Putin im Interview mit dem ORF

Der Österreichische Rundfunk konnte seinen Anchor Man Armin Wolf ein Interview mit Wladimir Putin in Moskau vor dessen Staatsbesuch in Wien führen lassen. So kritisch würden deutsche Journalisten Merkel nie fragen und sie sich nie fragen lassen.

© SAUL LOEB/AFP/Getty Images
US President Donald Trump and Russia's President Vladimir Putin shake hands during a meeting on the sidelines of the G20 Summit in Hamburg on July 7, 2017

Österreich ist das einzige westliche Land, dessen Politiker die Brücke zu Putins Russland nie abbrechen ließen und wo das Gesprächsklima zuletzt noch leicht besser wird. Sebastian Kurz war neulich bei Putin und spricht nun zum zweiten Mal mit ihm während des Wien-Besuchs.

Zu den handfesten Interessen sagte Putin im ORF-Interview:

Österreich ist ein traditioneller zuverlässiger Partner von uns in Europa. Auch in den letzten Jahren ist der Dialog trotz aller Schwierigkeiten nicht abgerissen, weder der politische Dialog noch der Dialog über Sicherheits- oder Wirtschaftsfragen. Im letzten Jahr ist das Handelsvolumen zwischen unseren Ländern um 40,5 Prozent gewachsen. Es gibt immer mehr österreichische Investitionen in Russland. Wir sehen das als Vertrauensbeweis in die russische Wirtschaftspolitik. Wir verwirklichen Großprojekte.

Auf die Frage, warum Putins Partei Beziehungen zu EU-kritischen Parteien wie der FPÖ, der Lega und anderen unterhält:

Wir verfolgen nicht das Ziel etwas oder jemanden in der EU zu spalten. Wir sind vielmehr daran interessiert, dass die EU geeint ist und floriert, weil die EU unser wichtigster Handels- und Wirtschaftspartner ist. Und je mehr Probleme es innerhalb der EU gibt, desto größer sind die Risiken und Unsicherheiten für uns. Wir müssen im Gegenteil die Kooperation mit der EU ausbauen. Wir entscheiden pragmatisch, ob wir mit jemandem politisch zusammenarbeiten, enger zusammenarbeiten als mit anderen. Wir versuchen, mit jenen zu kooperieren, die selbst öffentlich den Wunsch äußern, mit uns zusammenzuarbeiten. Nur darin sollten Sie die Gründe für politische Kontakte, für Kontakte zwischen unseren Parteien und Bewegungen und jenen in Europa suchen – und nicht im Wunsch, etwas in der EU zu destabilisieren oder zu behindern. […] Ich wünsche mir, dass Österreich und andere EU-Länder sich diese Idee aus dem Kopf schlagen.

Snapshot ORF

 

Nach dem Verhältnis zu Donald Trump fragt Wolf und Putin antwortet:

Herr Trump ist schon seit eineinhalb Jahren im Amt und es gab noch nie ein bilaterales Treffen zwischen Ihnen, einen bilateralen Gipfel, obwohl Sie Bush und Obama, als sie neu waren als Präsidenten, schon innerhalb eines halben Jahres getroffen haben. Warum dauert es mit Herrn Trump so lange?

Das müssen sie unsere Kollegen in den USA fragen. Meiner Ansicht nach ist das die Folge des heftigen innenpolitischen Kampfes in den Vereinigten Staaten. Erstens sind Trump und ich mehrmals bei verschiedenen internationalen Foren zusammengetroffen. Und zweitens telefonieren wir regelmäßig. Bei einem unserer letzten Telefongespräch hat Donald gesagt, dass er sich Sorgen wegen der Gefahr eines neuen Rüstungswettlaufs macht. Ich bin da ganz seiner Meinung. Diese Entwicklung haben, wie Sie wissen, nicht wir initiiert. Nicht wir waren es, die aus dem ABM-Vertrag, der Raketenabwehrsysteme verbietet, ausgestiegen sind. Wir haben nur auf die Bedrohungen geantwortet, die in diesem Zusammenhang gegen uns entstanden sind. Aber ich bin mit dem US-Präsidenten einer Meinung, dass wir nachdenken sollten, wie man einen neuen Rüstungswettlauf verhindern kann. Und ich hoffe, dass diese Arbeit tatsächlich beginnt – auch zwischen uns Präsidenten persönlich.

Im Interview geht es natürlich auch um die Krim, die Ukraine, den Abschuss der MH17 von Malaysia Airlines, Syrien, Naher Osten, Nordkorea und die behauptete Einflussnahme von russischen Hackern auf den US-Wahlkampf. Alles hier nachzulesen oder zu sehen und hören.

Ein bemerkenswertes Interview schon allein deshalb, weil deutsche TV-Leute Frau Merkel nicht fragen würden wie Armin Wolf und Frau Merkel sich nicht so fragen ließe wie Wladimir Putin.

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Kommentare ( 18 )

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Der Historiker Herr Michael Wolffsohn hat bei Plasberg(hart aber fair) gesagt (aus dem Gedächtnis)-“Putin ist ein kluger Stratege. Und er ist uns allen weit überlegen..“
Ich frage mich, was über die Kanzlerin Merkel eines Tages die Historiker schreiben werden.. da erkennt man nicht mal einen Hauch von Strategie.

Trump und sein Berater Bannon hätten nach ihrem Wahlsieg eine ganz neue Ära einleiten können. Mit einem guten Verhältnis zu Putin hätte man viele Konflikte der Welt angehen können und hätte einen aussenpolitischen Erfolg nach dem anderen einfahren können. Dem amerikanischem Steuerzahler hätte so eine Politik viel Geld gespart, die Militärpräsenzen der AMIs hätten überall herunter gefahren werden können. Aber die linke Bande um Friedensnobelpreisträger Obama und seiner Statthalterin Clinton wollte dies auf jeden Preis verhindern: Ein Trump, der aussenpolitische Erfolge einfährt, das darf nicht sein. Also wurde die „Putin hat die US – Wahl manipuliert“ – Verschwörung gezimmert, und… Mehr

Ein außerordentlich bemerkenswertes Interview . Sehr offen und direkt gefragt und nicht weniger offen geantwortet . Putin ist ein Machtmensch ,das weiß er und steht dazu.
Aber er hat Ziele und eine klare Linie . Merkel hat eine Luftschlange als Kompass und rennt der Richtung hinter her in der diese gerade zeigt . Welch ein Unterschied.
Auch zu Östereich ,die mit ihrem Kurz einen Kanzler haben ,der eben auch weiß ,was geht und was nicht . Nachhilfeuntericht für Deutschlands Politgrößen allerorten . Nur begreifen tun sie es eben nicht .

Hatte ich noch vergessen: Vielen Dank für die Verlinkung des Putin- Interviews.

Guten Tag, als Angehörigem eines technisch-wissenschaftlichen Berufes mit abgeschlossenem Studium und Facharbeiterbrief einer Industrie- und Handelskammer ( mit Stolz ) ging es meist bei mir um das „Verstehen“. Wenn man den Stromlaufplan einer elektrischen Schaltung nicht versteht, wird es schon mal ganz plötzlich sehr hell und dann bleibt es ganz lange dunkel. Oder wenn man Kipp-Momente nicht versteht, liegt der Kran leicht im Wasser. Aus diesem Grund war für mich der Tiefpunkt der meinungsmachende Branche die Erfindung des Kampf-Begriffes „Putin-Versteher“. Klar mit dem Ziel, denjenigen, der einen oder etwas verstehen will, durch den Kakao zu ziehen. Ein genau so dämlicher… Mehr

Es geht nicht um „Verstehen“, sondern um Macht und Interessen. Gruß Dr. rer. nat. Gerhard Giesemann. (Schreibe das nicht so sehr zum Angeben – das auch, klar – sondern vielmehr zum Nachdenken: Bilden wir uns nicht so viel ein auf unser Fach-weiß-ich-was, die Anderen, in ihrer Eigenschaft als feine Menschen verstehen davon eh nix).

„in ihrer Eigenschaft als feine Menschen“ bedaure, dass das nicht auf meinem Kompost gewachsen ist. Danke dafür. Hat ne Weile gedauert, bis ich die Bösartigkeit der Hinterhältigen durchschaut hatte. ( Rote Pille aus Matrix ) Hier im Dunstkreis der TE-Kommentare kam ich auf einen, ich glaube italienischen, Forscher, der darlegte, das Intelligente Menschen sich oft nicht in das Ausmaß der Dummheit dummer Menschen ´reindenken können. Wahrscheinlich können sich Redliche auch nicht in das Ausmaß der Bosheit der Unredlichen ´reindenken. Diese „Braven“ werden dann als „naiv“ belächelt. Sie haben schon recht, zum ganzen Bild des Seins gehören auch die „Darm-Polypen“.

Fassen wir zusammen…Österreich (Kurz) wird mehr und mehr zum Dreh- und Angelpunkt der Diplomatie zwischen den USA und Russland in Europa….Trump spircht gut über den Kanzler Kurz und auch Putin spricht gut über ihn….beide fassen mehr und mehr Vertrauen in die Regierung in Österreich…in das Land Österreich und dessen neue Politik (Kanzler Kurz).
Österreich wird immer mehr als Vermittler zwischen den USA und Rußland aufgebaut…von Trump und Putin….Europa nimmt mit Österreich somit wieder eine Vermittlerrolle für die unterschiedlichen Interessenslage (Innenpolittiche und Außenpolitische Interessen) von USA und Russland ein. Gut so! Weiter so!

Wien löst Berlin ab, das mehr und mehr übergangen wird bei der Gestaltung der Zukunft Europas.
Schon allein weil Österreich sehr gute Beziehungen zu vielen Süd- Mittel- und Osteuropäischen Staaten hat. Und zu den USA.
Im Gegensatz zu Berlin.

Ich darf hier wieder auf die genialen „Putin-Interviews“ mit Oliver Stone hinweisen.

Habe viele Wahlkampftreden von Trump angehört und war der Hoffnung dass er die Ostküsteneliten und den militärisch industriellen Komplex in die Schranken weist mit der Aussicht, dass sich die USA mehr um das eigenen Land kümmern ( Probleme gibt es ja mehr als genug) und den Weg einer Friedenspolitik einschlagen. Schnell wurde klar dass Trump nach seiner Wahl vom sog. tiefen Staat “ eingmauert “ wurde, unter dem Hinweis, das Schicksal von JFK zu erleiden. Nur so ist die Wandlung von Trump zu erklären. Erfreulich ist zu hören dass beide Staatslenker regelmäßig miteinander telefonieren. ( bleibt zu hoffen dass beide… Mehr

Der junge Mann hat eindeutig das Zeug dazu und ich freue mich, dass Herr Wolf das Interview führen durfte.
Putin ist kein Mimöschen.

und weil Frau Merkel nie so antworten könnte! Obwohl sie deutsch spricht, spricht sie keine klaren Sätze …

Vielleicht kann sie sich auf Russisch besser ausdrücken?

Durchaus denkbar ….

Jeder der in Russland war, sich mit der Geschichte Russlands befasst hat, Bücher von P. Scholl-Latour, G.Krone-Schmalz oder Hubert Seipel gelesen hat weiss das bei uns einseitig über Putin und Russland berichtet wird. Der Westen stellt per se die Guten die anderen sind das Reich des Bösen. Das ist so primitiv, das man schon fast beleidigt sein muss für so dumm gehalten zu werden. Merkel schickt den schönen Norbert zu Diskussions- runden er soll vielleicht vielleicht Frauen überzeugen. Bei klar denkenden Frauen wird das nicht gelingen. Die gesamte Russlandpolitik ist wenig über- zeugend, sie fügt sich nahtlos in das Gesamtbild… Mehr