Bundestag 2017: der Kampf um den 3. Platz

Da die AfD in die infragestehenden Landtage einzieht, beginnt die Wiedergewinnung der an sie verlorenen Wähler durch Übernahme von AfD-Positionen bei CDU und SPD am 14. März. Im Sommer 2016 werden wir den von 2015 nicht wiedererkennen und uns die Augen reiben, wenn wir die Worte derselben Personen des öffentlichen Lebens im Jahresabstand vergleichen.

Wer das Rennen um den dritten Platz im Deutschen Bundestag macht, können uns die aktuellen Messdaten am politischen Puls der Deutschen nicht sagen. Aber das drei um den dritten Platz streiten, steht fest. Dass die FDP in dieser Liga mitmischt, ist unwahrscheinlich. Ob sich ALFA als serlöse Alternative zur AfD in Stellung bringen kann, lässt sich nicht erkennen.

Der Zulauf der AfD kommt vor allem von den Nichtwählern, dann erst von Union und SPD. Was an früheren FDP-Wählern bei der AfD gelandet ist, hat diesen Weg schon nach dem Scheitern zum Bundestag genommen – mit und ohne vorher bei der Union zu parken. Schnittmengen gibt es zwischen Anhängern der Linkspartei und der AfD. Wir werden einen Wettbewerb der lauten Parolen zwischen den beiden erleben. Gegen EU, gegen TTIP, gegen den Westen, gegen den Kapitalismus (auch Neoliberalismus genannt) beschreibt die Mindestmenge an Gemeinsamkeiten – mehr sind möglich.

Zwei lahme Enten im Wahlkampf
Tilt game over: Gabriel Merkel und die CDSPUD
AfD und Linkspartei konkurrieren in einem zahlenmäßig durchaus interessanten Bereich, wer da mehr holt, kann den anderen überflügeln. Die Grünen müssen auf Halten setzen, im Bereich Nichtwähler dürfte für sie keine Reserve liegen. Wer jetzt noch von CDU und SPD weggeht oder aus dem Zwischenlager Nichtwähler auftaucht, geht zur AfD – wenn die FDP es richtig anstellte (oder ALFA), auch zu ihr. (War Lindner gegen Jäger im NRW-Landtag gestern eine Ausnahme oder ein neuer Ton?) Über große Wählermengen sprechen wir hier nicht. Aber bei den Kleinen an der 5-%-Hürde sind auch kleine Zahlen entscheidend.

Ein Szenario mit AfD, Grünen und Linkspartei um je 10 Prozent ist realistisch. Nehmen wir einmal an, FDP und ALFA kämen zusammen auch auf 10. Kalkulieren wir 5% Sonstige. Dann bleiben für Union (eher über 35) plus SPD (eher unter 25) um die 60 %: an den Zahlen der Bundestagsparteien hat sich demoskopisch seit Dezember fast nichts getan. Das signalisiert zweierlei: Die AfD-Zuwächse kommen offensichtlich überwiegend von den Nichtwählern. Und: Die große Koalition geht weiter.

Hätte die AfD einen Wunschzettel ausfüllen dürfen, was in der deutschen Welt politisch geschieht und wie die Sichtbaren in Politik, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Organisationen, Kirchen und Meinungsführer-Medien damit umgehen, wäre das tatsächliche Geschehen dem wohl recht nahegekommen: Es treibt der AfD die Wähler zu. Sie braucht gar keinen Wahlkampf zu machen. Den machen ihre Gegner für sie.

Bis zum Wahltag 13. März können Merkel und Co das gar nicht mehr ändern. Was immer sie tun, vor Jahresmitte kann nichts davon wirken. Und ihren Ankündigungen allein glauben die meisten Leute nicht mehr. Da die AfD in die infragestehenden Landtage einzieht, beginnt die Wiedergewinnung der an sie verlorenen Wähler durch Übernahme von AfD-Positionen bei CDU und SPD am 14. März. Im Sommer 2016 werden wir den von 2015 nicht wiedererkennen – und uns die Augen reiben, wenn wir die Worte derselben Personen des öffentlichen Lebens im Jahresabstand vergleichen.

Bleibt nur zu hoffen und zu beten, dass unter den Handelnden die Handvoll zusammenkommt, die für einen vernünftigen Neuanfang nötig sind – mehr braucht es nicht. Die Zeit für eine Bewegung der Freiheit ist gekommen – Bewegung, nicht Partei, denn die würde auch nichts bewegen. Die Kräfte dafür sind in der Gesellschaft reichlich vorhanden. Entfalten können sie sich nur selbst.

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