Je länger der Lockdown, desto weniger Begründung

Den Nachweis dafür, dass der Lockdown überhaupt das geeignete Mittel ist, um Corona einzudämmen, bleiben uns jene, die ihn beschließen, weiterhin schuldig.

IMAGO / Andreas Gora

Berlins publizistische Ein-Mann-Opposition, der B.Z.-Kolumnist Gunnar Schupelius, hat die Landesregierung für ihre Corona-Lockdown-Politik mit einem Argument kritisiert, das ebenso gut auch gegen die anderen Landesregierungen und vor allem gegen die Bundesregierung gerichtet sein könnte: „Auch nach 156 Tagen Dauer-Lockdown wurde keine wissenschaftliche Auswertung bekannt, die beweist, dass die Verbote das Infektionsgeschehen positiv beeinflussen. Auch die Warnungen, der Kollaps der Intensivstationen stehe wieder einmal bevor oder die Super-Mutanten würden viele Todesopfer unter jungen Menschen fordern, werden von den Politikern nicht mit wissenschaftlichen Erkenntnissen unterlegt.“

Nichts höre man von jenen Politikern, die täglich härtere Maßnahmen fordern, über die naheliegenden Fragen: „Wie sieht die Altersstruktur auf den Intensivstationen aus? Was wissen wir über Menschen mit schweren Verläufen? Wie kommt es innerhalb einer Region zu den großen Unterschieden im Infektionsgeschehen? Was wissen wir nach einem Jahr mit Corona wirklich über die Infection Fatality Rate, über das Risiko, nach einer Infektion mit Corona zu sterben?“

Keine Antworten höre man auch zu den gesundheitlichen Nebenwirkungen des Lockdowns, also etwa den möglicherweise gestiegenen Zahlen von Selbsttötungen oder verzögerten oder ausgefallenen medizinischen Behandlungen.

Schupelius erinnert daran, dass es beim Lockdown auch um einen „täglichen schweren Eingriff in die Menschenwürde“ gehe: „Denn zur Würde des Menschen gehört es, selbst entscheiden zu dürfen, was er für ein würdiges Leben hält und welche Risiken er eingehen möchte.“

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Kommentare ( 61 )

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merlin999
8 Monate her

Frank Walter STein….. dürfte wohl den Kritiker als Versager gemeint haben. So ganz gegen die Norm (für den Journalismus gilt dieses Wort noch – sonst ist es ja schon verpönt ) zu schreiben, und das in Deutschland, welches es ja gar nicht mehr geben dürfte in dieser großartigen EU von Guteres Gnaden gestützt, und er, der Präsident von Versagern, als erstes seinen Job los sein müsste, könnte alle diese Fragen beantworten. Tut er aber nicht – Versager könnten ihn ja nicht falsch, sondern richtig verstehen. Gel……

Talleyrand
8 Monate her

ca. 10 % plus/minus der Intensivbetten sind mit „Coronafällen“ belegt. Das ist die einzige Zahl, die etwas – auch nicht alles – über die Qualität der Pseudopandemie aussagen könnte. Der 90 % Rest der Intensivbettenbelegung bezieht sich auf die üblichen schweren Erkrankungen wie z.B. Krebs, Kreislaufprobleme und Unfallopfer. über 99% der deutschen Bevölkerung war und ist symptomfrei, was Covid 19 betrifft. Es gibt keinen, aber auch gar keinen Grund, für Massentests und Zwangsimpfungen. Die Logik würde andernfalls gleiche Maßnahmen bei anderen vergleichbaren Infektionen fordern. So abwegig hat bisher noch keiner gedacht. Möglicherweise kommt aber noch jemand drauf, wenn Corona als… Mehr

Oliver Koenig
8 Monate her

Stell Dir vor, es ist Lockdown und keinen interessiert das mehr.

humerd
8 Monate her

Laschets Brückenlockdown mit dem Versprechen „nur“ für 2-3 Wochen, weil ja impfen Fahrt aufnehmen würde, fällt schon in sich zusammen. „Hunderttausende Dosen: Groß-Lieferung von Moderna nach Deutschland geplatzt“ Seit 2020 nur leere Versprechungen der Politiker, aber was interessiert die Politiker shcon das „Geschwätz von gestern“. Die Zahlen des RKI sind unzuverlässig, der PCR Test ungenau – alle starren auf die Zahlen, niemand hinterfragt mehr die Zahlen. Ich bin aber auch von den Querdenkern enttäuscht, deren Protest sich vordergründig nur gegen die Maskenpflicht, Abstand halten und Hände waschen richtet. Das sind die geringsten Probleme und machen den Protest angreifbar und lächerlich,… Mehr

Kassandra
8 Monate her
Antworten an  humerd

Schon „2-3 Wochen“ einfach so in den Raum zu werfen, ohne konkret wissenschaftlich zu belegen, was sich in der Zeit wie und weshalb zum Guten wenden soll ist mehr als anmaßend!

h2m2
8 Monate her
  1. Danke für den publizierten Vermerk, dass wir immer noch im Lockdown für ein unbeschwertes Weihnachten 2020 sind.
  2. Covid ist in den 60ern identifiziert worden. Es ist seitdem bekannt, dass es ab und zu ( so alle 20 Jahre) gefährlichere, sonst aber harmlose Viren gibt.

Fazit aus 2: Covid-19 ist durchmutiert und vorbei. Die Regierung lügt. Die Regierung lässt lügen. Und überdies: eine Regierung die nur Grippe behandeln will, kann sich als Krankenpfleger gerne melden.

Fabian S.
8 Monate her

Demnächst werden wir hören wie grossartig erfolgreich (endlich) der Lockdown ist und war! Denn die Corona-Saison ist längst am Ende angekommen und macht naturgemäß einen Sommerschlaf, wie jede Grippewelle vorher auch.

Egon Rudel
8 Monate her

Was ist eigentlich aus der Epidemie bei dem Fleischverarbeiter Tönnies geworden? Wie viele Personen waren krank, wie viele sind gestorben, wo haben die sich eigentlich angesteckt, bei der Arbeit oder eher in der beengten Unterkunft oder doch schon im Herkunftsland? Aber man hat ja die Arbeitsbedingungen dezidiert für eine bestimmte Branche geändert, das sollte dann wohl reichen, auch hat man den Veganismus ein wenig voran gebracht. Merkel tut so harmlos und bescheiden, aber geht seit Jahren nur linksextremen Strömungen nach. Anne Will hätte sie mal fragen sollen, warum sie unser Land eigentlich zerstören will. Hat sie so sehr an ihrer… Mehr

Kassandra
8 Monate her
Antworten an  Egon Rudel

Anne Will und die anderen fragen nix, was die Gedanken von Zusehern in relevante Richtungen lenken könnte. Tellkamp sprach von vorgegebenem Meinungskorridor, van Rossum von der 3. Stelle hinter dem Komma, die in diesen uns bereiteten „shows“ ausschließlich angeboten werden.
Georg Schramm hatte bereits 2003 einen passenden Namen für solche parat.

Mirabelle
8 Monate her
Antworten an  Kassandra

Weiß leider nicht mehr welchen. Können Sie mir aufhelfen?

cmh ungefragt
8 Monate her

Jemanden zu kennen, dessen Tante dritten Grades jemanden kennt, der nach einem schweren Verlauf von Corona verstorben ist – das ist einfach zu wenig.

Wir werden die immer härteren Maßnahmen aber nicht los, denn dann müssten die Regierenden ihren Mandanten eingestehen, dass sie eben nicht im Interesse ihrer Mandanten gehandelt haben. Niemand sieht sich halt gerne auf der Rutsche zum Fleischwolf.

Kassandra
8 Monate her
Antworten an  cmh ungefragt

ungefragt: wo in der jetzigen Politik erkennen Sie auch nur ein Thema, bei dem von diesen uns und dem Land zum Wohle gehandelt wird?

nachgefragt
8 Monate her
Antworten an  Kassandra

So ist es. Die Demokratie ist längst auf den Kopf gestellt. Politiker, die ihre Aufgabe darin sehen, die Interessen der eigenen Bevölkerung zu vertreten, werden im Westen politisch und medial bekämpft und möglichst vernichtet. Das ist einer der Gründe, warum Leute wie Trump, Johnson, Orban usw. diffamiert werden, während Politiker, die auf ganzer Linie versagen, aber dies mit internationaler Solidarität und Moral begründen, gehyped werden. Demokratie, ob auf nationaler oder internationaler Ebene, ist aber nur erfolgreich und Vorbild, wenn die gewählten Vertreter den Willen der Wähler und eigenen Bürger umsetzen. Wenn sie einfach nur den Willen der Bürger anderer Länder… Mehr

Gabriele Kremmel
8 Monate her

Gunnar Schupelius wirft die Fragen auf, die normalerweise die ganze Presse stellen müsste. Nachdem die Begründungen und die Basis, auf der Daten ermittelt werden mit Sicherheit keinen Lockdown mehr hergeben ist es umso gruseliger, dass die politischen Grundrechtsverächter hier nicht längst juristisch ausgebremst wurden. Bei allem, was in den vergangenen Jahren passiert ist an Rechts- und Regelbrüchen von Seiten der Bundesregierung, ist das nun der letzte Beweis dafür, dass es keine wirksame Kontrolle mehr gibt, die die Bürger vor Machtmissbrauch schützt. Aus allem wurde inzwischen ein Gewohnheitsrecht und/oder es wurden nachträglich Verträge und Gesetze gemacht, die den Anschein von Legitimation… Mehr

elly
8 Monate her

bin mal gespannt, wann auch dieser Journalist mit Sexismusvorwürfen konfrontiert wird. Für soviel Kritik an der Regierung findet sich bestimmt eine #metoo Frau.

Kassandra
8 Monate her
Antworten an  elly