EZB-Direktorin Schnabel bereitet auf Dauer-Inflation und Umverteilungswirtschaft vor

Isabel Schnabel gesteht ein, dass die Inflation bleiben wird. Einerseits stellt sie dafür die bisherige Geldpolitik infrage, andererseits bereitet sie darauf vor, dass die hohen Preise fossiler Energieträger zu akzeptieren sind – und dass es in Richtung allgemeiner Umverteilung in Richtung Staat geht.

IMAGO / Jens Schicke
Isabel Schnabel

Womöglich steht die Europäische Zentralbank (EZB) vor einem Richtungswechsel. Die steigenden Energiepreise könnten sie, wie EZB-Direktorin Isabel Schnabel sagte, zu einem Vorgehen gegen die Inflation zwingen, falls diese „mittelfristig“ hoch bleibe. Eine Erkenntnis, die auch Nicht-Finanzwissenschaftlern seit Jahren klar sein konnte, ist nun offenbar immerhin in der EZB angekommen: Die Hinwendung zu „grünen“ Energiequellen beinhalte das Risiko mittelfristig schneller steigender Preise, sagte Schnabel im Rahmen einer Video-Konferenz zum Thema „Climate and the Financial System“. Und dagegen müssten auch die Zentralbanken etwas tun.

Wörtlich sagte sie: „Central banks, in turn, will have to assess whether the green transition poses risks to price stability and to which extent deviations from their inflation target due to a rise in the contribution from energy to headline inflation are tolerable and consistent with their price stability mandates.“ Eine „Abkehr von ihren Inflationszielen“ also, das kann man als Forderung nach der Abkehr von ihrer bisherigen lockeren Geldpolitik verstehen.

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Die EZB behauptete bislang, dass die aktuelle Inflation nur ein vorübergehendes Phänomen sei, das keine Änderung der Leitzinsen oder Anleihekäufe erfordere. Notenbank-Präsidentin Christine Lagarde hatte kürzlich behauptet, dass die Inflation bereits im November ihren Höhepunkt erreicht haben dürfte.

Schnabels Rede dient aber offenbar vor allem dem Zweck, auf die Unvermeidbarkeit von Wohlstandseinbußen für das Ziel der „grünen Wende“ („Green Transition“) und die Tendenz einer fortschreitenden Ausweitung der Staatsaktivität in der Wirtschaft deutlich zu machen.

Schnabel weist in ihrer Rede darauf hin, dass schon 2020 acht Prozent der Bevölkerung der EU (34 Millionen Menschen) wegen der hohen Kosten ihre Wohnungen nicht ausreichend heizen könnten. Dennoch scheint sie die Preisanstiege durchaus für hilfreich für Ziele zu halten, die sie offenbar höher als Preisniveaustabilität bewertet: Der Anstieg der Gas- und Kohlepreise werde „helfen, die grüne Wende zu beschleunigen“, denn er mache Investitionen in fossile Energieträger weniger attraktiv.

„Energiearmut ist eine ernste Bedrohung für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft und für die Unterstützung der Klimapolitik. Ausgleichsmaßnahmen sind deswegen wichtig. Aber solche Maßnahmen müssen so gestaltet sein, dass sie nicht die Anreize für niedrigere Kohlenstoff-Emissionen reduzieren.“

Für die Regierungen ginge es nun darum, die „grüne Wende voranzutreiben“ und „die am meisten Verletzlichen zu schützen“. Mit anderen Worten, diese grüne Wende bedeutet für Schnabel zugleich eine Expansion staatlicher Umverteilung, also eine noch deutlichere Einschränkung der Marktwirtschaft zugunsten staatlicher Eingriffe.

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Kommentare ( 106 )

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Boris G
13 Tage her

Frau Schnabel ignoriert die Finanzgeschichte, aus der man die Lehre ziehen kann, dass Inflation immer das Vertrauen einer Bevölkerung in ihre Währung ruiniert. Bisher kam das dicke Ende dann mitunter rasch, sehr rasch und für die Zentralbanker und Regierungen jeweils nicht mehr zu managen.

DieRaute
13 Tage her

Die Strompreise und Heizkosten explodieren und diese gutversorgten Beamten
„bereiten“ das „Volk“ auf Dauerinflation vor.

Versager*innen auf allen Ebenen.

Und die BILD-und Focusleser und Staatsfernsehgucker reagieren nicht.

…. dann sollen sie halt Kuchen essen.

Kuno.2
13 Tage her

Selbstverständlich wird die Inflation bleiben und vor allem auch weiter zunehmen. Denn diese Inflation wird benötigt, die Schuldenblase abzubauen.
Bezahlt wird es, wie immer, durch die Sparer.
Der DAX muss sich mindestens halbieren, damit die großen Vermögensverwalter wie Vanguard und Blackrock billiger zukaufen können.

Skeptiker
13 Tage her
Antworten an  Kuno.2

… und wenn die Aktienkurse halbiert sind, dann ist auch die riesige Geldmenge etwas weniger riesig geworden. Das erleichtert den Entschluss, weiter Geld zu drucken, denn das Spiel lässt sich ja wiederholen.

Armin Reichert
13 Tage her

Die erste Konsequenz muss lauten: NIE WIEDER eine der EU-freundlichen Blockparteien CDU/CSU, SPD, Grüne, FDP, Linke wählen.

Andreas Stueve
13 Tage her
Antworten an  Armin Reichert

Verzeihung bitte. Wollte Ihnen zustimmen, leider den falschen Button erwischt.

Skeptiker
13 Tage her
Antworten an  Andreas Stueve

… einfach nochmal auf den falschen (und dann auf den richtigen) Button clicken.

RauerMan
13 Tage her
Antworten an  Armin Reichert

A.Reichert,
stimme Ihnen zu. nur, diese Konsequenz wird nicht stattfinden, da die Propagandamühlen dem Konsumenten nicht erlauben etwas anderes als das von ihnen Behauptete und Verkündete zu glauben.
Das hat uns die jüngere Vergangenheit gezeigt. „Gläubigkeit“ Ignoranz und vieltausendfache Angst vor Verlust den erreichten politischen Posten.
Dazu gehört auch die riesige Anzahl von „Volksvertretern“ und deren Mitarbeitern in Bundestag/Bundesrat und den Länderparlamenten. Ebenso die EU und die EZB
Das gesamte System ist mindestens stark renovierungsbedürftig, was aber erst nach wirtschaftlichem Zusammenbruch erfolgen könnte..

Bauernbursch
13 Tage her

Die Hauptaufgabe der EZB besteht darin, für Preisstabilität zu sorgen und nicht Fiskal- oder Umweltpolitik zu betreiben. Die EZB hat doch gerade durch den massiven Aufkauf von Staatsanleihen diese Situation herbeigeführt. Durch die Maßnahmen der EZB werden hauptsächlich die kleinen Vermögen der mittleren und unteren Einkommensschichten stark in Mitleidenschaft gezogen.
Isabel Schnabel ist vollkommen untauglich und sollte unverzüglich zurücktreten!

Delegro
13 Tage her

Frau Schnabel musste jetzt zugeben, dass Sie in Ihren Berechnungen die exorbitant steigenden Energiekosten erst gar nicht mit berücksichtigt hat. Unglaublich, wie eine derart unfähige Person über Millionen Bürger entscheiden will. Das ist grob fahrlässig oder gar Vorsatz. Anstatt den Fehler einzugestehen, versucht man das jetzt als notwendige Begleiterscheinung für die Klimarettung zu verkaufen. Frau Schnabel sollte sofort zurücktreten. Frau Lagard gleich mit. Unglaublich mit welcher Willkür die Bevölkerung behandelt wird.

Volksschauspieler
13 Tage her

„Schuster bleib bei deinen Leisten“
Warum verfolgt eine EZB-Direktorin heute Ziele grüner Ideologie?
Sie ist für Geldwertstabilität zuständig!

Skeptiker
13 Tage her
Antworten an  Volksschauspieler

… eigentlich ein Grund zum Rausschmiss!

Anti Left
13 Tage her

Dass solche Zivilversager solch einen Posten bekommen, ist unfassbar. In einem Unternehmen wäre die Hilfskopiermädchen. Tackern und lochen

MartinKienzle
13 Tage her

Diese selbsternannte “Elite“ um Schnabel, die eine sozialistische Gesellschaft respektive Planwirtschaft erschaffen möchte, die allerdings mitnichten funktionieren kann, da sie gegen Naturgesetze verstößt, sodass an diesem Faktum auch sämtliche sozialistischen Gesellschaften der Vergangenheit gescheitert sind, verhalten sich wie Wahnsinnige, das Einstein so formulierte: “Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.“

Georg J
13 Tage her

Schnabel: „Energiearmut ist eine ernste Bedrohung für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft …Ausgleichsmaßnahmen sind deswegen wichtig.“

  • Durch welche „Ausgleichsmaßnahmen“ soll denn „Energiearmut“ – also fehlende, lebensnotwendige Energie – kompensiert werden? Mir fällt da nichts ein.
  • Energie ist entweder im erforderlichen Ausmaß vorhanden oder nicht. Wenn nicht, dann, in der Tat, ist dies eine „Bedrohung für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft“.
Last edited 13 Tage her by Georg J