Die Rechte und Pflichten der Kreiswahlausschüsse bei jeder Wahl sind bisher weitgehend unbekannt – den Wahlbürgern, Medien und Journalisten, selbst den Mitgliedern der Wahlausschüsse. Kenner der wirklichen Abläufe schildern sie hier.
picture alliance/dpa | Matthias Bein
Kenner der wirklichen Abläufe der Ermittlung der Stimmergebnisse und ihres Weges bis in die Feststellung des vorläufigen amtlichen Wahlergebnisses haben ein fiktives, aber beim Umfragen-Durchschnitt mögliches, amtliches Ergebnis als Ausgangspunkt für ihre Schilderung des Geschehens genommen. Hier ist es.
Sachsen-Anhalt hat 41 Wahlkreise. Im fiktiven Fall gibt es keine Überhangmandate für die AfD und Ausgleichsmandate für die anderen Parteien. Der Landtag hätte die in Sachsen-Anhalt gesetzlich festgelegte Mindestgröße von 83 Sitzen.

Drei Anmerkungen: Jeder sieht hier erstens, wie wichtig es ist, ob SPD und/oder Grüne in den Landtag kommen. Zweitens versteht jeder, warum Sven Schulze zur Briefwahl aufruft, und drittens, weshalb Medien behaupten, Briefwahlen seien fälschungssicher.
Die ersten „Ergebnisse“ am Wahlabend stützen sich auf „repräsentative“ Nachwahlbefragungen, die direkt vor den Wahllokalen stattfinden. Diese nochmaligen „Wahlen“ werden gegen 15.00 Uhr abgeschlossen und anschließend bis 18.00 Uhr von den Wahlforschern auf Grund früherer Befragungen und ihrer Erfahrungen bearbeitet. Wer Kontakte zu diesem Personenkreis hat, weiß gegen 16.00 Uhr, was die erste Prognose sein wird.
Um 18.00 Uhr beginnen die Auszählungen der Stimmzettel in den Wahllokalen und Auszählungsorten für die Briefwahlstimmen. Die „Zähler“ dort können sich sofort über diese Ergebnisse per Smartphone informieren. Danach trudeln nach und nach in den Medien Hochrechnungen auf immer breiterer Basis ein. Am späten Abend verkündet die Landeswahlleitung ein vorläufiges amtliches Wahlergebnis. Die Möglichkeit eines anderen endgültigen amtlichen Wahlergebnisses bliebe. Aller Erfahrung nach bleibt es bei dem am Wahlabend verkündeten – vielleicht mit Promillevarianten.
Die Rolle der 41 Wahlkreisausschüsse
In Sachsen-Anhalt gibt es wie fast überall bei Landtagswahlen für jeden Wahlkreis einen Wahlkreisausschuss. Er beschließt das Ergebnis der Wahl nach Beratung ein paar Tage nach der Wahl in einer öffentlichen Sitzung. Die „Öffentlichkeit“ braucht nur einen Aushang an der Tür des Sitzungssaales. Folglich fanden diese Sitzungen überall ohne Öffentlichkeit statt. Die jüngsten Ereignisse im Zusammenhang mit den niedersächsischen Kommunalwahlen lassen vermuten, dass Sitzungen der Wahlkreisausschüsse nach der Wahl in Sachsen-Anhalt öffentlicher werden könnten.
Die Wahlkreisausschüsse sind ein reines Instrument der Exekutive. Die Mitglieder werden von der Wahlkreisleitung berufen. Die Wahlkreisleitung besteht aus Wahlleiter und Stellvertreter. Es handelt sich um ein Ehrenamt ohne eigenen Mitarbeiterstab. Hauptberuflich sind die Kreiswahlleiter Angestellte oder Beamte der Städte oder Landkreise. Die Wahlkreisleiter berufen nicht nur die Mitglieder der Wahlkreisausschüsse, sondern sind deren Vorsitzende mit Stimmrecht.
Die Wahlkreisleiter werden in Sachsen-Anhalt von der dortigen Landeswahlleiterin berufen. Auch die übt das Amt nebenberuflich aus und wird vom Innenminister berufen. Sie verkündet am Wahlabend das vorläufige amtliche Wahlergebnis auf Grund der fernmündlichen Durchsagen aus den Wahllokalen. Gleiches geschieht schon vorher durch die Wahlkreisleitung. Sie hat aber dazu noch kein Mandat des Wahlkreisausschusses.
Was die Wahlleiter sowohl auf Landesebene als auch auf Wahlkreisebene am Wahlabend melden, ist nichts anderes als deren „amtliche Prognose“. Denn die Wahlkreisausschüsse durften zu diesem Zeitpunkt noch nichts liefern. Sie dürfen die Wahlergebnisse nicht auf Grund der summierten telefonischen Durchsagen aus allen Auszähllokalen am Wahlabend, sondern erst auf Grund der Wahlniederschriften aus den Auszähllokalen in einer Sitzung bald nach dem Wahltag beschließen.
Jedes Mitglied eines Wahlkreisausschusses hat das Recht, vor der Sitzung des Wahlkreisausschusses zumindest stichprobenweise Einsicht in die Wahlniederschriften zu verlangen.
Das bedeutet: nicht nur zu prüfen, ob die Wahlergebnisse auf den Wahlniederschriften aus den Stimmbezirken mit den von der Kreiswahlleitung veröffentlichten vorläufigen amtlichen Wahlergebnissen übereinstimmen, sondern sich auch die manchmal sehr interessanten Anlagen zu den Wahlniederschriften anzusehen.
Geheim: zurückgewiesene Wahlbriefe
In den Anlagen zu den Wahlniederschriften aus den Briefwahlbezirken befindet sich, was geheim genannt werden kann. Ihre Zahl wird in den Wahlniederschriften erfasst, bei der telefonischen Durchsage der Wahlergebnisse aus den Auszähllokalen nicht angegeben und erscheinen weder in den vorläufigen noch in den endgültigen amtlichen Wahlergebnissen. Sie verschwinden statistisch spurlos in der großen Zahl der Nichtwähler – so wie Wahlbriefe, die unterwegs zu den Gemeinden verloren gingen.
Die einzige Chance, auffällig viel zurückgewiesene Wahlbriefe in Briefwahlbezirken zu entdecken, haben die einzelnen Mitglieder der Wahlkreisausschüsse. Werden dabei in den geöffneten Wahlbriefen auch geöffnete Stimmzettelcouverts entdeckt, ist das ein schwerer Fall von Wahlbetrug, weil das Wahlgeheimnis verletzt wurde.
Zurück zum endgültigen amtlichen Wahlergebnis in einem Wahlkreis. Die telefonisch übermittelten Wahlergebnisse werden in der EDV von Gemeindemitarbeitern im Auftrag der Kreiswahlleitung erfasst und sofort an die Landeswahlleitung weitergeleitet. Diese Ergebnisse aus den Wahlniederschriften werden dann nicht mehr gesondert erfasst und zusammengezählt, sondern die vorläufigen amtlichen Ergebnisse werden in der EDV fortgeschrieben. Fallen merkwürdige vorläufige amtliche Wahlergebnisse auf, haben die Kreiswahlleiter zwei Möglichkeiten einer Korrektur, wenn sich Differenzen zwischen den Ergebnissen ergeben:
- Eine legale: Maßgeblich sind die Ergebnisse aus den Wahlniederschriften. Entsprechend werden die betreffenden EDV-Zahlen geändert und die Änderungsprotokolle den Mitgliedern Wahlkreisausschusses vor der Beschlussfassung schriftlich vorgelegt.
- Eine illegale Praxis: Die Ergebnisse werden in den Wahlniederschriften den vorläufigen Ergebnissen angepasst. Die Mitglieder der Wahlkreisausschüsse erfahren in der Sitzung davon nichts. Die handschriftlichen Korrekturen sind auf den Wahlniederschriften zu finden, wenn von Wahlausschuss-Mitgliedern konkret danach gesucht wird.
Das nun bekannt gemachte Wissen, dass vor allem bei „Verdachtsfällen“ vor der Sitzung von Wahlausschussmitgliedern stichprobenweise in Wahlniederschriften geschaut werden kann, könnte die meistens illegalen Änderungen verhindern. Die beschriebene legale Möglichkeit der Korrektur kann jedoch dann in der Summe der 41 Wahlkreise zu einem anderen Ergebnis im Hinblick auf die Sitzverteilung im Landtag von Sachsen-Anhalt führen.
Werte Bürger: Die Rechte und Pflichten der Kreiswahlausschüsse bei jeder Wahl in Deutschland sind bisher weitgehend unbekannt, den Wahlbürgern, den Medien, selbst den Mitgliedern der Wahlausschüsse.
Wenn die Kreiswahlausschüsse mit Unterschrift jeden Mitglieds das Wahlergebnis beschließen, erklären sie damit, dass sie die Wahlergebnisse für korrekt ermittelt halten. „Blindes Vertrauen“ in das, was die Kreiswahlleiter in öffentlicher Sitzung als Wahlergebnisse vortragen, ist nicht nur mangelnde Wahrnehmung von Rechten, sondern möglicherweise auch eine Pflichtverletzung.
Wer das nicht glaubt und es besser wissen will, sollte eine der öffentlichen Sitzungen der 41 Wahlkreisausschüsse in Sachsen-Anhalt ein paar Tage nach der Wahl besuchen, in denen das endgültige amtliche Wahlergebnis des Wahlkreises für die Landtagswahl beraten und beschlossen wird und uns die gemachten Erfahrungen dann mitteilen.



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Wenn das stimmt, was da beschrieben wird, sträuben sich mir die Nackenhaare. Deutschland = Bananenrepublik!
…und da belächelt man die „armen“ Länder, die tagelang auf ein Wahlergebnis warten… wenn ich das so lese, wäre mir das tagelange Warten auf ein ehrliches Ergebnis lieber…. Ich hoffe inständig, dass die Bürger in Sachsen-Anhalt die Aufbruchstimmung zum Anlass nehmen, und sich ihr Wahlergebnis nicht nehmen lassen.. jeder der es mit seiner Arbeit etc vereinbaren kann, sollte wirklich zu diesen Wahlausschüssen gehen und fragen fragen fragen…. leider sind die Gerichte nicht vertrauenswürdig, und die beiden SED-Zeitungen, die es in Sachsen-Anhalt gibt, noch viel weniger… bleibt es also Unregelmäßigkeiten gleich an Tichy zu melden.. alles andere hat wenig Sinn
Das wusste doch schon Towarischtsch Stalin: „Ich halte es für völlig unwichtig, wer in der Partei wie abstimmt; aber was außerordentlich wichtig ist, ist das: Wer zählt die Stimmen und wie.“. Und wenn alle Stricke reissen, muss es- wie so oft – die Briefwahl richten!
Wer wissen will wie Brief-Wahlbetrug in „Unserer Demokratie“ wirklich abgeht, hier eine kurze Lektüre (Stendaler Wahlbetrug): https://de.wikipedia.org/wiki/Stendaler_Wahlbetrug Selbst bei der Widerholungswahl wurde erneut betrogen. Aufgeflogen war dieser Betrug damals nur, weil ein chronischer Nichtswähler unerwartet plötzlich doch wählen gehe´n wollte und im Wahllokal erfuhr, bereits per Briefwahl gewählt zu haben. Wenn Sven Schulze also in der MDR Wahlarena darauf hinweist, die aktuellen Umfragen könnten noch von der Briefwahl gekippt werden, weis der sicher wovon er redet. Immerhin hat seine Partei in Sachsen-Anhalt genug Erfahrung mit Briefwahlbetrug. Aus ganz Deutschland sind Berichte bekannt dass Wähler am Wahllokal abgewiesen wurden weil diese… Mehr
Hier will man durch Schwurbelei Zweifel in die sicheren Prozesse der Wahl sähen. Weltweit gehören die Wahlprozesse bei uns zu den sichersten und demokratischsten. Durch OSZE und andere Organisationen immer wieder aufs Neue bestätigt. Das in einem Wahlprozess auch Fehler vorkommen ist beim Umgang mit Millionen Stimmzetteln etc. immer möglich. Diese sind aber weder systematisch, noch nützen sie irgendeiner Partei. Fälle von versuchtem Wahlbetrug sind aufgrund diverser Schutzmaßnahmen extrem selten und werden entsprechend aufgeklärt. Es ist traurig wie heruntergekommen dieses Medium ist, eine solch faktenfreie Kampagne für die Rechtsextremen zu führen. Man nimmt sich hier den ebenso faktenfrei argumentierenden Trump… Mehr
Wie ging der Wahlbetrug bzgl. des BSW denn eigentlich aus? Es sollte doch nur einmal nachgezählt werden. Erinnerlich ist mir ein Wust an Argumenten, diesem Wunsch nicht nachkommen zu müssen.
Heute ist der Pausenclown mal wieder als Thomas unterwegs 🥳
Don’t feed the trolls.
Die Demokratie delegitimiert (furchtbares Schwurbelwort) sich selbst dadurch, dass sie nicht alles tut, um auch den kleinsten Anschein von Wahlmanipulation auszuschließen. Der erste und wichtigste Schritt wäre dabei, die Briefwahl wieder nur als absoluten Ausnahmefall zuzulassen.
Wenn ich „gehören die Wahlprozesse bei uns zu den sichersten und demokratischsten“ höre, werde ich bereits misstrauisch. Und es geht nicht um eine „Kampagne für Rechtsextreme“, sondern um die Wahrheit.
Je komplexer, desto fälschungsanfälliger…
Es muss doch nur demokratisch aussehen. Nachprüfungen sind per Justiz nicht gewünscht. Denen bleibt nur noch die Wahlmanipulation im großen Stil, aber was macht ein Ertrinkender nicht alles.
Das ZDF baut schon mal vor und sieht die AfD bei nur noch 40%. 3 Prozentpunkte „Verlust“ innerhalb weniger Tage! Bis zum Wahltag wird man die Öffentlichkeit auf ein AfD-Ergebnis zwischen 35%-38% „einstimmen“. Und dann, so hofft man, stellt auch kaum noch einer Fragen, wenn die AfD letztlich nur bei 34,1% landet.
Ja, und die Grünen bei 4,9%. Ein leichtes, sie in der Wahlnacht auf 5,0 oder 5,1 zu hieven.
Übrigens waren die Prognosen für die Grünen wochenlang eher bei 4 Prozent, jetzt bereits bei 4,9. Es fehlt nicht mehr viel.
Undurchsichtig, Regierung hat volle Kontrolle, nicht ausschließbar ist: „Genossen, es muss demokratisch aussehen, aber … , oder?
wohne in BW,sonst wäre ich gern vor Ort beim Kontrollieren 🙂
ein Witz,das Beamte und Angestellte,also Vertreter des Staates,Vorsitzende der Wahlausschüsse sind
Wahlbetrug lässt sich weder kontrollieren noch beobachten.
In Stendal hat die CDU fast drei Jahrzehnte bei den Wahlen betrogen, und trotz dutzender Mitwisser konnte das fast 30 Jahre lang geheim gehalten werden.
Und da die Wahlbetrüger in Deutschland auch die Justiz unter Kontrolle haben, müssen die kaum etwas befürchten.
Dazu werden Sie KAUM die Möglichkeit haben. Denn die sog. Wahlhelfer befinden sich in einer „geschlossenen Gesellschaft“. Denn OFT sind es Städtische Mitarbeiter die einfach „Vergattert“ werden, die Wahlen zu „händeln.
Ich habe wiederholt als Wahlhelfer gearbeitet und ich kann sagen, daß die normale Auszählung aus den Wahllokalen stets korrekt war (ich arbeite in der freien Wirtschaft). Der wunde Punkt sind die Briefwahlen. Ich bin überzeugt, daß die Wahlen in Sachsen-Anhalt manipuliert werden. Die Vorarbeiten laufen bereits. Aus nicht nachvollziehbaren Gründen verbessern sich die Werte für SPD und Grüne in Umfragen, während die AFD leicht verliert. Die Grünen werden nach Auszählung der Briefwahlstimmen die 5%- Hürde überspringen, die SPD wird ebenfalls zulegen.
Interessante Theorie. !!
Mal sehen wie es dann Wirklich kommt, wenn die Stimmen alle ausgezählt sind…