CDU, CSU und SPD haben die zuständige Kommission erpresst, den Mindestlohn massiv zu erhöhen. Das hat nun Folgen: Fast die Hälfte aller Betriebe denkt über höhere Preise als Folge des höheren Mindestlohns nach. Mehr als jeder Zehnte will Personal entlassen.
picture alliance / imageBROKER | Helmut Meyer zur Capellen
Ursache und Wirkung. Von der Natur- bis zur Geisteswissenschaft beschäftigen sich viele kluge Köpfe mit diesem Wechselspiel. Die Berliner Politik blendet es indes gerne aus. Steigt der Mindestlohn um 8,4 Prozent, stärker also als der Rest der Löhne, dann zwingt das Unternehmer, auch andere Mitarbeiter besser zu bezahlen – was wiederum die Inflation ankurbelt, also die allgemeinen Preise verteuert. Keine Zauberei, nicht mal große Wissenschaft, sondern einfacher Menschenverstand.
Und doch haben CDU, CSU und vor allem die SPD Ursache und Wirkung ausgeblendet, als sie im vergangenen Jahr die zuständige Kommission unter Druck gesetzt haben, den Mindestlohn weit stärker als das restliche Lohnniveau anzuheben. 15 Euro hatte die SPD gefordert, 13,90 Euro sind es geworden. Im Wahlkampf von 2021 hatten sich die Sozialdemokraten die Kanzlerschaft von Olaf Scholz mit dem Versprechen gekauft, mit staatlichem Zwang in die Autonomie von Unternehmern und Gewerkschaftern einzugreifen, die zusammen die Kommission bilden. 2025 wollte die SPD das Schauspiel wiederholen.
Jedes zweite Unternehmen sei von der Erhöhung betroffen, teilt die Kammer mit. Wobei sich die Folgen nicht auf sie beschränken: „Eine Mindestlohnerhöhung verändert die gesamte Lohnstruktur, und zwar nicht nur in den unteren Lohngruppen“, erklärt DIHK-Präsident Peter Adrian. Etliche Arbeitgeber sähen sich veranlasst, auch Löhne, die über dem Mindestlohn liegen, anzupassen, um einen entsprechenden Abstand zum Mindestlohn beizubehalten. Über alle Branchen hinweg gäben 40 Prozent der Befragten an, auch die Löhne in höheren Lohngruppen anzuheben. In der Industrie sei es sogar fast jeder Zweite.
Die Kammer warnt vor den Wirkungen: „Aufgrund der schwachen Wirtschaftslage entstehen aktuell ohnehin kaum neue Arbeitsplätze“, sagt ihr Chef, Adrian. Zudem seien die Arbeitskosten schon heute im internationalen Vergleich viel zu hoch: „Die Mindestlohnerhöhung und steigende Sozialabgaben treiben die Arbeitskosten weiter in die Höhe. Das bremst Investitionen und Investoren aus – gerade im Mittelstand. Die Politik muss gegensteuern und die Sozialabgaben wirksam begrenzen: Zum Beispiel, indem sie Fehlanreize zur Frühverrentung abbaut und das Renteneintrittsalter an die Entwicklung der Lebenserwartung anpasst.“


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Schwarzarbeit. Und das geschulte Fachpersonal vom Zoll holt faktisch keinen Cent rein.
Was im Artikel leider nicht erwähnt wird, ist die Senkung der Umsatzsteuer für die Gastronomie von 19 auf 7%. Da diese Senkung von den meisten Wirten sicherlich nicht weitergegeben werden wird (ich kenne meine Pappenheimer ja aus der Corona-Zeit), d.h. die ohnehin in den letzten Jahren stark gestiegenen Preise unverändert bleiben werden, bedeutet das, dass sich die meisten Wirte die USt-Reduzierung in die eigene Tasche stecken werden. Der Anstieg des Mindestlohns um 8,4% sollte von diesen Wirten also leicht zu verkraften sein und der Wirt verdient immer noch mehr als vor der USt-Reduzierung. Vom Fachkräftemangel auf Fachkräftefreisetzung umzuschalten, scheint mir… Mehr
Interneteinkäufe, Fertigessen, Imbissketten und Lieferdienste boomen. Den Käufern ist es nicht mehr egal, sie kaufen „Made in China“ oder Systemfood bzw. Convenience nicht mehr mit deutscher Handelsmarge oder deutschem Gaststättenaufschlag on top, sie kaufen lieber direkter und günstiger.
Der Kunde ist, zuletzt bei Corona, von Handel und Gastro entsolidarisiert worden. Die Inflation der letzten Jahre und die aufgezogene ökonomische Unsicherheit setzt bei etlichen Kunden noch den Sparwunsch bzw. -zwang dazu.
Der Mindestlohn ist da bestenfalls ein weiterer Sargnagel.
Wir werden sehen, was der zahlende Kunde alles nicht unbedingt braucht. Da werden Entlassungen in Gasto und Handel dann auch nicht helfen.