Mamdanis „Warmth of Collectivism“ – und die Erinnerung an die „warmen“ Folgen

„Wir werden die Kälte des rücksichtslosen Individualismus durch die Wärme des Kollektivismus ersetzen.“, so Mamdani bei seinem Amtsantritt. Das ist Sozialismus, unverhüllt. Im Netz folgt die Antwort darauf: Bilder und Berichte darüber, wohin dieser "warme Kollektivismus" immer wieder geführt hat

„Wir werden die Kälte des rücksichtslosen Individualismus durch die Wärme des Kollektivismus ersetzen.“ Mit diesem Satz legt Mamdani die Axt nicht an ein Detail, sondern an ein Fundament. „Kollektivismus“ ist kein freundliches Synonym für Nachbarschaftshilfe, sondern eine politische Grundordnung: Der Einzelne zählt weniger als das Kollektiv, und das Kollektiv wird am Ende immer von einer Instanz definiert, verwaltet und durchgesetzt. Der Staat tritt an die Stelle von Verantwortung, Eigentum, Risiko, Leistung. Freiheit wird als „kalt“ diffamiert, Lenkung als „warm“ verkauft.

Was bedeutet das konkret? Es bedeutet, dass Politik nicht mehr Rahmen setzt, sondern Ergebnisse erzwingen will. Dass Preise, Mieten, Besitzstände, Chancen und Lebensentwürfe zum Gegenstand moralischer Umverteilung werden. Dass aus Bürgern Zielgruppen werden, aus Eigentum ein Verdachtsmoment, aus Erfolg eine Rechtfertigungspflicht. Und es bedeutet, dass die schönen Worte nicht das Ziel sind, sondern der Hebel. Der Hebel heißt Macht. „Wärme“ ist die Verpackung, damit der Zugriff nicht nach Zugriff aussieht.

Hayek hat in „Der Weg zur Knechtschaft“ genau diese Rhetorik vorweggenommen: Plan und „Wärme“ klingen zunächst wie Fürsorge, am Ende bleibt Zwang. Sobald Politik nicht mehr Regeln setzt, sondern Ergebnisse garantieren will, muss sie Menschen lenken, Prioritäten diktieren, Gewinner und Verlierer bestimmen. Das klappt nur, wenn Macht konzentriert wird und Widerspruch als Störung gilt. Der Einstieg ist selten der offene Terror, sondern der gut gemeinte Eingriff, der nächste Eingriff zur Korrektur, dann die Ausnahme, dann die Dauer. So wird aus dem Versprechen „Gerechtigkeit“ ein System, das Freiheit abbaut, bis nur noch Verwaltung und Gehorsam übrig sind.

Kommunismus ist die Endstation dieser Logik, nicht als nostalgisches Symbol, sondern als Praxis. Das beginnt historisch oft erstaunlich unspektakulär. David Satter hat das in seinem Rückblick auf 1917 so beschrieben: Als die Bolschewiki in Petrograd zentrale Punkte übernahmen, wirkte es zunächst wie eine Wachablösung. Am nächsten Morgen lebten die Menschen in einem anderen System.

Genau das ist der Kern: Der Umsturz kommt selten mit Trommeln, er kommt mit Verwaltungsakten, Umdefinitionen, neuen Normen, neuen Tabus.
Das bolschewistische Projekt zielte dabei nicht nur auf Besitz, sondern auf Moral. Lenin formulierte offen, kommunistische Moral sei dem Klassenkampf untergeordnet. Mit dieser Drehung wird alles möglich: Gut ist nicht mehr, was dem Menschen dient, sondern was „dem Ziel“ dient. Schuld wird von Handlung gelöst, Menschen werden nach Zugehörigkeit sortiert. Martyn Latsis, ein führender Tscheka-Funktionär, brachte diese Logik in dem berüchtigten Satz auf den Punkt: Man führe keinen Krieg gegen Einzelne, sondern „gegen Klassen“.

Aus dieser Entmenschlichung folgen die dramatischen Konsequenzen, die Social Media anlässlich Mamdanis kommunistischem Satz in Bildern erinnert. Repression, Lager, Zwangsarbeit, Deportationen, künstlich verschärfte Hungerkatastrophen, Terror als Verwaltungsroutine, Mord und Tod. Satter verweist für die Sowjetunion auf Größenordnungen von vielen Millionen Toten und auf eine Gesamtbilanz kommunistischer Regime weltweit, die immer wieder mit 100 Millionen beziffert wird.

Kollektivistische Systeme tendieren strukturell zu Zwang, weil sie Ergebnisse garantieren müssen, die in einer freien Ordnung nicht garantiert werden können. Sobald die Realität nicht liefert, wird Druck aufgebaut. Sobald Menschen ausweichen, wird nachgeschärft. Sobald Widerstand entsteht, wird er moralisch delegitimiert. Das ist das Betriebssystem.

Und diese Geschichte betrifft nicht nur die Länder, in denen Kommunisten die Macht hatten. Satter beschreibt auch den Effekt im Westen: Werte werden umgedreht, Absichten werden höher bewertet als Ergebnisse, Verbrechen werden mit „edlen Zielen“ entschuldigt, bis das Offensichtliche nicht mehr zu leugnen ist. Genau so funktionieren die heutigen Debattenreflexe: „Solidarität“ klingt gut, also muss es gut sein. „Universalität“ klingt gut, also soll man bitte vertrauen. Der Satz ist der Türöffner, die Bilanz wird ausgeblendet.

Darum ist Mamdanis Formulierung nicht nur eine linke Stilübung, sondern ein Alarmwort. „Kollektivismus“ ist kein harmloser Kuschelbegriff, sondern die sprachliche Vorstufe der Entmündigung. Die Opferzahlen, die unter kommunistischen Regimen diskutiert werden, sind nicht zufällig so gigantisch. Sie sind die brutale Erinnerung daran, was passiert, wenn der Einzelne nur noch Mittel zum Zweck ist.

Genau deshalb antworten viele auf Social Media nicht mit Theoriesätzen, sondern mit Gegenbildern. Sie stellen Mamdanis „Wir werden die Kälte … durch die Wärme … ersetzen“ direkt dem gegenüber, was Kollektivismus in der Praxis hervorgebracht hat: graue Tristesse, kaputte Gesellschaften, Mangel, Warteschlangen, Zwang, Angst, Lager, Tod.

„Kollektivismus“ ist nur die ehrliche Vokabel: Das ist das geistige Vorfeld des Kommunismus.

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