancengleichheit, sondern der vollständigen sozialen Gleichstellung und des gleichen Erfolges trotz unterschiedlicher Leistungen, Neigungen und Anlagen.

Dieses ganz Programm wird, so der Autor, mit einem beispiellosen Fanatismus vertreten, auch deshalb, weil die von unbegrenzter Diversität träumende Linke ahnt, dass sie gegen einen höchst gefährlichen Gegner kämpft: die Realität. Vertreter dieser linken Ideologie sehen es als Provokation an, wenn Kritiker darauf hinweisen, dass der Mensch sich in Wirklichkeit selber nicht kenne, sich selber ein Geheimnis sei. Eine solche Aussage wird, wie schon der polnische Dichter Czesław Miłosz vor vielen Jahren geschrieben hat, als unerträgliche Beleidigung empfunden (S. 200).

Vorangetrieben wird diese ganze Bewegung von einem humanitären Messianismus, der keine Staaten und keine Nationen mehr kennt, sondern nur noch eine homogene Menschheit. Das Problem ist, so Bock-Côté, dass die Politik dort beginne, wo eine begrenzte politische Gemeinschaft sich als autonom definiere. Wird diese Autonomie etwa des Nationalstaates abgelehnt, führt das zum Ende jeder Politik, an deren Stelle die reine, eigentlich unpolitische Moral tritt (S. 205). Und so sieht das Programm der postnationalen Linken ja heute in der Tat aus. Damit geht aber auch der Sinn für das Mögliche und Machbare verloren.

Ist eine Umkehr noch möglich?

Wie freilich konnte es soweit kommen? Bock-Coté sieht die Schuld wesentlich auch bei den bürgerlich-konservativen Parteien. Sie haben es seit der Wende zum 21. Jahrhundert weitgehend aufgegeben, eigene ideologische Positionen zu entwickeln, sie stellen nur noch eine blassere, gemäßigte Linke dar, wie das ja in der Tat zum Beispiel auch auf weite Teile der CDU in Deutschland zutrifft. Aus Angst, reaktionär zu erscheinen oder als Verbündeter der radikalen Rechten, der bösen Populisten, passt man sich der Linken immer weiter an. Nur ein Privileg nimmt man noch für sich in Anspruch: mehr von Wirtschaft zu verstehen als die Linke. Die bürgerlichen Parteien vertreten den Bürger nur noch als „homo oeconomicus“. Wirtschaftliches Wachstum ist das einzige Ziel; sich mit Fragen der Identität, der Kultur, der gesellschaftlichen Werte zu beschäftigen, würde dieses Wachstum nur unnötig bremsen, daher überlässt man diese Dinge ganz der Linken (S. 104). Aus der vermeintlichen wirtschaftlichen Kompetenz des eigenen Lagers leitet man freilich immer noch den Anspruch ab, den radikalen gesellschaftlichen Wandel zu verwalten und die Regierung zu stellen, auch wenn diese in weiten Bereich faktisch das Programm der postnationalen und oft auch antiwestlichen Linken in die Tat umsetzt (S. 104-06).

Was Bock-Coté hier für Frankreich konstatiert, kann man eigentlich auch Eins zu Eins auf Deutschland übertragen. In Frankreich tritt freilich noch das Problem hinzu, dass es Macron durch rein rhetorische Zugeständnisse an das bürgerliche, moderat-konservative Lager gelungen ist, dessen Wähler zu einem großen Teil zu sich hinüber zu ziehen. Seine wirkliche Politik bleibt in Identitätsfragen dennoch eher eine Politik der Linken, wenn er sich auch, allerdings recht zaghaft und mit begrenztem Erfolg, um Reformen im Sinne eines wirtschaftsliberalen Programms bemüht. Ist die Lage also für das konservative Lager aussichtslos? Auf Le Pen und das Rassemblement National setzt Bock-Coté jedenfalls hier keine erkennbaren Hoffnungen, sicher zurecht.

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Allerdings konstatiert er trotz des Zerfalls des konservativen Lagers, das zwischen der „Macronie“ und der radikalen Rechten zerrieben wird, eine Veränderung des intellektuellen Klimas. Zunehmend sind konservative Intellektuelle wie etwa Alain Finkielkraut bereit, sich dem Mainstream entgegenzustellen und radikal andere Positionen zu vertreten. Dafür werden sie zwar ausgegrenzt und zu moralisch nicht mehr satisfaktionsfähigen Störenfrieden erklärt, wie Bock-Coté unter anderem an Hand des Briefwechsels zwischen Finkielkraut und seiner früheren Weggefährtin Élisabeth de Fontenay zeigt, aber wirkungslos bleiben ihre Argumente dennoch nicht. Sie säen den Samen des Zweifels.

Die Linke fühlt, dass sie die Hoheit über die Debatten, die uneingeschränkte kulturelle Hegemonie, die sie seit den späten 1990er Jahren erlangt hatte, zu verlieren droht. Entsprechend fällt die Abwehrreaktion aus, hysterisch und intolerant. Aber wofür kann in der heutigen Welt ein möglicher Konservativismus eintreten? Zunächst ist sich der Konservative bewusst, dass ein Gemeinwesen sich nicht nur über Verfahren definieren und legitimieren lässt oder über absolut gesetzte individuelle Rechte. Es braucht ein gemeinsames Erbe, eine Geschichte, eine Kultur, mag auch jede Generation sich dieses Erbe neu und anders aneignen, man ist angewiesen auf ein geteiltes historisches Schicksal, auf das man sich besinnen kann. Vor allem aber ist die Vorstellungswelt des Konservativen bestimmt durch einen Sinn für die notwendige Verwurzelung des Menschen in der Vergangenheit, für den Sinn der Grenze im weitesten Sinne des Wortes und für die Endlichkeit und Begrenztheit des Menschen selbst. („Le renouveau conservateur est à la recherche de limites, il cultive le sens de la finitude.“ 246).

Damit werden aber nicht nur die Utopien der Linken in ihre Schranken verwiesen, sondern auch eine wirtschaftsliberale Fortschrittsbegeisterung, die alles technisch Machbare auch für wünschenswert hält, wenn es kurzfristig ein Mehr an Wohlstand und materiellem Wohlgefühl verspricht, mag es auch langfristig, wie wir ja heute sehen, unter Umständen die Grundlagen der menschlichen Existenz selber in Frage stellen.

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In diesem Sinne ist für Bock-Coté ein neuer Konservativismus zwar nicht notwendigerweise christlich, aber in einem Land wie Frankreich doch rückgebunden an die christliche und katholische Tradition des Landes. Der Katholizismus ist für den Konservativen nicht unbedingt Glaube, aber doch eine mentale und symbolische Landschaft, deren Zerstörung die nationale Identität selber in Frage stellt (S. 247). Dass gerade solche Aussagen eine Kampfansage an den Zeitgeist sind, zeigen in Frankreich nicht zuletzt die Auseinandersetzungen um den Wiederaufbau von Notre Dame, bei dem offenbar ernsthaft eine komplette architektonische Neugestaltung unter Zerstörung des sakralen Charakters der Kirche erwogen wird.

Bock-Côté leugnet nicht die grundsätzliche Legitimität eines progressiven Programms, das die Überlieferung und das Bestehende kritisiert. Aber man benötigt in Sinne einer gesunden Balance Gegengewichte und diese Gegengewichte kann nur ein wiedererwachter Konservativismus – und eben nicht der Wirtschaftsliberalismus – liefern, der einen Sinne für das Tragische der Geschichte besitzt und eine Anthropologie vertritt, die Raum lässt für die Widersprüche des Menschen, seine sehr unterschiedlichen Bedürfnisse, die sich eben nicht einfach harmonisieren lassen.

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Parteipolitisch ist ein solcher Konservativismus freilich heute fast vollständig heimatlos, in Frankreich nach dem Scheitern von Fillon und dem faktischen Untergang der Republikaner (der früheren Gaullisten) ebenso wie in Deutschland. Nationalkonservative und rechte Protestbewegungen vermögen ihm trotz ihrer Erfolge in den USA oder in Italien auch keine wirkliche Heimat zu bieten, dazu sind sie zu anti-intellektuell, zu demagogisch in ihrer Argumentation und zu wenig gelingt es ihnen oft, sich von den verhängnisvollen Exzessen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts weltanschaulich wirklich glasklar zu distanzieren. So wird man diese Dinge jedenfalls aus deutscher Perspektive geneigt sein zu beurteilen. Ob Bock-Côté das so eindeutig sieht, ist freilich nicht immer klar, das muss man kritisch einräumen.

Aber ist diese wenig günstige tagespolitische Ausgangssituation das Entscheidende? Die heutige kulturelle Hegemonie der anti-westlichen Linken zeigt, dass bloße Gedanken die politische Landschaft eben doch verändern können, denn diese Hegemonie beruht wesentlich auch auf dem Siegeszug des radikalen Konstruktivismus und einer postmodernen Kritik der westlichen Tradition, wie sie seit den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts schrittweise die Universitäten erobert hat und für die zum Beispiel Namen wie Michel Foucault (gest. 1984) oder Judith Butler (geb. 1956) stehen.

Von daher kann ein konservatives Denken mittelfristig vielleicht doch wieder politisches Gewicht erlangen – und darauf scheint Bock-Côté zu setzen. Es geht also zunächst um eine andere, offenere Diskussion, erst danach um Veränderungen in der praktischen Politik, die unter den jetzigen, die Debatte einengenden Regeln, nicht einmal angedacht werden können. Ob dieses Vorhaben erfolgversprechend ist, wird man in den nächsten Jahren sehen, aber Bock-Côté ist zuzustimmen, dass die Zukunft einer Demokratie düster aussieht, in der der politische Gegner automatisch zum Feind wird, wenn er nicht bereit ist, sich auf das Vokabular und die immer strikteren Sprachregelungen der eigenen Seite, das heißt hier der postmodernen Linken, einzulassen. Dann nämlich könnten es am Ende wirklich diejenigen sein, die sich an gar keine Regeln des zivilisierten Diskurses mehr halten, die nach der Macht greifen und sich durch ihre Radikalität gegen jede Kritik immunisieren, wie es in den USA Trump und seinen Anhängern gelungen ist.


Mathieu Bock-Côté, L’empire du politiquement correct. Essai sur la respectabilité politico-médiatique (Les Éditions du Cerf), Paris 2019, 300 S.

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Kommentare ( 34 )

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Fehler des Autors: Konservativ sein ist keine politische, sondern eine kulturelle Haltung VOR aller Politik! Das wird mal wieder verwechselt, und hier nicht von einem Linken. Auch die p.c. Spießigkeit ist nicht primär links, sondern vor allem eine puritanische moralinsaure Frömmelei, ist also ein Teil der ethischen oder sittlich- sozialen und Kultritus- Fragen. Man sollte nicht auf die Position der Cohn- Bendits hereinfallen und alle ethischen Lebensäußereungen als politisch bezeichnen! Denn dabei kommt man in seinem Kopf und in der Seele in Teufels Küche. Bei Politik geht es erstens um Interessenformulierung und Interessensausgleich und indirekt auch um den Schutz der… Mehr

Bleibt die Frage leider unbeantwortet, wie man sich mit Fanatikern die jede einfachste Logik die nicht in ihr Gedanken-Gebäude passt „vernünftig“ auseinandersetzen kann.

Tja, der „Aufstand der Geschlechter“ ist deswegen möglich, weil sie auf keine Widerlager mehr stossen. In dem Moment, wo keine Grenzen mehr spürbar sind, gegen die man stösst, macht sich jede Ideologie selbständig und verzettelt sich in ihren Randgebieten. Das scheint wie im „alten Rom“, wo der ländliche Raum die Eskapaden der „herrschenden Stadtbewohner“ mit Gleichgültigkeit abfederte und so in Ruhe gelassen wurde. Dieses neumodisch „Cocooning“ genannte Verhalten ist deutlich zu beobachten. Das möglichst perfekte „Unabhängigmachen“ der Häuser von externer Energie und das Befestigen durch stabiles Einzäunen mit Draht und Elektronik geht voran. Die Gartencenter sind voll, demnächst ist wohl… Mehr

Erstaunlich ist es in meinen Augen immer wieder, wenn radikale Ideologen, zu denen ich die postmoderne Linke zähle, biologische Gesetzmäßigkeiten einfach ignorieren oder verneinen. Es ist so, als würden sie zu einem Löwen sagen: „so, ab heute bist du ein Huhn, gackerst und legst Eier!“

Schon bemerkt? Das linke Geplapper und Gelaber von „Diversität“ und „Buntheit“ bezieht sich allein auf Äußerlichkeiten. Bei divergierenden Meinungen, begründet auf unterschiedlichen Lebenserfahrungen, ist schnell Schluss mit lustig, mit Akzeptanz und Toleranz.

Der furchtbarste Satz dazu stammt von Katrin Göring-Eckardt (wie Merkel eine evangelisch angehauchte FDJ-Sozialisierte): „Alle Menschen sind gleich.“

Ein Satz, so offensichtlich falsch, dass er noch nicht einmal Lüge genannt werden kann. Aber diese Fanatikerin (und nicht nur diese eine) glaubt daran.

Das kommt davon, wenn man nicht fertig studiert. Der Satz heißt nämlich richtig: Vor Gott sind alle gleich, was ja einen gewaltigen Unterschied macht zu dem, was G-E von sich gibt. Also Gleichheit vor Gott (und dem Gesetz) trotz aller Unterschiede, die ja Individuen ausmachen. Weniger schlicht Gestrickte bekommen das auch ohne Studium mit.

Humorbegabten öffnet diese Szene aus „Das Leben des Brian“ Augen und Ohren.

Der Volkstribun ruft der Masse zu: „Jeder von uns ist ein Individuum!“ Eine Stimme aus dem zujubelnden Volk entgegnet: „Ich nicht!“

Ausgezeichneter Kommentar!

Der Konservatismus steht doch vor allem deshalb so bedöppelt und vereinsamt mit textilfreien Bauch, in Feinrippunterhose und Burberrysocken in der kahlen Landschaft da, weil die MÄNNLICHKEIT, die ein essentielles Kernelement des Konservatismus ist, in den letzten 150 Jahren mit dem Kolonialismus, dem Rassismus, der Frauenfeindlichkeit und vor allem mit dem VERHEERENDEN Ersten und Zweiten Weltkrieg berechtigterweise ganz schrecklich in Misskredit (!!!) gekommen ist. Der Konservatismus ohne eine auf einer vernünftigen, nicht radikal ausgelegten, selbstbewussten Art der Männlichkeit ist aber schlicht nicht denkbar. Der Wilhelmismus in Coexistenz mit dem preussischen Militarismus und auch der Nationalsozialismus haben die Männlichkeit mit allen ihren… Mehr

Solange die bürgerlichen Konservativen und Liberalen verkennen, dass der Feind der Demokratie „links“ steht und „Rechtspopulisten“ lieber diffamieren, statt mit ihnen zusammen zu arbeiten, sind sie verloren. Michel Houellebecq hat dazu das Drehbuch in der „Untergang“ bereits abgeliefert.

Der Mensch im Licht der radikalinstischen Variante der Aufklärung des 18. Jahrhunderts. Er ist per Definition nun kein Säugetier mehr, sondern nur noch ein körperloses, gottgleiches Geistwesen. Das ist heutzutage offenbar das neue „Links“. Rousseau hätte der Gedanke wohl gewiss gefallen.

Rousseau hatte noch die Ahnung vom „edlen Wilden“, siehe „Emile, über die Erziehung“, die stimmt mit der Überlieferung der Bibel zum 6. Schöpfungstag, „es wahr sehr gut“. Und bereits 1772 die richtige Meinung zur Moderne: „Heutzutage gibt es keine Franzosen, Deutschen, Spanier und sogar keine Engländer mehr, egal was andere sagen mögen: es gibt nur noch Europäer. Alle haben sie denselben Geschmack, dieselben Wünsche, dasselbe Benehmen, weil niemand mehr durch besondere Institutionen regional geprägt wurde. In derselben Lage werden alle dasselbe tun, alle werden sie sich selbstlos nennen, und tatsächlich Schurken sein; alle werden öffentliches Wohl predigen, jedoch nur an… Mehr

Gratulation zum wunderbaren Zitat.

Dass Werk und Leben eines jeden schöpferischen Menschen voneinander zu trennen sind, versteht sich für den gebildeten Rezipienten, schon aus wohlverstandenem Eigeninteresse, von selbst.

Wenn Rousseau besser denken konnte als Luther (aber Luther besser denken konnte als der seinerzeitige Papst und dessen Vorgänger), keimt bei mir wieder so etwas wie Vertrauen in die Dialektik der Aufklärung auf.

Das ganze angeblich linke Programm ist eine neuzeitliche Ersatzreligion mit allem, was dazu gehört. Radikale Ablehnung von allem, was davor war (Dschahilija, die Zeit vor der Rechtgläubigkeit), Dogmatismus, Ketzerverfolgung und Inquisition usw usf. bis hin zu Speisegesetzen (Veganismus). Wer solche Leute persönlich kennt, weiß was ich meine.

Die Verleumdung der Vergangenheit als „dunkel“, Dschahilija, ist dem Islam wie der „Aufklärung“ gemeinsam – am Anfang war die Lüge-, wie der Massenmord der jüdischen Stämme wie Banu Quraiza oder der Katholiken der Vendée, hier effizient und nachhaltig durch „vertikale Deportationen“. „Ein kleiner Fehler im Anfang am Ende ein großer wird“, wusste schon Aristoteles, deshalb sind der Islam und die „Aufklärung“ Garanten des Untergangs der Zivilisation.

Das ist erstens Mumpitz, da sich die Aufklärung auch und gerade auf die Antike berief, und zweitens kann man den zivilisatorischen Rückgang nach dem Untergang der römischen Zivilisation wohl kaum übersehen.

Dazu passt das Zitat aus dem Beitrag Peter Sloterdijks in der Neuen Zürcher Zeitung vom 2.10.2016 „Glaube, Fegefeuer des Zweifels“:

„In der Summe hat die europäische Geistesgeschichte den Sieg Athens über Jerusalem bewirkt. Dies konnte geschehen, weil eine Reformation der Reformation seit dem 17. und 18. Jahrhundert den Prozess ermöglichte, den man Aufklärung nennt.“

Dem Ruf nach Gleichheit scheint immer die Inquisition auf dem Fuß zu folgen. Vielleicht sind die Buddhisten wirtschaftlich so erfolgreich, weil bei ihnen die Besinnung auf die Traditionen und Ahnen ein zentraler Faktor ihrer Kultur ist. Ich freue mich über jedes ostasiatische Gesicht in der Öffentlichkeit. Vielleicht sollten wie die sogar anwerben. Buddha und Mohammed sind eh nicht gerade Freunde.