Hamburger AStA erklärt seine Kritiker pauschal zu Nazi-Verharmlosern

Der Hamburger Allgemeine Studierendenausschuss hat offen Partei für die Gewaltaktionen gegen Bernd Lucke ergriffen. Kritikern wirft man pauschal "Bagatellisierung und revisionistische Aussagen über die Verfolgung von Jüd*innen durch das NS-Regime“ vor.

© Manfred Schwarz

In der Affäre Lucke spielt der „Allgemeine Studierenden-Ausschuss“ (AStA) der Universität Hamburg eine besonders unrühmliche Rolle. Eigentlich ist ein AStA die gewählte Interessenvertretung der Studentenschaft. Naiverweise könnte man also eigentlich annehmen, dass der AStA dafür eintritt, dass Hamburgs angehende Betriebswirte ungestört Vorlesungen des Betriebswirtschafts-Professors Bernd Lucke besuchen können. 

Aber die Verteidigung von Bildung hat offensichtlich für die Akteure des AStA eben keine höchste Priorität. Außer wenn man sie von „rechts“ angegriffen sieht. Ist es ein Zufall, dass der Hamburger ausgerechnet nach den gewalttätigen Aktionen linksextremistischer Aktivisten gegen einen Professor der eigenen Universität nicht etwa gegen diese Gewalttäter protestierte, sondern eine „Hamburger Erklärung gegenseitiger Solidarität bei Angriffen von Rechts auf Bildung und Kultur“ unterstützt? Auf einem Plakat dazu steht: „Antifaschistisch handeln!“  

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Nicht die Blockade eines Hörsaals empört den AStA also, sondern die Kritik an dieser Gewalt-Aktion. Die Kritiker werden auf der offiziellen Website des AStA nun unter der Überschrift „Bagatellisierung und revisionistische Aussagen über die Verfolgung von Jüd*innen durch das NS-Regime“ aufgelistet. Liest man allerdings dort die Zitate von Politikern und Journalisten, so kann man nur zu dem Schluss kommen: Der AStA der Uni Hamburg bezeichnet offenbar jegliche grundlegende Kritik an der „Antifa“ und jeden Hinweis auf offensichtliche Parallelen zwischen deren Gewaltmethoden und jenen früherer Faschisten und SA-Schläger als Bagatellisierung und Relativierung der Judenverfolgung. Der einzige Bezug auf Juden in allen aufgeführten Zitaten stammt von dem Hamburger CDU-Bundestagsabgeordneten Marcus Weinberg und lautet schlicht: „Anfang der 30er Jahre haben die Nazis jüdische Professoren aus den Vorlesungssälen gegrölt“. Eine historische Tatsache zu erwähnen, an die man unweigerlich durch die Antifa-Aktion gegen Lucke erinnert wird, soll also die Judenverfolgung bagatellisieren? Auf der Liste des AStA steht auch die NZZ-Autorin Judith Sevinc Basad wegen dieses Satzes bei Twitter:

Ganz offensichtlich fühlen sich die Akteure des Hamburger AStA getroffen und mangels Argumenten überziehen sie nun diese Kritiker mit dem Vorwurf der Verharmlosung der Judenverfolgung. Das ist maßlos, unverfroren und geradezu grotesk selbstgerecht. Und es ist übrigens das, was es den inkriminierten Autoren vorwirft: nicht nur eine Bagatellisierung, sondern auch eine Instrumentalisierung des Holocaust.

Wirklich überraschen kann das Agieren des Hamburger AStA in der Causa Lucke niemanden, der einmal eine deutsche Hochschule von innen gesehen hat. Dümmliche Selbstgerechtigkeit, historische Unbildung und linker Radikalismus haben in den ASten deutscher Hochschulen seit jeher eine feste Burg. Das ist ein Dauerskandal des deutschen Hochschulsystems, an den man sich leider gewöhnt hat. Wie ist das möglich? 

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Seit der Einführung der studentischen Mitbestimmung im Gefolge von „1968“, das ja nicht zuletzt eine „Studentenbewegung“ war, haben die ASten es geschafft, eine Doppelfunktion auszufüllen: Einerseits sind sie die offizielle politische Vertretung der jeweiligen Studierenden, als solche haben sie Mitspracherecht in Universitätsgremien und verfügen über beträchtliche Haushaltsmittel aus den Semesterbeiträgen der Studenten (im Hamburger Fall rund 900 000 Euro). Andererseits betrachtet sich jeder AStA als eine Art revolutionärer Speerspitze des „Antifaschismus“, der Auflösung der Geschlechtergrenzen und anderer linksutopistischer Projekte.

Es ist ein fataler Zirkel: Da sich im AStA fast nur Linksradikale bis Linksextremisten (inklusive Spaß-Linke unter Namen wie „Die Autonomen Alkoholiker_innen“) tummeln, wollen die meisten nichtlinken Studenten mit dieser Institution verständlicherweise generell nichts zu tun haben. Die Wahlbeteiligung zu den Studierendenparlamenten, die wiederum den AStA beschicken, ist fast überall sehr gering, oft weit unter zehn Prozent. Man wählt sich und seine Kumpels selbst. So haben sich die ASten seit Jahrzehnten als gemütliches Soziotop linker Subkultur halten können – ausgestattet mit offizieller, demokratischer Scheinlegitimation und satten Etats für antifaschistischen Aktivismus. Und weitestgehend unbehelligt von nichtlinken Einsprüchen. 

Eine Auflösung dieses Circulus vitiosus wäre wohl nur möglich, wenn mehr Studenten selbst von ihrem Wahlrecht Gebrauch machten, und den jahrzehntelang von einer Subkultur-Generation an die nächste vererbten Filz beseitigen. Dass die Studentenorganisationen der Union, also der Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS), oder die Liberalen Hochschulgruppen dabei besonders erfolgreich wären, kann man nicht gerade behaupten. 

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Kommentare ( 64 )

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CIVIS
1 Jahr her

Unsere werten STUDIERENDEN !

Am Tag 24 Stunden am „studierenden“, …UND wenn das nicht reicht, die Nacht auch noch (!)

Ananda
1 Jahr her

„Nicht die Blockade eines Hörsaals empört den AStA also, sondern die Kritik an dieser Gewalt-Aktion. “ NATÜRLICH ! Denn das ist Kritik und die Aufforderung vielleicht einmal nachzudenken an die linken Welten“verbesserer“.
Der Alleinvertretungs-Anspruch auf eine ganz spezielle Form von „Wahrheit“. Sozialistmus und Kommunismus mit X gescheiterten Realausprägungen, mit Minimum 100 Millionen Toten. Man könnte auch sagen die absoluten lernresistenten, romantische Visionen habenden (weil nie gezwungen den Sch**ß zu leben) Vertreter dieser Gesellschaftsformen. Daher auch diese Unbeschwertheit wenn andere Bürger bedroht und bedrängt werden. Leute, die nicht kapiert haben was zivilisiertes Miteinander bedeutet. Gesellschaftszerstörer. Schönen Gruß an Merkel

bhb2306
1 Jahr her

Dass der AStA schon immer linke Schlagseite hatte, hing ja letztlich mit dem politischen Desinteresse der meisten Studenten zusammen. Die extrem niedrige Beteiligung an den AStA-Wahlen spült die Marxisten im 35. Semester immer wieder in die verantwortlichen Positionen. Selber Schuld kann man da nur sagen.

Markus Gerle
1 Jahr her
Antworten an  bhb2306

Sorry, dem kann ich nicht zustimmen. Ich habe Chemie studiert. Und da hatte man einfach keine Zeit, um sie in endlosen ideologischen Diskussionen mit Leuten zu verschwenden, die irgendwas mit Medien machten. Wenn man daran interessiert war, die Studienbescheinigungen zu verbessern, hat man sich zumindest als Naturwissenschaftler eher in der jeweiligen Fachschaft engagiert. Da kam dann häufig auch was konstruktives heraus. Nicht jeder Student strebt die Karriere Kreißsaal, Hörsaal, Plenarsaal an. Und das ist auch gut so.

H. Heinz
1 Jahr her

Allein schon beim Begriff „Studierendenausschuss“ stellen sich mir die Nackenhaare hoch. Dass allerdings in Hamburg ein ähnliches links/grünes Biotop heranwächst wie in Berlin ist seit Jahren schon deutlich geworden. Dies gilt nicht nur für die Universitäten sondern auch für die Politik die in der sog, „Freien“ und Hansestadt von den Wählern immer wieder aufs neue gewählt wird und solche Personen wie Frau Fegebank in Hamburg oder Frau Lompscher in Berlin hervorbringt. Weiterhin viel Spass mit solchen „Fachkräften“.

Medienfluechtling
1 Jahr her

Das die konservative Jugend keine Chance mehr hat ist wirklich traurig. Das geht ja in der CDU so weiter. In Hamburg ist die CDU vielleicht in 10-15 Jahren wieder in der Lage anzugreifen. Alle Alt Vorderen haben das Terrain verlassen. Wie soll man sich von solchen Waschlappen angezogen fühlen?! Selbst auf den Facebook Seiten steckt man unkommentiert Hiebe ein. Jeder der vital und aggressiv genug ist, findet sein Volk als Linker König…

Bob V.
1 Jahr her

Die Erstsemester sind unpolitsch und akzeptiren durch Gleichgültigkeit die vorhandenen Astas das war bei mir 1975 schon so. In den Astas saßen damals schon nur scheinstudierende linke Idioten, heute sieht es also folgendermaßen aus: „sind sie die offizielle politische Vertretung der jeweiligen Studierenden, als solche haben sie Mitspracherecht in Universitätsgremien und verfügen über beträchtliche Haushaltsmittel aus den Semesterbeiträgen der Studenten (im Hamburger Fall rund 900 000 Euro). “ Diese Alimentierung ist das wirklich entscheidend neue. Das haben die Politiker manifestiert. Wenn man sich versucht vorzustellen welche gewaltigen energischen Einschnitte und meist Gesetzesvorhaben es bedarf diese linke Verkrustung solange zu schütteln,… Mehr

Dieter
1 Jahr her

Hier scheint die Meinung zu herrschen, das einige wenige im AStA das komplette Haushaltsjahresgeld unter sich aufteilen? Mit den Haushaltsmitteln werden Fachschaften finanziert, also z.B. das Kopierpapier um den Erstsemestern eine Anleitung und z.B. eine Stundenplanvorlage an die Hand geben zu können. Darüber hinaus auch Projekte, von Theather, Musik bis hin zu Bildungsfahrten. In meinen Zeiten im AStA waren die einzigen „bezahlten“ die Referatsleiter im AStA selber. Diese erhielten für einen im Idealfall Fulltimejob einen Satz in Höhe des Bafögs. Des weiteren wurden bedürftige durch z.B. Essenmarken etc unterstützt. Ein Teil davon gab – mehr oder weniger freiwillig- einen Teil… Mehr

Monika Medel
1 Jahr her

Als ich 1973 mein Studium an der PH Reutlingen bekam konnte man entscheiden, ob man zu den 20 DM Einschreibegebühr noch 10 DM für den AstA zahlen wollte. Das machten zunächst fast alle, aber beim nächsten Semester so gut wie keiner mehr. Der AstA war ein Grüppchen zur Verbreitung neomarxistischer Parolen. Die ganz große Mehrheit hatte nicht das geringste Interesse am AstA. Ehrlich gesagt, uns war nie klar, was der eigentlich sollte. Wir wollten für unseren Beruf studieren und ansonsten die Freizeit nett verbringen. Was soll da noch ein Engagement im AstA? Zeitverschwendung. Die letzten 45 Jahre habe ich von… Mehr

Schwabenwilli
1 Jahr her

Und so kommt schon das Groß der Studenten welche mit der Asta überhaupt nichts zu haben wollen schon als Duckmäuser vor einer lautstarken Minderheit aus dem Studium ins Berufsleben. Ob das jemals innovative Ingenieure, Firmenlenker. Manger mit Durchsetzungswillen werden bezweifle ich.

Arthur Dent
1 Jahr her

Die Einen stecken ihre Energie ins Studium, die anderen in politische „Arbeit“.

Kassandra
1 Jahr her
Antworten an  Arthur Dent

Ja – und schon bestimmen die einen über die anderen…
Es scheint gefährlich, sich einseitig zu konzentrieren und andere machen zu lassen.