Der neue Lehrplan in Niedersachsen verschiebt das Zentrum des Religionsunterrichts. Jesus wird zur Randfigur, dafür werden die Themen Scharia, UN-Nachhaltigkeitsziele und Geschlechtsidentität behandelt. Die Grünen in Westeuropa drücken beim Umbau der Gesellschaft aufs Gaspedal.
picture alliance/dpa | Julian Stratenschulte
In Niedersachsen zeigt sich, wie die Grünen Politik machen, wenn sie es ernst meinen: mit veränderten Lehrplänen. Wer Bildungsinhalte anfasst, formt die Köpfe, und wer die Köpfe formt, verschiebt das Land. Genau das soll jetzt im Religionsunterricht des Bundeslandes geschehen.
Verantwortlich ist Julia Willie Hamburg, Kultusministerin und stellvertretende Ministerpräsidentin in Niedersachsen. Sie sitzt zudem als Vertreterin der Landesregierung im VW-Aufsichtsrat. Die Grünenpolitikerin gab früh die Richtung vor: in der Schule dürfe es nicht „nur ums Pauken“ gehen, Lernen solle „Spaß“ und „Sinnhaftigkeit“ haben.
2022 übernahm Julia Willie Hamburg das niedersächsische Kultusministerium, ohne selbst einen Berufs- und Studienabschluss zu haben. Das ist kein Detail, sondern ein deutliches Zeichen, welche Bedeutung Leistung und Abschlusskultur in dieser Bildungspolitik haben, nämlich keines.
Die Grüne steht für eine Bildungspolitik, die Lehrpläne nicht behutsam fortschreibt, sondern politisch neu justiert. Das zeigt sich nicht nur an den neuen Plänen für den Religionsunterricht. Im Dezember 2025 wurde bekannt, dass Grundschüler in Niedersachsen ab Sommer 2026 mit Beginn des neuen Schuljahres kein schriftliches Dividieren mehr lernen sollen und das Rechnen mit Dezimalzahlen anders beziehungsweise deutlich später behandelt werden soll.
Unter den rund 130 verbindlichen Themen für die Klassen 5 bis 10 finden sich für den Religionsunterricht nur noch wenige Punkte, die sich unmittelbar mit Jesus Christus beschäftigen. Wenn Jesus im christlichen Religionsunterricht nur als kurzer Programmpunkt auftaucht, dann ist das Fach nicht modernisiert, sondern entkernt. Begründet wird der Umbau ausdrücklich mit dem demografischen Wandel: weniger christliche Schüler, dafür immer mehr Schüler aus muslimischen Familien und mehr Schüler ohne religiöse Bindung. Und dieser Kurs kommt nicht als Sololauf aus dem grünen Ministerium: Lehrerverbände und die evangelische Kirche unterstützen ihn.
Gleichzeitig wird der „Unterricht“, sofern man ihn denn noch so nennen möchte, mit ideologischen Themen beladen, die nicht aus der religiösen Tradition kommen, sondern aus dem politischen Tagesprogramm. UN-Nachhaltigkeitsziele werden als Bezugspunkt gesetzt. Das ist ein politischer Zielkatalog, kein Glaubensbekenntnis – wenn doch, dann ein grünes. Damit verschiebt sich der Unterricht vom Religiösen ins Aktivistische.
Noch deutlicher wird der Zugriff beim Komplex Geschlechtsidentität. Das Thema taucht im Lehrplan nicht als Randnotiz auf, sondern als definierter Schwerpunkt, als „Entwicklungsaufgabe“. Die bekannte Methode: ein moralisch aufgeladenes Thema wird in die Schule getragen, nicht als offene Frage, sondern als Leitlinie. Wer widerspricht, gilt im besten Fall als unaufgeklärt. Der „Unterricht“, mehr Indoktrination, soll Zustimmung erzeugen, keine Erkenntnis.
Und dann kommt das Stichwort, das in jeder Debatte Alarm auslösen müsste: die Scharia.
Die Grünen verkaufen die Behandlung des Themas als Pluralität. In Wahrheit ist es ein Tauschgeschäft. Christentum wird zur Folklore, Islam zur staatlich umworbenen Größe, und Identitätspolitik wird zur moralischen Klammer, die alles zusammenhält. So entsteht ein Fach, das nicht mehr Religion lehrt, sondern Haltung erzeugt. Noch ist der Schritt nicht endgültig durch: Der Lehrplan muss den Landtag und die evangelische Kirche passieren, bevor er ab Sommer umgesetzt werden kann.
Wer glaubt, das sei ein Ausrutscher in Niedersachsen, verkennt das Muster. Der Lehrplan ist kein Einzelfall, er ist ein Baustein. Der nächste Baustein liegt auf dem Tisch. Als wäre dieser Umbau im Klassenzimmer nicht schon deutlich genug, wollen die Grünen die Linie bundespolitisch nachziehen. Wer Scharia, „muslimisches Leben“ und Identitätsthemen in staatlichen Papieren immer wieder nach vorn geschoben sieht, erkennt: Das ist kein Versehen, das ist Kalkül.
Rückenwind kommt aus Großbritannien. Die jüngste Nachwahl in Gorton und Denton zeigte, wie sich ein Wahlkreis kippen lässt, wenn Politik nicht mehr um gemeinsame Regeln kreist, sondern um muslimische Gruppeninteressen. Dort gelang den Grünen ein spektakulärer Erfolg in einem traditionell fest verankerten Labour-Milieu. Der Kern der Lehre, die Parteistrategen daraus ziehen, ist simpel: Wer Community-Milieus gezielt bedient, bekommt Wählerstimmen.
Genau dieses Denken schimmert in der deutschen Grünenlinie durch. Im Bundestag wird ein Paket von Maßnahmen gefordert, das am Ende auf einen nationalen Aktionsplan zur engeren staatlichen Zusammenarbeit mit muslimischen Gemeinden hinausläuft. Die Islamkonferenz soll dauerhaft finanziell abgesichert werden, ergänzt durch Kommissionen und stärkere Einbindung muslimischer Verbände. Das ist nicht „Dialog“, das ist Institutionalisierung.
Der Staat schafft dauerhafte Strukturen für eine Religionslandschaft, die in weiten Teilen nicht durch Kirchenrecht, sondern durch Verbandslogik, Einflusskämpfe und teils stark konservative Prägungen bestimmt ist.
Parallel dazu sollen neue Studien und Programme aufgelegt werden, die den Fokus auf „Islamfeindlichkeit“ und „antimuslimischen Rassismus“ legen. Damit entsteht ein politisches Druckmittel. Kritik am Islam wird schnell als Angriff auf Muslime gerahmt. Die Forderungen zielen zudem auf die sichtbare Verankerung im Staat. Muslimische Seelsorge soll strukturell ausgebaut werden, etwa in der Bundeswehr und weiteren öffentlichen Einrichtungen. Kopftuchverbote im öffentlichen Dienst sollen zurückgedrängt werden. Moscheen sollen verstärkt geschützt werden, was in der Praxis Geld, Infrastruktur und Priorität bedeutet, dazu kommen Förderung muslimischer Verbände, Frauenorganisationen, Wohlfahrtsstrukturen, Ausbildungen.
Das klingt in Sonntagsworten nach Gleichbehandlung. In der Realität ist es ein Hebel für Macht. Wer über staatlich geförderte Strukturen verfügt, bekommt Einfluss, Personal, Netzwerke. Das ist politisch wertvoll und wahlstrategisch attraktiv, wenn man glaubt, mit Zuspitzung auf den neuen Wähler die muslimischen Communitys dauerhaft an sich zu binden.
Hier wird auch klar, warum es im Fall Niedersachsen nicht „nur um Bildung“ geht. Wer im Religionsunterricht das christliche Zentrum zurücknimmt, entpolitisiert nicht, er politisiert anders. Der Unterricht wird so gestaltet, dass er neue Loyalitäten nicht stört, sondern schont. Gleichzeitig wird er zum Transportmittel für die großen grünen Themenpakete: Islam, Klima, Identität, Diversität.
Das Ergebnis ist eine doppelte Verschiebung. Erstens wird das christliche Fundament, auf dem Deutschland kulturell gewachsen ist, in der Schule klein gehalten, aus Angst, jemand könnte sich ausgeschlossen fühlen. Zweitens wird der Islam als politischer Partner aufgewertet und überhöht, nicht nur religiös respektiert, sondern institutionell hochgezogen, mit Geld, Programmen und Symbolpolitik.
Die Grünen nennen das Fortschritt. Es ist in Wahrheit ein Tausch: aus gemeinsamer Kultur wird ein Nebeneinander von Gruppen, und aus Integration wird das Management von Identitäten. Wer am lautesten Anspruch anmeldet, wer am besten organisiert ist, wer am stärksten moralisch aufladen kann, bekommt am meisten Aufmerksamkeit und am Ende die Ressourcen.
Schule wird zur Bühne politischer Formung. Religion wird zum Vorwand, um Agenda in den Stundenplan zu drücken. Und der Staat baut parallel neue Strukturen, die nicht verbinden, sondern Blöcke festigen. Niedersachsen ist damit kein Sonderfall, sondern ein Schaufenster. Der Kern der Botschaft lautet: Der Staat gibt das Eigene preis, um das Neue zu umwerben. Wer das kritisiert, soll sich schämen. Wer es durchsetzt, nennt sich tolerant.
So entsteht eine Politik, die sich nicht mehr darum bemüht, dass für alle Bürger die gleichen Regeln gelten, sondern darum, dass bestimmte Milieus sich besonders gut behandelt fühlen. Der Wahlkampf zieht dann nicht mehr durch Argumente, sondern durch Zugehörigkeit. Wer die britische Nachwahl als Blaupause sieht, erkennt das Ziel: Tribalisierung als Geschäftsmodell.
Wenn ein Land seinen Religionsunterricht so umbaut, ist ein deutlich zu verstehendes Signal, an wen sich Politik künftig richtet, wessen Maßstäbe sie für wichtiger hält, und welche Traditionen sie bereit ist, zu opfern, um auf der richtigen Seite des Zeitgeists zu stehen.





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