Bedrohung durch Drohnen wird nach dem Ukraine-Krieg noch größer

Bei einem Ende des Krieges in der Ukraine könnte tausende Drohnen in die falschen Hände geraten, warnt Österreichs Innenminister Gerhard Karner. Europa müsse vorbereitet sein.

picture alliance / SvenSimon | Frank Hoermann / SVEN SIMON

Ganz Europa drohe eine wachsende Gefahr durch Drohnen: Insbesondere der Schutz kritischer Infrastruktur wie Flughäfen rückt zunehmend in den Fokus. Sicherheitsexperten aus europäischen Ländern warnen, dass die Bedrohung durch unbemannte Fluggeräte nicht mit dem Kriegsende in der Ukraine enden dürfte, sondern im Gegenteil noch massiver sein könnte.

„In europäischen Sicherheitskreisen herrscht die Annahme, dass nach dem Ende des russischen Angriffskriegs zahlreiche fortgeschrittene Waffensysteme über intransparente Kanäle in die Hände krimineller Netzwerke gelangen könnten“, warnt dazu nun Österreichs Innenminister Gerhard Karner in einem Interview mit der WELT. Und er meint: „Dazu zählen nicht nur organisierte Verbrecher, sondern auch Kleinkriminelle.“

Bei Kriegsende könnten tausende Drohnen an Kriminelle gehen
Vor diesem Szenario warnen Fachleute – und ziehen Parallelen zur Zeit nach dem Zerfall Jugoslawiens in den 1990er-Jahren, als moderne Militärausrüstung den Schattenmärkten zufloss.

Innenminister Gerhard Karner: „Hochgefährliche modernste Drohnentechnik, die sich in der Hand von skrupellosen Kriminellen befindet – das dürfte die Staaten in Europa vor ganz neue Herausforderungen stellen. Wir brauchen darauf schnelle und europaweit koordinierte Antworten.“ Karner fordert dazu eine enge Kooperation zwischen allen zivilen und militärischen Einheiten.

Der Minister betont: „Wir verfügen seit Jahren über eine Drohnenabwehrstrategie. Es geht jetzt angesichts der neuen Herausforderungen und vermehrter Störungen durch Drohnen aber darum, diese Strategie zwischen zivilen und militärischen Einheiten, also Polizei und Bundesheer, aber auch den Flughafenbetreibern enger zu koordinieren und zu verfeinern. Natürlich gibt es unterschiedliche Methoden, Drohnen auszuschalten, wie Störung der Funkfrequenzen, Abschuss oder Einfangen durch Netze. Aber so einfach, wie es sich anhört, sind derartige Maßnahmen nicht. Die Erfahrungen der Ukraine können uns bei der Ausarbeitung einer optimalen Drohnenabwehrstrategie sicherlich helfen.“

Gemeldete Vorfälle, aber nie Fotos oder Videos

Konkrete Vorfälle zeigen bereits, dass drohnenbedingte Sicherheitslücken kein theoretisches Problem bleiben. Dabei werden auch Beispiele aus anderen europäischen Städten genannt: So gab es zuletzt Meldungen über Drohnen-Vorfälle in München, Frankfurt und sogar in Belgien. In München wurde ein Flughafen aufgrund einer unidentifizierten Drohne zeitweise gesperrt, in Frankfurt war ein ähnlicher Vorfall zu verzeichnen, der zu massiven Sicherheitsmaßnahmen führte.

Allerdings: Von all diesen Vorfällen existiert keine Bild-Dokumentation.
Belgiens Behörden warnen zudem vor Drohnen, die offenbar gezielt zur Überwachung kritischer Verkehrsknotenpunkte eingesetzt werden könnten. Diese Ereignisse untermauern die Annahme der Sicherheitskreise, dass Drohnen nicht nur als Werkzeuge reiner Aufklärung genutzt werden, sondern auch zunehmend in Angriffsszenarien eine Rolle spielen könnten.

Um dieser wachsenden Bedrohung zu begegnen, fordern Fachleute und Entscheidungsträger ein systematisches Vorgehen. Nicht nur national, sondern auf EU-Ebene müsse eine abgestimmte Strategie entwickelt werden, die nicht nur auf reaktive Maßnahmen setzt, sondern auch proaktive Prävention beinhaltet. Dazu gehört ein lückenloses Überwachungssystem, etwa bei Flughäfen, eine verbesserte technische Infrastruktur für das Frühwarnsystem und eine eng verzahnte Kooperation zwischen Polizei, der Luftfahrt und den Streitkräften.

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Kommentare ( 18 )

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joly
2 Monate her

Ja, da kommen gefährliche Zeiten auf unsere Politiker zu. Ich sehe da einen Quadrokopter an dem mit 2 Kabelbinder ein panzerbrechender Geschosskopf befestigt ist. Das Ding hat sich schon hundertfach bewährt. Welche gepanzerte Karre der Oberklasse mit nem Politiker drin, kann solch einem Dosenöffner wohl widerstehen. In einem Schneewittschensarg ist man zukünftig wohl sicherer aufgehoben.

Petra G
2 Monate her

Oder nach Corona Manier:
“ Die künstliche Bedrohungslage muss unter allen Umständen aufrecht erhalten werden, es hängt einfach zuviel Profit dran.“

November Man
2 Monate her

„Der Minister betont: „Wir verfügen seit Jahren über eine Drohnenabwehrstrategie.“
Selten so gelacht. Die haben gar nichts, nur eine große Klappe. Wer hätte denn Interesse deutsche Flughäfen lahmzulegen und auszuspionieren? Kriminelle, Terroristen und die Antifa! Wenn Russland Flughäfen ausspionieren wollte, dann kann es das mit seinen Satelliten aus dem Weltraum machen. Auf den Meter genau. Also, nicht versuchen die Schuld auf Russland zu schieben, sondern mal bei den eigenen hier anwesenden Terroristen nachforschen.

alter weisser Mann
2 Monate her
Antworten an  November Man

Die Drohnen juckt so eine Strategie des Ministers zunächst mal einen Dreck. Dass man nicht ins Tun kommt hat er ja selbst gemerkt.

hoho
2 Monate her

Tatsächlich gibt es keine Beweise, dass es welche Drohnen gibt. Vermutlich gibt sie nicht oder sind das unsere Drohnen.
Übrigens, wir haben in Ukraine eine große Zahl an Leute die keine Hemmungen dafür sehr viel krimineller Energie haben. Die Idioten an der Macht in der EU haben da eine Armee voll von Monstern gezüchtet, die uns beschäftigen will, ob der Krieg gewonnen oder verloren wird.

joly
2 Monate her
Antworten an  hoho

Selfmade Umvolker und NGO-Führer könnten da schnell mit Selfmade Drone Responses zur Verantwortung gezogen werden. Wer hat das Blut all dieser seit 2015 ermordeten Kinder, Frauen und Männer an den Händen kleben. Ich denke mal da kommt was auf uns zu dagegen war die RAF ein netter Kindergesangsverein.

Toby
2 Monate her

Die von „verlorenen“ Panzer- / Fliegerabwehrhandwaffen oder simplen Sprengmitteln ausgehende Gefahr dürfte deutlich größer sein, als die Gefahr von Drohnen.

P. Pauquet
2 Monate her

Wohlbemerkt, der Innenminister Österreichs!

Und ja, die werden irgendwo rumliegen und es wird fleißig Nachschub geliefert. Außerdem, die Piloten dürfen nicht arbeitslos werden.

Es gibt Viel zu tun, packen wir es an! Aber nicht hier! … Das gibt das Sondervermögen im Moment nicht her, die Abwehr. Und unsere Technik ist auch noch nicht soweit. … Vielleicht in zehn Jahren?

joly
2 Monate her
Antworten an  P. Pauquet

Wir können sicherlich mit wenig Geld preiswerte Entwicklungshelfer aus der Ukraine bekommen. Experten in der Anpassung von Drohnen nach Wunsch und Zielobjekt werden sicherlich nach dem Krieg gutbezahlte Jobs suchen und ihre Dienste meistbietend zur Verfügung stellen.

Mausi
2 Monate her

„Wir“ schaffen das. „Wir“ schaffen Alles. Und vor allem heiße Luft. Und wenn ich mir ansehe, wie alles für GrünWoke, fürs Geld weggeben genutzt wird: Es kann doch GrünWoke nur recht sein, uns das Fliegen auch mit Drohnengefahr abzugewöhnen. Wie der Mitleser sagt: Es fängt an mit einem Ausschuss, mit Zeit für Gipfel und endet mit einem Bürokratiemonster oder mit Flügen nach Sicherheitslage. So wie Stromversorgung nach Angebot. Bahnpünktlichkeit nach Möglichkeiten bei Schienen einschl. Zubehöranlagen.

Last edited 2 Monate her by Mausi
Michael Palusch
2 Monate her

„dass nach dem Ende des russischen Angriffskriegs zahlreiche fortgeschrittene Waffensysteme über intransparente Kanäle in die Hände krimineller Netzwerke gelangen könnten“
Es werden wohl nicht die Russen sein, die ihre Drohnen in die „intransparente Kanäle in die Hände krimineller Netzwerke“ einspeisen. Folglich müssen sie von denen kommen, von den unablässig behauptet wurde, sie kämpften für „unsere Werte“. Sie werden also aus der Riege jener kommen, die kein Problem damit haben, sich von deutschen Steuergeld goldene Toiletten installieren zu lassen.

Metric
2 Monate her

Also wenn ich es richtig verstehe, geht es um ukrainische Drohnen, die in der dort üblich korrupten Weise an den Meistbietenden verkauft werden? Sicher bekommen die mit deutschem Steuergeld geförderten Drohnen einen Warnaufkleber oder so, damit das mit denen niemals nicht geschehen kann …

Manfred_Hbg
2 Monate her

Zitat: „Innenminister Gerhard Karner: „Hochgefährliche modernste Drohnentechnik, die sich in der Hand von skrupellosen Kriminellen befindet“ > Welch ein -wieder unqualifiziertes- Dummgeschrei: „Hochgefährliche modernste Drohnentech…“. – WAS bitte soll hier nun; „Hochgefährliche modernste“ sein??! Bei den meisten Drohnen die hier von beiden Seiten in diesen Krieg genutzt werden, handelt es sich im Grunde um stinknormale FPV-(Eigenbau-)Drohnen bei denen dann -ja nachdem- eine kleine Veränderung an der Sende-/Empfangsfrequenz (sog. elktr. Schwingkreis) und Antennen vorgenommen wurde oder die stattdessen mit Glasfaserkabel aus-/nachgerüstet werden. Fertig! – – – Das kann mit jeder kleinen „Schei…drohne“ von jeden Hobby-Elektriker gemacht werden und daran ist mal… Mehr