Bisher galt die Katholische Kirche ja nicht immer als Hüter der Meinungsfreiheit - Papst Leo XIV. beobachtet aber offenbar ganz genau gewisse Entwicklungen in europäischen Nationen. In seiner ersten Neujahrsansprache vor dem beim Heiligen Stuhl akkreditierten diplomatischen Korps hat Papst Leo XIV. eine eindringliche Mahnung zur Verteidigung der Meinungs- und Gewissensfreiheit ausgesprochen.
picture alliance / Hans Lucas | Catholic Press Photo
Vor Vertretern aus mehr als 180 Staaten kritisierte das Oberhaupt der katholischen Kirche eine Entwicklung, die er als besonders besorgniserregend bezeichnete: die zunehmende Einschränkung freier Meinungsäußerung gerade in jenen westlichen Gesellschaften, die sich selbst als Hüter von Demokratie, Pluralismus und Menschenrechten verstehen.
Schon der Beginn der Rede sorgte für Aufmerksamkeit, als Papst Leo XIV. mit leichter Verspätung die Benediktions-Aula im Vatikan betrat, war die Erwartungshaltung groß: Der erste Papst aus den Vereinigten Staaten steht seit seinem Amtsantritt unter besonderer Beobachtung, nicht zuletzt wegen der politischen Spannungen und Umbrüche in seinem Heimatland. In seiner Ansprache, die er in amerikanischem Englisch hielt, setzte Leo XIV. klare Akzente, die weit über eine routinemäßige diplomatische Neujahrsbotschaft hinausgingen.
Im Zentrum seiner Rede stand eine grundsätzliche Kritik an globalen Entwicklungen, die aus Sicht des Papstes den gesellschaftlichen Zusammenhalt gefährden. Besonders deutlich wurde er beim Thema Meinungsfreiheit. Er sprach von einer bedenklichen Verengung des öffentlichen Diskurses und warnte vor neuen sprachlichen und moralischen Normen, die vorgäben, inklusiv zu sein, tatsächlich aber abweichende Meinungen ausgrenzten.
„Ausschluss jener, die sich bestimmten Ideologien nicht unterwerfen wollen“
Es sei „bedauerlich festzustellen“, so der Papst, dass gerade im Westen der Raum für echte Meinungsfreiheit schrumpfe, während sich eine Sprache verbreite, die in ihrem moralischen Anspruch jene ausschließe, die sich bestimmten Ideologien nicht unterwerfen wollten. Diese Entwicklung betreffe zunehmend auch die Gewissensfreiheit, die selbst von Staaten infrage gestellt werde, die sich ausdrücklich auf Demokratie und Menschenrechte beriefen.
Mit dieser Kritik traf Leo XIV. einen Nerv: Seine Worte wurden von vielen Diplomaten als Warnung verstanden, dass freiheitliche Gesellschaften Gefahr laufen könnten, ihre eigenen Grundwerte auszuhöhlen. Beobachter sahen Parallelen zu jüngsten Debatten über Cancel Culture, politische Korrektheit und staatliche Regulierung von Sprache, auch wenn der Papst diese Begriffe nicht explizit nannte.
„Krieg ist wieder in Mode gekommen“
Daneben widmete sich Leo XIV. weiteren internationalen Konfliktlinien. Er beklagte eine zunehmende Schwächung multilateraler Institutionen und eine Rückkehr zu machtpolitischem Denken. „Krieg ist wieder in Mode gekommen“, sagte er und kritisierte eine Diplomatie, die den Dialog durch das Recht des Stärkeren ersetze. Diese Passage wurde vielfach als indirekte Kritik an aktuellen außenpolitischen Strategien großer Staaten gelesen. Zugleich rief der Papst zu mehr Solidarität mit Migranten auf und mahnte, Menschen auf der Flucht nicht auf Zahlen und politische Risiken zu reduzieren.
Auch zu Lateinamerika äußerte sich das Kirchenoberhaupt klar. Mit Blick auf Venezuela forderte er, den Willen des Volkes zu respektieren und die Menschen- und Bürgerrechte aller zu schützen. Eine direkte Benennung internationaler Interventionen vermied er, doch seine Worte ließen wenig Interpretationsspielraum.
In gesellschaftspolitischen Fragen zeigte sich Leo XIV. in dieser Rede betont konservativ. Er verurteilte staatliche Programme zur Förderung von Abtreibungen ebenso scharf wie Bestrebungen zur Legalisierung von Euthanasie. Auch gesellschaftliche Modelle, die seiner Ansicht nach die traditionelle Ehe infrage stellten, kritisierte er offen. Diese Positionen fanden bei einigen Diplomaten Zustimmung, bei anderen sorgten sie für Zurückhaltung.
Besondere Aufmerksamkeit erregte jedoch die Tatsache, dass der Papst seine Kritik an der Einschränkung von Meinungsfreiheit nicht auf autoritäre Staaten beschränkte, sondern ausdrücklich westliche Demokratien in den Blick nahm. Damit positionierte er sich als Mahner gegen eine Entwicklung, die er als schleichend, aber gefährlich beschrieb. Dass diese Rede als schriftliches Dokument an alle Regierungen übermittelt wird, unterstreicht ihre politische Bedeutung. In vielen Hauptstädten dürfte sie jetzt – hoffentlich – ganz genau analysiert werden.
Papst Leo XIV., der Amerikaner
Papst Leo XIV. (70) wurde als erster US-Amerikaner zum Oberhaupt der katholischen Kirche gewählt. Vor seiner Wahl war er viele Jahre als Kardinal in den Vereinigten Staaten tätig und galt als Brückenbauer zwischen unterschiedlichen kirchlichen und politischen Lagern. Sein Pontifikat, das nun seit rund acht Monaten dauert, ist geprägt von dem Versuch, traditionelle kirchliche Positionen mit einer klaren Sprache zu globalen politischen und ethischen Fragen zu verbinden. Die Neujahrsansprache vor dem diplomatischen Korps gilt bereits jetzt als eine der programmatischsten Reden seiner bisherigen Amtszeit – und als deutliche Erinnerung daran, dass Meinungsfreiheit für ihn ein unverzichtbares Fundament jeder freien Gesellschaft bleibt.


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Ganz entscheidend wurde der Papst Leo XIV. von langen Jahren der Tätigkeit in Perú geprägt, also im Globalen Süden. Er besitzt sogar die Staatsangehörigkeit dieses schönen Landes und wurde dort sehr geschätzt.
Soso, der Papst fordert mehr Liebe für Migranten.
Differenziert er dabei zwischen „Menschen auf der Flucht“, Wirtschaftsmigranten und Siedlern unserer Bruderreligion, dem Islam?
Nein?
Schade.
Von den verfolgten Christen in Syrien oder Nigeria sprach er jedenfalls nicht.
Gut gesprochen. Wenigstens einer, der dem Zeitgeist widerspricht. Die ethischen und moralischen Errungenschaften der Menschheit sind auch im Westen wieder stärker bedroht.
Die Menschheit sollte einen Weg finden, die moralisch reifesten und klügsten Köpfe zu ihren Anführern zu wählen und nicht die dummdreisesten, psychopathogenen, machtgierigen, habgierigen oder eitlen Köpfe.
Was den Amerikanern gelungen scheint. Auch Ungarn, Tschechen und Slowaken.
Uns nicht und viel zu lange schon nicht mehr. Leider.
Der Papst (Vatikan) und Meinungsfreiheit. Genau mein Humor.
Es soll Leute geben, die es grundsätzlich ablehnen, anderen Leuten zuzuhören, wenn sie das falsche Parteibuch haben, ganz egal was sie inhaltlich sagen. Man nennt sie Brandmaurer, glaube ich.
Hat da auch einer der Unserdemokraten aus Berlin oder Brüssel zugehört?
Nein.
Und von den 180 anwesenden Botschaftern ist die Mehrzahl auch muslimisch. Sie waren wohl eher wegen des Kalten Buffets dort als wegen der Rede.
Ist das nicht einer der Ihren?
Der Lebenslauf von Robert F. Prevost / Papst XIV ist hinreichend verfügbar. Er war nie Bischof / Kardinal in den Vereinigten Staaten. Trotzdem ist er ein moderner Amerikaner, weshalb er nicht blind für die Deformationen in den sogenannten freien Gesellschaften der demokratischen Länder ist. Die Macht von ideologisch fundierten Narrativen, und die mannigfaltigen Möglichkeiten über Moralisierung und /oder blanke Machtpolitik Meinungs-, Rede- und Pressefreiheit einzuschränken, sind, wie wir gerade in der EU und in D erfahren, bedrohlich. Da Papst Leo XIV wahrscheinlich nicht zu den MAGA-Illuminati und Trump-Vance/Fox News-Anbetern gehört, weiß er auch was in den USA los ist.
Jetzt wird schon der Papst bemüht…wie verzweifelt muss man sein…..warum sagt ausgerechnet jetzt „der Papst“ sowas? Damit die Schäflein wieder etwas ruhiger werden und wieder etwas Druck ausm Kessel kommt,dadurch die Eliten im Hintergrund weiter ihr böses Spielchen treiben können…..siehe auch der ebenfalls erschienene Bericht bei Tichy´s „CDU und CSU sind dabei den totalen Überwachungsstaat zu errichten“, der am heutigen Samstag, 10.Janaur, erschienen ist.
Steinmeier soll auch was verlautbart haben, was bis in die USA durchdrang – worauf ihm Lindsey Graham empfahl, er solle doch erst mal einen Schnaps trinken: „To my tone-deaf European friends: I hope so. The people of Iran and Venezuela, the American worker, and families in the U.S. who’ve had their lives turned upside down by illegal drugs are also hoping that’s the case. Chill out. Have a schnapps.“ https://x.com/LindseyGrahamSC/status/2009422202949783607 . „An meine ahnungslosen europäischen Freunde: Ich hoffe es. Die Menschen im Iran und in Venezuela, der amerikanische Arbeiter und die Familien in den USA, deren Leben durch illegale Drogen… Mehr
Weil von seinem Boss kommt:
Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.
Niemand kommt zum Vater denn durch mich.
.
Schwer zu glauben, dass er sich noch daran hält.
Die Kirche(n) und Meinungsfreiheit:
Das Oxymoron seit Beginn der Menschheit
Ein Widerspruch in sich.
Luther schrieb „Von der Freiheit eines Christenmenschen“: https://www.luther2017.de/martin-luther/texte-quellen/lutherschrift-von-der-freiheit-eines-christenmenschen/
Dann kam die Aufklärung – und jetzt mit den Unterworfenen halt der Rückschritt – denn die schreiben das Jahr 1447 und müssen fest in die Suren wie in die anderen Schriften verwickelt bleiben – bis zum Tode.
Schon Kritik am Propheten wird harsch bestraft – erkennt man alleine, dass Hamed Abdel Samad vor den Brüdern geschützt werden muss. Hier in Deutschland – seit Jahren!
Es soll Leute geben, die es grundsätzlich ablehnen, anderen Leuten zuzuhören, wenn sie das falsche Parteibuch haben, ganz egal was sie inhaltlich sagen. Man nennt sie Brandmaurer, glaube ich.
Sollte dieser Papst tatsächlich eine Säule des Liberalismus werden?
Da er einerseits von Freiheit spricht, uns die Unterworfenen, die uns auf den Fersen sein müssen, aber ad libitum weiter zumutet, was zu einem bitteren Ende führen muss, vermute ich auch da: Taqiyya.
„Seine Worte wurden von vielen Diplomaten als Warnung verstanden, dass freiheitliche Gesellschaften Gefahr laufen könnten, ihre eigenen Grundwerte auszuhöhlen.“ Gut, dass er das tut.
Aber was soll denn eine Warnung bewirken, wenn der Betreffende gerade das als Ziel hat, wovor er gewarnt wird? Die Pille bringt Frauen doch auch ins Fegefeuer und welche Frau im WokeLinken Westen schert sich drum?
Es wird keinen Bischof oder darunter scheren. Es wird kaum einen Wähler scheren, der noch Mitglied in der katholischen Kirche ist.
Also können wir nur hoffen, dass er genügend „Hörweite“ hat und zumindest zum Nachdenken anregt.