Ungefilterte und gefilterte Bürger-Argumente

Beim Verstehen des Ostens, wo er anders sein soll als der Westen, hat es die CDU auch mit Funktionären aus dem Osten offensichtlich nicht weitergebracht.

© Sean Gallup/Getty Images

Der neue Ostbeauftragte der Bundesregierung, Christian Hirte (CDU), beantwortete heute WELT online eine Reihe von Interview-Fragen, darunter natürlich auch einige zum Wahlverhalten der Bürger im Osten, die erste so:

«Sie haben recht, in Ostdeutschland gibt es viele Wähler, die ganz links oder ganz rechts wählen. Ich glaube aber nicht, dass dies die Wähler automatisch zu Extremisten macht. Das sind oft eher die Repräsentanten dieser Parteien. Der Hauptgrund für den Erfolg dieser Kräfte ist eine „Dagegen-Haltung“ der Bevölkerung. Man begehrt auf und drückt Unzufriedenheit aus gegen „die da oben“.»

Hirte erklärt sich das auf diese Weise:

«Die Ränder werden dort besonders viel gewählt, wo die soziokulturellen Umstände am schwierigsten sind, wo Verlustängste bestehen und wo Menschen das Gefühl haben, dass Politik sich um vieles kümmert, aber um Alltagssorgen der Menschen zu wenig. Dazu kommt, dass der „normale Ossi“ Ausländer im Alltag praktisch nicht kannte …»

Und dann weiter so:

«Auch heute noch ist der Osten des Landes deutlich homogener als der Westen. Die Erfahrung ist einfach nicht da. Es ist menschlich verständlich, wenn man auf Fremdes aus Angst vor Veränderung zunächst mit Ablehnung reagiert. Das muss die Politik akzeptieren und diejenigen ernst nehmen, die sich – auch lautstark – äußern. Zu deren Lebenserfahrung aus der DDR gehört nun einmal, dass ein vermeintlich stabiles System zusammenbrechen kann.»

Hirte will Wähler zurückgewinnen, über die er sagt:

«Im Gespräch mit Bürgern haben Sie oft mit sehr ungefilterten Argumenten zu tun. Da darf man sich nicht angewidert abwenden, sondern muss darauf eingehen. Sonst stärkt man am Ende selbst die Ränder.»

„Mit ungefilterten Argumenten“? – Will Herr Hirte uns sagen, Bürger, die keine extremen Ränder wählen, sondern die MiniGroKo und ihre loyale Opposition haben gefilterte Argumente? Wer hat die Argumente für sie gefiltert? Herr Hirte, bitte klären Sie uns auf. Bitte auch, ob Sie Argumente meinen oder Meinungen.

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Kommentare ( 127 )

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Bei ungefilterten Argumenten dürfte es sich schlicht um Argumente handeln, die medial nicht transportiert werden und daher niemals die politische Blase erreichen, in der sich auch diese Dame befindet. Un nein, ich als Ossi wähle nicht das, was diese Dame als extremen Rand bezeichnet bzw. AfD, weil ich mich abgehängt, nicht ernst genommen oder weiß der Geier fühle. Ich lehne unter Anderem ihre Politik einfach ab und befürworte am ehesten noch die der AfD. So einfach ist das. Wer dann ankommt und implizit behauptet, ich hätte die Großartigkeit dieser abgelehnten Politik nur nicht recht verstanden, der gibt mir nur einen… Mehr
Ich vermute, was Herr Hirte mit ungefiltert meint, sind Argumentationsketten, die im Originaltext nicht den guten Sitten, geschweige denn einer diffusen plitischen Korrektheit entsprechen – Bspw: „Ich zahle hier seit … … und muß um jede Leistung betteln und die N…. bekommen alles in den A…. geblasen.“ Ein Satz, der ungefiltert Klaus Kleber zum Weinen brächte, aber auf seine ungehobelte Art ein gesellschftliches Problem anspricht. Nun würden die meisten Politiker diesen Satz allein aufgrund seiner Wortwahl als rassistisch, fremdenfeindlich, islamophob etc. grundsätzlich verwerfen. Herr Hirte möchte sich offenbar eher mit dem Inhalt denn mit der Form beschäftigen. Deshalb plädiere ich,… Mehr
Wenn man einmal ganz naiv an diese beiden Sätze herangeht, dann erkennt man diese ungeheure Unverschämtheit: „Es ist menschlich verständlich, wenn man auf Fremdes aus Angst vor Veränderung zunächst mit Ablehnung reagiert.“ Klingt doch erst mal nett von ihm. Dieses Verständnis. Die Leute reagieren aber nicht „zunächst“ mit Ablehnung, sondern aus Erfahrung (Kriminalstatistik, hier bei TE detailliert analysiert, danke!) Unverschämtheit! „Das muss die Politik akzeptieren und diejenigen ernst nehmen, die sich – auch lautstark – äußern. Das muss die Politik akzeptieren und diejenigen ernst nehmen, die sich – auch lautstark – äußern. “ Die Politik, wer auch immer die Dame… Mehr
Spaltung sichert immer den größten Effekt. Vor allem, wenn man sich die Kernspaltung zum Vorbild nimmt. So lässt sich ganz Deutschland in die Luft jagen. Immer noch mehr Unfrieden im deutschen Volk stiften, dann hat das auch nichts mehr mit Migration und Islam zu tun. Dann stehen sich die Deutschen selbst im Weg und sind selber schuld. Sind sie ja auch, wenn sie das zulassen. In einem hat der gute Hirte recht, es geht gegen „die da oben“. Und er beschwert sich auch zu recht, schließlich hat man „die da oben“ genau dahin gewählt. Wir haben ja Demokratie ohne ein… Mehr
Vorraussetzung als Politiker in den Altparteien aufzutreten ist Dummheit gepaart mit Realitätsverlust und Arroganz ! Ich bin „Ossi“ lebe in Mitteldeutschland, bin nicht abgehangen, stehe finanziell gut da, habe regen geschäftlichen und freundschaftlichen Kontakt mit Tschechen, Polen, Italienern, Russen, Finnen, Österreichern, Ukrainern und Schweizern. Natürlich bin ich weiß, in den 50igern schon lange angekommen, fahre einen größeren Diesel, bin dieses Jahr seit 30 Jahren mit der gleichen Frau verheiratet, habe 2 Kinder und 3 Enkel. Habe lange konservativ CDU gewählt, seit Jahren aber nun AfD. Was ich nicht will ist, Gender, Islam, Terror, Krieg, linksgrüne Ideologie, nicht zu vergessen Merkel… Mehr

Aus der Sicht der Meinungsmonopolisten muss man Ihre abschließende Frage wohl mit „Ja“ beantworten. Allerdings trifft diese Klassifizierung dann auf mich, obwohl Wessi, ebenfalls zu.
Aber eine Frage habe ich noch: sind Sie all die Jahre mit der gleichen oder mit derselben Frau verheiratet?

@C.Lorenz: Nein, den Tatbestand erfüllen Sie nicht, Herr Lorenz. Sie erfüllen den Tatbestand eine eigene, medial und politisch unerwünschte Meinung zu haben. Ich erfülle diesen Tatbestand als „Nicht-Ossi“ übrigens auch. Das „Ossiding“ dient nur dem Schubladendenken bestimmter Ideologen und entspricht genau dem, was diese geistig eingeschränkten Figuren bei anderen anprangern.

ich bin Wessi, ansonsten kein Unterschied zu Ihrem Kommentar. Prima.

Ostbeauftragter: Da habe ich aber eigenartige Assoziationen…. Ob nur mir das so geht?

Der Ostleiter. Hahahaha

Sie meinen vermutlich Ludendorff, oder?

Eigentlich bräuchten wir einen Westbeauftragten . . .

„Ungefilterte Argumente“ ist ein Highlight – Euphemismus dieses Politikers für „Schwachsinn“. Soviel zu dessen Respekt vor der Bürgermeinung.
Angst hilft zu überleben, evolutionsmäßig betrachtet. So gesehen könnte Mia heute noch leben, wenn sie in diesem Sinne Angst (Vorsicht) vor dem Fremden einer frauenfeindlichen Kultur gehabt hätte.
Es gibt da ein Kinderbuch, das „Die Häschenschule“ heißt…

Ich oute mich mal als Ossi aus dem Westen. Dieses Ossi-Wessi-Gequatsche nervt mich schon seit 20 Jahren. Wir sind ein Volk. Basta! Zu den Ausländern: also bei uns in Dresden gab es zu DDR-Zeiten viele Ausländer. Mosambiquaner, Ungarn, Vietnamesen, Kubaner, Tschechen, Polen und ganz viele Russen (letztere v.a. wegen der Armeestützpunkte). Alle haben bei uns studiert oder eine Ausbildung gemacht und waren ansonsten problemlos integriert für die Zeit, in der sie bei uns waren. Einige sind geblieben. Die fallen heute gar nicht mehr auf. Massive Probleme gab es gar nicht. Also entweder, der Herr Hirte hat sich falsch informiert, oder… Mehr

Genau, wir lebten als Lausitzer 7 Jahre in Bremen und Umzu.
Jedes Ihrer Worte bestätigen wir – jedes!
Die Einschätzung über das Innenleben der meisten Wessis ist auf den Punkt gebracht. Deshalb „flüchteten“ oder remigrierten wir wieder in die Heimat zurück.
Inzwischen wird es hier in der neuen Heldenstadt in Mitteldeutschland auch immer mehr fremder.

Werte(r)AnSi, Sie müssen sich nicht als Ossi outen, denn da gibt es nichts zu outen. Einer meiner besten und langjährigen Freunde kommt auch aus dem Osten (Görlitz). Er und seine Familie sind wunderbare Menschen und für Bayern eine tatsächliche Bereicherung – im Gegensatz zur grenzdebilen, konstruierten einer ganz bestimmten Klientel. Mir ist noch kein Ostdeutscher begegnet, den ich als fremd oder irgendwie problematisch empfunden habe, denn wir sind ein Volk! Es ist geradezu beschämend wie Teile überheblicher Westdeutscher mit den Menschen im oder aus dem Osten umgehen. Und ich kenne diese hirngewaschenen Herrschaften, die das mediale Uns-geht-es-ja-so-gut-Geschwafel nachplappern, selbst sehr… Mehr
Was sich die Regierung zusätzlich zu den üblichen Verdächtigen noch für Schwätzer leistet und wie dieser sogenannte Ostbeauftragte ( früher war’s die Gleicke), das von den Altparteien und den willfährigen Altmedien ständig hochgewürgte Gewölle, dienstbeflissen wiederkäut, ist so typisch für die, ich nenne es mal, „Ausweichproblematisierung“. Nebenkriegsschauplätze eröffnen oder vorhandene dramatisieren, um von den gewichtigeren Problemen abzulenken, die man selbst verursacht hat. Bei den Ostdeutschen wird immer noch so getan, als wären das irgendwelche Exoten, für die es eine besondere Beobachtung bedarf, während die Problematik der wahren Exoten, die immer noch über die Grenzen fluten, nach wie vor möglichst klein… Mehr

Es ist ganz einfach: Die Bevölkerung im Osten hat ein deja vue Erlebnis, erinnert sich an die alten SED Methoden, guckt in die Regierungsmattscheibe oder in die Staatszeitungen, kneift sich in die Wade, um sicher zu sein, nicht zu träumen und fällt flugs vom Glauben ab.
Wen wundert’s bei soviel Besserwissies im Westen.