Corona: Ein kurzer Ländervergleich

Wenn man die Fallzahl-Statistiken von Italien und Spanien vergleicht, erklärt sich, warum auch in Spanien eine Ausgangsperre verhängt wurde.

imago images / ZUMA Wire

Am vergangenen Samstag wurden in Spanien Ausgangssperren verhängt. Die Zahlen rechtfertigen diesen Schritt auf den ersten Blick nicht, hat Spanien doch weit weniger Erkrankte als Italien (fast 25.000 Fälle), ist in der Größenordnung (an die 8.000 Erkrankte) näher an Deutschland (gegen 6.000 Fälle). Ein genauerer Blick auf die Statistiken ändert dies jedoch.

Betrachtet man jedoch die Fallzahlen pro hunderttausend Einwohnern, so bietet sich ein ganz anderes Bild. Hier verlaufen Frankreich und Deutschland mehr oder weniger parallel, doch die spanische Linie (rot) steigt seit knapp einer Woche rasant an.

Interessant ist dabei, dass in Spanien schon ähnlich lang wie in Italien Coronafälle bekannt sind: Spanien tritt in der WHO-Statistik zu Corona am 01. Februar mit einem Erkrankten auf. Italien erscheint zum ersten Mal am 31. Januar in der Statistik – mit zwei Fällen. In Italien sind die ersten Todesfälle im Zusammenhang mit Corona für den 25. Februar verzeichnet. Für Spanien musste die Statistik korrigiert werden. Dort wurden am 6. März die ersten Fälle verzeichnet, doch eine nachträgliche Obduktion ergab, dass schon am 13. Februar ein Mann in Spanien an Corona verstarb.

Doch in Italien breitete sich das Virus rasant aus, während Spanien es lange zurückhalten konnte.

Spanien hat mittlerweile weitgehende Ausgangssperren verhängt. Ein Blick auf eine dritte Graphik zeigt auch warum.

Diese Graphik zeigt die Fall-Kurven für Deutschland, Frankreich und Spanien um fünf Tage vorgezogen. Nimmt man an, dass die Fallzahlen weiterhin ähnlich schnell steigen werden, so ergibt sich ein erschreckendes Bild für Spanien: Bald könnten dort italienische Zustände herrschen. So hat Spanien schon die Fallzahlen pro hunderttausend Einwohner, die den italienischen Zahlen von vor fünf Tagen sehr ähneln. Wenn es ähnlich weitergeht, wird Spanien Italien hier möglicherweise bald überholen. Es gilt zu bedenken: Da das Coronavirus eine Inkubationszeit von mehreren Tagen hat, dauert es mindestens so lange, bis sich Eindämmungs-Maßnahmen wie Ausgangssperren auf die Fallzahlen auswirken.

Interessant ist auch, das Frankreich und Deutschland momentan vergleichsweise parallel verlaufen, wobei Deutschland noch die niedrigsten Fallzahlen pro 100.000 Einwohner hat.

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Kommentare ( 20 )

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Aufgewachter
7 Monate her

Es war zu lesen, dass Coronaviren bei wärmeren Wetter in deren Ausbreitung gehindert werden, scheint nicht der Fall zu sein, siehe auch Iran.

Hannibal Murkle
7 Monate her

Heute hörte ich in den TV-Nachrichten, man plane eine Grundgesetz-Änderung, um mit Notstandgesetzen ohne Parlament regieren zu können – sollten da nicht sämtliche Alarmglocken klingen?

Bei den Schliessungen und Grenzsperrungen fühle ich mich wie in Polen in den Tagen nach dem 13.12.1981 – kommunistischer Kriegsrecht-Zustand. Das alles ist aber unnötig – vernünftiges Vorgehen sollte nach Risikogruppen differenzieren:

https://www.welt.de/wirtschaft/article206586337/Coronavirus-Kontrollierte-Infizierung-ist-die-beste-Strategie.html

Michael_M
7 Monate her

die fallzahlen der infizierten in dt entsprechen nahezu dem verlauf in italien, nur um Ca 8 tage versetzt.
was, auch hier, nicht berichtet wird, ist der fakt, dass die geringe anzahl der todesfälle in deutschland in folge corona eine statistische unmöglichkeit ist

Hannibal Murkle
7 Monate her
Antworten an  Michael_M

Eher umgekehrt – ich habe gelesen, dass die Italiener alle zählen, die mit beliebig vielen schweren Erkrankungen gestorben sind und auch Corona hatten. Viele hatten derart geschwächte Organismen, dass sie auch an einer Grippe oder anderer sonst ungefährlicher Krankheit sterben könnten – jetzt zählen sie als Corona-Tote.

Bei den Todesfällen in Deutschland (soweit die Meden Details nannten) handelt sich ebenso um alte Leute mit Vorerkrankungen.

Queensland
7 Monate her
Antworten an  Michael_M

Ich würde in Italien eher eine hohe Dunkelziffer an Infizierten vermuten, die wenig Beschwerden haben und daher nicht getestet werden und so die Sterbestatistik verzerren. Hinzu kommt, dass wg. Überlastung nicht mehr alle kritischen Fälle versorgt werden können und sterben. Drosten hat behauptet – das ist aber schon paar Tage her – dass Schland beim Testen recht gut und somit die (bisherigen) wenigen Sterbefälle zu einer recht realistischen Sterberate führen. Allerdings bezweifle ich, dass das bei dem derzeitigen exponentiellen Wachstum in drei Wochen auch noch so „gut“ aussieht. Deutschlands Intensivbetten stehen ja nicht leer.

Kalmus
7 Monate her

Spanien und Italien, Küsschen links, rechts, links. Und bei uns auch immer mehr Mode. Gewesen, denke ich. Im Ernst, ich sehe einen Zusammenhang zwischen dem Abküssen und den Fallzahlen. Wenn der Spuk vorbei ist, sollten wir uns wieder mit einem kräftigen Händedruck begrüßen. Wenn die zwei sich einig sind.

Eloman
7 Monate her

Es werden eh nur Getestete gezählt. Wer viel testet hat automatisch mehr Fälle. In Deutschland wird nach wie vor nur getestet, wer Symptome hat oder aus einem definierten Risikogebiet eingereist ist. Und diese Tests sind auch nur Momentaufnahmen.

Roland Mueller
7 Monate her

In Deutschland steigen die Fallzahlen überaus rasant an. Zur Erinnerung. Am Samstag war noch von etwas mehr als 4.000 Fällen die Rede. Heute sind es schon über 6.000. Also eine Steigerung von fünfzig Prozent innerhalb von zwei Tagen. Da kann nicht einmal Italien Schritt halten.

NinMV
7 Monate her

Lt.einer EU Ländervergleichsgraphik ist der Stand für Deutschland knapp 6000 nachgewiesen Infizierte.

Gerro Medicus
7 Monate her

Wenn man den Zahlen aus Deutschland und Frankreich nur trauen könnte… Frankreich hat aus Gründen der anstehenden Wahlen sicherlich die Zahlen absichtlich niedrig kommuniziert, um die Wähler nicht zu „verunsichern“ und vom Urnengang abzuhalten, was den „Rechten“ nützen könnte (Linke sind nämlich Feiglinge und Angsthasen), Deutschland tut dies, um das Versagen der Merkel-Regierung nicht so offensichtlich werden zu lassen, die lieber Integrations-Gipfel abhält und sich um den weiteren Import von Migranten kümmert, als etwas zum Schutz der eigenen Bevölkerung zu tun. Eine von Statistikern ausgeführte Analyse der Infektionszahlen und Todesraten im Ländervergleich zeigt, dass ausgerechnet Deutschland ungewöhnlich niedrige Todesraten ausweist.… Mehr

leonaphta
7 Monate her
Antworten an  Gerro Medicus

Sie haben völlig recht, Herr Medicus, ich verweise darauf, daß erstens die Grenzen nicht geschlossen sind, wie auch aus einer Pressemitteilung des Innenministeriums hervorgeht, dessen Sprecher um 12 Uhr mitteilte, „wir haben keine Grenzen geschlossen“, es sei ihm wichtig (!!!!). **

Montesquieu
7 Monate her

Ergänzend; Danke für die Darstellung der Fallzahlen bezogen auf 100 000 Einwohner, dass macht das Geschehen wesentlich transparenter.

Montesquieu
7 Monate her

Eine kleine Vignette zum Thema gesellschaftliche Solidarität: eine Patientin von mir arbeitet in einer Kindertagesstätte, die für die Betreuung von Kindern „systemkritischer“ Berufstätiger vorgesehen ist.
Heute morgen hat sich eine große Zahl von Mitarbeiterinnen dort krankgemeldet. Die inoffizielle (und ehrliche) Begründung gegenüber meiner Patientin war, man wolle sich nicht anstecken, außerdem müssten die Lehrer ja auch nicht arbeiten.
Deutschland ist wie ein Pilz befallener Baum. Bohrt man durch die Borke, kommen nur noch Krümel.
Jahrzehntelange Zerstörung gesellschaftlicher Kohärenz bleibt halt nicht ohne Folgen. Diversität und ideologische Polarisierung töten.