„Wir werden so lange boostern und impfen, bis wir die Pandemie zu Ende gebracht haben“

Karl Lauterbach übernimmt das Gesundheitsministerium von Vorgänger Jens Spahn. Bei der ersten Ansprache spricht der neue Minister von einem „Ende der Pandemie“, über das er offenbar selbst nicht sagen kann, wann es eintrifft.

IMAGO / Jens Schicke

Amtsübernahme im Gesundheitsministerium – und der neue Minister ist voll des Lobes für seinen Vorgänger. Karl Lauterbach lässt keinen Zweifel daran, dass Jens Spahn in seiner Amtszeit das Möglichste getan hat. Als Spahn mit seiner Ansprache aufgehört habe, da hätte sich Lauterbach gewünscht, dass er bleiben würde. Denn: „Zwei Minister könnte das Haus gut brauchen.“ Das klang in den Talkshows, die Lauterbach in den letzten beiden Jahren einer Tournee gleich besucht hat, freilich etwas anders. Aber im Angesicht der neuen Aufgabe – Lauterbach wirkt sehr zufrieden – gibt sich der neue Minister dankbar. Es habe immer eine gute Zusammenarbeit gegeben. Er dankt Spahn persönlich vor dem gesamten Ministerium.

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Lauterbach bleibt im selben Tonfall, als er die Wichtigkeit des „Hauses“ bei der Pandemiebekämpfung hervorhebt. Aber der ändert sich schon vorher, als er seine Herkunft betont, seine „eigene Einschätzung“. Er sei selbst Arzt und Wissenschaftler, er leite ein Institut, seine Herangehensweise komme aus diesem Umfeld. „Die Gesundheitspolitik aus meiner Sicht kann nur dann erfolgreich sein, wenn sie sich in der Wissenschaft verankert findet, in der evidenzbasierten Medizin.“

Der gebürtige Dürener bekräftigt damit das Bild, das die Medien von ihm zeichnen: Lauterbach, der Wissenschaftler, der die Studien kennt und besser als andere abwägt. Was bei „Aktentasche“ Edmund Stoiber mal ein langweiliger Makel war, gilt nun als flott und sexy. Wie es um das vermeintliche Faktenwissen steht, hat zwar Lauterbach erst jüngst unter Beweis gestellt, als er die Omikron-Variante für besonders gefährlich für Kinder einstufte, dafür aber keine Belege hatte.

Die wichtigste Aufgabe für das Haus, so legt Lauterbach fest, sei „die Pandemie für Deutschland zu beenden“. Der Nußknacker dafür, den habe Lauterbach „heute“ mitgebracht, der liege vor dem Publikum, das sei – das Haus. Das hört sich gut an, aber ist weniger durchdacht, als es sich zuerst anhört. Lauterbach hat das Ministerium mitgebracht als Lösung? Und das Ministerium hat als erste Aufgabe, die Pandemie zu lösen – mithilfe des Ministeriums? Darauf soll Spahn noch nicht gekommen sein? „Wir werden es schaffen, mit dem Haus die Pandemie zu Ende zu bringen, in den nächsten Monaten.“

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Der Zuschauer stockt. Nächste Monate? Und er stockt noch einmal, denn den eigentlichen Höhepunkt hat der neue Gesundheitsminister noch nicht erreicht. „Wir werden genau dort ansetzen, wo Ex-Minister Spahn es gerade beschrieben hat, die 30 Millionen Impfungen bis zum Jahresende. (…) Wir werden Impfstoff beschaffen, um diese erfolgreiche Booster-Impfungskampagne in die nächsten Monate hineinzubringen, und wir werden dann, in den Monaten danach, mit neuen Impfstoffen, die auf die Omikron-Variante angepasst sind, dieses Werk weiterführen. Wir werden so lange boostern und impfen, bis wir die Pandemie zu Ende gebracht haben.“

Wie das Ende der Pandemie aussieht, erklärt Lauterbach nicht. Impfen und Boostern bis in die Ewigkeit – oder doch nur in den „nächsten Monaten“, in denen man sie zu Ende bringen will? In der „Bild“ revidiert Lauterbach nur anderthalb Tage später diese Positionen. Corona werde uns noch über seine eigene Amtszeit, also mindestens vier Jahre, begleiten. Deswegen entscheide ein dichtes Impfnetz über die Zukunft. Eine vierte Impfung steht im Raum. Das Ende der Pandemie rückt nicht nur in weite Ferne – dass es sich mittlerweile um keine medizinische Einordnung, sondern eine politische Entscheidung handelt, geht komplett unter. Eine Anfrage an das Bundesgesundheitsministerium, wie der neue Gesundheitsminister denn das von ihm in Aussicht gestellte „Ende der Pandemie“ definiert, blieb bislang unbeantwortet. TE reicht sie nach, sobald sie eintrifft.

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Kommentare ( 95 )

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Britsch
7 Monate her

Bezüglich Aussage Überschrift
bedeutet das mit den derzeit verabreichten „Impfstoffen“
ewig

Martin Schmidt
8 Monate her

Wer gegen besseres Wissen Unfug verbreitet, sollte als Minister sofort abberufen werden. Während in anderen Ländern längst über das Ende der Pandemie diskutiert wird, tut dieser Pseudo-Experte so, als würde die Welt untergehen.

Peter Gramm
8 Monate her

Herr L. wurde von den Zwangsgebühren finanzierten Funkern zum Epidemiologie hochgejazzt obwohl er dies aufgrund seiner Ausbildung nie war. Er bezieht sich zwar immer auf einen Haufen Studien. Ob er diese alle überhaupt verstanden hat sollte man bezweifeln.

ketzerlehrling
8 Monate her

Klabauterbach hat Management studiert im Medizinbereich. Deswegen seine Beratung von damals Ulla Schmidt, Kliniken zu schließen, nach amerkanischem Muster (dort hat er studiert) auf gnadenlosen Profit zu trimmen. Klar, er ist voll auf Seiten der Pharmaindustrie, Aktionär etc., er ist daran interessiert, soviele Impfungen in den Arm zu drücken, wie es nur gerade geht. Die vierte Impfung für den Sommer/Herbst ist angedroht und wird kommen, dann die fünfte, denn die Wirksamkeit beträgt nur noch 90 Tage und möglicherweise nimmt sie mit jeder weiteren Impfung ab. Damit werden wirklich viele nachhaltig geschädigt in ihrem Immunsystem, ihrem Genmaterial. Und wenn eine bestimmte… Mehr

R.J.
8 Monate her

„Er sei selbst Arzt und Wissenschaftler, er leite ein Institut, seine Herangehensweise komme aus diesem Umfeld.“ (1) Herr L. ist nur der Form nach Arzt, er hat nie als solcher gearbeitet und keine klinische Erfahrung. Er ist ungefähr so viel Arzt wie Frau B. Völkerrechtlerin. (2) Ein Wissenschaftler zeichnet sich dadurch aus, die Originalliteratur zu lesen, zu verstehen, korrekt zu interpretieren und zitieren, sowie gerade in einem komplexen Thema verschiedene, konträre Daten und Meinungen zu verarbeiten (auch wenn man selbst Präferenzen hat). Dies ist bei Herrn L. ganz klar nicht der Fall. Es gibt genügend Beispiele seiner völlig einseitigen Rezeption… Mehr

Julius Schulze-Heggenbrecht
8 Monate her

Es wird nicht enden. Die derzeitigen Auffrischungsimpfungen werden nach Einschätzung des Hausärzteverband-Chefs Ulrich Weigeldt nicht die letzten sein, die gegen Corona nötig werden. „Wir rechnen damit, dass im Sommer, spätestens im Herbst eine vierte Impfung nötig sein wird“, sagte er der „Bild“-Zeitung (Samstag).Er hoffe darauf, dass die vierte Corona-Impfung dann „schon in Verbindung mit der Grippe-Impfung“ verabreicht werden könne, „um den Schutz vor Corona in eine Routine zu überführen“. Gestern noch „Verschwörungstheorie“, heute schon Realität. Es wird, wie von vielen befürchtet, nicht bei der 3. Impfung (als „Booster“ verniedlicht) bleiben. Es wird mindestens noch eine 4. Impfung geben. Und DANACH… Mehr

beccon
8 Monate her

>>Corona werde uns noch über seine eigene Amtszeit, also mindestens vier Jahre, begleiten.<< Wo steht denn, dass Lauterbach überhaupt vier Jahre Minister sein wird?

Last edited 8 Monate her by beccon
Maja Schneider
8 Monate her

Die TE-Anfrage nach dem Ende der Pandemie wird nie beantwortet werden, weil die Politik diese möglichst noch Jahre weiterführen und den Verträgen mit den Pharmafirmen weiter folgen möchte und der Menschenversuch zu Ende geführt werden muss, schließlich muss man doch noch etwas über die Langzeitfolgen der Impfung(!) herausfinden. Dass die Todesrate nach der Impfung bald die durch Erkrankung überholen könnte, war nicht nur ein Mal von Ärzten und Experten zu lesen und zu hören, sie gehören nur zur falschen Seite, deshalb verhallt es ohne jegliche Reaktion in den dem Narrativ folgenden Medien.

Falke53
8 Monate her

„Wir werden so lange boostern und impfen, bis wir die Pandemie zu Ende gebracht haben.“
Oder mit anderen Worten: bis keiner mehr ein funktionierendes eigenes Immunsystem hat!

Anti-Merkel
8 Monate her

Das soll Lauterbach an sich selbst vormachen. Wenn er eine Woche lang jeden Tag 10 Dosen Biontech gespritzt bekommt (und das auch nachweislich der echte Impfstoff und kein Placebo ist) und es keine Nebenwirkungen gibt, bin ich ein ganzes Stück näher daran, zu glauben, dass die Impfung nicht so gefährlich ist wie ich jetzt denke.