Gruppe um Wagenknecht fordert Rückbesinnung auf „Kernkompetenzen“ der Linkspartei

Sahra Wagenknecht und andere Politiker der Linken wollen mit einem „Aufruf für eine populäre Linke“ verhindern, dass sich die Partei auf „bestimmte Milleus" verenge. Es ist nach "Aufstehen" schon Wagenknechts zweiter Versuch dieser Art.

IMAGO / Political-Moments
Sahra Wagenknecht, Die Linke

In der Linken fordert eine Gruppe um die frühere Fraktionschefin Sahra Wagenknecht eine Neuausrichtung der Partei. In Reaktion auf die tiefe Krise der Partei fordert die Gruppe, der neben Wagenknecht auch die Fraktionsvorsitzende Mohamed Ali und andere Bundestagsabgeordnete wie die Außenpolitikerin Sevim Dagdelen und Andrej Hunko angehören, dass die Linke sich auf ihre „Kernkompetenzen“ zurückbesinnt.

„So wie bisher darf es nicht weitergehen, sonst verschwindet unsere Partei in der Bedeutungslosigkeit“, heißt es im „Aufruf für eine populäre Linke“. Die Partei müsse sich für die Mehrheit der Bevölkerung einsetzen und dürfe sich „nicht auf bestimmte Milieus verengen“. Die Partei müsse für die Arbeitenden, die Familien, die Rentnerinnen und Rentner und die sozial Benachteiligten aktiv sein, so das Positionspapier weiter. „Es ist unsere Pflicht die Millionen zu erreichen, deren Interessen missachtet werden, und die sich eine Verbesserung ihrer Lebenssituation erhoffen“, heißt es weiter. „Eine besondere Verantwortung haben wir für den Osten der Republik, für abgehängte und von Strukturkrisen gebeutelte Regionen.“ Die Linke dürfe nicht länger eine Partei sein, die die Menschen „von oben herab“ belehre, sondern müsse die Interessen einer breiten Mehrheit abbilden. „Zentral ist die Frage: Für wen machen wir Politik?“, sagt der linke Bundestagsabgeordnete Christian Leye, einer der Mitunterzeichner des Aufrufs. Er spricht, angelehnt an Lenin, von „Brot und Frieden“ als Kernanliegen der Partei. „Im Kern geht es für die Linke um Brot und Frieden, also um soziale Gerechtigkeit und die Ablehnung von Aufrüstung und Krieg. Alles andere ist Kür. Wir müssen zurück zu unseren Kernkompetenzen, mit denen wir einst erfolgreich waren.“

Es ist nicht das erste mal, dass Wagenknecht sich an solchen Aktionen beteiligt: 2018 gründete die profilierte Politikerin die Sammlungsbewegung „Aufstehen“, die viele der Kritikpunkte widerspiegelte, die auch der „Aufruf für eine populäre Linke“ aufgreift. Sahra Wagenknecht hatte schon vor der Bundestagswahl in ihrem Buch „Die Selbstgerechten“ beklagt, dass die politische Linie der Linken maßgeblich von Kräften bestimmt werde, die sie als „Lifestyle-Linke“ charakterisierte. Sie sind zweifellos gemeint, wenn der Aufruf das pharisäerhafte, belehrende Auftreten der Partei kritisiert. Der Vorstoß soll jedoch kein Spaltungsversuch sein, beteuern die Verantwortlichen. „Das ist unser Versuch, aufeinander zuzugehen und zur Rettung der Partei beizutragen“, erklärt Mitunterzeichner Leye. 

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Kommentare ( 23 )

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Deutscher
2 Jahre her

Wagenknecht: Eine Linke von Format. Selten genug in diesen Zeiten.

Hans Nase
2 Jahre her

Marx hatte nciht nur „das Kapital“ im Blick. Marx kritisierte auch das „falschen Bewusstsein“ bei den Privilegierten, die von den Überschüssen (=auf Kosten) der arbeitenden Bevölkerung leben und dieser wiederum ihre Ideologien aufpropfen wollen. Gemünzt auf die heutige Zeit sind das all die durch Steuergelder finanzierten Gestalten in Politik, Medien, NGOs, Universitäten, die Gender-Bewegten, die Woken, die Klimahüpfer, etc.pp.
Insofern ist Fr. Wagenknecht wohl viel näher bei Marx mit ihrerm Ansinnen, als sich die meisten „Linken“ Ideologen – gerade bei der sog. „linksjugend“ – auch nur auszumalen wagen.

LiKoDe
2 Jahre her

Wenn ich in dem Aufruf von „hier Geborenen wie Eingewanderten“ lese, weiss ich schon, dass man auch bei diesem Teil der Partei Die Linke bis heute nichts verstanden hat.

Hueckfried69
2 Jahre her

Ich glaube, dass die Chancen für die Linken besonders im Osten nicht schlecht stehen. Heute z.B. kündigt Vonovia deutliche Mieterhöhungen an. Bei allerorts steigenden Preise rücken selbst für urbane Lifestyle-Linke -nicht alle haben es so dicke! -andere Sorgen in den Vordergrund, die weder mit Windmühlen noch mit Lastenrädern und auch nicht mit der quartalsmäßigen Umbenennung schwarzer Menschen zu lösen sind.

Helfen.heilen.80
2 Jahre her
Antworten an  Hueckfried69

Nicht für die Menschen, die erkannt haben, dass durch die Mechanistik der Koalitionsbildung sowieso wieder alles in einen Gulli läuft. Parteiprogramm und Wahlkampfrhetorik sind heute deutlicher denn je als „Folklore“ (um nicht „Wählerverar…ung“ zu schreiben) erkennbar, auf die man keinen Pfifferling geben braucht. Letztendlich kommen Lobbygruppen und, früher hätte man gesagt, Herrenclubs mit ihren Zielen zur Durchsetzung, nicht Menschen wie Du und ich. Also Leute, die fragen, wie’s mit der Preisstabilität, der öffentlichen Ordnung, Verkehrsmittel, Arbeitsplätzen, Energiepreisen, Infrastrukur, Demographie und Bildung aussieht (zu diesen Themen kommt oben nur heisse Luft). Auch wenn es ungern gehört wird: über gewisse newcommer-Parteien braucht… Mehr

Last edited 2 Jahre her by Helfen.heilen.80
Sonny
2 Jahre her

Das Problem ist, glaube ich, nicht Frau Wagenknecht. Die ist tatsächlich überaus klug und vertritt meiner Meinung nach vernünftige Ansichten.
Es wäre naiv zu glauben, Frau Wagenknecht könnte eine DDR-Partei derart ändern, dass sie demokratietauglich glaubwürdig ist. Daran ändern auch dreißig vergangene Jahre nach dem Fall der Mauer nichts, der Grundansatz ist verdorben.
Das Problem ist die SED und deren Altkader. Eine Partei, die sich mehrfach umbenannt hat, um möglichst totzuschweigen, aus welchem Ei sie stammt. Je eher diese Partei verschwindet, desto besser.

Peter Gramm
2 Jahre her

Das Potential welches Frau Dr. Wagenknecht ansprechen will ist im Entstehen begriffen. Wir werden Zustände wie 1929 bekommen. Momentan ist noch Ruhe vor dem Sturm. Die politische Klasse löst keine Probleme, sie zerredet sie nur.Egal ob Renten, – Kranken,- Pflegeversicherung. Alles Baustellen mit ungelösten Finanzierungsproblemen. Energieversorgung, Klimarettung….Ideologen versuchen sich mit Problemlösungen. Kann nur schief gehen. Tankrabatt, 9 Euro Ticket….den Politikern fällt nichts mehr ein.Zu allem Überfluß fließt jetzt jede Menge Geld nach Amerika um Waffen und umweltschädliches fracking Gas einzukaufen. So löst man mit Sicherheit keine Probleme. Auch nicht mit der angedachten, aktienbasierten Altersrente des Herrn Merz (Mr. L. Fink… Mehr

Helfen.heilen.80
2 Jahre her
Antworten an  Peter Gramm

In der Annahme bin ich bei ihnen, dass man versuchen wird 1929 zu framen. Divide et impera. Den Rechten wird heute erzählt, das die Linke den Staat übernimmt, zur gleichen Zeit wird der Linken erzählt, dass „die Rechten“ den Staat übernehmen. Gleichzeitig sitzen aber beide Strömungen in der Regierung. Ironischerweise fühlt sich keiner davon für den Großteil der Bevölkerung zuständig, der weder besonders rechts noch besonders links ist. Der sich n Buckel arbeitet und froh ist, wenn er alles bezahlen kann und seine Ruhe hat. Das ist für einfache Menschen die grösste Gefahr: dass sie mit Falschinformationen gegen Unschuldige aufgehetzt… Mehr

Casta Diva
2 Jahre her
Antworten an  Helfen.heilen.80

Sie schreiben „Ironischerweise fühlt sich keiner davon für den Großteil der Bevölkerung zuständig, der weder besonders rechts noch besonders links ist.“ Wenn Sie mit „den Rechten“ die AfD meinen, so sollten Sie über das Geschriebene noch einmal gründlich nachdenken. Der AfD gibt man seitens Mainstream-Medien, z.T. auch Justikative und Mitbewerber überhaupt (rückgängig gemachte Wahlen u.a.) nicht die geringste Chance. KEINE! Von Demokratie kann doch längst keine Rede mehr sein! P.S.: Bin übrigens ehemaliges SPD-Mitglied.

Helfen.heilen.80
2 Jahre her
Antworten an  Casta Diva

Mit „den Rechten die in der Regierung sitzen“ meine ich die verflossene Regierungsbeteiligung der CDU (jetzt unter Mr. Merz), heute die Präsenz von Teilen der FDP. Diese zwei Gruppen vertreten letztendlich eher die Interessen von „Bigplayern“ als diejenigen der familiengeführten Kleinbetrieben wie ne KFZ-Werkstatt oder ner Bäckerei, ebensowenig wie die Werte von hart arbeitenden Durchschnittsmenschen, die gezwungenermaßen eher altmodisch sind, weil ihr Einkommen für den modernen Firlefanz kaum reicht, und die später ein besch… Rente bekommen. Können diese Parteien ja tun, aber sie brauchen sich nicht wundern, dass sich das Publikum nicht mehr angesprochen fühlt. Denn das ähnelt dem Gebaren… Mehr

Last edited 2 Jahre her by Helfen.heilen.80
Helfen.heilen.80
2 Jahre her

Die berückende Charme-Offensive täuscht darüber hinweg, wieviele SED-Kader, Mitglieder, NVA’ler, OMs und IMs in der links- und vorpolitischen Szene (u.a. Gewerkschaften, TV-Moderatorinnen, NGO’s, Schulen, Kitas, Jugendringe, Kulturzentren etc.) versickert sind. Die haben nicht gewartet bis Frau W ne Einladung schickt. Das hat dem „Marsch durch die Institutionen“ (die Ausbilder der Ausbilder werden) erst den professionellen Schliff verliehen. Die SED wurde nie aufgelöst, sondern nur mehrfach umbenannt, bis am Ende „Die Linke“ dabei rauskam: Das Parteivermögen Stand 1989 wird immer noch vermisst. Zumindest von der „Exekutive“. Heute sieht sich der baff-erstaunte liberal-konservative einer geölten, arbeitsteilig wirkenden, Vollspektrum-Linksbewegung gegenüber: kämpfende Verwaltung, schweigsame… Mehr

Ordoliberal
2 Jahre her

Ich will nicht, dass Politiker meine Lebenssituation verbessern! Meine Lebenssituation geht Politiker nichts an. Und was an ihr zu verbessern wäre, weiß nur ich allein. Was ich von Politikern erwarte, ist, dass sie sich aus meinem Leben heraushalten! Warum glaubt Wagenknecht, es sei meine Pflicht, die Hälfte meines Einkommens an sie abzuliefern, damit sie die Lebenssituation von Leuten verbessert, die ich überhaupt nicht kenne? Und warum muss ich dulden, dass sie sich für diese im besten Fall sinnlose, im schlimmsten Fall schädliche Umverteilung von Geld mit fürstlich dotierten Ämtern und Renten belohnt? Warum wird ihr Umverteilen von Geld besser bezahlt… Mehr

Neo-Realist
2 Jahre her

Die Kernkompetenz der SED, die derzeit unter „Die Linke“ firmiert, war nichts anderes als die Förderung der Bonzen und deren „Vettern aller Art“.
Die von Wagenknecht aufgelisteten „Sozial Schwachen“ werden nur vorgeschoben.

OKAY, CDU und SPD und Grüne und FDP denken in erster Linie auch nur an die Versorgung der Partei-Funktionäre.
Der Unterschied besteht darin, daß bei diesen Parteien etwas weniger links-naive Ideologie im Spiel ist.
Außer bei den Grünen, die unterscheiden sich so sehr nicht von den Linken.

Budgie
2 Jahre her

Ich wünsche Frau Wagenknecht viel Erfolg bei Ihren Bemühungen. Es wird jedoch keine Erneuerung geben ohne das diese Partei eine totale Abkehr von der Identitätspolitik (d.h. Verurteilung von PC, CC, Gender, Wokismus etc.) in Angriff nimmt. Weiterhin ist es unerlässlich das die Linke sich von der Eliminierung unseres kulturellen Lebens durch die „Lifestyle-Linken“ sofort lossagt. Und nicht vergessen: Vor wenigen Jahren, als die Linken noch neu im Politbetrieb waren, wurden sie beschimpft, verunglimpft und ausgegrenzt, auch im Parlament. Jetzt macht die Linke das gleiche mit der AFD. Das ist schäbig!