Wer lud Firas Remmo in den Reichstag ein?

Immer tiefer reichen die mutmaßlichen Bezüge zwischen Clankriminellen und hoher Politik. Issa Remmo feierte mit der Berliner Linkspartei. Sohn Firas wurde 2022 sogar in den Bundestag eingeladen. Da fragt man sich schon: Was soll der vorbestrafte Clan-Spross dort? Merkt da keiner mehr was?

Der Fall Ferat Koçak hat die Nähe, die zwischen politischen Parteien und kriminellen Clans herrschen kann, ins Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit gerückt. Die Linkspartei nimmt in dieser Hinsicht eine besondere Stellung ein – sie steht aber kaum alleine da, wie verschiedene Fälle aus Landes-Berlin und einer aus Bundes-Berlin zeigen.

Die SED-Linke hat sich, zumal in Berlin, aber auch anderswo systematisch mit migrantischen und muslimischen Milieus verbündet, war sich nicht zu schade für „Yalla, Intifada“-Rufe im Wahlkampf, ebenso wenig für hamasnahe ‚Widerstandskämpfer‘ von der linksradikalen PFLP. Auf zwei Wahlkampfparties der Berliner Linkspartei kam es zu Bildern, die das Fass zum Überlaufen brachten, für alle, die es noch nicht wussten: Clanchef Issa Remmo zeigte sich siegesfroh den Kameras, gab Interviews und verteidigte die Pro-Pali-Linie der LINKEN. Später meinte er gegenüber Spiegel TV wortkarg, er habe auf der LINKEN-Party nur „ein bildhübsche Mädchen klarmachen“ wollen.

Remmo ist seit den 1980er-Jahren als zentraler Akteur im Clanmilieu bekannt, wurde dutzende Male festgenommen, aber nie verurteilt. Noch immer läuft ein Prozess um die Beschlagnahmung von 77 Berliner Immobilien der Familie, die wohl mit Kriminalitätserlösen bezahlt wurden. Die Raubzüge seiner Kinder und Neffen verharmlost Remmo als Taten von „Kindern“, für die er aber nicht haftbar zu machen sei.

Für Koçak war die Affäre einschneidend, aber man hat das Gefühl, noch nicht einschneidend genug. Er legte seine Mitgliedschaft im Innenausschuss des Bundestages nieder, nicht aber sein Mandat – trotz eines Skandals, der den Glauben an seine politische Rechtschaffenheit erschüttert hat. Aber vielleicht ist so etwas in den Neuköllner Brüder-Kreisen auch schlicht egal. Firas Remmo schreibt über sich und Koçak: „Wir sind Teil von etwas Großem … Wir sind ein Team.“

Mit Lügen und Schutzbehauptungen verschlimmerte Koçak den Skandal, etwa wenn er sagte, er habe nicht gewusst, mit wem er da Nachrichten austauschte – das war nämlich Firas Remmo, der Sohn von Issa Remmo. In den Chats ging es wohl darum, Antifa-Leuten Handys zu besorgen. Das war Anfang 2026, und in dieser Zeit will auch Issa Remmo den LINKEN-Politiker kennengelernt haben. Die Mesalliance Koçak–Remmo hätte sich demnach stürmisch entwickelt, wenn sie nicht deutlich älter war..

Und noch ein Bild: Firas allein im Bundestag

Und nun gibt es ein neues Bild, eigentlich ein älteres, diesmal von Firas Remmo in einem ziemlich geräumigen, stahlglänzenden Fahrstuhl. Der Remmo-Sohn veröffentlichte es am 1. Juli 2022 auf seinem Instagram-Profil. Das Problem dabei: Der Fahrstuhl befindet sich eindeutig im Reichstagsgebäude. Einige X-Profile pfeifen diese News schon von den Dächern. Ein Bildvergleich zeigt, dass es sich genauso verhält. Und ein KI-Bild scheint es nicht zu sein.

Die Frage ist nur: Wer hatte den Berliner Clanspross damals in den Bundestag eingeladen? Immerhin hat so ein Besucher die Möglichkeit, sich ziemlich frei im Hohen Hause zu bewegen und etwa ein Selfie nur von sich für seinen Insta-Feed zu machen – ein Bild wie eine Visitenkarte, die sagt: Seht her, ich habe Zugang zu den Mächtigen, dass ihr es alle wisst. Auch im Insta-Post ist der Ort ehrlich angegeben: „Reichstag Bundestag – Parlament, Berlin“. Und Tag der offenen Tür war da nicht, sondern erst im August. Klar ist: Man spaziert nicht einfach so ins Reichstagsgebäude, muss sich vielmehr erst akkreditieren lassen und dazu mindestens einen Personalausweis vorlegen. Die Einladung, der es daneben wohl bedurfte, kann von einer Fraktion, aber auch von einem einzelnen Abgeordneten im Alleingang kommen.

Beim Thema Clans: Grüner plädierte für mehr Teilhabe

Interessant ist nun, dass es kurz davor, im April 2022 auf Antrag der AfD-Fraktion eine Debatte zur Clankriminalität gegeben hatte, in der sich die damals üblichen Fronten im Plenum auftaten. Eine AfD, die schon inständig die schärfere Bekämpfung krimineller Clans fordert, auch wenn es dafür in Teilen wohl schon zu spät sei, wie Bernd Baumann erklärte, – und mehrere Linksfraktionen, die sich um den ersten Preis im Relativieren, Tabuisieren und Verschweigen balgten. So wollte der Grüne Marcel Emmerich die Clans lieber mit Prävention und – wörtlich – „Teilhabe“ bekämpfen. Für den Grünen stand fest: Clankriminalität sei „nicht importiert“, sondern global und „im Grunde hausgemacht“. Sebastian Fiedler, der Polizist von der SPD, meinte, diese arabischen Clans, die sich über ganz Norddeutschland ausgebreitet haben, seien Peanuts im Vergleich zu Mafia und Camorra.

Und Martina Renner von der SED-Linken fand sogar den Begriff Clankriminalität schon „irreführend und diskriminierend“ und war strikt gegen jede Razzia, die Shishabars ins Visier nimmt – auch wegen „Hanau“, wo ja genau diese Klientel zu Opfern eines verwirrten Jugendlichen geworden war, der anschließend seine Mutter tötete.

Hatte etwa nach dieser so üblichen Debatte noch eine der Fraktionen Aufklärungsbedarf zum Thema Clans? Vielleicht. Man sagte sich womöglich: Schauen wir uns doch so einen Clan-Jungen einmal näher an. Und zeigen wir ihm, wo in Deutschland so Politik gemacht wird. Irgendwie so muss es gewesen sein. Sicher ist: Firas Remmo, ein Clan-Akteur, dessen kriminelle Energie bis heute nicht erlahmt scheint, war 2022 im Reichstagsgebäude. Die Frage bleibt: Wer hatte ihn eingeladen? Welche Fraktion oder welcher Abgeordnete und zu welchem Zweck?

Eine TE-Umfrage bei den Fraktionen und Parteien und zuletzt der Bundestagsverwaltung konnte hier leider auch keine Gewissheit schaffen und belegt so indirekt, wie heikel der Vorgang war. Bis zum Wochenende unbeantwortet blieben die Mails an die Fraktionen der Linkspartei, von Grünen, der SPD und an die FDP-Parteizentrale. CDU und CSU antworteten schnell, aber knapp, ihnen lägen „keine Informationen zu dem von Ihnen beschriebenen Besuch vor“. Die AfD meldete sich auch, konnte aber fast erwartungsgemäß nicht viel beitragen.

Die Bundestagsverwaltung teilte auf Nachfrage mit, dass man „zu Einzelheiten in Sicherheitsfragen … keine Auskünfte“ erteilen könne. Darüber hinaus werde bei allen Gästen und Besuchern eine „Zuverlässigkeitsüberprüfung“ durchgeführt. Das mag so sein, aber merkwürdig ist ja schon, dass man bei Firas Remmo hier keine Einwände hatte. Denn der ist mehrfach vorbestraft, wie auch der Tagesspiegel schon 2020 und dann wieder in diesem Jahr schrieb. Gilt solch eine Person dem Deutschen Bundestag demnach als „zuverlässig“? Die Nachfrage muss vorerst offen bleiben, wurde aber der Pressestelle der Bundestagsverwaltung vorgelegt.

Im übrigen, so fiel dem Pressereferat dann noch ein, seien alle „etwaigen Daten aus dem Jahr 2022“ zwischenzeitig gelöscht. Die Verwaltung weiß also von nichts mehr und würde auch nichts sagen, wenn sie sich noch erinnerte. Aber es wurde ständig alles überprüft – auch wenn unsicher ist, wie tief und genau. Und wahr ist ja: Firas Remmo ist ein freier Mann, auch wenn er wegen räuberischer Erpressung, Körperverletzung und Bedrohung verurteilt wurde. Während des Berliner Stromausfalls von Anfang 2026 soll er noch geplant haben, Geldautomaten im Südwesten der Stadt zu sprengen. Die Remmo-Familie ist daneben bekannt als das taktgebende Netzwerk hinter den Einbrüchen ins Berliner Bode-Museum (2017) und ins Dresdner Grüne Gewölbe – das war 2019, als die Täter von 2017 wegen gerichtlicher Revisionen noch einmal kurz in Freiheit waren, also drei Jahre vor Firas’ Bundestags-Debüt, das nicht anders als durch eine Einladung erklärbar scheint.

Neue, alte Gerüchte über die Remmos und ihre Nähe zur Politik

Auf der anderen Seite sind diese mutmaßlichen Kontakte in die Politik ja nicht mal etwas ganz Neues, zumindest wenn man auf die Stadt-Berliner Ebene zurückkehrt. Seit Jahren gibt es immer wieder Gerüchte zur immensen Nähe zwischen den Remmos (manchmal auch Rammos geschrieben) und der hohen Politik. Die hat etwa die linke Wochenzeitung Freitag unter der Überschrift „Vorsicht, zwei Remmos auf Fotojagd“ gesammelt. Aber Achtung, es dürfte um mehr als nette Bilder gehen, auch hier!

Offenbar pflegt diese typische Neuköllner Familie schon seit Jahren enge Kontakte zu Berliner Stadtpolitikern aus CDU und SPD – die dabei aber immer wieder von nichts gewusst haben wollen oder auch alles bestreiten und die Sache so hinstellen, als hätten die Remmos ihnen nachgestellt.

Von Kai Wegner, dem Noch-Regierenden, gibt es diese Geschichte: Im Jahr 2021 sei Issa Remmo an einem Wahlkampfstand auf Wegner zugekommen, mit dem Satz auf den Lippen: „Ich kenne Sie“, und wollte den CDU-Mann von der Legalität seiner Aktivitäten überzeugen, sagte Wegner der Berliner Mopo. Wegner war da gerade in die Landespolitik zurückgekehrt und wollte sich angeblich nicht einschüchtern lassen. Da kommt also ein machtvoll-bedrohlicher „Pate von Berlin“ spontan und unvorhersehbar auf den CDU-Spitzenkandidaten zu und behauptet, man kenne sich schon – und wenn nicht, könnte man sich ja jetzt kennenlernen (Subtext).

Muster der Unwissenheit bei SPD und CDU

Aber das ist nicht die einzige komische Geschichte, die zirkuliert. Anfang 2025 hat Christian Zander, seit 2021 für die CDU im Berliner Abgeordnetenhaus, Issa Remmo sogar zu einer Führung durch das Stadtparlament eingeladen. Issa Remmo ist auf Bildern im Foyer des Abgeordnetenhauses zu sehen. Sohn Firas behauptet zudem, man habe gemeinsame Freunde mit CDU-Zander; der habe sogar persönlich auf einem Photo mit den Remmos bestanden. Doch Zander will die Remmos nicht erkannt haben. Das wiederum fanden andere Berliner Politiker wie der Grüne Vasili Franco unglaubwürdig. Immerhin gehören die Remmos in Berlin seit längerem zur B- bis C-Prominenz.

2023 soll Issa Remmo dann „respektvoll Frieden“ mit dem SPD-Politiker Andreas Geisel geschlossen haben, schrieb wiederum Sohn Firas unter einem geposteten Video der beiden. Gezeigt ist ein Gespräch zwischen Remmo und Geisel. Der Spruch kann ja eine Clanlegende, eine reine Marketing-Erfindung sein, um den eigenen Ruf zu befestigen. Aber das Bild gibt es nun einmal. Merkwürdig zudem: Auch der ehemalige Innensenator Geisel. zuständig für die Landespolizei, gab vor, den Clanchef nicht erkannt zu haben. Ganz so wie später CDU-Zander und Linken-Koçak und zwischendurch der CDU-Spitzenkandidat Kai Wegner, dem die Ähnlichkeit auch erst später aufgefallen sein soll.

Aber sogar der aktuelle kommissarische CDU-Vorsitzende in Berlin, Ex-Spitzenkandidat Stefan Evers, posierte während des jüngsten Wahlkampfes mit einem waschechten Scheich und CDU-Unterstützer, einem gewissen Khaled Watban al-Jarba. Al-Jarba wiederum zeigt sich gern wangenküssend mit dem „Scheich Issa“, den er auch in dessen Haus besucht habe – so heißt es in der Recherche eines dezidiert linken Journalisten. Die Verbindung über Eck zeigt allerdings, dass auch die CDU nicht weit von Bruderküssen mit dem Remmo-Milieu entfernt ist. Die Remmos wiederum behaupten, sogar mit dem saudischen Königshaus befreundet zu sein, was vielleicht wieder geflunkert ist. Aber einen Scheich kennen sie schon mal.

— Jonathan Peaceman (@jonpeaceman) September 24, 2026

Und Zufall der Zufälle: Dieser Scheich Al-Jarba war auch auf der Führung durchs Abgeordnetenhaus 2025 mit CDU-Zander und „Scheich Issa“ dabei. Jeder einzelne diese Vorfälle könnte Zufall sein, aber zusammen ergibt sich ein Muster. Auch der Remmo-Sohn Firas interessiert sich ja notorisch für Politik, etwa für Reden des FDP-Linken Konstantin Kuhle, wenn der etwas zugunsten von Steuern zahlenden Muslimen sagt. Wenn man sich das alles so durchliest, entsteht der Eindruck, die Remmos haben über Jahre nach einer Partei gesucht, die ihnen zumindest ein Ohr leiht und sind am Ende bei der LINKEN fündig geworden – aber vielleicht nicht nur.

Ideologische Verharmlosung und die Spaltung der LINKEN

Und dann gab es doch noch eine interessante Antwort zu „Firas allein im Bundestag“ – nicht aus dem Bundestag, aber von der dort nicht vertretenen Partei BSW und deren Vorsitzendem Fabio De Masi, 2022 noch Mitglied der Linkspartei. De Masi hatte sich damals intensiv mit der Vermögensabschöpfung im Strafprozess befasst, und das vor allem in Sachen Cum-Ex-Kriminalität – man erinnert sich, Olaf Scholz und seine Freunde von der Bank. Als De Masi aber Araber-Clans genauso behandeln wollte, da gab es Streit mit seinen Parteigenossen. Für seine Kritik an kriminellen Clans wurde er heftig aus den eigenen Reihen kritisiert.

Die Speerspitze der Gegenwehr bildete schon damals Elif Eralp. Sie hatte erst 2019 mit Ferat Koçak den bundesweiten Zusammenschluss Links*Kanax gegründet – ein klassisches Werkzeug für die eigene Karriereplanung, aber auch für die Ausweitung der Wählerbasis der Partei. Wo De Masi über die Araber-Clans wie über andere Kriminelle sprechen wollte, da forderte Elif Eralp Fingerspitzengefühl: Die Clankriminellen müsse man doch vor Diskriminierung schützen, ähnlich wie syrische Vergewaltiger in einem Neuköllner Jugendclub… Die Nutzung des Clan-Begriffs galt einmal als „stigmatisierend“, dann wieder nicht, erinnert sich De Masi, etwa wo von deutschen Familienbanden die Rede war wie bei den Aldi-Brüdern. Nachzulesen ist dieser kuriose Einsatz für die Organisierte Kriminalität immer noch auf X.

Auch diese Auseinandersetzung war kein Zufall in der neuen Linkspartei. Der Aufstieg von Eralp und Koçak wurde von der damaligen Landesvorsitzenden Katina Schubert geradezu generalstabsmäßíg geplant. 2021 war Eralp noch das „neue Gesicht“ im Stadtparlament, vier Jahre später schon Spitzenkandidaten ihrer Partei. Eine Karriere wie im Durchlauferhitzer – dank Links*Kanax und gewogenen Altkadern mit Appetit auf neue Wählerschichten.

Ebenso Koçak: Er kam 2021 ins Abgeordnetenhaus, um schon 2025 per Direktmandat in den Bundestag zu wechseln. Man mag sich fragen, was die zwielichtigen Remmos hier beizutragen hatten. Diese Frage bleibt letztlich offen. Ferat Koçak wollte Handys an Antifa-Mitgliedern verschenken und baute dabei auf Clangrößen. Eventuell haben die aber noch Wertvolleres im Angebot, vielleicht sogar das ultimative Politikgold: Wählerstimmen. Und an denen hat mehr als nur eine Partei Interesse. So könnte sich auch die Einladung von Firas Remmo in den Bundestag erklären, von der wir nicht wissen sollen, auf wessen Konto sie geht. Sicher ist nur: Er war da und hätte es nicht sein sollen.

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