In der CSU bricht der Weihnachtsfrieden schon am 3. Advent aus

Die Stimmung unter den Delegierten auf dem CSU-Parteitag: Seehofer sollte nicht beschädigt werden, schon um Söder nicht den Start zu erschweren. Zu gut sollte das Ergebnis aber auch nicht ausfallen.

© Christof Stache/AFP/Getty Images

Die fränkische Metropole Nürnberg ist nicht nur bekannt für ihre Burg, ihren Lebkuchen und den „Club“; Nürnberg ist auch Namensgeber für den „Nürnberger Trichter“. „Nürnberger Trichter“ steht – scherzhaft – für eine Art des Lehrens und Lernens, wonach man auch dem Dümmsten mehr oder weniger alles eintrichtern könne. Die Delegierten auf dem CSU-Parteitag in Nürnberg würden es natürlich empört zurückweisen, sie als leicht beeinflussbar oder gar dumm zu bezeichnen. Aber der Parteiführung ist gelungen, was sie sich vorgenommen hatte: In den Nürnberger Messehallen waren kurz vor Weihnachten nur Delegierte „guten Willens“ am Werk, programmiert auf „Frieden auf Erden“ – die bayerische Heimaterde eingeschlossen.

CSU
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Der personifizierte Friedensengel, der in seiner 63 minütigen Rede nur gute Botschaften verkündete, war Horst Seehofer. Er präsentierte selbstverständlich die gewohnte Erfolgsbilanz aus dem „Paradies Bayern“. Zugleich läutete er eine „neue Ära“ in der CSU ein, die Trennung der Ämter des Ministerpräsidenten und des Parteivorsitzenden. Jeder im Saal wusste, dass Seehofer am liebsten einfach weitergemacht hätte. Es war also ehrlich, als er bekannte, „ein Stück Wehmut“ sei bei seinem für das „Umfeld des ersten Quartals“ angekündigten Abschied aus der Staatskanzlei auch dabei.

Seehofer, der weiß-blaue „Friedensengel“, bekundete mehrfach seine Hochachtung vor seinem ungeliebten Nachfolger Markus Söder: „Er kann es und er packt es.“ Söder nahm das schmunzelnd zur Kenntnis und viele andere CSU-Granden hörten den Seehoferschen Lobpreisungen ebenfalls erstaunt und etwas belustigt zu: Parteitag der Schmunzeleien. Seehofer selbst will in Berlin mithelfen, „Verantwortung für Deutschland“ zu übernehmen. Ob nur als CSU-Vorsitzender oder ob auch als Bundesminister, ließ er offen.

Marmor, Stein und Eisen
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Am Ende seiner gut einstündigen Rede warb Seehofer sehr verhalten um seine Wiederwahl: „Wenn wir zusammenhalten, zieht uns niemand die Lederhose aus.“ Dass Seehofer die Vorsitzenden-Hose anbehalten kann, dafür ging Markus Söder persönlich in die Bütt und schlug den Noch-Ministerpräsidenten mit vielen lobenden Worten zur Wiederwahl als CSU-Chef vor – „mit der Bitte um größtmögliche Unterstützung.“

Die Stimmung unter den Delegierten war so: Seehofer sollte nicht beschädigt werden, schon um Söder nicht den Start zu erschweren. Zu gut sollte das Ergebnis aber auch nicht ausfallen. Schließlich hatte der Parteichef die Basis mit wochenlangem Zaudern und Zögern samt seiner Versuche, Söder auf alle Fälle zu verhindern, vergrätzt. Aber mehr als die 81 Prozent, die SPD-Chef Martin Schulz kürzlich erzielte, sollten es schon sein. So bekam er schließlich 84 Prozent, ein etwas schlechteres Ergebnis als vor zwei Jahren mit 87 Prozent, doch innerhalb des Zielkorridors. Seehofer darf also die lederne Vorsitzenden-Hose anbehalten. Der „Nürnberger Trichter“ hat funktioniert – der bayerische Weihnachtsfrieden ist gesichert.

Jetzt müssen nur noch die Wähler die Frohe Botschaft glauben.

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Kommentare ( 25 )

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Irgendwann ist aber weihnachten vorbei und Markus Söder wird sich von dem beliebigen Seehofer abgrenzen müssen. Wenn derselbe Wein aus anderen Schläuchen getrunken wird, dann spricht sich das relativ schnell herum.
Es muss nämlich auch anderer Wein her und zwar ungepanschter, ohne Glycol.
Sonst geht es bei der nächsten Landtagswahl weiter abwärts mit der CSU und die Vorschußlorbeeren für Markus sind dann verbraucht.

Obwohl Herr Söder sich seinerzeit als Jungspund ein großes Poster von Franz-Josef Strauß übers Bett gehängt hat (zum Leidwesen seiner Freundinnen), sieht er eher aus wie Seehofer 2.0. Und ich denke, er ist Seehofer auch sonst sehr ähnlich. Von ihm erwarte ich mir daher… nichts, zumindest nichts Gutes.

Ich bin Bayer – von Geburt an – und ich kenne meinen Bundestagsabgeordneten und kenne meinen Oberbürgermeister. Ersterer macht alles, um an der Macht zu bleiben, letzterer ist ein verkappter Grüner im CSU-Gewand (wie Merkel also). Zusammengefasst: Entweder wir haben einen Opportunisten, der nur sich selbst dient oder einen linksgrün sozialisierten Weltverbesserer, der wegen der besseren Machtaussichten als „U-Boot“ in einer ehemaligen konservativen Partei agiert. Das ist die CSU heute.

Während sich die CSU Spitzen auf ihrem Parteitag für deren angebliche „Weltoffenheit“ selbst feiern, wird unweit dieser PR-Veranstaltung alles andere als Werbung für die Partei betrieben…. „Brutale Attacke auf Nürnberger Seniorin / 23-jähriger Angreifer (afrikanischer Herkunft) in Psychiatrie eingewiesen“… wer zu allen Seiten offen ist, kann nicht ganz dicht sein !

https://www.br.de/nachrichten/mittelfranken/inhalt/attacke-nuernberg-seniorin-psychiatrie-lebensgefahr-100.html

Ganz Deutschland hat 2016 von Seehofer auf die Loslösung der CSU von der CDU erwartet. Seehofer verpasste die Chance, er kuschelte lieber mit Merkel, die ihm auf dem Parteitag versicherte, das eher Marmor, Stein und Eisen bricht,…..
Merkel, Seehofer und Schulz…………..
Neuwahlen, sofort

Seehofer ruft diesen Frieden doch nur aus, um die neue Ära der Doppelspitze mit ihm zumindest noch an der Spitze der Partei zu beginnen – sonst hätte man ihn doch wohl abgeschossen. Sein bisheriges Lavieren mit seinem Gegenkandidaten Hermann lief in die verdiente Leere. Seine Taktik dann scheinbar auf den Landesvaterposten zu verzichten der ihm ohnehin weggenommen worden wäre, um dann trotz allem den Parteivorsitz zu behalten – der ihm im Falle der Gegenwehr doch auch weggenommen worden wäre, ging auf. Söder blieb da nichts anderes übrig als das zu akzeptieren, um nicht als Spaltpilz wahrgenommen zu werden. Das Äussere… Mehr
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