Windkraftlobby kippt letzten kritischen Naturschutzverband

Der Windkraftlobby ist ein entscheidender Sieg gelungen: Die Deutsche Wildtier Stiftung e.V. verliert ihren Vorstandsvorsitzenden. Damit soll der Weg frei gemacht werden für die flächendeckende Verspargelung der Landschaft.

imago images / blickwinkel

Der bekannte Klimakritiker Fritz Vahrenholt wird die Deutsche Wildtier Stiftung nicht länger führen: Seine kritische Auseinandersetzung mit Fragen des Klimaschutzes und des Ausbaus neuer Windräder wurde ihm zum Verhängnis. Das Präsidium hat ihn von seinen Aufgaben entbunden. Im Kuratorium wurde dagegen Fritz Vahrenholt das Vertrauen ausgesprochen.

Alle zwei Kilometer ein Windrad

Hintergrund ist der Umgang mit dem weiteren Ausbau der Windenergie. Nach den Plänen der Bundesregierung soll der Ausbau der Windenergie beschleunigt werden. Zukünftig soll alle zwei Kilometer ein Windkraftwerk stehen und damit die Landschaft in Deutschland sowie die Wälder zerstört werden. Die darin beheimatete Tierwelt wird dadurch massiv bedroht. Vahrenholt hat sich massiv gegen diese Politik gewandt. Unter seiner Führung wurde die Stiftung zu einem Eckstein im Kampf für die Wahrung von Natur und Tier. Andere sogenannte Öko-Verbände wie der Bundesverband Umwelt- und Naturschutz (BUND) oder NABU wurden längst von der Windkraft-Lobby auf Linie gebracht und befürworten den Ausbau von Windparks. So trat seinerseits beim BUND der Mitbegründer Enoch zu Guttenberg aus – wegen  der Verwicklung mit der Windkraft-Lobby.

Doch das hat sich jetzt geändert. Im Präsidium der Wild Tier-Stiftung setzte sich jetzt eine andere Position durch – um den Klimawandel zu bekämpfen, müssten auch Natur und in ihr lebende Tiere geopfert werden. Wald, Feld und Tiere stehen der industriellen Nutzung entgegen, obwohl die Satzung der Stiftung eigentlich Wildtiere schützen will. Zum Knackpunkt der Auseinandersetzung wurde Vahrenholts Kritik an einem überstürzten, von Panik getriebenen Klimaschutz.

Jede Kritik an der Klimapolitik wird niedergewalzt

Vahrenholt bestreitet nicht einen Anstieg der Temperatur. Er äußerte aber die Überzeugung, dass wir dieses Jahrhundert Zeit hätten, um uns von den fossilen Energieträgern zu lösen und daher eine politische Kurzschlussreaktion abzulehnen ist. Insbesondere kämpft er dagegen, durch Vervierfachung bis Versechsfachung der Anzahl der Windkraftanlagen unsere heimische Landschaft zu zerstören. „Dieses sich anbahnende Desaster für unsere Wildtiere kann man nur glaubwürdig bekämpfen, wenn man den energiepolitischen und klimapolitischen Kontext aufgreift und kritisiert.“ Der weitere Ausbau der Windkraft brächte klimapolitisch nichts, aber zerstört Natur und Lebensraum von Tieren und Naherholungsräumen.

Jetzt hat sich gegen Vahrenholt offensichtlich die Windkraftlobby durchgesetzt, denn Vahrenholt hat mit Schutzmaßnahmen etwa für das deutsche Wappentier, den Rotmilan, dafür gesorgt, dass der Ausbau der Windenergie mit Blick auf schutzwürdige Tiere deutlich verlangsamt wurde.

Krach in der Wildtierstiftung

Nun droht die Stiftung an ihrer Lobby-Position zu zerbrechen. Brutal hat die Windkraftlobby ihre Interessen durchgesetzt. Gegen die Abberufung Vahrenholts baut sich Widerstand in der Stiftung auf. Kuratoriumsmitglied Arnold Vaatz, der frühere Bürgerrechtler in der DDR, legt mit sofortiger Wirkung sein Amt nieder.
Die Stiftung selbst sah sich gewungen, die Arbeit von Vahrenholt umfangreich zu würdigen. So heißt es in einer Mitteilung der Stiftung, er habe
„sich große Verdienste um die Fortentwicklung der Stiftung erworben.So hat er u.a. das Insektensterben mit dem Großprojekt zum Wildbienenschutz in urbanen Räumen Deutschlands zum Thema gemacht. Die Deutsche Wildtier Stiftung hat sich dieses heute von einer breiten Öffentlichkeit beachteten Themas als erste Organisation angenommen und setzt heute in den drei Metropolen Deutschlands Hamburg, Berlin und München Projekte zum Wildbienenschutz um. Ein besonderes Engagement Prof. Vahrenholts galt der Schaffung von Wildnisflächen in Deutschland. Durch Kauf und Übernahme von bundeseigenen Flächen im Rahmen des Nationalen Naturerbes wuchsen die Wildnisflächen der Deutschen Wildtier Stiftung in seiner Amtszeit um rund 2.500 Hektar.

Zudem gelang Prof. Vahrenholt die Übernahme der Schutzgemeinschaft Deutsches Wild und damit des Projektes „Tier des Jahres“ sowie die Fusion mit einer gemeinnützigen Stiftung in Mecklenburg-Vorpommern, die über umfangreichen Waldbesitz verfügt.

Bei den Artenschutzprojekten setzte die Deutsche Wildtier Stiftung u. a. erfolgreich ein fünfjähriges Projekt zum Rotmilan um und startete ein Vorhaben zum Schutz des Feldhamsters. Daneben unterstütze die Stiftung während seiner Amtszeit ein Projekt zur Auswilderung von Luchsen im Pfälzer Wald und setzte selbst ein Forschungsprojekt zur Wildkatze um.

Neben den Naturschutzprojekten sah Vahrenholt im Naturfilm ein wichtiges Instrument um Menschen für Natur zu begeistern. Daher förderte die Stiftung das Darßer Naturfilm Festival und produzierte mit dem renommierten Naturfilmer Jan Haft den Kinofilm „Die Wiese“.

Obwohl das Finanzumfeld für Stiftungen in den letzten Jahren immer schwieriger wurde, gelang es Vahrenholt, die finanzielle Situation der Stiftung auf Erfolgskurs zu halten.

Aber solche Erfolge zählen nicht mehr, wenn die mächtige Windkraftlobby es will. Zu Vahrenholts Nachfolger wurde der 78-jährige, pensionierte frühere Medienanwalt Jörg Soehring berufen, der bislang nicht mit einschlägigen Naturschutzgedanken bekannt geworden ist.

Soehring kämpft jetzt darum, das Auseinanderbrechen der Stiftung zu verhindern. Nach Angaben von Arnold Vaatz waren immerhin neun der 16 Kuratoren auf der Seite Vahrenholts und sprachen ihm das Vertrauen aus. Trotzdem leitete das vierköpfige Präsidium der Stiftung mit der Entlassung Vahrenholts die Kurskorrektur zu Gunsten der Windlobby ein.

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Kommentare ( 61 )

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NighthawkBoris
4 Jahre her

Die Gegenwehr sollten wir langsam organisieren. Als Kinder konnten wir auch nie verstehen, wie es unter den Augen unserer Eltern/Großeletern während der Regentschaft Adolf Hitlers so weit kommen konnte. Jetzt sind wir unter Angela Merkel wieder so weit, dass unser Land erneut vor die Hunde geht. Unsere Regierung der unfähigen Vollpfosten wird vor jedem kuschen, der Stärke zeigt, daher stehen unsere Chancen gut. Die Bauern haben schon den Anfang gemacht.

Kunze
4 Jahre her

Bemerkenswert naiv. Links sein heißt subversiv sein. Deshalb sind sie ja auch selbst oft paranoid. Man kann durch die geschickte Besetzung von Schaltstellen (gerne Personalabteilung und EDV) ) eine Institution oder ein Unternehmen von innen unterwandern und übernehmen – stasilike. Vor allem natürlich Instititionen oder Unternehmen des ideologischen Gegners. Und die naiven Verantwortlichen haben entweder wirklich nichts bemerkt -von sichergestellt gar nicht erst zu reden- oder waren erpressbar und haben es geschehen lassen. Im vorliegenden Fall ist die absolute Mehrheit des Kuratoriums tatsächlich überrascht vom eigenen Präsidium, wahrscheinlich ist sogar Varenholt selbst überrascht. Vaatz jedenfalls kann’s gar nicht fassen. Wirklich… Mehr

gmccar
4 Jahre her

Rheinland-Pfalz ist nicht wieder zu erkennen. Im ganzen Land lässt die rotgrüne Dreyermafia die Dinger errichten.

Paul Pimmel - der Herr des Kosmos
4 Jahre her

So ist’s recht: Je schneller die komplette Zerstörung kommt, desto eher ist ein Neuanfang möglich. Die Natur wird sich erholen, wenn der grün angemalte Wahnsinn nach dem unvermeidlichen Kollaps dann vorbei ist (Černobyl ist nach 30 Jahren bereits wieder eine urtümliche Wildnis). Das deutsche Volk hingegen wird es dann in seiner derzeitigen Form nicht mehr geben, aber mei, Dummheit hat halt ihren Preis.

Thorsten
4 Jahre her

Gibt es wissenschaftlich belastbare Studien zu diesen Folgen von Windkrafträden.

Ein echter Nachweis scheint js immrt noch zu fehlen.

Ursula Schneider
4 Jahre her

„Wer, wenn nicht wir …“ werden nun auch Vorreiter bei der Naturzerstörung!
Die Windräder im Land schreddern unzählige Vögel und Milliarden Insekten aller Art, für sie werden große Flächen versiegelt und jede Menge Bäume gefällt. Eine Anlage benötigt 180 Tonnen Stahl und 1300 Kubikmeter Beton – und das alles bei mäßiger und höchst unzuverlässiger Energiegewinnung …
Doch wann hätten sich unsere Ideologen je um Zahlen, Fakten und langfristige Folgen gekümmert?

Sachse fern der Heimat
4 Jahre her

Werden denn die Deutschen, bei der Geschichte, denn wirklich nicht schlau? Haben gerade die älteren Generationen immer noch nicht begriffen, dass ideologische Verblendung in den Abgrund führt? Vor 80 Jahren gröhlte man überschwänglich „Sieg heil“ und „Führer befiehl, wir folgen“, danach sang man „Die Partei, die Partei, die hat immer recht“ und winkte wieder im Überschwang einem „Führer“ zu, der meinte Den Sozialismus in seinem Lauf hielte weder Ochs noch Esel auf“ und heute lassen wir uns von Leuten für dämlich verkaufen, die die Erde in 12 Jahren untergehen sehen.
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Hoffnungslos
4 Jahre her

Alle Naturschützer und Naturfreunde sollten bitte aus den ehemaligen Naturschutz Organisationen austreten!

Farbauti
4 Jahre her

Diese Pseudoumweltschützer sind doch nur umweltschädlich und gesellschaftszerstörendunterwegs und bereichern sich. Keiner von denen kann mir erklären wo die Schöpfung in ihren kruden Überzeugungen bleibt. Der Begriff Schöpfung kommt in ihren Argumentationen schon gar nicht mehr vor. Ich hätte nie gedacht, dass sich unsere Gesellschaft in so einem Affentempo entchristianisiert. Diese armseligen Gestalten regieren unser Leben, der einzige schale Trost ist, dass sie mit uns untergehen werden.

holdtheline
4 Jahre her

Was stört dem Großstädter das Wildtier? Gar nichts, er hat ja die Petition für die Bienen unterschrieben. Der Zusammenhang ist? Die grünlinks wählenden Großstädter sind das Problem. Sie grölen geradezu nach Klimaschutz, gut aufgepeitscht von diesen Öko-Lobbyverbänden, und daraus folgen die Gelddruckmaschinen der Neuzeit, u.a. eben diese Windradmonster. Und die stören dem Großstädter ja auch nicht. Wenn er aus seinem Kaninchenstall der Großstadblase entflieht, steigt er ins Flugzeug und fliegt über diese Flächenvernichtung einfach hinweg. Das sind die „Guten“ der Neuzeit. Und sie werden dieses perfide Spiel nicht beenden.