Urteil: Anrede als „Herr“ oder „Frau“ durch Deutsche Bahn verletzt Persönlichkeitsrechte

Wir brauchen keine Komödianten mehr. Die Realität wurde längst zur Satire. Deshalb muss man bestimmte Politpamphlete, Gerichtsurteile, „Studien“ und dergleichen gar nicht mehr kommentieren oder gar verreißen. Es reicht, wenn man sie für sich sprechen lässt. Zwei aktuelle Beispiele.

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Am 3. Dezember 2020 vermeldet der Hessische Rundfunk: Beim online-Fahrkartenverkauf der Deutschen Bahn findet Diskriminierung statt. Denn die Anrede „Herr“ oder „Frau“ reicht nicht: Die Bahn muss Kunden geschlechtsneutral ansprechen. So jedenfalls urteilte das Landgericht Frankfurt an diesem 3. Dezember. Es gab damit einem Kläger nicht-binären Geschlechts Recht. (Pardon: „Kläger“ geht ja auch nicht, also, hohes Gericht, mindestens Kläger/:*_:In!) Also richtig: Eine Person, die sich weder dem weiblichen noch dem männlichen Geschlecht zuordnet, kann einem Gerichtsurteil zufolge eine geschlechtsneutrale Ansprache verlangen. Denn durch die Festlegung als „Frau“ oder „Herr“ werde „die“ (Femininartikel!) klagende Person in ihren Persönlichkeitsrechten verletzt, stellte das Gericht fest und verwies dabei auf das Bundesverfassungsgericht und dessen Urteil vom 10. Oktober 2017: Diesem Urteil zufolge musste das Personenstandsrecht einen weiteren positiven Geschlechtseintrag zulassen. Der Bundestag hat denn auch das Personenstandsrecht am 13. Dezember 2018 entsprechend geändert. 

Zwei Neuigkeiten aus der Gender-Welt
Die Person, so das Landgericht Frankfurt im aktuellen „binären“ Fall, könne verlangen, von der Bahn geschlechtsneutral angesprochen zu werden. Für die Nutzung der Angebote sei das Geschlecht zudem völlig irrelevant. Das beklagte Unternehmen könne eine andere Grußformel wie „Guten Tag“ nutzen oder auf eine geschlechtsspezifische Ansprache ganz verzichten, befand das Gericht. Allerdings gibt es keine Entschädigung, und das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Bahn überlegt noch, ob sie vor dem Oberlandesgericht in die Berufung geht, sie gab sich aber prophylaktisch schon mal brav: Generell verfolge sie einen „breiten Diversity-Ansatz“. 

Apropos Bundesverfassungsgericht: Das BVerfG-Urteil von 2017 war im Entwurf maßgeblich von der Richterin Susanne Baer verfasst worden. Susanne Baer (*1964) war von den Fraktionen von SPD und Bündnis 90/Die Grünen in das hohe Richteramt gehievt worden. Vor dieser Berufung war sie Chefin des GenderKompetenzZentrums der Humboldtuniversität Berlin.

Von der Leyen lässt sich gerne vor den LGBTIQ-Karren spannen

Eine Etage höher als in Frankfurt spielt sich „Gender“ jetzt massiv in der EU-Kommission ab. Soeben hat sie die erste „Strategie zur Gleichstellung von LGBTIQ in der EU“ rausgehauen.

Ziel der EU-Strategie ist die Gleichstellung von lesbischen, schwulen, bisexuellen, Transgender-, nichtbinären, intersexuellen und queeren Personen (LGBTIQ). Hintergrund: Angeblich fühlen sich 43 Prozent der „LGBTIQ-Personen“ nach eigenen Aussagen diskriminiert. Die EU will die Liste der Straftaten um „Hassdelikte und Hetze“ gegen LGBTIQ erweitern und „Online-Hassreden und -Desinformation gegen LGBTIQ“ bekämpfen. Zudem plant die Kommission eine „Gesetzgebungsinitiative zur gegenseitigen Anerkennung von Elternschaft“ bei „Regenbogenfamilien“ sowie „Maßnahmen zur Förderung der gegenseitigen Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften zwischen den Mitgliedstaaten“. 

Zwei Neuigkeiten aus der Gender-Welt
Und es geht natürlich um Geld: Die EU-Kommission will die LGBTIQ-Lobby finanziell fördern, die rechtliche „Anerkennung von Transgender- und nichtbinären Identitäten“ in den Mitgliedsstaaten durchsetzen, „Maßnahmen zur Gleichstellung von LGBTIQ“ in der Entwicklungshilfe unterstützen und LGBTIQ-Gleichstellung „in alle EU-Politikbereiche integrieren“. Kurz: Es geht auch darum, mehr Geld für die LGBTIQ-Lobby frei zu machen, Druck auf familienfreundliche Regierungen (etwa in Ungarn) aufzubauen und Familienschützer zu kriminalisieren.

Vorsicht also, liebe TE-Leser: Wer meint, dass die Ehe zwischen einem Mann und einer Frau geschlossen wird und dass Familie aus Vater, Mutter und Kindern besteht, kann demnächst womöglich wegen angeblicher „Hassdelikte und Hetze“ zensiert und strafrechtlich verfolgt werden. 

Zum Schluss

Wir haben geschrieben: Es reiche, wenn man diese Beispiele für sich sprechen lasse. Nein, es reicht eben doch nicht. Denn hinter dem Genderismus verbirgt sich eine Initiative, die Teil eines hochideologischen „Great Resets“ ist. Wir reden zwar nur über einen Anteil von – unterschiedlich bezifferten – 0,4 bis 2,7 Prozent „binärer“ Menschen. Gleichwohl ist diese Minderheit lautstark sowie über Parteien, Stiftungen, NGOs und Universitätsinstitute bestens vernetzt. Jedenfalls wird hier ein neues Menschen-, Familien- und Gesellschaftsbild von oben durchgepeitscht. Und die (vormals) Christlich-Konservativen machen es an vorderster Stelle mit – inkl. einer CDU-Frau von der Leyen, von der manche spöttisch sagen, sie sei die „siebenfachste Mutter aller Zeiten“. Manche nennen den ganzen Genderirrsinn einen „rosa Marxismus“. Zu Recht, wenn man sich Karl Marx vergegenwärtigt: Er wollte die klassische Vater/Mutter/Kinder-Familie als reaktionären Hort des Widerstandes gegen staatliche Verführungen zur Abschaffung freigeben.


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Kommentare ( 141 )

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daldner
1 Monat her

Der Irrsinn ist ein Zeitgeistphänomen, das sich bald erledigt hat. Wenn nach der Wahl 2021 das dicke Ende der Corona-Nachwirkungen kommt, werden die Leute andere Sorgen haben. Ansonsten gilt: solange ich dafür nicht in den Knast muss, rede und schreibe ich, wie ich will und strafe den, der mir divers kommt, mit Nichtachtung.

Bela Wendig
1 Monat her

Vor kurzem erschien in der Welt “ In deutschen Städten: So viele Geschlechtseinträge „divers“ gibt es wirklich – WELT„,basierend auf einer Umfrage des Evangelischen Pressedienstes. Der Artikel war auch gleich wieder verschwunden – während manche Artikel wochen- oder sogar monatelang auf der Hauptseite stehen.
Sooo viele Leute haben demnach von einer geschlechtsneutralen Eintragungsmöglichkeit im Jahr 2019 Gebrauch gemacht: In Berlin waren es 14, in München 8, in Hamburg 9, Düsseldorf 1, in Münster mit 315000 Einwohner als Spitzenreiter waren es 5 Personen. Das sind dort immerhin 0,00159 %. Ansonsten jedenfalls unter 0,0005% im Verhältnis zur jeweiligen Einwohnerzahl.

Evero
1 Monat her

„Rosa Marxismus“, das ist die richtige Bezeichnung für diesen Kulturkampf von Wahnsinnigen. Wie weit soll das novh gehen? Wo bleibt die Vernunft, Maß und Mitte, die politische Urteilskraft qua Mensch? Es ist doch schierer Wahnsinn wegen der Beschwerden einiger wenifer ein Gesellschaftsystem über den Haufen zu werfen, das Jahrtausende so gut war und sich erst jetzt einige wenige dabei entdecken, dass sie weder Frau nich Mann sein möchten. Ein politischer Apparat, der so absurde Blüten treibt kann nur marxistisch beeinflußt sein. In den Frühzeiten der Sowjetunion haben die „glorreichen“ Bolschewiki auch die freie Liebe propagiert. Es ging nicht lange gut.… Mehr

Rainer Seidel
1 Monat her

Im letzten Absatz steht „Wir reden zwar nur über einen Anteil von – unterschiedlich bezifferten – 0,4 bis 2,7 Prozent „binärer“ Menschen.“ Ergibt für mich keinen Sinn. Richtig müsste es doch wohl „nicht-binärer“ heißen.

USE
1 Monat her

So was ersetzt das Kino!

Auswanderer
1 Monat her

Mir fällt zu diesen ach so gerechten Menschen immer nur der Quacksalber aus den Western ein, der mit seinem Pferdewagen durch die Gegend reitet und den Leuten aufschwatzt was die bestimmt nicht brauchen. Leider haben wir mindestens eine Millionen dieser Quacksalber bis in die höchsten Positionen hier im Staat! Das Schlimme daran ist ja noch, dass das Geld wovon diese Personen leben vom Steuerzahler eingesammelt wird, sei es ÖRR oder auch diese ganzen Staatsangestellten, die da ins Amt gehievt wurden. Für mich ist das Korruption der neuen Art. Der Aktenkoffer hat ja mittlerweile ausgedient. Man muss ja nur mal sehen,… Mehr

Der Prophet
1 Monat her

Der Bumerang wird irgendwann zurückkommen, wenn der Mehrzahl der Leute dieser Genderterrorismus gehörig auf den Zeiger geht. Bisher toleriert man das Leben dieser biologischen Ausreißer, was auch völlig in Ordnung ist. Wenn die Leute sich von dieser Minderheit aber dermaßen gegängelt fühlt, wird das Ganze im besten Fall in Ignorieren dieser Minderheit, im schlimmsten Fall in Wut und Hass umschlagen und dann hat man genau das Gegenteil erreicht. Der fortwährende Machtgewinn des Islam, der jetzt nicht unbedingt bekannt für seine Toleranz gegenüber Homosexuellen ist, wird diesen Effekt noch beschleunigen. Daher ist meine optimistische Prognose, dass dieser Genderspuk in spätestens 10… Mehr

Evero
1 Monat her
Antworten an  Der Prophet

Sogar Söder und sein Propagandachef Blume sind vom linken Zeitgeist ergriffen. Da gibt es kein Halten mehr.
Mircist die Gnade der frühen Geburt vergönnt. Aber ich bedauere die Menschen die in Zukunft mit diesen sozialistischen Zwangsmaßnahmen tagtäglich gequält werden.
Die Natur strebt nach Vielfalt. Das menschliche Denken strebt natürlicherweise nach Denkmustern und sortiert automatisch ein.
Die Sozialisten wollen uns umerziehen, wie die chinesischen Kommunisten ihre Kritiker. Es ist Psychoterror.

rainer101
1 Monat her

Eben im Netz gesehen, aus einem gedruckten Kalender: „6. Januar; Heilige Drei König:innen“. – Ich weiß nicht, ob fake oder nicht. Aber alleine, dass man es für möglich hält, zeigt, wie durchgeknallt diese Debatte ist.

Evero
1 Monat her
Antworten an  rainer101

Die linken Kulturschänder machen noch nicht einmal vor der Geschichte halt. Posthum müsste wohl gar die Bibel novh umgeschrieben werden. Veto gegen diese heimatlosen Nullen!

XXXX
1 Monat her

Wird neuerdings die deutsche Grammatik von Politikern und Richtern geschrieben?

Maike
1 Monat her

Liebe Mitforisten, das lässt sich doch alles noch steigern… Gestern im Kölner Stadtanzeiger die Geschichte einer deutschen Soziologiestudentin mit ghanaischen Wurzeln und entsprechendem Aussehen. In einem Seminar zu Interkulturalität wurde sie nicht nur nach ihrem „Background“ befragt, sondern es wurde durch die Dozenten formuliert, dass man höre, dass sie Muttersprachlerin ist und sie exotisch! aussehe. Große Aufregung, die Dozenten müssen sich für diesen Rassismus an der Uni Köln verantworten und haben sich mündlich wie schriftlich verteidigend erklärt. Dennoch – man ist entsetzt (AstA) über diesen Alltagsrassismus. Die Studentin fordert nun, dass allen Lehrenden und an der Hochschule Tätigen entsprechende Seminare… Mehr

Auswanderer
1 Monat her
Antworten an  Maike

Ich werde im Ausland regelmässig gefragt woher ich komme! Soll ich die Fragenden jetzt verklagen?

daldner
1 Monat her
Antworten an  Maike

Da sind die Dozenten der ghanaischen Wurzelbesitzerin schön auf den Leim gegangen. Ich würde mir lieber die Zunge abbeißen, als das Aussehen oder die Hautfarbe oder sonst irgendeine Äußerlichkeit zu thematisieren. Manche von denen lauern direkt darauf. Man sollte sie lauern lassen, bis ihnen die Lust vergeht.