500 Euro mehr für alle Bundestagsabgeordneten

Sparen in der Krise? In Berlin findet das so nicht statt: Ab 1. Juli erhalten die 630 Mitglieder des Bundestages mehr Geld - die Bezüge der Abgeordneten steigen um 4,2 Prozent oder um 497 Euro - und somit erstmals auf über 12.000 Euro.

IMAGO

Das Ausmaß der Erhöhung ergibt sich aus dem sogenannten Nominallohnindex, den das Statistische Bundesamt regelmäßig veröffentlicht. Seit einer Reform im Jahr 2014 sind die Diäten der Bundestagsabgeordneten direkt an diese allgemeine Lohnentwicklung gekoppelt. Steigen die Durchschnittslöhne in Deutschland, steigen entsprechend auch die Bezüge der Parlamentarier.

Bislang lag die monatliche Entschädigung bei 11.833,47 Euro, ab Juli erhöht sie sich auf 12.330 Euro. Damit überschreiten die Abgeordnetenbezüge erstmals dauerhaft die Marke von 12.000 Euro im Monat.

Eine gesonderte Abstimmung im Parlament ist für diese Anpassung nicht erforderlich: Zu Beginn der laufenden Legislaturperiode hatten die Abgeordneten beschlossen, die automatische Kopplung für die gesamte Mandatsdauer beizubehalten. Die jeweilige Bundestagspräsidentin oder der Bundestagspräsident veröffentlicht die neue Höhe lediglich formal als Drucksache – danach tritt die Anpassung in Kraft.

Dritte kräftige Anhebung seit 2022

Die jetzt anstehende Erhöhung ist nicht die erste deutliche Anpassung in den vergangenen Jahren. Bereits 2023 waren die Diäten um sechs Prozent gestiegen, im Jahr darauf folgte ein weiteres Plus von 5,4 Prozent. Zusammengenommen ergibt sich damit innerhalb von drei Jahren eine doch sehr spürbare Steigerung der Bezüge.

Befürworter der automatischen Regelung verweisen darauf, dass die Kopplung an die allgemeine Lohnentwicklung Transparenz schaffe und politische Debatten über einzelne Erhöhungen vermeide. Kritiker hingegen sehen insbesondere in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit oder steigender Lebenshaltungskosten eine Sensibilität bei der Frage, wie stark die Einkommen von Mandatsträgern steigen sollten.

Klöckners Bezug steigt auf 24.661 Euro

Von der Erhöhung profitieren auch die Mitglieder des Bundestagspräsidiums: Julia Klöckner (CDU) erhält neben ihrer regulären Abgeordnetenentschädigung eine zusätzliche Amtszulage in Höhe einer weiteren Diät. Durch die Anpassung steigen ihre monatlichen Bezüge von bisher 23.666,94 Euro um 994 Euro auf künftig etwa 24.661 Euro.

Auch die Stellvertreter der Bundestagspräsidentin erhalten eine zusätzliche Vergütung – in ihrem Fall eine halbe Diät als Amtsgehalt. Ihre monatlichen Bezüge erhöhen sich dadurch auf 18.496 Euro, nachdem sie bislang bei 17.750 Euro lagen.

Folgen für die Altersversorgung

Die Anpassung wirkt sich nicht nur auf das aktuelle Einkommen aus, sondern auch auf die spätere Altersversorgung der Abgeordneten. Für jedes Jahr im Mandat erwerben Bundestagsmitglieder einen Pensionsanspruch in Höhe von 2,5 Prozent der jeweils gültigen Diät. Nach einer vollständigen Legislaturperiode von vier Jahren entspricht das zehn Prozent der aktuellen Abgeordnetenbezüge.

Mit der nun beschlossenen Erhöhung steigt damit auch der Pensionsanspruch. Nach vier Jahren Mandat erhöht sich die monatliche Altersversorgung von bislang 1.183 Euro auf 1.233 Euro. Dieser Anspruch wächst mit jedem weiteren Mandatsjahr entsprechend weiter an.

Zum Vergleich: Ein durchschnittlich verdienender Arbeitnehmer müsste 30 Jahre Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, um eine vergleichbare monatliche Rente zu erreichen. Allerdings unterliegen Abgeordnete während ihrer Mandatszeit nicht der gesetzlichen Rentenversicherung, sondern erwerben stattdessen Ansprüche über ein eigenes Versorgungssystem des Bundestages.

Österreich setzt Bezüge-Erhöhung aus

Die automatische Anpassung der Diäten soll politische Auseinandersetzungen über Gehaltserhöhungen reduzieren und die Bezüge nachvollziehbar an die allgemeine Einkommensentwicklung koppeln. Dennoch sorgen diese Erhöhungen der Bezüge für Diskussionen: Besonders in wirtschaftlich angespannten Zeiten ist die Frage berechtigt, ob das Einkommen von Abgeordneten in gleichem Maße steigen sollte wie die Durchschnittslöhne – oder ob nicht besser eine besondere Zurückhaltung der Politik angebracht wäre.

In Österreich wurden die Politiker-Bezüge zuletzt am 1. Jänner 2024 angepasst. Der Ausgangsbetrag stieg damals auf 10.351,39 Euro. Aufgrund mehrerer gesetzlicher Aussetzungen entfallen Anpassungen bis zum 31. Dezember 2026 für alle relevanten Funktionen einschließlich Nationalratsabgeordneter und Bundesminister. Die nächste mögliche Erhöhung ist in Österreich daher frühestens zum 1. Jänner 2027 zu erwarten, sofern keine weiteren Änderungen erfolgen.

Anzeige

Unterstützung
oder

Kommentare ( 27 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

27 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
Ceterum censeo Berolinem esse delendam
24 Tage her

Na Gott sei Dank den Fall in die Verelendung gerade nochmal knapp abgewendet. Die Tafeln nehmen nämlich derzeit keine neuen Kunden mehr auf.

Orlando M.
24 Tage her

Dafür sollen die Besserverdienenden unter den Steuerzahlern ab dem kommenden Jahr nach der größten aller Steuerreformen auch viel mehr verdienen, 178€ im Jahr, für mittlere Einkommen 100€ im Jahr…
Zynismus ist allerdings kein guter Ratgeber in der Politik und die wollen das unbedingt selber herausfinden.

Regenpfeifer
24 Tage her

Indianer vom Stamme der Nimm -alle zusammen, denn in schöner Einstimmigkeit von ganz links bis ganz recht und bar jedweder Brandmauern ist man sich hier über alle Parteien hinweg einig, dass die Kohle und die exorbitanten Penionsansprüche fleißig sprudeln müssen.

Sonny
24 Tage her

Unsere Mutter hat bei der letzten Rentenerhöhung ca. 7,- Euro mehr Rente im Monat erhalten. Da von einem Ausgleich zur Inflation zu sprechen, ist schon ziemlich zynisch.
Im Gegenzug rauben sich die einzelnen Abgeordneten von der Bevölkerung 500 Euro je Monat mehr.
Das alles ist so offenkundig unseriös und niederträchtig, dass einem die Spucke wegbleibt.

jansobieski
25 Tage her

Unverschämtheit, Masslosigkeit und moralische Verkommenheit, sind die Bezeichnungen, die einem dazu einfallen.b

Reinhard Peda
25 Tage her

„Seit einer Reform im Jahr 2014 sind die Diäten der Bundestagsabgeordneten direkt an diese allgemeine Lohnentwicklung gekoppelt. Steigen die Durchschnittslöhne in Deutschland, steigen entsprechend auch die Bezüge der Parlamentarier.
die Bezüge der Abgeordneten steigen um 4,2 Prozent“
Und die Renten steigen um:
Rentenerhöhung 2026 Tabelle & Fakten – 3,74 % mehr
Kein weiterer Kommentar notwendig, außer anders wählen, ihr Rentner und sonstige.

Dieter Rose
25 Tage her

An der Quelle saß der Knabe…oh sehe gerade, da war jemand schneller!

Last edited 25 Tage her by Dieter Rose
Raul Gutmann
25 Tage her

Unter den vielen gegenwärtigen gesellschaftspolitischen Schlagwörtern scheint „sparen“ ein Synonym für Einbußen der Beherrschten bei gleichzeitigen Mehrbezügen der Herrschenden zu sein.
Angesichts dieser Zustände sehnt man das Ancien Régime zurück.

Rob Roy
25 Tage her

Befürworter der automatischen Regelung verweisen darauf, dass die Kopplung an die allgemeine Lohnentwicklung Transparenz schaffe und politische Debatten über einzelne Erhöhungen vermeide.

Was für ein Strohmannargument ist das denn?
Es ist doch die Aufgabe des Parlaments, Debatten zu führen und dadurch erst Transparenz zu schaffen. Warum

Udo Zimmermann
25 Tage her

“ An der Quelle saß der Knabe , … „(Schiller).