ZDF bewertet Baerbocks Buch neu: „Insoweit liegen wohl Urheberrechtsverletzungen vor“

Einer der exponiertesten Baerbock-Verteidiger, ZDF-Justizexperte Felix W. Zimmermann, kommt nach weiteren aufgetauchten abgeschriebenen Passagen in Baerbocks Buch zu einer Neubewertung. In einem empfehlenswerten Artikel zeigt er, dass Baerbock durchaus juristisch relevante Fehler gemacht haben könnte. Eine bemerkenswerte Einsicht - für die Grünen ist das eine mittlere Katastrophe.

picture alliance/dpa | Christoph Soeder

Als bekannt wurde, dass Annalena Baerbock Teile ihres Buches abgeschrieben hat, beklagten viele noch eine angebliche „rechte Medienkampagne“. Der Volksverpetzer empfahl: „alles was Tichy, Welt, Bild zur Zeit über Baerbock verbreiten, NICHT GLAUBEN“. Doch erstmals stand Annalena Baerbock medial ziemlich alleine da: selbst die Tagesschau kam nicht umhin, über die Vorwürfe zu berichten.

Entscheidende Ausnahme: Redakteur Felix W. Zimmermann, beim ZDF zuständig für Recht & Justiz. In einer langen Tweet-Serie versuchte er die Vorwürfe gegen sie zu widerlegen, schrieb: „Plagiatsvorwürfe gegen Annalena Baerbock. Was ist dran? Spoiler: 𝗡𝗜𝗖𝗛𝗧𝗦“

Seine Tweets wurden eine Art Blaupause für die Medienstrategie der Grünen: Man konzentrierte sich allein auf die Frage der Urheberrechtsverletzung und stritt dann alles ab. Bundesgeschäftsführer Kellner verwies tausende Anhänger in einem Rundschreiben auf die Aussagen von Zimmermann, „In diesem Twitter-Thread kannst Du alles über die haltlosen Vorwürfe nachlesen.“ hieß es. 

Nach neuerlichen Enthüllungen (TE berichtete) und „Schummel-Stellen“ (BILD)  aus Baerbocks Buch, kommt Zimmermann nun zu einer Neubewertung. In einem Artikel für ZDF heute schreibt er am Samstag: „Insgesamt sieht es – Stand heute – so aus, dass bislang nur sehr wenige wörtlich übernommene Stellen in dem 240 Seiten langen Buch urheberrechtlich relevant sind. Doch die generelle Aussage der Grünen und Baerbock, es läge gar keine Rechtsverletzung vor, ist wohl nicht haltbar.“

Der Artikel von Zimmermann ist eine sehr neutrale und durchaus empfehlenswerte Analyse der urheberrechtlichen Dimension der Vorwürfe gegen Baerbock. Zimmermann selbst kann man für seine 180-Grad-Wende keinen Vorwurf machen – im Gegenteil: Seine eigene Meinung hinterfragen zu können, zeugt von Charakter. Wenn aber selbst Zimmermann die Vorwürfe nun teilweise teilt, bleiben den Grünen zum Thema Baerbocks Buch nicht mehr viele Unterstützer. Ihre Strategie, einfach alles abzustreiten, geht selbst beim Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk nicht mehr auf.

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Kommentare ( 186 )

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Bummi
3 Monate her

Annalenas Märchenbuch vom Klimawandel und den CO2 Zielen die eine Kugel Eis kosten und die Welt retten.

GNaB
3 Monate her

Herr Zimmermann bewertet nicht nur die Plagiate neu, sondern auch seine unhaltbar Vorhaltungen gegenüber tichy und donalphonso – Bewertung durch löschen.

Peter Pascht
3 Monate her

Achso, nun soll es ein „Märchenbuch“ sein, kein Sachbuch und deswegen meint Baerboch und Konsorten darf man abschreiben ohne die Quelle zu zitieren. Ein Plagiat ist ein Palgiat, egal ob der plagierte daran Anstoss nimmt oder nicht, denn das Recht Anstoss zu nehmen bei Plagiaten gehört der Öffentlichkeit, die sich betrogen fühlt, betrogen fühlen darf und nicht betrogen werden will. Es spielt insofern überhaupt keine Roille, was Baerbock meint, was ihr Anwalt sagt oder sonst jemand sagt. Es zählen allein die belegten Fakten, dass Baerbock abgeschrieben hat, ohne Erlaubnis und ohne Quellenangabe. Das Urheberrecht schützt geistige und künstlerische Leistungen, es… Mehr

Last edited 3 Monate her by Peter Pascht
Dieter Kief
3 Monate her
Antworten an  Peter Pascht

Ja Peter Pascht. Aber: Der Jürgen Trittin und der Jockl Fischer werden natürlich nicht klagen. Wo kein Kläger ist, da ist kein Richter.

Peter Pascht
3 Monate her
Antworten an  Dieter Kief

Es braucht keine Kläger, das ist die Message meines Kommentars.

Dieter Kief
3 Monate her
Antworten an  Peter Pascht

Ohne Richter wird es keine juristische Strafe geben.
Ich trage nocch ein Deatil nach, wegen der Stahlrpoduktion mit Wasserstoff, die Frau Baerbock uns allen versprochen hat. Sie hat das lt. FAZ von letzter Woche unterdessen bei einem Besuch bei Arkor-Mittal präzisiert: Es soll dieser Stahl mit Lichtbogenöfen produziert werden, die mit Wasserstoff beheizt werden.
Sie hat – kurz! – kurz! – Termine! – Termine! dort auch mit Arbeitnehmervertretern gesprochen, die gefragt haben, wie der Wasserstoff in die Firma kommen soll. Es gebe dafür keine Leitungen. Da war sie aber schon wieder weg.

NordChatte
3 Monate her

Hochverehrte TE-Redaktion, hier stellen sich doch ganz andere und viel wichtigere Fragen zum Bärbock-Buch: 1. Wurde das Buch schon bei M. Lanz im ZDF besprochen? Ich weiß es nicht. Aber hier – bei M. Lanz – werden doch alle „sehr lesenswerten“ Bücher in fachkundiger Expertenrunde besprochen. Die Experten Max Moor von ARD-ttt, Sascha Lobo vom Spiegel und nicht zu vergessen den großen Krankenhauskonzern-Lobbyisten Karl Lauterbach. K. Lauterbach könnte doch zu den medizinischen Aspekten des Buches seine immer wieder zutreffende Expertise / Prognose abliefern. 2. Wird das Annalena-Buch schon in der Spiegel-Bestseller-Liste geführt? Wenn ja, unter welcher Rubrik. Ein Sachbuch soll… Mehr

caesar4441
3 Monate her

Die Frage wird immer deutlicher ,ob jemand überhaupt Interesse hat Kanzler in einem Staat zu werden ,der der Zerstörung zugeführt werden soll.Das könnte sehr unangenehm werden.

Dill Schweiger
3 Monate her

Habeck steht angeblich bereit.
Er soll schon beim Frisör gewesen sein und eine Gastrolle auf dem Traumschiff, im Aug., angenommen haben.😉😁

DW
3 Monate her

Über Geschmack lässt sich streiten.

GNaB
3 Monate her

Nachdem jetzt auch die TAZ ACAB fallen gelassen hat, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie den Weg als Aushängeschild freimacht, Ansprache spätestens nach dem Urlaub. Ich bin mir aber nicht sicher, ob Habeck in die Sonne will. Er könnte als Pegasus enden. Wer hat schon Bock auf so eine „mediale Darmspiegelung“. Schliesslich hätte er laut ACAB („niemand“) auch seine Bücher demnach nicht allein geschrieben. Und schliesslich kann man ja für seine Helfer nicht die Hände ins Feuer legen. Echt bescheiden, dass ACAB mit ihrer Behauptung zum „Gemeinschaftswerk“ auch ihn erfasst hat, was sicher nicht stimmt. In seiner Haut möchte ich nicht… Mehr

Waehler 21
3 Monate her

Solche Personen sind der Grund warum wir hysterisch diskutieren. Da können die ahnungslosen mithalten, und wenn skrupellos, noch einen „draufsetzen“!
Diese Leute sind der Grund warum aus CO2 Zweifler – Klimaleugner werden. Nur ein Beispiel.

Fred Katz
3 Monate her

Das ZDF sollte, wie bei vielen AfDlern, Baerbock jetzt nicht mehr einladen! Sie kann ja Sendezeit bei RT kaufen.