Arbeitsagentur: Milliarden Euro entgehen dem Staat durch nicht gestellte Rückforderungen

Die Bundesagentur für Arbeit hat laut einer Anfrage 6,3 Milliarden Euro Forderungen gegenüber ihren Leistungsempfängern. Aber etwa nur ein Prozent davon werden eingetrieben durch die von Andrea Nahles geführte Behörde. Der Rest verjährt. Einfach so. Folgen: keine.

IMAGO / epd
Andrea Nahles, Vorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, im Gespräch mit Bärbel Bas SPD-Bundesministerin fuer Arbeit und Soziales, Berlin, 17.06.2025

6,3 Milliarden Euro. So viel schulden Bürgergeld- und Arbeitslosengeldempfänger dem Staat. Sie hatten es zu Unrecht bezogen oder falsch bemessen. Eigentlich müssten sie es zurückzahlen. Dafür müsste das Arbeitsamt eine Rückforderung stellen. Aber der Staat tut das offensichtlich nicht immer. Willkommen im deutschen Wunder-Sozial-Staat, der beim Auszahlen großzügig ist und nachlässig beim Kontrollieren. Und beim Rückfordern anscheinend ohnmächtig.

Die Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage des AfD-Abgeordneten René Springer ist ein Offenbarungseid. Die von SPD-Frau Andrea Nahles geführte Bundesagentur für Arbeit treibt bei langjährigen Forderungen weniger als 1 Prozent – in Worten: EIN Prozent (!) – ein. Die anderen 99 Prozent? Das wird verschleppt, bis es verjährt. Allein 2024 ging so knapp eine Milliarde Euro endgültig verloren. „Niedergeschlagen“, ist der bürokratische Fachausdruck. Es bedeutet aber: Es ist weg.

Sozialstaat ohne Sanktion, Staat ohne Ernst

Der Skandal liegt nicht nur in der Höhe der Summe, sondern im System dahinter. Forderungen werden festgestellt und dann mehr oder minder einfach vergessen. 43 Prozent der Rückforderungen beim Bürgergeld sind älter als fünf Jahre. Beim Arbeitslosengeld sind es 44 Prozent. Ein Staat, der bei Parkverstößen binnen Tagen mahnt, lässt Sozialschulden in Milliardenhöhe einfach liegen.

Dabei geht es ausdrücklich nicht um Armutsschicksale, sondern um Überzahlungen. Verspätete Arbeitsaufnahme, falsche Angaben zu Einkommen oder Vermögen, rückwirkend anzurechnende Einnahmen. Klassische Fälle also, in denen Rückforderungen nicht nur rechtlich möglich, sondern zwingend geboten wären. Der Bundesrechnungshof rügt das seit Jahren. Passiert ist aber nichts.

Nahles’ Bundesagentur: groß im Verteilen, klein im Eintreiben

Unter Andrea Nahles ist die Bundesagentur für Arbeit zur Verwaltungsruine mit Moralauftrag mutiert. „Fördern statt fordern“ war gestern. Heute scheint das Motto „auszahlen statt nachfragen“ und „verjähren statt eintreiben“ zu sein. Weniger als ein Prozent Rückholquote bei Altfällen. Das ist kein Verwaltungsproblem, sondern institutionelles Versagen.

Die Behörde prüft nach Beendigung von Leistungsfällen, so Insider, oft nicht einmal, ob ein Erstattungsanspruch besteht. Erstattungsbescheide werden offenbar auch gar nicht erlasst, Mahnverfahren ausgesetzt und Missbrauch nicht systematisch verfolgt. Kontrolle gilt anscheinend als unsozial, Sanktionen als politisch äußerst riskant.

Dass nun ausgerechnet die Mittelstands- und Wirtschaftsunion der CDU Alarm schlägt, ist bezeichnend und peinlich zugleich. Denn dieselbe CDU hat das Bürgergeld mitgetragen, die Sanktionspraxis entschärft und jahrelang weggesehen. Jetzt, wo die Zahlen öffentlich sind, versucht man, sich entrüstet zu geben.

Gitta Connemann hat recht: Milliarden verjähren zu lassen, ist kein Kavaliersdelikt. Es ist ein Schlag ins Gesicht all jener, die arbeiten, Steuern zahlen und jeden Euro umdrehen müssen. Es zerstört Vertrauen nicht nur in die Arbeitsagentur, sondern in die Handlungsfähigkeit des Staates insgesamt.

Der Sozialstaat braucht Regeln, die durchgesetzt werden

Ein Sozialstaat ohne Kontrolle ist kein Sozialstaat, sondern ein Umverteilungsautomat. Wer Leistungen zu Unrecht bezieht, muss diese zurückzahlen. Sonst ist das nichts anderes als finanzpolitischer Selbstmord.

Die Bundesregierung redet von Haushaltsdisziplin, Solidarität und Gerechtigkeit. Die Arbeitsagentur spricht beschönigend von „Zahlungsstörungen“. Man will fördern, aber nicht fordern. Helfen, aber nicht kontrollieren. Und wundert sich dann, wenn Milliarden verschwinden.

Der Sozialstaat lebt vom Vertrauen. Doch Vertrauen entsteht nicht durch Nachlässigkeit, sondern durch Fairness. Und Fairness bedeutet, dass Regeln für alle gelten – auch für Leistungsempfänger. Wer das nicht durchsetzt, und schlimmer, nicht durchsetzen will, zerstört das Fundament des Staates.

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Kommentare ( 27 )

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WGreuer
1 Monat her

Wie schrieb Shakepeare: „Ist dies schon Wahnsinn, so hat es doch Methode.“.
Im Falle des BAMF sollte man sich fragen, wer dieses Amt seit 2022 leitet: Andrea Nahles (SPD), eine studierte Germanistin und Politologin. Also eine Äkspärtin.
Zuvor war das Detlef Scheele, ebenfalls SPD, ein studierter Lehrer. Also ebenfalls ein Äkspärte.
Diese Liste kann übrigens beliebig weiter geführt werden. Die Leitung der BA war immer schon ein Versorgungspöstchen für „verdiente Parteimitglieder“. Da wundert einen nichts mehr.

Last edited 1 Monat her by WGreuer
Moses
1 Monat her

„Wer das nicht durchsetzt, und schlimmer, nicht durchsetzen will“, darf nicht die Führungskraft sein.

Verzeihtnix
1 Monat her

Der erste Fehler liegt darin, diesen Leuten überhaupt Kredite zu geben.
Der zweite Fehler liegt darin, Politikern Geld in die Hand zu geben.
Das ist das Gleiche, wie wenn man einem Alkoholiker eine Flasche Schnaps zur Verwahrung geben würde.

Last edited 1 Monat her by Verzeihtnix
Waehler 21
1 Monat her
Antworten an  Verzeihtnix

Diese Kredite sind nur als Aufstockung des Bürgergeldes zu verstehen.

ThomasP1965
1 Monat her

Korrekt, aber teilweise irreführend. Wie so oft in solchen Fällen. Man kann hier sehen, dass es teilweise auch um Kleckerbeträge geht, bei denen der Aufwand der Ermittlung und Eintreibung höher wäre, als der Betrag um den es geht. Ganz abgesehen von den Prozessrisiken, d.h. es würde hier oft auch dagegen geklagt werden. Eigentliche Ursache ist die überkomplexe Sozialgesetzgebung, die mit unterschiedlichsten Töpfen, Regeln, Ausschlüssen usw. arbeitet. Ein Wust an Regeln, den keiner mehr versteht und der zu Fehlern – ich rede hier nicht von Vorsatz – einläd. Ursache dieser Komplexität ist oft der Versuch einerseits einen erkannten Missstand zu bekämpfen… Mehr

Sonny
1 Monat her

Die Liste der Details der absoluten Inkompetenz deutscher Politik ist so lang, dass man gar nicht mehr überschauen kann, was überhaupt noch wirklich funktioniert.
Seit mindestens 20 Jahren dieser Murks.
Warum, zum Teufel, wählen die Deutschen ihren Untergang immer weiter und weiter und weiter? Es ist zum verrückt werden.

Mikmi
1 Monat her

Es ist ganz einfach, wer das Amt betrüg, wird abgeschoben, es muss nur eine Gesetzliche Grundlage geschaffen werden. Unsere Beamte verdienen zu wenig, nächste Woche ist alles geregelt, wetten.

jsdb
1 Monat her

Verjährung von Forderungen ist ein Schaden, der durch Nachlässigkeit, Inkompetenz und Schlamperei entsteht.
Folglich kann man das als grob Fahrlässige Pflichtverletzung der Behördenleiter erkennen, die dies untätig haben passieren lassen. Damit gilt das Haftungsprivileg des Staates nicht mehr.
Entweder die Behördenleiter treiben die Schulden ein, oder haften dafür persönlich.

Manfred_Hbg
1 Monat her

Hahaha….. -schlappe 6,3 Milliarden Euro. – ….und das, wo der Staat „Dir“ wegen ansonsten jeden nicht berappten Heller sofort mit Mahngebühren und Gerichtsvollzieher auf die Pelle rücken tut. Na ja, das Bamf! – – – – Fragen die mich hier dann aber doch auch mal interessiert hätten da ich am vermuten bin, dass für die hier ausgeblienen Forderungen vor allem seit 2014/15 viele „Flüchtis/Asylis“ verantwortlich sind….: > Wie hoch waren die ausgebliebenen Forderungen 2014/15 ? > Versucht das Bamf bei beziehenden „Flüchtlingen mit Mehrfachidentitäten“ überhaupt zu viel gezahltes Bürgergeld einzufordern? > Ist bekannt wie hoch die Forderungen nur durch die… Mehr

Charivari
1 Monat her
Antworten an  Manfred_Hbg

Nicht zu vergesse die „geliehenen“ Kinder, Kinder, die nicht existieren und die vielen Mr. Cash Moneys: afrikanische Männer mit brd Pass (ohne Deutsch und ohne Arbeit), die in ihren Heimatländern fleißig Afrikababys adoptieren, die dann auch einen brd Pass kriegen und ein lebenslanges Anrecht auf Vollversorgung durch brd Steuerzahler erlangen, samt ihrer ganzen Sippe.
Eine Ukrainerin, die neben Bekannten wohnt, war jetzt 2 Monate in der Ukraine auf Urlaub, das Geld der Bürger eird zu Unrecht weitergezahlt in der Zeit.
Zurückgefordert wird nur von DEUTSCHEN.

Reinhard Peda
1 Monat her

„Die Arbeitsagentur spricht beschönigend von „Zahlungsstörungen“. 
Dem kann sich das Finanzamt kommentarlos anschließen. Warte schon länger als 1 Monat auf meine Steuerrückzahlung.

Klaus Uhltzscht
1 Monat her

Also wenn man das Arbeitsamt noch leichter täuschen kann als diese heruntergekommene GEZ, dann sollten das auch alle tun.
Dadurch wird das System finanziell trockengelegt. Eine Technik, die auch Barack Obama gegen den IS angewandt hat.