Corona-Update zum 8. April: Mundschutzmasken wieder verwenden?

In Berlin müssen 43 Polizisten in Quarantäne, Medikamente für Intensivpatienten werden knapp, und die Regierung empfiehlt, Schutzausrüstung mehrfach zu verwenden.

Bernd Zeller
Im Vergleich der Bundesländer führt Bayern mit 203,1 gemeldeten Fällen auf hunderttausend Einwohner. Das Saarland hat mit 171,5 Fällen/HT beinahe zu Hamburg aufgeschlossen (174,7 Fälle/HT). Der deutschlandweite Durchschnitt liegt bei 123,8 Fällen/HT.

Es sind laut Länderinformationen 102.793 Personen als infiziert gemeldet; die Johns Hopkins Universität meldet 107.458 Fälle. 1.799 mit Corona Infizierte starben.

Folgephänomene

Die Berliner Zeitung meldet, dass am Montag in einer Berliner Asylbewerberunterkunft zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage von Bewohnern ein Feuer gelegt wurde. Da es in der Unterkunft mehrere Corona-Verdachtsfälle gibt, stehen die Bewohner unter Quarantäne. Wegen des Feuers musste die Unterkunft jedoch evakuiert werden. Dabei griffen mehrere Asylbewerber die anwesenden Polizisten an und bespuckten sie. Die 43 am Einsatz beteiligten Polizisten müssen nun für zwei Wochen selbst in Quarantäne.

Neben Schutzausrüstung drohen nun auch Medikamente, die für die Intensivpflege von Covid-19 Patienten gebraucht werden, auszugehen. Das meldet die Welt. Alternativen existieren, bringen aber auch eine größere Gefahr von Nebenwirkungen und schlechterer Leistung mit sich. Gegen Covid-19 selbst gibt es keine Medikamente, doch es werden verschiedenste Wirkstoffe benötigt, wenn ein Patient beatmet werden muss.

Im Interview mit TE nennt Michael Theurer, FDP-Vizeparteichef, die von der Bundesregierung geplanten Verteuerungen von Strom, Sprit und Heizöl „Gift für Wirtschaft und Arbeitsplätze“. Das komplette Interview finden sie hier.

Hintergründe: Schutzmasken – woher nehmen?

Auf ihrer Pressekonferenz am 6. April wollte Kanzlerin Merkel eine allgemeine Maskenpflicht in der Öffentlichkeit nicht mehr ausschließen. An manchen Orten der Republik, wie zum Beispiel in der Stadt Jena, ist sie schon Realität. Der bayrische Ministerpräsident Markus Söder sagt dazu sogar: „Natürlich wird es am Ende eine Form von Maskenverpflichtung geben“.

Doch die Frage bleibt, woher denn die vielen Millionen Schutzmasken, die dann benötigt würden, herkommen sollen. Krankenhäuser kämpfen jetzt schon mit dem Mangel, besonders im Bereich der Masken der Sicherheitsstufe FFP2 und FFP3. Die Lahrer Zeitung berichtet, dass das Klinikum Ortenau in Baden-Württemberg für alle Mitarbeiter im Isolationsbereich zwei Masken hat: eine wird getragen, die andere lagert zwischen Desinfektionstüchern und trocknet aus.

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und das Bundesministerium für Gesundheit haben schon am 31. März zusammen einen Leitfaden herausgegeben, wie Schutzmasken behandelt werden müssen, damit sie mehrfach verwendet werden können. So sollen sowohl herkömmliche Mundschutzmasken, als auch Schutzmasken der Klasse FFP2 und FFP3, durch 30 minütiges Erhitzen der Masken bei 65°C-70°C in einem Trockenschrank wiederverwendbar gemacht werden.

Der Trockenschrankhersteller Binder spricht auf seiner Firmenwebsite von einem Verfahren, bei dem Atemschutzmasken zuerst in einer Mundschutzmaskenspülmaschine gereinigt und dann in einem Trockenschrank getrocknet werden.

Die Bundesregierung hat auch die diversen Beschaffungsämter angewiesen, medizinisches Material zu besorgen. Das Beschaffungsamt des Bundesinnenministeriums schreibt dazu auf seiner Website:

„Die Bundesregierung hat die drei großen Beschaffungsämter in Deutschland mit der Beschaffung von Materialien und Produkten zur Eindämmung von COVID-19 beauftragt. Das Beschaffungsamt des BMI ist in diesem Kontext für den Einkauf von Handdesinfektionsmitteln zuständig.“

Doch wie jeder Beamtenapparat steht auch diese Behörde sich selbst im Weg und schreibt auf seiner Website:

„Die Beschaffung von Schutzausrüstung (wie etwa Atemschutzmasken) gehört hingegen nicht zu unserem Aufgabenbereich.“

Da wird einem klar, wie es dazu kommen kann, dass Unternehmer dem Bundesgesundheitsministerium anbieten, Schutzmaterial zu besorgen, um dann so lange von Behörde zu Behörde weitergereicht zu werden, bis es zu spät und alle Ware verkauft ist.

Der Normalbürger steht allerdings schlecht da. Ohne Verbindungen und mangels eines persönlichen Beschaffungsamts hat er keinen Zugriff auf Schutzmasken.
Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, rät dazu, sich im Zweifelsfall selbst eine Maske zu basteln. Ein Anleitung dazu finden Sie hier.

Viele Menschen haben aber nicht die Zeit, das Material oder einfach keine Lust solche „Mund und Nasenmasken“ – wie sie mangels medizinischer Zertifizierung genannt werden müssen – selbst zu fertigen. Deutschlandweit treten deshalb verschiedene Firmen auf den Plan, um auch leistungsfähige Masken herzustellen oder zu vertreiben, so zum Beispiel die Albstädter Firma Preppo.

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Kommentare ( 125 )

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Ulrich
1 Jahr her

@R.J. „Herr Püschel argumentiert auf der Basis von 19 Patienten, das nehme ich nicht ernst. … Ohne Vorerkrankung würden sie vermutlich nicht an der Infektion sterben.“ Wo ist jetzt Ihr Problem? Etwas anders hat er auch nicht gesagt. Zur Erinnerung: „Das Virus sei in diesen Fällen der letzte Tropfen gewesen, der das Fass zum Überlaufen gebracht habe.“

R.J.
1 Jahr her
Antworten an  Ulrich

Damit sind sie am Virus gestorben.

Waehler 21
1 Jahr her

Das „Beschaffungsamt“ des BMI arbeitet auf Weisung des Ministers. Es ist auch dafür zuständig eventuelle Kritik für den Minister „einzustecken“.
Aber wie es im Leben eben so ist, dringt jemand ( hier ein Produzent) nicht mit seinem Angebot durch, schreit er Zeter und Mordio! Das angebotene Produkt sollte erst mal geprüft werden bevor es teuer eingekauft wird.
Was aber eigentlich aus organisatorischen Gründen vernünftig gewesen wäre, wäre,wenn man einen zentralen Knoten geschaffen hätte, von dem alle Anfragen, Ideen an die zuständige Stelle weitergeleitet worden wäre. War früher so.

Karl Heinz Muttersohn
1 Jahr her

Bitte schicken sie ihre selbstgenähte Schutzmaske ans Auswärtige Amt. Der dort herrschende Minister mag zwar nicht die hellste Kerze auf der Torte sein, er findet aber sicher jemand in der Welt, dem er die Masken schenken kann.

Hugo Treppner
1 Jahr her

Eine FFP 3 Maske ist ein billiges Einmalprodukt, das 99% der Partikel unter 0.6 millionstel Meter filtert. Diese Masken können beim Umgang mit SARS Infizierten getragen werden ohne sich anzustecken. Man stelle sich vor, es gäbe keine Tampons mehr und den Frauen würde empfohlen diese nach der Anwendung zu waschen und anschließend im Backofen zu trocknen. Genau das machen jetzt täglich tausende von Altenpflegerinnen mit dem Wegwerfprodukt zertifizierte Schutzmaske. Mit Goretex Material lassen sich auch FFP 2 oder FFP 3 Masken herstellen, die bis zu 40 Mal industriel gereinigt werden können. Vor 30 Jahren hätte die Textilindustrie solche Masken in… Mehr

Kristina
1 Jahr her

In Einrichtungen in MV sollen infizierte Asylbewerber sich wiederholt nicht an die Ausgangssperren gehalten haben und teilweise tagelang verschwunden sein. In einem anderen Fall wurden Banden gebildet und Drogenparties gefeiert. Mitarbeiter erhoben schwere Vorwürfe, dass die Vorfälle vertuscht werden sollten. Schon vor der Coronakrise sollen die auffälligen Bewohner keine großen Sanktionen erfahren haben. Die zuständigen Behörden streiten alles ab, die Vorwürfe seien haltlos.

Ben Goldstein
1 Jahr her

„oder haben wir alle jetzt die notwendige Ausrüstung zuhause mit dem man den Schnorchel fachgerecht desinfizieren kann? “
Ja, die Waschmachine. Wenn der „Rotz“ nicht zu viel ist, tut es auch das Bügeleisen. Sie müssen es auch nicht bei Gluthitze waschen. Die Temperatur ist wurscht, wenn sie Waschmittel benutzen.

Peter Pascht
1 Jahr her

Man kann diese Kakophonie (=wirres durcheinander Singen) des Unverstandes von all den Beteiligten, Politikern, Experten, RKI, nicht mehr hören uns lesen, das ist besser so, denn es verwirrt nur ungemein. Jeder der seine persönliche willkürliche Meinung äußern darf posaunt diese in die Welt, wobei jeder seine eigne Meinung zum Besten gibt, ohne jegliche Begründung oder Rechtfertigung zu nennen. Letztendlich gegenteilige Meinungen und es zeigt sich, keine stimmt wirklich. Entscheidung werden aus dem Bauch heraus auf solche Aussagen gestützt. So sind auch alle Entscheidungen im Kanzleramt aus dem Bauch heraus. Gemäß den bekannten Zahlen wird die jetzige Epidemie in Deutschland (abgesehen… Mehr

Jochen K.
1 Jahr her

Frag Ärzte, die was davon verstehen: Atemmasken nützen höchsten, wenn sie jemand trägt, der infiziert ist UND Symptome zeigt – also hustet und niest, andere vor sich selbst schützen, sich aber dennoch nicht einsperren lassen möchte, was ja bei einer „normalen“ Grippe, die die gleichen Symptome hervorruft, aber jährlich wesentlich mehr Todesopfer fordert als Corona, auch niemand verlangt.

R.J.
1 Jahr her
Antworten an  Jochen K.

In der Klinik trägt man MNM, sowohl um sich selbst zu schützen (v.a. infektiöse Patienten), als auch um andere zu schützen (v.a. OP und andere Eingriffe). Tröpfchen einer Größe, die relevant sind, entstehen sogar beim Sprechen, und infektiös ist man vor dem Auftreten von Symptomen. Es geht nicht um den perfekten Schutz, sondern darum, das mittlere Ansteckungsrisiko bei den relevanten Kontakten signifikant zu vermindern. Und solche Kontakte kommen jederzeit vor, selbst wenn sie die Minderzahl der Kontakte sind. Ich habe die Auslassungen der „Ärzte, die was davon verstehen“ (und ggf. ohne Änderung der Datenlage ihre Meinung ändern) nie ernstgenommen, nicht… Mehr

oHenri
1 Jahr her
Antworten an  Jochen K.

Es ist eine der grossen Lügen dieser Zeit, dass Atemmasken nicht vor Infektionen schützen sollen.
Das tun sie aber sehr wohl.
Nicht 100%, bei weitem nicht, aber es ist wie mit dem Regenschirm: die gebrauchen wir ja auch, obwohl wir bei Starkregen dennoch nasse Füsse bekommen.

Ben Goldstein
1 Jahr her
Antworten an  Jochen K.

Nein, sie versprühen auch beim Reden Tröpfchen, die infektiös sind.

chino15
1 Jahr her

Laut Deutscher Welle (auch bei Achgut zu finden) hat(te) AfD-MdB Hampel über einen Geschäftsfreund in Hongkong die Möglichkeit, 50 Millionen Mund-Nasen-Masken zu beschaffen. Er leitete das Angebot schriftlich an das Bundeskanzleramt weiter, erhielt aber auch nach zweimaliger telefonischer Nachfrage keine Antwort. Genießt etwa im Kanzleramt die AfD-Ausgrenzung eine höhere Priorität als unsere Gesundheit?

Waehler 21
1 Jahr her
Antworten an  chino15

Solange man die Regierung nicht fragt, was sie sich dabei gedacht hat bzw. ob der Sachverhalt richtig wiedergegeben wurde, bleibt alles wieder nur das Geblubber in einer Meinungsblase und ist für die Wiederwahl der Regierung nicht relevant. Warum fragt denn die AFD nicht schriftlich an? Die sitzen doch im Bundestag und die Regierung muß antworten! So geht OPPOSITION!

Biskaborn
1 Jahr her

Berlin, Asylbewerber greifen Polizisten an, zum Dank lassen wir sie auch in dieser für das Land kritischen Zeit ungehindert hereinspazieren. Wie kaputt sind diese Regierung und ihre Unterstützer? Weiterer Kommentar eigentlich überflüssig. Jetzt dürfen wie auf ein Abflauen des Corona Themas hoffen, dann holt Deutschland endlich alle Migranten von den griechischen Inseln und die an der Grenze zu Griechenland gleich mit. Die anderen EU Länder werden sich schütteln vor Lachen.