CDU-Parteitag wird möglicherweise wieder verschoben

Die CDU-Führung will am Montag diskutieren, wann die Vorsitzenden-Wahl stattfinden soll. Ein virtueller Parteitag könnte manches Kalkül durcheinanderbringen.

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Die Bundesgeschäftsstelle der CDU im Konrad-Adenauer-Haus in Berlin

Der CDU-Partei zur Wahl eines neuen Vorsitzenden wird möglicherweise ein zweites Mal verschoben. Ursprünglich sollte er im Frühjahr stattfinden. Noch steht jetzt der 4. Dezember 2020 als neuer Termin. Doch der ist angesichts der steigenden Corona-Infektionszahlen fraglich. Bei der CDU-Präsidiumssitzung am kommenden Montag „wird darüber gesprochen werden“, so eine Parteisprecherin auf Anfrage von TE. Sie könne aber noch nicht sagen, ob auch ein Beschluss fallen soll: „Wir hängen hier alle in der Luft, was den Parteitag angeht.“

Der Parteikonvent war nötig geworden, nachdem die Noch-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer im Februar ihren Rücktritt erklärte. Seitdem führt sie die Partei auf Abruf. Von den drei Bewerbern um die Nachfolge gilt NRW-Ministerpräsident Armin Laschet als aussichtsreichster Kandidat. Friedrich Merz und der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen bewerben sich ebenfalls. Der an Covid-19 erkrankte Gesundheitsminister Jens Spahn will für den stellvertretenden Vorsitz kandidieren.

Virtuell ist kungeln schwieriger
Merz sagte am Donnerstag, er bestehe darauf, dass der Parteitag noch in diesem Jahr stattfinde. Ein hochrangiger Unionspolitiker meinte dagegen im Gespräch mit TE, er könne sich nicht vorstellen, „dass die Partei in dieser Lage ein Superspreader-Ereignis durchführt“ – in einer Zeit, in der Politiker selbst die Teilnehmerzahl privater Feiern begrenzen und dazu auffordern, Reisen möglichst zu unterlassen. Zu einem CDU-Parteitag kommen 1.001 Delegierte und normalerweise etwa 3.000 Mitarbeiter, Journalisten und Gäste zusammen. 

Ob auch ein virtueller Parteitag nach der Satzung möglich wäre, konnte die Parteisprecherin auf Anfrage von TE nicht sagen. Selbst wenn die Kür eines neuen Vorsitzenden formal auch virtuell möglich sei, dürfte das Interesse an einem solchen Verfahren vor allem bei Armin Laschet sehr gering sein. Denn bei Wahlparteitagen fallen die wichtigen Entscheidungen erfahrungsgemäß nicht im Saal, sondern in kleinen Runden. Bei drei Kandidaten sind zwei Wahlgänge sehr wahrscheinlich. In der Pause zwischen dem ersten und dem zweiten Durchgang versuchen die verbliebenen Anwärter, möglichst viele Anhänger des ausgeschiedenen Dritten auf ihre Seite zu ziehen – im kleinen Kreis jenseits der Mikrofone. Das ist umso wahrscheinlicher, als alle drei Kandidaten aus dem gleichen Landesverband stammen. Diese taktischen Operationen lassen sich kaum virtuell bewerkstelligen. 

Merz, der über kein großes innerparteiliches Netzwerk verfügt und kein Mandat innehat, könnte aus diesen Gründen von einem virtuellen Konvent profitieren – denn dann käme es viel stärker auf die Bewerbungsrede an.  

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Kommentare ( 33 )

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Takeda
1 Monat her

Halten wir fest. Der CDU Wähler, ja sogar der Kern der CDU Mitglieder wollen Merz. Merkel und ihre ebenfalls mittlerweile Links-Grüne Klatschvieh Entourage wollen Laschet.

Der Gewinner wird Laschet heißen. Das ist Demokratie! Zumindestens, sagt man das gerne in autokratischen Ländern.

Babylon
1 Monat her
Antworten an  Takeda

Mit Laschet, der nicht aussieht wie ein kommender Kanzler, kann Merkel bessere Absprachen treffen wie mit Merz.
Verschiebung des Parteitages von Dezember bis weit in das nächste Jahr, vertagt die Machtfrage in der CDU. Das liegt sowohl im Interesse der Kanzlerin als auch ihres Gefolgsmannes Laschet.
Corona ist nur ein vorgeschobener Grund. Man kann den Parteitag entweder aufteilen in verschiedenen Hallen oder in einem überdachten Fußballstadion mit breiter Abstandshaltung tagen.

R. Rabenstein
1 Monat her

Warum nicht das in der CDU praktiziertes Verfahren anwenden. Merkel schlägt ihren Wunschkandidaten vor, die 1000 rückgratlosen Dauerklatscher stimmen -telefonisch – widerspruchslos zu. Die wenigen kritischen Stimmen werden mit gut dotierten Posten „belohnt „; die gesteuerten Medien überschlagen sich vor Lob über die Weitsicht dieser BK. Sollte, was bei dieser degenerierten Partei nicht zu erwarten ist, ein kompetenter Kandidat mit Rückgrat und Format auftauchen und gewinnen, wird die Wahl für ungültig erklärt und so lange wiederholt bis das Ergebnis passt.
Also keinen Parteitag, bleibt bei euren Intrigen , darin seit ihr Meister.

m braun
1 Monat her

Gerne können sich natürlich auch Mitglieder der Linken, Grünen und der SPD zur Wahl stellen. Sonstige Voraussetzungen: keine

Schweigender Gast
1 Monat her

Die CDU trägt die Hauptschuld an jedem einzelnen Problem, das unser Land gerade hat. Sie bekämpft seit einigen Jahren ihr ehemaliges Mündel, nämlich die bürgerliche Familie und damit den Kern unseres Staates. Jeder Politiker, der trotzdem noch Mitglied dieser Partei ist, unterstützt diesen Kampf. Damit ist es völlig egal, wer neuer CDU-Kanzlerkandidat wird und ob es überhaupt einen neuen geben wird.

Schweigender Gast
1 Monat her

Die CDU trägt die Hauptschuld an jedem einzelnen Problem, das unser Land gerade hat. Sie bekämpft seit einigen Jahren ihren ehemaligen Mündel, nämlich die bürgerliche Familie und damit den Kern unseres Staates. Jeder Politiker, der trotzdem noch Mitglied dieser Partei ist, unterstützt diesen Kampf. Damit ist es völlig egal, wer neuer CDU-Kanzlerkandidat wird und ob es überhaupt einen neuen geben wird.

Silverager
1 Monat her

Frau Merkel könnte doch einfach einen neuen Vorsitzenden ernennen.
Die Partei würde 12 Minuten frenetisch Beifall klatschen.

Gabi
1 Monat her

Was meinen die lieben Tichy-Mitforisten: Ich gehe davon aus, dass Frau Dr. Merkel es schaffen wird, Herrn Laschet als Vorsitzenden der CDU durchzubekommen. Laschet ist ihr Wunschkandidat. Da ändert sich nur das Geschlecht, aber nicht die Politik. Eigentlich ist so ein Wahlgedöns, um den Vorsitzenden zu bestimmen, doch gar nicht nötig.

imapact
1 Monat her

Wie gut, daß es Corona gibt. Jedenfalls für die CDU, der es den geeigneten Vorwand liefert, über den erbärmlichen Zustand dieser Partei hinwegzutäuschen. Man schaue sich einmal die drei Schlüsselämter einer Partei bei der CDU an: Fraktionsvorsitz: was war das für ein Sensation, als damals eben nicht Merkels Wunschkandidat Kauder wiedergewählt wurde, sondern die Fraktion sich erdreistete, einen anderen zu küren. Manche munkelten gar von Palastrevolution und Merkeldämmerung. Ergebnis: man muß schon zweimal nachdenken, bevor man auf den Namen des Fraktionsvorsitzenden kommt, so geräuschlos hat er sich in den Ja-Sager-Verein eingereiht. Generalsekretär: der Job ging an den ehemaligen JU-Vorsitzenden Ziemiak,… Mehr

Emsfranke
1 Monat her

Hat sich schon mal irgendjemand darüber gewundert, wie auffallend ruhig es um Merkels Schoßhündchen aus Schleswig Holstein geworden ist?

Sonny
1 Monat her

Das eigentliche Problem ist nicht, ob, wann und wie dieser Parteitag stattfindet, sondern das zur Verfügung stehende Personal.